Was haben wir bloß für Luxusprobleme. Was fange ich mit meinem Urlaub an? Wir haben uns noch nie fragen müssen wo wir etwas zu essen für den nächsten Tag herbekommen, oder ob wir die nächste Nacht überleben. Es war immer genug Nahrung für alle da und Angst mussten wir bisher auch nicht haben. Ich Frage mich womit wir das verdient haben und andere nicht? Allein durch Gnade, sagen manche. Da frage ich mich warum die übrigen 90 Prozent der Erdenbürger in Ungnade gefallen sind? Haben wir einfach Glück gehabt, nicht in Kalkutta, Sao Paulo oder einem Dorf in Afrika das Licht der Welt erblickt zu haben?
Kategorie: Gedanken aus der Badewanne
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Die dunkle Jahreszeit ist nicht so meins
Meine Frau kann jeder Jahreszeit etwas Schönes abgewinnen. Mir fällt das im Gegensatz nicht so leicht. Wenn die Tage kürzer werden und die Nächte länger, dann ist das nicht so ganz meine Sache. Ich würde das jetzt noch nicht Winterdepression nennen, aber so ähnlich fühle ich mich dann schon. Weil ich in der Vergangenheit immer vom Segeln geträumt habe, ist das vielleicht auch ein bisschen zu verstehen. Wer möchte schon bei den beginnenden Herbst- und Winterstürmen auf der Ostsee mit dem Boot unterwegs sein.
Es war Ende September, der Mitsegeltörn war vorbei und ich hatte noch Lust irgendetwas zu unternehmen, zumal meine Frau und ich noch eine Woche Urlaub hatten. Meiner Eingebung folgend fragte das Google (Vorsicht gegendert!) nach Wandern im November. Der erste Beitrag handelte von Madeira. Die Sache war also zügig entschieden. Hier muss ich einen kleinen Einschub machen. Wir waren vor etwa 8 Jahren schon einmal auf einer der kanarischen Inseln und ich schwärme davon immer noch. Es hat mir so gut gefallen, dass diese Reise bis heute immer noch einen positiven Nachklang bei mir auslöst. Glücklicherweise konnte meine Frau auch noch Urlaub nehmen, so dass ich beginnen konnte für eine Woche im November Madeira zu buchen. Ich kann im übrigen jedem nur empfehlen die Unterkunft, den Flug und den Mietwagen selber zu buchen. Erstens wird es viel billiger und zweitens kannst du dir die Reise viel schöner, individuell auf Dich zugeschnitten, zusammenstellen.
Es ist auf Madeira so ähnlich wie auf den kanarischen Inseln. Man kann sich früh quasi das Wetter, welches man den Tag über haben möchte, aussuchen. Möchte man Sonne so fährt man am besten an die Küste im Süden. Möchte man etwas kühleres, bewölktes Wetter, dann kann man das im Norden finden. Fährt man in die Berge dann wird es vielleicht etwas neblig sein. Zum Wandern war Madeira tatsächlich die richtige Wahl um dem Novemberwetter zu entgehen, auch wenn es in den Bergen manchmal neblig war.
Das Bild ist tatsächlich von uns aufgenommen, wir haben den Feenwald nur im Nebel zu Gesicht bekommen.
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Doch noch segeln, zumindest ein bisschen
Spätestens mit dem Verkauf des Segelbootes hatte sich das Segeln auf eigenem Kiel Ende 2021 erledigt. Deswegen überlegte ich mir im Herbst wie es weitergehen könnte. Den Bootsführerschein den sogenannten SBS hatte ich schon vor einigen Jahren gemacht und vor kurzem war auch der SKS, der erweiterte Segelschein, in meinem Besitz. Es kam also der naheliegende Gedanke auf ein Boot zu chartern. Ich suchte mir ein nicht allzu großes Segelboot in Stralsund und schloß einen Chartervertrag ab. Anfang 2022 meldete sich dann meine Halswirbelsäule, und es fühlte sich genauso an wie 8 Jahre vorher als ich schon einmal Probleme ähnlicher Art hatte. Das Chartern stand auf der Kippe.
Es kam wie es kommen musste, der Mai rückte immer näher und ich war immer noch krank. Die Segeltour fiel aus und ich hatte nur noch eine Chance, 2022 zu segeln, denn ich hatte mich im September für einen Mitsegeltörn von Stralsund nach Holland angemeldet. Gott sei dank, diesmal kam nichts dazwischen, ich konnte mitsegeln, es war ein wunderbarer Törn, die Leute waren auch völlig okay und ich hatte 2022 wenigstens eine Woche segeln.
Als ich dann wieder zu Hause war, begann ich zu grübeln und mir zu überlegen, dass es ja wohl nicht sein könne dass ich mich ein ganzes Jahr auf zwei mal eine Woche Segeln, den sommerlichen Urlaub freue und zwischendurch für Unternehmungen einfach zu träge bin. Das Zauberwort hieß Microabenteuer. Über den youtube Kanal von Kai Sackmann konnte ich sehen wie viele Möglichkeiten es gibt einen Tag oder ein Wochenende in der Natur zu verbringen, mit dem Boot zu fahren, zu wandern oder sich sonst irgendeine Aktivität vor zu nehmen. Das entscheidende daran war: Man muß es nur machen.
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Etwas Gutes hatten die „Maßnahmen“
Die Corona Logdowns waren im Rückblick gesehen schon unglaublich. Einigkeit und Recht und Freiheit heißt es so schön in unserer Hymne. Davon war plötzlich nicht mehr viel übrig geblieben. An die Stelle des Bundestages in dem gewählte Abgeordnete Gesetze mit Mehrheiten beschließen trat etwas, was unsere Verfassung nicht vorsieht: Die MPK. Ministerpräsidentenkonferenz, was für ein schönes langes Wort. Dazu kamen dann eine Hand voll Experten. Dort durften nicht alle mitmachen, man mußte wohl schon eine recht strenge Linie vertreten um in das Expertengremium zu kommen. Am Anfang war die strenge von Angst getriebene Linie verständlich. Ich hatte schließlich „Das letzte Gefecht“ von Steven King gelesen. Ich wußte was passiert wen 99.9% aller Menschen auf der Welt sterben und ich wollte natürlich bei den 0,1% Überlebenden sein.
Als sich dann immer mehr hersusstellte, dass Steven King Unrecht gehabt haben mußte und das Verhältnis anders herum war, jedenfalls in etwa, kamen auch bei mir Zweifel auf, ob es einer Regierung zusteht alte Menschen in einem Heim monatelang in Einzelhaft zu nehmen. Im Rückblick ist es schon unvorstellbar wie lange wir alle das zugelassen haben und wie viele alte Menschen an Einsamkeit gestorben sind. Wir müssen echt daran arbeiten uns vom Untertan Heinrich Manns zu befreien, sonst nimmt es demnächst wieder ein böses Ende mit uns.
Was das denn bitteschön mit unterwegs sein zu tun hat? Verzeiht mir diesen Exkurs, aber die Gedanken in der Badewanne gehen manchmal spazieren. Dann will ich jetzt wieder auf den richtigen Pfad zurück kommen, denn Abkürzungen zu nehmen ist nicht immer kürzer. Jedenfalls hatten die Logdowns den Vorteil dass unsere Kinder teilweise vom Studium nach Hause kamen, die Familie wieder vereint war und enger zusammen rückte, obwohl zusammenrücken natürlich auf dem Index stand. Die eingeschränkten Möglichkeiten mit Freizeit etwas anderes als vorm Computer hocken anzufangen förderte das Wandern weit nach oben und wir merkten wie gut uns das tat.
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Dann blieben wir alle zu Hause
Im Winter 2020/2021, den wir alle im Wesentlichen kollektiv zu Hause verbringen durften, hatte ich die schwachsinnige Idee eine 28„ große Granada an der Müritz inclusive Liegeplatz zu kaufen. Mit all den falschen Argumenten, der Eine oder Andere kennt so etwas vielleicht, hatte ich mir das so schön geredet, dass ich daran glaubte und garnicht mehr anders konnte, als das durch zu ziehen. Die Kritiker des Vorhabens hatten alle keine Ahnung. Tja, warum sollte ich klügere Entscheidungen treffen als hoch dotierte Politiker. Alle sorgfältig abgewogenen Argumente sprachen für mich:
- so weit ist das ja garnicht, die 300 km sind doch schnell gefahren
- du bist ja nur im Nebenjob Kantor, da wirst du dir immer mal einen Sonntag freischaufeln
- der Liegeplatz am Zwenkauer See ist eigentlich blöd, viel zu klein für deine Segelambitionen
- da kannst Du das 21„ Boot verkaufen
OK, das Boot, eine Pretty 21 die vorher am Zwenkauer See lag war wirklich schnell verkauft. Jeder versuchte irgendwas zu bekommen, um seinen Urlaub auf irgendeine schöne Art im Lande zu verbringen. Das ging zum Glück auch dieses mal ohne Verluste ab. Der Liegeplatz war auch schnell gekündigt, die Warteliste für den See war länger als eine Rolle Klopapier. Den Liegeplatz konnte ich mir also für die nächsten 100 Jahre abschminken. Sonntage hatte ich sehr viel frei am Anfang des Jahres 2021, das hatte schon mal gut geklappt. Es gab da nur ein kleines Hindernis: Die Mecklenburger wollten keinen Besuch haben. Die Landesregierung hatte bis Anfang Mai Schengen einfach ausgesetzt. Als man dann wieder einreisen durfte, waren bei uns auch Gottesdienste wieder erlaubt. Weil dort auch lange nichts stattgefunden hatte, gab es verstädlicherweise eine Menge Dienste nach zu holen. Und zuletzt, machen wir uns nichts vor, 300km sind 300km.
Das Ergebnis war, dass ich das Boot, was auf dem Land stand, an einem Wochenende angefangen hatte aufzumotzen und das war es dann auch an Bootsaktivitäten im Jahr zwei der Pandemie. Das muss man erst einmal hinbekommen, wirklich alles falsch zu machen. Vielleicht sollte ich gelegentlich mehr auf meine Frau hören (hoffentlich überliest sie das).
Noch dämlicher als ich war nur der Verkäufer, bei dem ich das Segelboot erworben hatte, er kaufte es von mir zurück. Er hatte wohl auch auf niemanden gehört, ich fand die Verkaufsanzeige ein halbes Jahr später auf Ebay-Kleinanzeigen.
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Wandern? Na wenn’s unbedingt sein muss…
Es sollte unbedingt ein Segelboot sein, es war auch schon häufig eines. In der Jugend versuchte ich es mit dem Faltboot. Es gab da kleine Segel dazu und bei der richtigen Windrichtung kam man auch ein bisschen voran. Während der Abizeit war ich zwei Tage bei mein Cousin in Rathenow. Ich segelte ein Wochenende auf seinem 15er Jollenkreuzer mit, das hat mich dann schon irgendwie angefixt. Jahre später, schon nach der Wende, kam dann ein Segelfaltboot Delphin 140 ins Haus. Das war dann schon ein richtiges, eigenes, kleines Segelboot. Viel genutzt haben wir es nicht. Dann kamen und gingen nach und nach weitere Segelboote. Es waren allesamt Kajütboote, das Wochenende in Rathenow hatte da wohl sehr früh die Weichen in diese Richtung gestellt. Wandern und wenn’s geht noch weit, das stand nicht auf der Agenda, dann vielleicht eher noch Radfahren.
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Meine Frau kann ein Lied davon singen
Ich bin recht vielseitig interessiert. Wenn mir Idee über den Weg läuft die meine Neugier weckt, werde ich mich umgehend damit beschäftigen. Das können sehr unterschiedliche Dinge sein. Beispielsweise könnte man mal ein neues Musikinstrument lernen oder Boot fahren, das macht auch irgendwie Laune. Manchmal stellen sich aber auch wichtige Fragen die Antworten erfordern. Trägt Dich der Job den Du seit 20 Jahren machst noch weiter? Möglicherweise stellt sich dann diese Frage nach ein paar Jahren erneut.
So kommen immer wieder große und kleine Dinge auf mich zu, die angepackt werden wollen. Die großen Fragen sollen hier keine Rolle spielen, auch wenn man das vorher nie mit Sicherheit sagen kann. Ich glaube das Kind in mir ist noch da und die Neugier packt mich mal wieder, das ist für die Lieben um mich herum nicht immer einfach, meine Frau kann ein Lied davon singen…
