Autor: admin

  • Schon wieder Madeira (Teil 4), das beste Foto dieser Reise

    Es wurde jetzt, Ende Januar, etwa halb Acht hell. Die morgendliche Warmduschzeit auf dem Campingplatz war eine Stunde von 9 – 10. Das war mir auf jeden Fall zu spät. Kalt duschen macht wenigstens munter und so kann man gut in den Tag starten. Heute stand „Fanal“, der Feenwald auf dem Programm. Dort erhoffte ich mir einige gute Schnappschüsse. Auf dem Weg dorthin kaufte ich noch etwas zu essen und bestaunte die Lavabecken und die Brandung in „Porto Moniz“ (die schaute ich mir immer wieder an wenn ich dort vorbei kam).

    Dann ging es ab in den Zauberwald 😉. Das neblige Wetter ließ die alten Bäume wirklich märchenhaft aussehen.

    Dieses kleine Wunder der Natur besteht aus über 1000 Jahre alten Lorbeerbäumen.  Sie stehen nicht sehr dicht, durch das häufig feuchte Wetter sind dazwischen saftige Wiesen. Das Gras wird selten höher als 3 cm, weil frei laufende Kühe es kurz halten.

    Ich bin in Bezug auf die Kühe zu einer Erkenntnis gekommen. Das sind alles verzauberte Prinzen, ich konnte es mit eigenen Augen sehen. Wenn man aufmerksam ist und sich ganz ruhig verhält, kann man die eine oder andere Fee entdecken. Hinter einem alten Lorbeerbaum versteckt, konnte ich selbst eine Fee mit ihrem Prinzen entdecken, sieh selbst.

    Ich kann euch nur raten, nehmt Euch in Acht vor diesen Wesen. Als er Ihr den Ring ansteckte wurde er für immer verzaubert. Ich denke dass es so gewesen sein könnte, ach was: ich bin mir sicher. Im Übrigen halte ich diese beiden Bilder für die gelungensten meiner Reise. Bei diesem wunderbaren Naturwunder kann man echt ins Schwärmen geraten.

    Als ich irgendwann ungezählte Fotos der Bäume hatte, wollte ich mir noch die Grotte mit den 25 Wasserfällen ansehen aber die aus allen Nähten platzenden Parkplätze hielten mich davon ab. So fuhr ich weiter nach „Calheta“ an der Südküste der Insel. Dort wollte ich ein paar Fotos der kleinen Eidechsen schießen, aber die Biester zeigten sich nicht. Ich kaufte dort noch ein und holte mir eine Kleinigkeit zum Mittag.

    Dann fuhr ich zurück auf den Campingplatz. Von dort aus waren es etwa 2 km auf der alten schmalen Küstenstraße durch einen kleinen Tunnel entlang bis zu dem kleinen Ferienhaus wo ich vor zwei Jahren das erste Mal eine Woche, gemeinsam mit meiner Frau, auf Madeira verbrachte. Entlang der alten Straße gibt es auch jede Menge Brandung zu bestaunen.

    An der alten Straße standen auch einige Angler, die direkt von oben in die Brandung hinein angelten. Es waren ganz simple Montagen, eine dicke Pose darunter vier Haken auf denen jeweils ein kräftiges Stück Weißbrot gesteckt wurde und dann wurde so weit geworfen wir es die Rute hergab. Ich sah auch prompt wie ein kräftiger Fisch, den ich nicht bestimmen konnte, gelandet wurde. Leider ist das Foto dazu ziemlich miserabel geworden.

    Weiter die Straße entlang wandernd kam ich immer wieder an Steinschlägen vorbei, die an dieser alten Straße nicht mehr weggeräumt werden. Dann gab es wieder einmal einen Wasserfall.

    Danach ging es wieder auf die neue Küstenstraße und ich konnte unser ehemaliges Feriendomizil in Augenschein nehmen.

    Beeindruckend auf Madeira ist nicht nur die tolle Natur, auch die in jüngerer Vergangenheit gebauten Straßentunnel- und Brücken, die die Insel verkehrstechnisch super erschließen. Dazu hier ein paar Zahlen des Ausbaus der Straßen VE1, VE2 und VE3:

    • 127 Tunnel
    • 80,7 km Gesamtlänge
    • 1990 – 2000 gebaut

    Dann ging es wieder zurück und ich erfreute mich ein weiteres Mal an der kräftigen Brandung.

    Zuletzt führte der Weg zurück durch einen der alten Straßentunnel.

    Es fing an zu dämmern, ich schrieb noch etwas an diesem Blog und dann ging es auch schon ins Bett.

  • Schon wieder Madeira (Teil 3) Nebel und Sonne

    Bei Beginn der Morgendämmerung war es immer noch recht neblig und kühl. Kurze Zeit später merkte man schon, dass die Sonne rauskommen wollte. Deswegen zog ich mich warm an und schaute mich draußen ein bisschen um. Ich kochte mir wie jeden Morgen Kaffee und bereitete das Frühstück vor.

    Die Madeirafinken kennen wahrscheinlich die morgendlichen Rituale von Touristen, denn sie fanden sich rechtzeitig und zahlreich ein. Ich gab ein wenig von meinem Porridge ab und versuchte sie zu fotografieren. Leider hatten sie mein ausgestreutes Futter nicht ernst genommen, so dass sie immer wieder auf der falschen Seite des Tisches saßen, von welcher sie nicht im besten Licht zu fotografieren waren.

    Beim Zusammenpacken nahm ich mir Zeit, fotografierte noch etwas, denn es war einfach herrlich die wärmen Strahlen der Sonne zu genießen. Der Morgentau wirkte zum Teil in der Sonne wie Raureif.

    Ich fuhr mit dem Auto zu (r, m?) „Boca da Encumeada“. Dort beginnt eine Levadawanderung die ich schon kannte. Nach ein paar hundert Metern kamen drei Tunnel und dazwischen Wasserfälle, die wollte ich fotografieren. Die Tunnel selbst sind zwischen 600 m und 2 km lang.

    Ich hatte meinen Stoffwechsel nicht genügend in den Blick genommen und so meldete sich mein Verdauungstrakt sehr fordernd. Keine Möglichkeit im Gebüsch zu verschwinden, der stachelige Ginster verhinderte das. Das Risiko von anderen Wanderern ertappt zu werden, ließ mich umdrehen. Am Startpunkt gab es eine Kneipe wo sich das dringend Notwendige mit dem Angenehmen verbinden ließ.

    Nach dem Essen nahm ich einen neuen Anlauf, allerdings suchte ich mir einen Weg zu einem anderen Wasserfall. Dieser war offiziell gesperrt, er war dennoch gut zu laufen, einige Gesteinsbrocken und ein Baum lagen dort herum. Der Wasserfall war nicht so spektakulär, hier auf Madeira ist man da verwöhnt, aber für ein paar Bilder hat es doch gereicht.

    Auf dem Rückweg fielen mir verkohlte Bäume auf. In den folgenden Tagen sah ich noch zahlreiche Stellen wo Brände dem Wald und auch großen Ginsterflächen zugesetzt hatten. Den Bäumen schien es nicht sehr geschadet zu haben, die Kronen waren noch grün. Kleinere Bäume und der Ginster hingegen waren dahin.

    Zurück am Auto überlegte ich, welchen Platz ich für die Nacht wählen sollte. Es war mir nicht nach Einsamkeit und so nahm ich den einzigen offiziellen Campingplatz der Insel, den „Parque der Campismo“ kurz vor „Porto Moniz“. Die Preise lagen immer noch, wie vor einem Jahr, bei 6 Euro pro Zelt und Nase.

    Nach dem Zeltaufbau gab es noch ein paar Fotos der an diesem Abend milden Atlantikdünung und nach dem Abendessen ging es ins Bett. Der Platz wurde mein Quartier für die nächsten fünf Nächte – Auto ist komfortabel, macht aber auch faul.

  • Schon wieder Madeira (Teil 2) Wie geht`s mit Auto?

    Zurück am Auto gab es nun mehrere Möglichkeiten, zumindest Zwei: entweder ich suche mir einen Zeltplatz und ich fahre hin oder ich suche mir einen Parkplatz und eine schöne Wanderung zu einem Zeltplatz. Nach meinen Erfahrungen auf der letzten Madeiratour war die Entscheidung nicht schwer. Falls Du die Geschichte zu dieser Tour nicht gelesen hast oder ich das nicht so deutlich beschrieben habe, will ich das hier noch einmal wiederholen.

    Die Zeltplätze auf Madeira gibt es nicht wirklich, es sind von der Regierung ausgewiesene Trekkingplätze. Diese können sehr unterschiedlich sein. Schlimmstenfalls gibt es eine nicht ganz ebene Fläche und eine Bank. Bestenfalls gibt es eine wunderbare Wiese, fließend Wasser, ein großes überdachtes Grillhaus wo man auch bei miesen Wetter sitzen kann, ein WC welches den Namen verdient, und zahlreiche Sitzgelegenheiten.

    Wenn man vorher noch nie dort war, weiß man halt nicht was kommt. Ich weiß ja nicht ob Du auch so ein Nerd bist, aber wenn ich dann irgendwo ankomme und es gefällt mir überhaupt nicht (und das hat nichts mit der Ausstattung zu tun), dann ist das schon doof und es kann mir total die Stimmung vermiesen. Deswegen entschied ich mich für Möglichkeit eins. Wenn mir der angesteuerte Platz nicht gefällt, fahre ich einfach zum Nächsten, eine kleine Wanderung findet sich auf Madeira überall. So suchte mir also einen Platz und fuhr dort hin. Zu den Plätzen führen fast immer Straßen, das macht die Sache einfach.

    Der eigentlich geplante Platz „Terreiros – Santa Cruz“ fiel schon einmal aus, weil dort auf der Straße gerade Asphalt neu eingebaut wurde. Das war laut und roch natürlich auch stark. Der nächste Platz „Cruzes de Baixo“ war nur ein paar hundert Meter weiter gelegen und war so… na ja. Er bestand aus einer großen Wiese, einigen Sitzgelegenheiten, war grundsätzlich schön und holte mich irgendwie doch nicht ab wie man das neudeutsch so sagt.

    Ich machte dort wenigstens meine Mittagspause, kochte mir was zu Essen und fuhr weiter nach „Chão das Feiteiras“. Der Platz gefiel mir sofort. Es gab zwar auch nur Wiese und Bänke (das Wasser funktionierte nicht), aber irgendwie war das mein Platz. Ein wunderbarer Blick zum Arreero, dem zweithöchsten Berg Madeiras, gab möglicherweise auch den Ausschlag.

    Vielleicht spielte auch das wunderbare Wetter eine Rolle. Die Sicht war jedenfalls so gut, dass ich erstmalig mit dem großen Teleobjektiv experimentierte.

    Es war erst zeitiger Nachmittag und deswegen suchte ich mir noch eine kleine Tour. In etwa 3 km Entfernung von meinem Standort war ein weiterer Trekkingplatz eingezeichnet. Den wollte ich mir auf jeden Fall ansehen, vielleicht war er sogar noch schöner als der, den ich gerade erreicht hatte und außerdem war dort ein Wasserfall eingezeichnet. Deswegen nahm ich mein ganzes Equipment mit, lies das Auto stehen und lief los.

    Die Landschaft war sehr weit und offen, es machte wirklich Spaß bei diesem tollen Wetter draußen zu sein. Ich tat etwas, was ich bei Familienwanderung immer zu vermeiden versuchte, ich begann die Wanderung Berg ab. Daran ließ sich allerdings nichts ändern denn der Zielpunkt lag nun einmal 400 m tiefer.

    Der Weg verlangte an einer Stelle links abzubiegen jetzt änderte sich die Landschaft, sie war nicht mehr offen sondern es ging durch den Wald, er führte in zahlreichen Serpentinen geradewegs Berg ab. Er endete auf einer Asphaltstraße wo auch gerade Bauarbeiten stattfanden, auch dort wurde gerade neuer Asphalt verlegt. Nach etwa 100 m bog der kleine Pfad wieder nach links ab und es ging erneut durch den Wald. Nach einigen hundert Metern erreichte ich den kleinen Biwakplatz. Er war wirklich winzig, nur eine kleine Lichtung und eine kleine Grillstelle, ein kleiner Bach floss in unmittelbarer Nähe vorbei.

    50 m weiter fand ich dann auch den Wasserfall. Leider kam ich nicht nahe genug heran um das Spektakel genau zu sehen, denn ein Teil des Wassers ergoß sich in großer Menge von links her, allerdings Intervallweise. Man kann es auf den beiden nachfolgenden Fotos erkennen

    Nach den Fotos ging es schon wieder auf den Rückweg. Das dauerte jetzt natürlich länger, es war natürlich die gleiche Entfernung, aber jetzt ging es stetig bergan.

    Am Auto angekommen begann ich mein Lager einzurichten und baute das Zelt auf. Es war gar nicht so einfach auf der großen, man kann schon sagen riesigen, Wiese einen Platz zu finden ein mal zwei Meter, der halbwegs gerade ist.

    Nach getaner Arbeit bereitete ich mir mein Abendessen, als es begann zu dämmern zog Nebel und Sprühregen auf und ich verzog mich relativ schnell ins Zelt. Noch ein bisschen gedöst, noch ein Stück Film geguckt, keinen Gefallen dran gefunden und schließlich alles weggelegt und schlafen gegangen. Mal sehen was der nächste Tag bringen wird.

  • Schon wieder Madeira (Teil 1) Ankunft und Start

    Ja Leute, wie kommt man auf die komische Idee nach zwei Monaten erneut eine Woche nach Madeira zu fliegen? Weil die alten weißen Männer, zu denen ich zweifellos gehöre, den Planeten an den Abgrund geführt haben dachte ich, auf die eine Reise mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an. Ja wenn alle so denken würden? Keine Ahnung, aber da wäre es hier auf Madeira ziemlich überfüllt.

    Wenn ich an die anderen Fluggäste denke, spielen aber auch sowohl alte weiße (in der Mehrheit gefärbte) Frauen als auch Familien mit Kleinkindern eine Rolle bei der Zerstörung des Planeten. Schade, die Story mit den alten weißen Männern ist wohl doch nicht die ganze Wahrheit.

    Tatsächlich war es natürlich ganz anders, Condor machte mir ein unwiderstehliches Angebot auf welches ich, als braver Konsument, einfach reingefallen bin. Außerdem fliegt Luisa Neubauer auch ständig durch die ganze Welt um das Klima zu retten, da dachte ich mir, ich mach da einfach mit, jede Unterstützung hilft.

    Am Donnerstag, dem 30.01.2025 ging es von Leipzig – Halle los. Ich wunderte mich etwas, dass die Crew auch aus alten weißen Stewards anstelle wunderbar geschminkten jungen Stewardessen bestand, das Alles hatte schon den Anschein eines Komplotts.

    Die Landung auf Madeira war sehr spannend. Der starke Wind aus Nordost, der uns eine Stunde Vorsprung verschafft hatte, wurde am Flughafen auf Madeira zu kräftigen Fallböen. Der Pilot musste ständig korrigieren weil die Turbulenzen bis zum Aufsetzen erheblich waren. Als er uns unmittelbar vor der Landung zweimal ermahnte dass auch ja alle angeschnallt seien sollten, wurde es relativ ruhig. Als wir dann aufgesetzt hatten gab es heftigen Applaus und er meldete sich erneut: „Habe ich da gerade eine gewisse Erleichterung in Ihrem Applaus gehört?“ und man konnte das Grinsen in seinem Gesicht direkt spüren. Ich war auch erleichtert, dass der Pilot eine weitere Verschmutzung der Weltmeere verhindern konnte. So viele Flugzeugteile an den Küsten Madeiras ist keine schöne Vorstellung.

    Um dem Planeten vollends den Rest zu geben, hatte ich bei der Autoverleihfirma „Madeira rent“ natürlich noch ein Auto bestellt. Bei dieser Firma hatte ich, als ich gemeinsam mit meiner Frau vor zwei Jahren hier auf Madeira unterwegs war, bereits schon einmal ein Auto gemietet. Es war irgendwie lustig, denn sie kamen mit der gleichen Masche wie damals um die Ecke. Ein größeres, stärker motorisiertes Auto würde die steilen Berge hier viel besser rauf kommen und das größere Auto würde mich nur 100 € mehr kosten.  Ich ließ mich ziemlich schnell bequatschen, denn schließlich bekommt man mit einem größeren Auto das Weltklima noch viel besser und schneller gerettet.

    Falls sich hier irgendjemand fragt, warum ich es ständig mit dem Weltklima habe, die Antwort ist ganz einfach: Ich habe hier beim Schreiben so ganz nebenbei ein Schlückchen Rotwein hintergekübelt, das hat meine Kreativität in besondere Bahnen gelenkt und meine philosophische Seite geweckt.. Ich glaube, wenn ich in meinem Leben mehr getrunken hätte, wäre glatt ein Schriftsteller aus mir geworden. Jetzt, wo die halbe Flasche leer ist und meine Gedanken müde werden, mache ich erstmal Schluss und schreibe morgen weiter.

    Da habe ich ganz schön viel geschwafelt und bin erst bis zur Abholung des Autos gekommen. Das kann ja noch dauern. Als erstes bin ich in den Supermarkt in der Nähe des Flughafens gefahren. Ich war unglaublich stolz, dass ich den Weg auf Anhieb gefunden habe. Hauptsächlich brauchte ich Wasser und nach Möglichkeit Brennstoff für einen Kocher. Gaskartuschen gab es zwar nicht, aber in der Grillabteilung fand ich eine Flasche Brenngel. Das war besser als nichts und es stellte sich als sehr brauchbar heraus. Nach dem Einkauf sollte es in Richtung „Canical“, an den östlichsten Zipfel Madeiras gehen, dort begann ich zwar schon die letzte Tour, aber der winzige Platz ist einfach schön und mit 4 km Wanderung bei knapp 400 Höhenmetern vom Parkplatz aus auch nicht zu anstrengend für den ersten Tag. Auch wegen der wunderbaren Sonnenauf- und Sonnenuntergänge sollte man ihn einmal besuchen. Diesmal blieb ich fast allein dort auf dem kleinen Platz, es kam nur eine Wanderin dazu.

    Der nächste Morgen begann mit schönstem Sonnenschein, so wie auch der vergangene Tag zu Ende ging. Ich stand schon mit Beginn der Morgendämmerung auf und testete mein neues Windlicht (mit Kultstatus) welches mir meine Kollegen zum 60. Geburtstag geschenkt hatten, das macht echt was her und trotzt tatsächlich dem Wind.

    Der östliche Teil Madeiras ist sehr kahl und nur mit wenigen Gräsern und einigen Blumen bewachsen. Die auf den Bildern zu sehenden Palmen sind die einzigen auf der Halbinsel. Jetzt, Ende Januar, ist es durch die Regenzeit recht grün. Die Küsten sind schroff und felsig, aber die Brandung ist auf der Südseite meist milder als auf der Nordseite.Das kleine Rondell auf dem dritten Bild ist der Biwakplatz.

    Ich konnte von diesem Zipfel sogar mein Leihauto auf dem Parkplatz sehen (nur mit dem Telepbjektiv, das einsame links stehende) und es bleibt es nicht aus, dass mit dem ersten Tageslicht auch die ersten Flugzeuge auftauchten, denn der Flughafen liegt an dieser Küstenseite.

    Am Morgen tauchte auch ein Fischerboot auf und ich konnte den Männern bei der Arbeit zuschauen.

    Das Zelt war abgebaut, die Sachen waren gepackt und es ging 4 km über diese karge Gegend zurück zum Parkplatz.

    Ich war mir noch nicht sicher wie ich diese Reise angehen würde, denn mit Trekkingausrüstung und Auto hat man doch mehr Möglichkeiten. Zumindest sah ich mir noch ein paar spektakuläre Felsen auf der nordöstlichen Seite an.

    Wie es weiter gegangen ist, erfährst Du im nächsten Teil der Geschichte.

  • (60.) Geburtstag einmal anders

    Die Geschichte meiner Geburtstagsreise, 21.11. – 28.11.2024 war noch nicht aufgeschrieben, als ich zwei Monate später eine zweite Reise nach Madeira unternommen habe. Was die „Körperfresser 2“ mit der Nacht vom 25. auf den 26. November, meinem Geburtstag, zu tun haben, werde ich hier an späterer Stelle noch berichten, habt Geduld.

    Am 21.11.2024 ging es vom Flughafen Leipzig-Halle los.

    Die Verbindung Leipzig – Madeira findet mit Condor immer Donnerstags statt, sowohl der Hinweg als auch der Rückweg. Ich hatte mir vorgenommen eine Wanderung auf der Ostseite der Insel zu machen. Der aufmerksame Bertrachter der Karte wird erkennen, dass ich mir diemal die Probleme bereits vor Beginn der Reise eingebaut habe.

    Wenn man Outdooractive nutzt sollte man gelbe Ausrufezeichen nicht ignorieren oder übersehen.

    Am Flughafen angekommen nahm ich mir ein Taxi. Wir steuerten als erstes einen Supermarkt an und ich kaufte Wasser, denn am östlichen Zipfel der Insel in São Lourenço findet man keine Quelle, ein Levada oder etwas ähnliches. Dann fuhren wir zum letzten mit dem Auto erreichbaren östlichen Zipfel, ich zahlte 35 Euro und los ging es zum Biwakplatz Ponta de São Lourenço. Der Weg führt durch eine karge Landschaft mit hunderten Touristen, so ehrlich will ich sein, und nach knapp 4km kam ich an dem winzigen Platz an, baute mein Zelt auf, und quatschte nach dem Sonnenuntergang noch mit einem deutschen Pärchen welches seinen Urlaub gerade beendete. Sie wollten Ihre restlichen Vorräte loswerden und so konnte ich ein fürstliches Abendessen genießen.

    Für den nächsten Tag hatte ich mir eine Etappe zu einem in Outdooractive eingezeichneten, nicht offiziellen Biwakplatz vorgenommen. Ich startete früh und es ging wieder durch die karge Landschaft zurück. An der Straße angekommen ging ich querfeldein zur Nordküste. Ich ging dann wieder auf die Straße zurück, weil ich nicht annähernd so höhentauglich bin wie ich es gern wäre. Auf den Wegen an der Steilküste, welche in den senkrechten Felschen gehauen sind, waren auch schon von weitem kleine Erdrutsche zu sehen, das war mir einfach zu krass und ich ging erneut die Straße entlang. In Caniçal an der Tankstelle kaufte ich mir Wasser, weil ich mir nicht sicher war, ob ich unterwegs etwas finden würde. Dieser Teil der Insel war relativ trocken. Weiter führte mein Weg etwas von den Klippen entfernt zum Boco do Risco wo ich mit bester Aussicht bei viel Wind mein Zelt aufbaute. Ich wanderte 15,8 km und lief dabei 839 m aufwärts und 553 m abwärts.

    Am nächsten Morgen ging es zeitig weiter. Auch diesmal zog ich es vor, einen Weg in einiger Entfernung zur Steilküste zu nehmen. Ich hatte mir Porto da Cruz als Ziel vorgenommen denn dort hatte ich mit ein Zimmer reserviert.

    Der Beginn des Weges war sehr anstrengend, denn es ging nur bergauf. Als der Gipfel des Boca do Risco erreicht war, wurde der Weg sehr bequem. Es ging auf einem zweispurigen Weg leicht bergab. Das letzte Stück bis zu den ersten Häusern des Ortes war ein schmaler steiler Abstieg mit zahlreichen Serpentinen. Auf der von diesem Text aus oben befindlichen Karte mit dem Track kann man erkennen, warum die Entfernungsangaben bei Outdoractive in den Bergen immer zu kurz sind: Es sind bei weitem nicht alle Serpentinen eingezeichnet.

    Irgendwann bin ich dann tatsächlich unten am Meer angekommen und habe mir erstmal etwas zu Essen gekocht und das Wetter für den nächsten Tag gecheckt. Es war tatsächlich mies vorher gesagt. Als ich dann noch die Strecke für den nächsten Tag anschaute fielen mir auch endlich die gelben Ausrufezeichen auf und ich merkte endlich, dass der Gipfelweg gesperrt war. Was war ich doch für ein Idiot.

    Beides, das vorhergesagte Wetter und die Aussicht, dass ich meine geplante Route ohnehin nicht laufen konnte, ließ mich meinen Vermieter fragen ob ich eine Nacht länger bleiben könnte, was kein Problem war. Deswegen unternahm ich am nächsten Tag nur eine kleine Rundtour.

    Diesmal erkundete ich, nachdem der morgentliche Regen nachgelassen hatte, einen Teil des Weges an der Steilküste. Bis zum ersten Wasserfall kam ich, aber der nasse rutschige Boden ließ mich umkehren. Unten am Meer angekommen kochte ich erneut am steinigen Strand, um mir danach ein schönes Glas Wein zu gönnen.

    Für den nächsten Tag, meine Tour war ja inzwischen über den Haufen geworfen, bestellte ich ein Taxi, denn es war kein Weg eingezeichnet auf den ich hätte, ohne dutzende Kilometer Mehrweg in Kauf zu nehmen, ausweichen können. Ich ließ mich auf den Pico do Arieiro fahren. Als Tagesziel nahm ich mir den Biwakplatz Poiso vor.

    Jetzt kommen wir der Geschichte „Körperfresser 2“ langsam näher.

    Ehe ich von der Tagesetappe herab vom Pico do Arieiro erzähle schaut Euch das letzte Bild hier oberhalb des Textes an. Was seht Ihr dort?

    Die Sicht auf 1800m war so na ja… Es war bei Nebel und Sprühregen ziemlich kalt. Da auch hier massenhaft Leute auf dem Berg waren, begann ich schnell mit dem Abstieg. Mit jedem Höhenmeter wurde das Wetter ein bisschen besser und die Temperatur etwas höher, so dass ich bald in der schönsten Sonne unterwegs war. Die Vegetation wurde nach Anfangs fast ausschließlich nur Ginster, etwas vielseitiger, Praktischerweise hatte ich bei einer kleinen Rast meine Brusttasche liegen gelassen. Drei Kilometer später bemerte ich mein Mißgeschick und verlängerte so meine Tagesetappe zusätzlich. Am Biwakplatz Poiso angekommen stellte ich fest, dass es noch viel zu zeitig war um hier mein Lager aufzuschlagen. Außerdem war hier weit und breit niemand zu sehen und ich hatte irgendwie Lust, auch mal andere Leute zu sehen und mal ein Wort zu wechseln.

    Es ging also weiter. Wenige hundert Meter weiter machte ich eine Rast an einer Gaststätte. Dann stieg ich weiter ab um drei weitere eingezeichnete Plätze in Augenschein zu nehmen. Dort angekommen machte sich bei mir eine große Trostlosigleit breit. Die drei Plätze gehörten irgendwie zusammen und waren auf mehreren Ebenen verteilt. Die Wiesen waren gemäht bzw. von Ziegen kurz gehalten, die sanitären Anlagen verschlossen und die Sitzgelegenheiten ziemlich vergammelt. Das trostlose an dieser Situation war, dass 200 bis 400 Zelte dort Platz gehabt hätten und ich der einzige Mensch weit und breit war. Hier wollte ich nicht bleiben um am nächsten Morgen in mein 61. Lebensjahr zu starten. Es war noch eine gute Stunde bis es anfing zu dämmern und so machte ich mich im Eiltempo an den weiteren Abschieg, um am Campingplatz Naturanza Holistic Camping in Funchal anzukommen. Es war bereits dunkel als ich am Ziel war. Was soll ich sagen… den Platz gab es nicht mehr. Was für eine Scheisse.

    Ein freundlicher Portugiese der offensichtlich einen Teil des Grundstücks gekauft hatte und dort am Bauen war, bot mir an mein Zelt dort aufzubauen, er wohnte eh noch nicht dort. Ich war Ihm sehr dankbar, auch wenn es schwierig war auf diesem Messigrundstück ein 2 qm großes Plätzchen für mein Zelt zu finden.

    Jetzt noch einmal zum obigen Bild, man sieht da unter anderem zwei melonenartigen Gewächse. Bei den Körperfressern stecken darin Außerirdische, die, sobald Du eingeschlafen ist, Deinen Körper umschlingen und Deine Seele stehlen. Wenn Du aufwachst siehst Du genau so aus wie vorher, aber Deine Gefühswelt ist für immer verloren – tolle Aussichten für die Nacht vor dem 60. Geburtstag.

    Der Morgen kam, die Melonen waren ungeöffnet noch an Ort und Stelle, da hab ich nochmal riesen Schwein gehabt.

    Nach einem zeitigen Frühstück packte ich zusammen, buchte mir mit booking.com ein preiswertes Hotel für die letzten zwei Übernachtungen und verbrachte den restlichen Tag in Funchal.

    Am nächsten Morgen meldete ich mich für einen Tagesausflug an, wurde pünktlich von einem Kleinbus abgeholt und machte eine Levadawanderung. Ohne eigenes Auto ist das eine relativ preiswerte Möglichkeit woanders hin zu kommen.

    Nach der Rückkehr ging es am Nachmittag noch einmal nach Funchal und ich blieb bis zum Abend in der Stadt und nahm Abschied.

    Meinen Geburtstag hatte ich mit mit zeitigem Aufstehen und Sonnenaufgang auf dem Pico Ruivo vorgestellt, aber: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

  • Wofür das Ganze Training?

    Am dritten freien Tag, dem 15.11.2024, machte ich eine Radtour um den Zwenkauer See, in südlicher Richtung noch etwas bis nach Wiederau erweit, kam ich immerhin auf gut 30km. Fotos hatte ich auf dieser kleinen Tour nicht gemacht.

    Ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich ein Geburtstagsmuffel bin. Deswegen hatte ich meiner Frau bereits im Frühjahr schonend beigebracht, dass ich in der Woche meines Geburtstages verreisen wollte. Ob das wirklich schonend gewesen ist weiß ich heute nicht mehr, aber weil ich eine sehr liebe Frau habe und sie mit mir schon einigen Kummer gewohnt ist, ließ Sie mich gewähren . An dieser Stelle muss unbedingt erwähnt werden, dass ich mehr Urlaub habe als meine Frau. Obwohl, Urlaub ist eigentlich nicht das richtige Wort, ich habe einfach Gelegenheit Überstunden anzusammeln weil ich nur 35 Stunden in der Woche arbeite. Das ist eine sehr schöne Sache und ich denke, wenn man straff auf die 60 zugeht hat man das vielleicht auch ein bisschen verdient. Die echten Urlaubstage bleiben in der Regel gemeinsamen Aktivitäten vorbehalten. Ich bin jedenfalls sehr dankbar dafür, dass ich mir die Arbeit so einrichten kann.

    Weil es mir beim letzten Mal schon so gut gefallen hat, entschied ich mich wieder für Madeira. Mit meinem Neffen hatte ich ja vor einem dreiviertel Jahr bereits den nordwestlichen Teil erwandert, deswegen nahm ich mir diesmal den östlichen Teil der Insel vor. Der Start war für den 21.11. anvisiert und für den Geburtstag hatte ich mir ein besonders Highlight ausgedacht, aber dazu später.

    Oben auf der Landkarte ist meine Planung zu sehen. Wer genau hinschaut wird erkennen, dass ich mir ein kleines Problem bereits vor dem Start in meine Strecke eingebaut hatte. Ich kann jetzt schon ein bisschen spoilern, denn wie bei allen Fernwanderungen davor, ist meine Planung auch dieses Mal nicht aufgegangen. Davon erzähle ich aber in der nächsten Geschichte.

  • Training an der Saale 14.11.2024

    Am Tag nach der Elsterwanderung war etwas Regen angesagt. Das war die Gelegenheit das Regenequipment nochmal zu testen. Einige Wochen zuvor war ich ja 3 Tage an der Mulde unterwegs. Dort war ich am letzten Tag in einen ordentlichen, lang anhaltenden Landregen geraten. Ich trug damals meinen langen Regenmantel hatte aber die Füße bzw die Schuhe nicht gegen den Regen geschützt. Da der Weg auch durch hohes Gras im Wald führte, war ich nach etwa zwei Stunden sehr nass und fing auch an zu frieren, ich war froh als ich in Zschetzsch angekommen war und mich erst einmal trocken legen konnte. Aus dieser Erfahrung heraus hatte ich dieses Mal ein paar leichte Überziehstiefel mitgenommen. Der Regen an der Saale was nur relativ kurz und auch mild, aber dennoch konnte ich spüren dass sich die Kombination ganz gut bewährt, denn ich behielt dadurch einfach trockene Füße.

    Meine Saalewanderung begann in Bad Dürrenberg. Dort sind wir in diesem Jahr schon zweimal gewesen, denn auf dem Gelände des Gradierwerkes fand die Landesgartenschau statt und nach unserem ersten Besuch gefiel es uns so gut, dass wir im Spätsommer gleich noch einen zweiten Ausflug dorthin gemacht haben. Ich stellte mein Auto ab und begann die Wanderung an der Westseite der Saale flussaufwärts, denn der Durchgang am anderen Saaleufer war gesperrt.

    Die ersten zwei Kilometer kannte ich bereits, denn wir hatten auf dem örtlichen Kanuverein schon einmal unser Lager aufgeschlagen. Die Saaleaue ist auf dieser Seite ähnlich flach und weit wie die Aue der Weißen Elster zwischen Profen und Zeitz.

    In Wengelsdorf passierte ich die Anlegestelle, an der wir schonmal eine Bootstour gemacht hatten. Ich legte hier eine kleine Pause ein und dann ging es weiter. Der Weg entfernte sich von der Saale und führte wieder durch eine weite Aue.

    An dieser Hütte legte ich die nächste Rast ein. Obwohl ich noch nicht mal annähernd die Hälfte des Weges gelaufen war, kochte ich mein Mittagessen und anschließend noch einen Glühwein.

    Frisch gestärkt und innerlich gewärmt ging es weiter an Wiesen und Weiden vorbei.

    In Schkortleben erfuhr ich von der traurigen Geschichte der Dorfkirche deren Erhaltung nicht gelungen war. Jetzt erinnern nur noch Ruinen an das einstige Gotteshaus.

    Kurz hinter diesem etwas magisch anmutenden Ort wollte ich die Saale überqueren. Weil ich mir nicht sicher war ob man über die Eisenbahnbrücke laufen kann, hatte ich extra mein leichtes Packraft dabei. Ich musste es nicht aufblasen, die Brücke hatte einen Fußweg obwohl Outdooractive diesen nicht anzeigt.

    Von nun an ging es wieder zurück nach Bad Dürrenberg. Auf dieser Seite der Saale hielt der Weg etwas mehr Abwechslung bereit. Es gab genau wie an der Elster Schilder an einem Naturlehrpfad, schmale Wege die durch den Wald am Ufer entlang führten, natürlich auch weite Ausblicke wie unter der Autobahnbrücke und dann wieder hübsche schmale Wege.

    Nach dem Ort Vesta sah ich zu meiner großen Überraschung eine Kehrmaschine mitten durch den Wald fahren, um den asphaltierten Radweg zu kehren.

    Kurz vor Bad dürrenberg wurde die Landschaft wieder weit und ich freute mich auch bald anzukommen, denn es fing schon an zu dämmern. In Bad Dürrenberg ärgerte ich mich noch ein wenig weil das Gelände der Landesgartenschau auch von dieser Seite abgesperrt war, so musste ich einen Umweg außen herum um das Gradierwerk wählen. Aber trotz dieses kleinen Ärgers kam ich gut und auch noch im Hellen auf dem Parkplatz an und war ein kleines bisschen stolz, am zweiten Tag wieder um die 20 km gewandert zu sein.

  • Training an der Weißen Elster 13.11.2024

    Am 26 November stand mein 60 Geburtstag an. Weil ich mir relativ wenig aus Geburtstagsfeiern mache, ich würde sogar sagen, ein Geburtstagsmuffel bin, hatte ich überlegt, in der Zeit eine Reise zu unternehmen. Um mich ein wenig auf die Wanderungen vorzubereiten absolvierte ich ein kleines Trainingsprogramm. Am 13. November hatte ich einen freien Tag und ich nahm mir vor, eine Wanderung entlang der Weißen Elster zu unternehmen. Startpunkt war der kleine Ort Profen, genauer gesagt die Gaststätte zur Eiche. Dort ist ein kleiner Parkplatz von dem man in höchstens einer Minute mitten in der Elsteraue ankommt.

    Der Plan war, auf der Ostseite der Weißen Elster in Richtung Zeitz zu laufen und irgendwann eine Brücke zu suchen, um auf der Westseite wieder zurückzugehen. Der Weg führte mich zuerst zum Naturwehr der Weißen Elster, an welchem der Profener Elstermühlgraben abgeschlagen wird. Dort ging es noch einige hundert Meter Elster abwärts bis zur Brücke. Vor deieser Brücke steht ein schönes Holzkunstwerk, an welchem man eine Pause bzw ein Biwak machen kann. Das Zelten ist dort nicht offiziell erlaubt aber die kleine Wiese davor ist immer so schön gemäht, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es großen Ärger geben würde, wenn man dort für eine Nacht sein kleines Zelt aufbaut.

    An diesem Rastplatz kam ich auf die andere Seite der weißen Elster und konnte flussaufwärts Richtung Süden wandern. Die Elsteraue ist hier sehr flach und der Blick verliert sich in der Weite.

    Der Weg verlief manchmal direkt am Fluss und manchmal auch hinaus auf weite Felder. An einigen Stellen konnte man die Spuren des Bergbaus, der in dieser Gegend südlich von Leipzig sehr prägend war und zum Teil immer noch ist, erkennen. Auf der Karte hatte ich die Ortschaft Etzoldshain entdeckt, wo eine Burg  eingezeichnet war. Deswegen entfernte ich mich etwas weiter vom Flusslauf, um das selbst mal in Augenschein zu nehmen.

    Aus westlicher Richtung kommend, kam ich nicht an das Bauwerk heran, deswegen sah ich aus einiger Entfernung nur den mittelalterlichen Turm. Über ein abgeerntetes Feld bog ich nach rechts ab, damit ich wieder an den Fluss kam.

    Der Weg führte an einer recht gepflegten Mühle entlang und schließlich erreichte ich die Elsterbrücke in Draschwitz. Dort legte ich am Flussufer eine Mittagspause ein.

    Jetzt war es nach ungefähr 10 km Zeit umzukehren und sich auf den Rückweg zu begeben. Auf dieser Seite des Elstertals verläuft der Elsterradweg. Er ist asphaltiert und ich kam vorbei an einigen schön gestalteten Spiel- und Rastplätzen, sogar an einigen kleinen Holzkunstwerken, bis sich mein Weg in Profen endlich kreuzte.

  • Eine Nacht draußen verbringen

    Es ist bereits Ende Oktober, ich habe ein paar Tage frei und es ist bestes sonniges Herbstwetter angesagt. Es fehlte lediglich ein kleiner Anlass, ein Auslöser sozusagen, um eine Tour zu starten. Meine jüngste Tochter studiert in Brandenburg an der Havel und brauchte noch ein paar Kleinmöbel um den ganzen Trödel, der sich nach dem ersten Studienjahr angesammelt hatte, sinnvoll zu verstauen. Prima, geht doch, der Anlass war gefunden.

    Der Blick auf der Karte verriet mir, dass es etwa 800m vom Wohnheim bis zur Havel waren. Da würde sich doch ein Plätzchen finden, wo ich mein Boot einsetzten konnte.

    Ich packte zu Hause also außer den Möbeln fürs Wohnheim noch einen leichten Rucksack für eine 2-Tagestour. Nachdem das Möbelschleppen fertig war, verabschiedete ich mich und ließ das Auto auf dem Parkplatz des Wohnheims stehen. Unter der Straßenbrücke am REWE-Center war eine prima Einstiegsstelle, wo ich in Ruhe das Packraft beladen und aufpusten konnte.

    Gegen 14 Uhr hatte ich alles fertig und es konnte los gehen. Der Plan war die Havel abwärts bis zum Breitlingsee zu fahren und dort im Uhrzeigersinn am Ufer entlang bis zur Kanincheninsel zu paddeln. Ich hatte mich für mein leichtes Packraft Nano RTC XL entschieden und auch meinen Trockenanzug dabei, weil ich mir nicht sicher war, wie lustig schwimmen auf dem See Ende Oktober notfalls werden könnte. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

    Anfangs auf der Havel war die Motivation, sagen wir mal, entwicklungsfähig. Als ich den Breitlingsee erreichte und ich der herrlichen Herbstsonne die Kanincheninsel sah, war die Stimmung wie umgewandelt und ich freute mich riesig auf das kleine Abenteuer.

    Zuerst schaute ich mit die Insel an, baute mein Lager auf und kümmerte mich um das Abendessen.

    Als die Sonne unterging kam noch ein Bungalowboot und ankerte vor „meiner“ Insel. Ich machte noch ein kleines Lagerfeuer und backte mit ein Brötchen, denn ich hatte mit vorgenommen in dieser Richtung ein bisschen zu experimentieren. Das Ergebnis war gut essbar, aber es gab auch Erkenntnisse, was ich beim nächsten Versuch besser machen könnte.

    Die Nacht schlief ich sehr gut. Der Morgen war durch den leichten Nebel anfangs etwas kühl, aber die Sonne brauchte nicht lange um den Nebel zu vertreiben.

    Aus dieser Nacht konnte ich noch eine Erkenntnis gewinnen. Ich hatte die „geniale Idee“ mit dem Fußende des Schlafsacks in eine Mülltüte zu steigen, um mich und vor Allem den Daunenschlafsack so vor möglichem Kondenswasser am Zelt zu schützen. Was soll ich sagen: Das Zelt war innen fast trocken aber das Fußende des Schlafsacks war außen unter dem blauen Sack richtig nass. Manche Sachen muss man einfach mal testen um heraus zu bekommen, dass eine Idee dämlich ist.

    Ich ließ den Morgen ruhig angehen, kochte Kaffee und Frühstück, machte ein paar Fotos von Pilzen an diversen Eichenstämmen und packte dann mein Zeug, um den Rückweg anzugehen.

    Ich habe mir sagen lassen, dass es sich um Shiitake handeln könnte (es waren wie bereits geschrieben Eichenstämme), wer es genau weiß, kann sich gern melden, das würde mich interessieren.

    Ein Freund hatte mir im Rückblick auf seine einwöchige Familienwanderung auf dem Forststeig Elbsandstein ein paar Tage vorher gesagt, dass man ab und zu die Komfortzone verlassen muss, da kann ich mich nur anschließen.

  • 3 Tage von Rathenow bis Havelberg

    Mitte August hatte ich noch einmal drei Tage frei. Irgendwie hatte ich Lust zu paddeln und dabei keine ganz einsamen Übernachtungsplätze zu suchen. Meine Wahl fiel auf die Havel ab Rathenow. Einerseits habe ich bis dorthin eine gute Zugverbindung, die auch tatsächlich perfekt funktioniert hat, andererseits wohnt dort mein Cousin mit seiner Frau, die ich schon seit Jahren nicht gesehen hatte. Gegen 10 Uhr kam ich am Bahnhof an und stand eine Viertelstunde später bei den Beiden vor der Tür. Es gab viel zu erzählen und nach drei Stunden hatten wir uns gegenseitig halbwegs auf den neusten Stand gebracht.

    Nach einem gemeinsamen Mittagessen brachten sie mich noch zur Havel und mein Cousin verabschiedete mich mit einem kleinen Liedchen auf der Mundharmonika.

    Wie auf dem Bild zu sehen ist, startete ich meine Paddelei unter der Eisenbahnbrücke in Rathenow. Die Brücke ist als Startpunkt sehr zu empfehlen, selbst bei Regen kann man hier in aller Ruhe aufbauen und das Gepäck verstauen (oder auch zelten und eine Nacht im Trockenen verbringen).

    Nach der Brücke habe ich den rechten Abzweig in Richtung Stadtschleuse Rathenow genommen. Es war schönes warmes Sommerwetter, die Schleusung ging sehr zügig und nachdem ich Rathenow hinter mir gelassen hatte, suchte ich mir ein sandiges Plätzchen, um mich abzukühlen und ein bisschen zu schwimmen.

    Wer das Bild gerade aufmerksam angesehen hat konnte bemerken, dass ich weder mein Rebel 2K noch mein Nano RTC XL dabei hatte. Richtig, ich wollte unbedingt mal das Nomad S1 ausprobieren. Dieses Packraft ist zwar schwerer, aber auch ein ganzes Stück länger und ich wollte testen, ob sich damit eine bessere Geschwindigkeit erreichen läßt. Zur Geschwindigkeit werde ich später noch etwas schreiben. Geliehen habe ich mir das Boot bei „TreckPack“. Ich kann die Firma nur empfehlen, wer nicht genau weiss welches Packraft er kaufen soll, ist hier bestens beraten. Es gibt eine große Bootsauswahl, eine sehr einfache Abwicklung, das Boot war in einem Top-Zustand und der Preis war auch ok.

    In Grütz nahm ich den Biwakplatz. Es waren für den Abend Sturm und Gewitter angesagt, da wollte ich die Nacht nicht unter einer morschen Weide verbringen. Es fing dann wie vorhergesagt am Abend an zu regnen, aber dank der überdachten Bänke konnte man draußen sitzen und ich habe noch ein bisschen mit anderen Paddlern geklönt.

    Am Morgen war von dem ganzen Spuk nichts mehr zu sehen und es begann ein weiterer wunderbarer Sommertag. Ich mag die Havel als Paddelgewässer sehr, weil es überall so zahlreiche schöne Sandstrände gibt. Da kann man überall ganz gefahrlos an- und ablegen. Dazu hat der Fluß kaum hohe Ufer so dass man meist weit ins Land schauen kann.

    In Schollene hatte ich die, wie sich später heraus stellte dämliche, Idee links abzubiegen, um direkt in den Ort zu paddeln. So ählich stelle ich mir Packeis vor. Die Entengrütze wurde immer dichter und nach einem knappen Kilometer harter Arbeit steckte ich fest. Es fiel mir schwer so kurz vor dem Ziel aufzugeben und umzukehren aber es half nichts.

    Nachdem ich endlich wieder freie Fahrt auf der Havel hatte, machte ich noch eine kurze Pause um im Hafen Molkenberg das Wasser aufzufüllen. Für die Weiterfahrt entschied ich mich für die Gülper Havel. Auf dem ersten Kilometer war ich etwas skeptisch ob das Grün nicht wieder zu dicht werden könnte, aber die etwas flottere Strömung hält diesen kleineren Havelarm dann doch frei und man findet immer eine Stelle zum durch fahren.

    Am Rastplatz Gülpe machte ich ein kleines Päuschen. Er gilt ja als der dunkelste Flecken (was Lichtverschmutzung betrifft) in Deutschland und ist somit dei den Hobbyastronomen sehr beliebt. Ich hatte noch genügend Zeit und suchte ja wie Anfangs geschrieben nicht undedingt die Einsamkeit und so paddelte ich weiter bis zum Wasserwanderrastplatz in Strodehne.

    Der Platz, welcher von einem Wassersportverein berieben wird, ist am Rande des kleinen Ortes. Auch hier traf ich andere Paddler und wegen des Geburtstags des Vereinsvorsitzenden wurde es noch ein sehr feucht-fröhlicher Abend.

    Die Ruhe beim Ablegen am nächsten Morgen hat etwas über das bevorstehende Wetter hinweg getäuscht. Es war starker Wind aus West angesagt. Nach vier Kilometern Fahrt ab Wendisch Kirchhof kam der Wind dann auch heftig und direkt von vorn.

    Jetzt war ich wirklich froh, dass ich mir das Nomad S1 ausgeliehen hatte. Natürlich wäre ich auch mit mit einem meiner zwei eigenen Boote angekommen, aber mit dem Nomad schaffte ich ohne Wind und Strömung etwa 1km/h mehr und das zeigte sich auch bei dem heftigen Gegenwind. Es hat auch wesentlich mehr Platz für Gepäck, sowohl hinter der Rückenlehne unter der Spritzdecke, als auch in den Schläuchen. Eines gefällt mir beim Rebel 2K allerdings doch besser: Die Tube Bags haben innen eine eingeklebte Gepäcktasche. Diese schützt das Gepäck vor verrutschen und gibt das sichere Gefühl nicht unbedingt auf die Dichtheit der Reißverschlüsse angewiesen zu sein. Beim Nomad S1 ist das Gepäck beim Umtragen immer durch das Boot entweder ganz nach vorn oder ganz nach hinten gerutscht, das war schon etwas nervig. Die Reißverschlüsse waren natürlich 100% dicht, aber ob das vielleicht mal eine Schwachstelle wird, weiß ich nicht. Wer selbst schon paddeln war kann nachvollziehen, dass es fast unmöglich ist feine Sandkörner oder anderen Schmutz immer von den Reißverschlüssen fern zu halten (wie in der Beschreibung zum Boot gefordert).

    Ich habe jedenfalls für mich herausgefunden, dass ich bei meinem Rebel 2K bleibe. Die Vor- und Nachteile beider Boote halten sich für mich die Waage, so dass der viel höhere Preis des Nomad für mich persönlich nicht gerechtfertigt ist. Wem das höhere Gewicht, die nicht vorhandenen Gepäcktaschen nicht stört, und dabei mehr Gepäckvolumen sucht, der sieht das vielleicht anders.

    Nachdem ich es unterwegs sogar geschafft habe zwei Einerkajaks hinter mir zu lassen bin ich ziemlich geschafft nach dem Mittag in Havelberg auf der Campinginsel angekommen. Eigentlich hätte ich die Rückfahrt antreten können, aber ich hatte die Bahntickets für den nächsten Tag schon vorher gekauft und so war ich noch schön essen, bin durch die Stadt gebummelt, hab mir noch einen fetten Eisbecher gegönnt und noch ein bisschen gelesen.

    Ich hatte eigentlich gedacht, dass mehr Leute auf der Havel unterwegs sind. Mir war aber auch schon in den vergangenen Jahren bei meinen Angeltouren mit dem Motorboot auf der Havel aufgefallen, dass es ab Rathenow relativ ruhig wird. Das hat sich bei dieser Tour bestätigt. Die Havel kann man wirklich, besonders für Anfänger, empfehlen.

    Durch die abendlichen Gespräche war mir diese Tour sehr kurzweilig, so hatte ich mir das auch vorgestellt.