Ende August 2026 hatte ich eine Weiterbildung in Freiberg. Schnell wuchs der Gedanke den Freitag frei zu nehmen und endlich mal auf der Elbe zu paddeln.
Nach getaner Weiterbildung fuhr ich nach Meißen. Dort hatte ich mich telefonisch beim „SG Kanu Meißen e.V., Plangasse 7, 01662 Meißen“ angemeldet. Ich wurde dort sehr herzlich empfangen. Ein kleines, feines Vereingelände mit Blick auf die Elbe und den Dom. Der Platz ist ganz hervorragend geeignet eine Tour zu beginnen. Ein Discounter und die Bahnstation sind in fünf Minuten zu erreichen. Wer in die Altstadt bummeln gehen möchte, braucht nicht länger als zehn Minuten um über die Elbbrücke dorthin zu kommen.
Die Abendsonne schien herrlich auf die Zeltwiese und ich konnte den Tag ganz entspannt ausklingen lassen
Am nächsten Morgen fuhr ich nach dem Frühstück mit allem Gepäck mit der S-Bahn nach Bad Schandau. Die Bahn fährt aller 30 Minuten und so musste ich mir keinen Strass machen, denn es gab ja ständig eine neue Möglichkeit los zu fahren. Ich hatte das Anfibio Rebel 2K dabei und war auch darüber hinaus ultraleicht unterwegs.
Nach dem Aufblasen des Bootes ging es bei strahlend blauem Himmel los. Auf der parallel zur Elbe verlaufenden Bahnstrecke wurde ich das Gefühl nicht los, dass irgendein Zug immer gerade auf den Schienen unterwegs war.
Die Elbe fließt recht zügig. So kam ich trotz der geringen Länge des Packrafts ordentlich voran. Auf der ganzen Fahrt bis Pirna kam mir nur ein einziger Ausflugsdampfer entgegen. Der Wasserstand war zu der Zeit so niedrig, dass die Schifffahrt im Wesentlichen eingestellt war.
Ursprünglich wollte ich noch zwei Tage lang durch Dresden und weiter bis Meißen paddeln. Nachdem ich in Pirna das Wetter für die kommenden Tage gecheckt hatte, entschloss ich mich in Pirna zusammen zu packen, mit der S-Bahn zurück nach Meißen zu fahren und den Heimweg anzutreten. Bei dem angesagten heftigem Dauerregen hatte ich Bedenken, meine Fotoausrüstung unnötig der vielen Feuchtigkeit auszusetzen. Die Ansichten Dresdens von der Elbe aus muss ich einfach verschieben.
Zuhause angekommen begann auch schon der große Regen, der das ganze Wochenende anhielt.
Goethe hat es schon gewuß und bestimmt auch sehr viele vor und nach ihm. Nachdem ich sehr lange nichts geschrieben habe, versuche ich es mal wieder. Es ist tatsächlich nicht so, dass ich im letzten Jahr nicht unterwegs gewesen bin, aber nach Schreiben war mir nicht der Sinn.
Vor zwei Wochen waren sehr heiße Tage und man hatte keinerlei Lust draußen etwas zu unternehmen. Um nicht völlog in Lethargie zu verfallen nahm ich mir vor am Wochenende vor Sonnenaufgang aufzustehen und den Sonnenaufgang am See zu erleben. Immerhin waren am Morgen nur 23°C, das wollte ich nutzen. Ich war mir nicht sicher wer beim Klingeln des Weckers um halb vier gewinnen würde, das kuschelige Bett oder der Unternehmungsgeist. Na ja, einmal im Bad zum Toilettengang angekommen siegte der Wille ein kleines Abenteuer zu erleben.
Der Rucksack war gepackt und hinaus ging es in die blaue Stunde. Es ist eigentlich immer das Gleiche, wenn die ersten Schritte getan sind, überkommt mich große Freude losgegangen zu sein. Ist der innere Schweinehund erstmal besiegt kann mir nichts mehr aufhalten.
Bis zum See laufe ich ungefähr eine halbe Stunde. Wunderbarer Weise ist genau auf der gegenüber liegenden Seite Osten. Während ich das neue Packraft aufblies, ließ ich den Horizont nicht aus den Augen. Kurz bevor sich das erste Zipfelchen der Sonne über dem Horizont zeigte änderten sie die Farben fließend. Es waren alle Farben vertreten die irgendwie mit Rot und gelb verwand sind. Der Wind war noch nicht erwacht und so spiegelte sich das Schauspiel noch einmal auf der Wasseroberfäche.
Das Packraft, ein Anfibio Omega C2 (+), war fertig aufgeblasen und die morgendliche Paddelrunde konnte beginnen. Auf dem menschenleeren See stellte sich das Gefühl ein, was ich häufig empfinde wenn ich sehr zeitig den Tag während einer Tour draußen beginne, ich bin gerade der einzige Mensch auf der Welt. Die Stille wurde nur durch das Gurgeln des Wassers beim paddeln unterbrochen, ein paar Vögel waren vom Ufer her auch zu hören. So einen Tagesanbruch müßt Ihr Euch unbedingt auch mal gönnen.
Abendstunde bringt Ruhe im Bunde.
Als ich wieder zu Hause war und sogar pünktlich zum Frühstück erschienen bin, war ich ein bisschen stolz auf mich. Glücksgefühle kann man nicht kaufen, die muss man sich erarbeiten.
Nachdem das mit dem Morgen so wunderbar funktioniert hatte, nahm ich mir als Nächstes „Paddeln in den Sonnenuntergang“ vor. Mit dem Tag selbst bei über 35°C war nicht sehr viel anzufangen. Alle, so auch ich, versuchten irgendwie der Hitze zu entgehen. Am Abend konnte ich sogar meine Frau und meine Tochter für den Ausflug überzeugen. Wir packten ein zweites Packraft ein und startenen gegen neun. Es hatte noch nicht so richtig abgekühlt und wir entschieden und für die Fahrt mit dem Auto. Am See waren trotz der fortgeschrittenen Stunde mehr Leute als ich je zuvor dort gesehen habe. Die Boote waren zügig aufgeblasen und wir fuhren ein Stück auf den See hinaus. Der Sonnenuntergang zeigte sich von seiner besten Seite. Im Westen waren über dem Horizont einige Wolken aufgezogen, so dass es bereits vor dem eigentlichen Sonnenuntergang schon recht dunkel war und die Wolken in den herrlichsten Farben strahlten.
Später legten wir noch kurz an um zu baden, danach wurde zusammen gepackt und es ging wieder nach Hause. Auch eine solche kurze Abendtour kann ich Euch nur ans Herz legen, einach mal machen.
Vom Abend(b)rot zum Morgenrot: Eine Übernachtung im Zelt.
Eine Woche später, das Wetter hatte sich wieder angenehm abgekühlt, zog ich zu einem neuen kleinen Abenteuer los. Der Rucksack war gepackt mit Boot, Isomatte, Zelt, Schlafsack, Kocher, etwas zu Essen, Wasser und Kleinkram. Das Abendessen am Freitag lies ich aus und ging gegen halb sieben los. Auch hier galt es den kleinen, faulen Schweinehund zu überwinden. Aber wie bereits geschrieben, nach den ersten Schritten weiß man, dass es die richtige Entscheidung ist.
Die Abendsonne und die Weite der Felder lassen mich herrlich durchatmen. Am See angekommen sah ich, dass der Wind doch noch recht kräftig blies.
Ich schätze es waren 4 Beaufort. Wenige kleine weiße Schaumkronen waren zu sehen. Glücklicherweise wehte es schräg von hinten, so dass mich der Wind beim Paddeln unterstützte. Ich glaube gegen an wäre ich umgedreht, immerhin sind es fünf ein halb Kilometer bis zum Biwakplatz. Nachdem ich erst ohne Schwimmweste gestartet bin, fuhr ich nach einem Drittel der Strecke ans Ufer um das Teil an zu legen, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste wie man so schön sagt. Wenn man sich aus irgendeinem Grund plötzlich im Wasser wiederfindet ist irgend etwas verdammt schief gegangen. Da ist es beruhigend, wenn man schonmal ohne große Anstrengung oben schwimmt. Die Überfahrt war dann doch unspektakulär und ich kam noch vor Sonnenuntergang auf dem Biwakplatz an.
Der Sonnenuntergang war dann nicht halb so spektakulär wie eine Woche zuvor, aber Abends noch etwas draußen zu kochen ist dennoch eine schöne Sache. Nach zwei ein halb KIlometern zu Fuß und über fünf Kilometern im Boot, das Abendessen zu Hause hatte ich ja ausgelassen, hatte ich auch Hunger. Als es dunkel war bin ich dann auch bald in mein Zelt gekrochen und habe schnell geschlafen.
Kurz nach fünf stand ich auf und packte leise, auf dem Platz hatten auch einige Radfahrer übernachtet, meine Sachen zusammen. Eine halbe Stunde später war ich auf dem Wasser und es ging die gleiche Strecke wieder zurück. Ich schaffte es sogar wieder pünktlich um halb neun zum gemeinsamen Frühstück mit der Familie, alles richtig gemacht.
am 27. März dieses Jahres war meine kleine Welt noch in Ordnung. Ich hatte vier Freunde der 1. Kategorie wie ich meine besten Freunde gern nenne. Das heißt nicht, dass ich sie sehr häufig treffe, aber wenn ich richtig in der Schei*e sitzen würde, könnte ich bei jedem Einzelnen 24/7 anrufen, egal was passiert wäre oder was ich angerichtet hätte.
Am 28. März erreichte mich die Nachricht dass Du lieber S. eine schwere, nicht mehr heilbare, Krebserkrankung hast. Weil Du gerade am anderen Ende der Welt warst, war mir ein Besuch nicht möglich.
Unser gemeinsamer Bläserkreis machte sich gerade daran für zwei Geburtstage zu üben und so nahmen wir wenigstens ein Video auf und schickten Dir einen musikalischen Gruß. Wir waren in unseren Gedanken bei Dir und waren uns nicht bewußt, dass das Buch des Lebens und des Sterbens noch nicht geschrieben war.
Zwei Tage nach der nächsten Probe, an der Du lieber K. noch mit uns gemeinsam musiziert hast, kam die nächste Hiobsbotschaft, Du hattest in der Nacht einen Herzstillstand erlitten, konntest jedoch reanimiert werden. Für einige Tage gab es keine Neuigkeiten, außer dass Du im Koma lagst. Die Zeit zwischen hoffen und bangen nahm kein gutes Ende lieber K. Zum Glück hatte ich wenigstens die Möglichkeit, Dich zu besuchen und mich von Dir zu verabschieden. Ich gebe zu, ich hatte Angst vor der Situation, aber heute bin ich heilfroh, dass wir diese letzte Begegnung in dieser Welt haben durften.
Jetzt, einen Monat nachdem die schlechten Nachrichten für mich ihren Anfang genommen hatten, seid Ihr beide bereits tot.
Bei unserer letzten gemeinsamen Probe bei der wir viel an Dich lieber S dachten, hatte keiner die leiseste Ahnung, dass Du lieber K. noch vor S. gehen würdest.
In meinen Erinnerungen habt Ihr einen festen Platz. Ihr habt mir und vielen Anderen gezeigt, wie schnell sich in einem winzigen Augenblick einfach Alles ändern kann. Wir sind nur Gast auf Erden.
Ich danke Euch Beiden für die gemeinsame Zeit, die ich mit Euch verbringen durfte und hoffe auf ein Wiedersehen in einer anderen Welt.
Euer A.
PS: Ich nehme vor vor, nicht so viele Pläne für die Zukunft zu machen und mehr im hier und jetzt zu sein.