Ich wurde zeitig munter und konnte ein sehr reichhaltiges, fast schon luxuriöses, Frühstück genießen. Die Sachen waren danach schnell gepackt und die Rückreise begann. Es war noch reichlich Zeit bis zum Abflug und so nahm ich einen kleinen Umweg über die Strandpromenade.
Der Weg zum Flughafen war wenig spektakulär. Einige Unkräuter am Wegesrand weckten wenigstens mein fotografisches Interesse.
Der Weg zum Flughafen ist jetzt nicht direkt eine Fußgängerzone. Teilweise ging ich am Straßenrand entlang, um den einen oder anderen großen Kreisverkehr herum und konnte bestaunen wie vielfältig man diese bepflanzen kann.
Google Maps schickte mich nicht zum Check in, sondern gefühlt in die geographische Mitte der ganzen Anlage. Etwas hilflos sprach ich zwei Männer an die gerade ihr Auto parkten. Wie sich herausstellte waren es Piloten auf dem Weg zur Arbeit. Sie waren so freundlich und nahmen mich einfach mit. So kam ich mit ihnen durch den dienstlichen Eingang und sie brachten mich bis zum Check in, sehr freundlich.
Jetzt bin ich eingecheckt und habe immer noch genügend Zeit, Zeit um einen ersten Rückblick zu halten. Heute empfand ich zum ersten Mal den Rucksack als schwer. Die Waage beim Einchecken zeigte 15,2kg, das geht ja noch. Auch so etwas wie Muskelkater empfinde ich zum ersten Mal auf der Tour. Na ja, die Anspannung läßt langsam nach.
Bei meinem Berichten zur Vorbereitung schrieb ich was vom Bayrischen Wald. Ich hätte mir nicht annähernd träumen lassen, dass es genau das werden würde. Schneesturm im Gebirge.
Einen Mitwanderer gefunden zu haben war einfach großartig. Allein wäre ich bei diesen Bedingungen nie hoch ins Gebirge gegangen. War es zu zweit verantwortungslos? – ein bisschen vielleicht. Ich will mir nicht ausmalen wenn sich einer von uns verletzt hätte. Der Herr hatte ein Auge auf uns geworfen, danke.
Meine umfangreiche Planung war zwar zeitlich schnell über den Haufen geworfen, aber der Ausrüstungsteil war goldrichtig. Ich glaube im Notfall hätten wir es 2-3 Tage draußen ausgehalten.
Mein Fazit: Es war großartig, anders zwar aber besser als ich es mir vorgestellt hatte. Werde ich sowas wieder machen? Ihr kennt die Antwort…
Heute am Abend der 7. Etappe bin ich doch irgendwie ein bisschen aufgekratzt von den vielen Erlebnissen der letzten Tage. Ich kann nicht so richtig einschlafen. Deswegen schreibe ich noch ein wenig am späten Abend. Heute morgen tauchte in unserer Unterkunft wirklich jemand auf, der uns ein wunderbares Frühstück zubereitet hat. Es hätte mich bei der ansonsten vollautomatischen Abwicklung in diesem kleinen Hotel nicht gewundert, wenn das ein kleiner Roboter erledigt hätte. Frisch gestärkt packten wir unsere Sachen und machten uns gemeinsam wieder auf den Weg. Das nächste Ziel hieß Inka und wir wussten, dass es unser letzter gemeinsamer Ort werden sollte. Carlo muss erst wieder am Montag in die Schweiz zurückfliegen und bei mir geht der Urlaub schon einen Tag eher zu Ende. So liefen wir im strahlenden Sonnenschein noch ein paar Kilometer gemeinsam. Es ist schon etwas unwirklich im diesem schönen Wetter auf Mallorca zu laufen und im Hintergrund die schneebedeckten Berge zu sehen.
In Inka angekommen suchten wir uns noch ein Café und verabschiedeten uns. Ich sagte Carlo zum Abschied, er möge mich bitte anrufen wenn er wieder mal vor hat eine Wanderung im Tiefschnee zu unternehmen. Carlo, es war eine große Bereicherung dich getroffen zu haben.
Auf dem Tisch des Cafés lag eine Zeitung, sie war voller Berichte vom Unwetter.
Ich lief etwa einen Kilometer bis zur Bushaltestelle und es dauerte höchstens 10 Minuten bis ich im Bus saß und nach Palma unterwegs war. Auf dem Weg dorthin suchte ich mir per Airbnb eine Unterkunft für die Nacht. Das Zimmer war nicht weit vom Flughafen entfernt, so dass ich mir erhoffte am Morgen in aller Ruhe zusammenzupacken und mich dann zu Fuß auf dem Weg dorthin zu machen. In Palma angekommen stieg ich erneut in den Bus, um nicht die ganze Strecke bis zu meinem Gastgeber laufen zu müssen. Nach dem Aussteigen gab es noch 2 km Fußmarsch bis zum Ziel. Endlich angekommen wurde die Geschichte dann doch noch ein bisschen schräg. Ich klingelte, ein Junge öffnete die Tür rief etwas in Spanisch nach hinten, es kam eine Antwort zurück und die Tür fiel wieder ins Schloss. Nachdem 2 Minuten nichts weiter passierte klingelte ich erneut. An der Wechselsprechanlage meldete sich ein Mann in Spanisch, er sagte mir irgendetwas was ich nicht verstand und ich antwortete in Englisch dass ich per Airbnb ein Zimmer gebucht hatte und jetzt gern einziehen würde. Er erzählte erneut irgendetwas in Spanisch und dann war die Wechselsprechanlage erneut stumm. Das war dumm gelaufen fand ich. Als ich immer noch etwas unentschlossen zwei Häuser weiter gelaufen war, kam ein Nachbar aus seinem Haus und fragte, was es für ein Problem gäbe. Ich erklärte ihm dass ich hier eigentlich ein Zimmer gebucht hatte aber dass das ganze nicht funktioniert. Zumindest verstand der Nachbar mein bescheidenes Englisch, konnte mir aber letztendlich auch nicht helfen. Da stand ich nun ziemlich bedient da. Ich ging ein Stück den Weg zurück, suchte mir eine Bank und setzte mich erstmal in Ruhe hin, um mir einen neuen Plan zu machen.
Dann schaute ich nach, wie weit es bis zur Küste ist, denn dort gibt es doch eine ganze Menge Hotels und ich entschloss mich, die 6 km zu laufen. Mit diesem Plan im Gepäck verflog die schlechte Laune relativ schnell. Nach dem Aufbruch kam ich an eine Kneipe und ich ging hineinum etwas zu trinken. Irgendwie muss ich mit meinem Riesenrucksack doch ziemlich mitgenommen ausgesehen haben, denn der Wirt redete auf mich ein, dass ich unbedingt einen Mokka und einen Rum brauchte, um wieder zu neuen Kräften zu kommen. Dass er mir die Sachen, offensichtlich aus Mitleid, dann auch noch spendierte, sprach Bände. Der Wirt wusste ganz offensichtlich was er tat, denn als es weiter ging liefen die Füße fast von allein, na ja ich bildete mir das jedenfalls ein. Es ging über relativ verdreckte Wege durch Gewerbegebiete in Richtung Meer. Nach etwa einer Stunde war ich aus der trostlosen Gegend heraus und dem Meer schon relativ nah. Es wurde Zeit, eine neue Unterkunft zu suchen. Über booking.com fand sich bald eine preiswerte Möglichkeit. Als ich endlich ankam war ich wirklich froh, denn ich hatte schon wieder über den Tag verteilt etwa 14 km in den Beinen. Diesmal verlief das einchecken reibungslos und ohne Probleme. Die Geschichte mit der schief gegangenen Buchung konnte ich dann noch lösen, so dass ich zumindest mein Geld wieder bekomme. Am Abend lief ich dann noch ein bisschen durch die belebten Straßen, um das Treiben im Viertel anzusehen. Vom Ballermann Feeling konnte ich auch diesmal nichts entdecken, entweder liegt es an der Jahreszeit oder an den strengeren Gesetzen die es mittlerweile hier geben soll.
Irgendwie konnte ich mich dann nicht entschließen irgendwo essen zu gehen und deswegen musste wieder mal der Kocher herhalten. Nach den Problemen mit der ersten Buchung war der Abend dann doch sehr versöhnlich.
Das Refugi Son Amer in Lluc liegt auf etwa 500m Höhe. Die Wanderung wie geplant fortzusetzen hätte uns auf eine Höhe von über 1210m geführt. Das wäre durch tief verschneite Wege, gepflastert von zahllosen Bäumen, nicht zu schaffen und völlig verantwortungslos gewesen. Zwei Tage zuvor sahen wir bei unserem Aufstieg am Nachmittag mehrmals einen Hubschrauber der Bergrettung, das darf man nicht riskieren. Deswegen stand schnell fest, dass es nach Süden, raus aus dem Gebirge, gehen sollte.
Vor dem Frühstück kam ein kräftiger Hagelschauer vom Himmel, wir konnten nur hoffen, dass wir wenigstens im trockenen den Abstieg bewerkstelligen konnten. Wir warteten noch bis etwa um zehn, es war etwas heller geworden und wir brachen auf. Mehr und mehr zeigte sich sogar die Sonne. Beim Abstieg über die Straße sahen wir wie stark der Schneesturm gewütet hatte. Zahlreiche Telefonmasten waren beschädigt, die Kabel lagen auf dem Boden. Wir sahen auch einen Reparaturtrupp der mit den Reparaturen begann. Das wird wohl noch Tage oder wahrscheinlich eher Wochen dauern. Es waren kaum unbeschädigte Bäume zu sehen. Der Wald bot ein trauriges Bild.
Stück für Stück kamen wir in tiefere Regionen, der Schnee wurde weniger bis er ganz verschwunden war.
Als wir in Caiman ankamen, war die Straße ins Gebirge gesperrt, es stand Polizei an der Sperre und ließ offensichtlich nur Bewohner der oben liegenden Dörfer und Einsatzkräfte durch. Später lasen wir, dass Teile des Tramuntana Gebirges zum Katastrophengebiet erklärt werden sollten.
Wir liefen weiter nach Selva, dem nächsten Ort, dort sollte es auf einem kleinen bewaldeten Hügel einen Rastplatz geben. Entlang der Straße gab es einige interessante Olivenbäume zu entdecken.
Als wir ankamen und schauten, ob sich das Fleckchen für eine wilde Übernachtung eignen könnte, mussten wir feststellen, dass die Dorfjugend dort ihren Treffpunkt und wohl auch ihren heimlichen Knutschplatz hatte. Da war eine Übernachtung also nicht so gut möglich und wir liefen ein Stück zurück.
Über booking.com fand sich ein ziemlich krasses kleines Hotel. Man buchte sich automatisch ein und kam in eine wunderschöne Lounge von der mehrere Zimmer zu erreichen waren. Ein Kaffeeautomat, Obst und kleine Snacks lagen bereit. Carlo kaufte noch etwas frisches Gemüse und Rotwein und dann kochten wir uns etwas zum Abendessen.
Es war ein wunderbarer Abend, wir hatten das ganze Haus für uns und teilten alte Geschichten. Das „Son Gris – Charmig Rooms“, so der Name des edlen Hauses ist auf jeden Fall eine Empfehlung.