11.04. Anreise und Start

Der Hunger auf kleine Abenteuer ist bei mir derzeit groß. Ganz genau kann ich nicht sagen warum das so ist. Ich glaube es liegt einfach daran, dass mir die letzten Ausflüge gut getan haben. Während der Zeit in der man in der Natur unterwegs ist, reduziert sich das Dasein auf das Wesentliche. Nachrichten bei denen die eine Katastrophenmeldung im Eiltempo von der Nächsten in kürzester Zeit abgelöst wird, kommen nicht an, das ist unglaublich wohltuend.
Wir nahmen uns den 11.April als Starttermin für eine 3-tägige Paddeltour vor. „Wir“ das waren mein Sohn, Udo und ich. Nein, Udo ist nicht mein Sohn, er war der dritte Mitfahrer. Für die Tour brauchten wir nur zwei Boote, denn Udo kann nicht paddeln, er ist der Hund meines Sohnes. Ich war gespannt wie er sich auf dem Wasser anstellen würde. Bei meinen Ausflügen in den letzten Monaten war kein Termin dabei, bei welchem mein Sohn frei machen konnte. Deswegen freute ich mich umso mehr, dass es diesmal endlich geklappt hatte.
Eine Woche vor dem Start schaute ich täglich nach dem Wetter, dann das kann einem im April schonmal in die Quere kommen. Anfangs sah es nicht so ganz toll aus, aber je näher die Zeit heranrückte, desto besser wurde die Vorhersage. In der Nachbetrachtung konnte ich resümieren, dass die Vorhersage des „Kachelmannwetters“ sehr gut stimmte.
Nachdem meine letzte Bootstour auf den Feldberger Gewässern mit An- und Abreise durch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gut zu händeln gewesen war, wollten wir auch diesmal auf die gleiche Weise unterwegs sein. Unser Startpunkt in Fretzdorf war mit einem Regionalzug von Berlin aus sehr gut zu erreichen. Durch unsere beiden Packrafts war das Gepäck gut händelbar. Udo hatte seinen eigenen Rucksack. Er trug seine Verpflegung für die nächsten Tage selbst. Vom Bahnhof Fretzdorf bis zur Einsatzstelle an der Dosse waren es etwa 300m.
Ach ja, wie kam ich auf die Dosse? Schuld daran war der Wasserwanderatlas. Der kleine Fluß fiel mir beim Durchblättern auf. Gelegen zwischen der unteren Havel im Westen und den Ruppiner Gewässern im Osten war das bisher für mich ein weißer Fleck. In einem Paddelforum kam der Fluß eher schlecht weg, es hieß, er sei wenig abwechslungsreich.

Die Einsatzstelle hinter der Bahnlinie sah vielversprechend aus.. Wir bauten die Boote auf, verstauten das Gepäck und gegen Mittag konnten wir starten. Wir hatten uns keinen konkreten Zielpunkt vorgenommen, sondern wollten uns treiben lassen und schauen, was die Gegend uns anbieten würde.

Der kleine Fluß ließ sich von Anfang an sehr schön und leicht paddeln, mit einer Strömung von ungefähr zwei bis drei Kilometern pro Stunde muss man nicht viel machen. Einzig der an allen drei Tagen herrschende Gegenwind bremste uns etwas aus. Nach einer Stunde machten wir eine erste kleine Pause, damit sich Udo ein bisschen bewegen konnte.


Links und Rechts der Dosse gibt es meist Wiesen und auch etwas Wald. Ackerflächen sind seltener, weil es sich meistens um Feuchtwiesen handelt, die für Weiden genutzt werden. Auf den ersten sechs Kilometern gibt es drei Sohlgleiten. Das sind ehemalige Wehre die durch Schüttungen in kleine Stromschnellen umgewandelt worden sind. Im Wasserwanderatlas stand, dass diese bei gutem Wasserstand überfahren werden können. Der Pegel in Wusterhausen zeigte 53cm, als mittlerer Wasserstand werden für April 37cm angegeben. Wir konnten alle drei Stellen gut überfahren, das brachte ein kleines bisschen „Wildwasserfeeling“ in die ganze Sache.
Nach sieben Kilometern erreichten wir das kleine Dörfchen Teetz. Gleich hinter der Brücke gibt es auf der linken Seite einen wunderschönen Rastplatz. Wir landeten an und kochten erst einmal Kaffee.




Gegen 15 Uhr hätten wir in aller Ruhe weiter paddeln können. Wir sahen uns die Karte an und überlegten, wo der nächste Platz für eine Übernachtung sein würde, aber der Platz in Teetz war einfach zu schön um ihn einfach ungenutzt zu lassen. Es gab überdachte Sitzgelegenheiten, ein Gebäude das zum Kochen Windschatten bot, eine schöne ebene Wiesenfläche für die Zelte, viel Ruhe, ein Dorf in dem man sich Trinkwasser besorgen konnte und eine Feuerstelle. Kann man so viele Vorteile an einem Platz weiter Dosseabwärts finden? Um es vorweg zu nehmen, nein. Es gibt keinen besseren Rastplatz während der nächsten 25km. Wir beschlossen auf diesem Platz zu bleiben und unser Lager aufzuschlagen. Anschließend machten wir noch einen kleinen Spaziergang, um die Gegend zu erkunden. Bei einem freundlichen Dorfbewohner ließen wir noch unsere leeren Wasserflaschen füllen, machten ein kleines Feuer, quatschten noch eine Runde und legten uns relativ zeitig schlafen.

12.04. Ein schöner Paddeltag

Den nächsten Tag gingen wir sehr ruhig an. Ich stand 8:30 Uhr auf. Mein Sohn schlief eine Stunde länger. Wir frühstückten in aller Ruhe, trödelten noch ein bisschen beim Einpacken und kamen dann erst kurz vor Mittag wieder auf das Wasser.


Vor uns lag die Dosse, die noch einige Wehre zum Umtragen für uns bereit hielt. Auffällig an diesem Flußabschnitt war, dass fast alle am Fluß stehenden Bäume im unteren Bereich von Bibern angenagt waren. Man kann das auf dem oberen Bild über meinem Boot erkennen. Im Laufe des Tages sahen wir dann tatsächlich zahlreiche Biber, zum Teil auch mit Ihren Jungen. Leider war ich schlecht vorbereitet um schnell zu Fotografieren, so dass ich keinen Biber auf ein Bild bannen konnte. Immer als ich soweit war, waren sie bereits in ihrem Bau verschwunden.
Einmal sah Udo den Biber als erster und sprang ins Wasser. Er schwamm ans Ufer und lief dort aufgeregt hin und her. Als er sich etwas beruhigt hatte, konnten wir ihn wieder überzeugen ins Boot zu springen. Der Biber war zum Glück im Wasser viel schneller, das hätte sonst für Udo schlecht ausgehen können. Alles was er von seinem Ausflug mitbrachte, waren einige dutzend Kletten.

Bei unserer weiteren Fahrt trugen wir die Boote an insgesamt sechs Wehren um. Es gibt keine ausgebauten Stellen zum Aus- und Einsetzen der Boote. Da war es sehr praktisch, dass ich mit Trockenanzug und Neoprenschuhen unterwegs war. So konnte ich an matschigen Stellen zuerst aussteigen und den anderen Beiden beim Anlegen helfen.
Ein besonderes Erlebnis war eine riesige Koppel. Die Pferde waren neugierig und begleiteten uns ein Stück.



An zwei Wehren waren in der Karte Rastplätze eingetragen. Diese Rastplätze gab es dort allerdings nicht. Deswegen entschlossen wir uns zum Weiterfahren und bauten unser Lager am siebenten Wehr des Tages, kurz vor Wusterhausen, auf. So konnten wir noch etwas Leckeres einkaufen und den Abend gemütlich am Feuer verbringen.

13.04. Am Ende der Tour blauer Himmel und Sonnenschein

Am nächsten Morgen weckte uns herrlicher Sonnenschein. Ich stand etwas eher auf und bereitete Holz für den Hobokocher vor. Man kann auch das Kaffeewasser entspannt mit einem Gaskocher heiß machen, aber am Morgen an einem kleinen Feuer sitzen und das Frühstück mit ein wenig Anstrengung vor zu bereiten, ist etwas anderes.
Gegen 9:30 war alles wieder gepackt und es ging weiter. Es kam noch eine Stelle an der Treibgut den Weg versperrte und noch einmal umgetragen werden mußte. In Wusterhausen gab es noch ein paar kleine Stromschnellen und danach war entspanntes Paddeln bis nach Spiegelberg angesagt. Nach einer Stunde waren wir an der Eisenbahnbrücke angekommen. Dort ist eine Sperre im Fluß aufgebaut. Wir nahmen die Boote aus dem Wasser und packten unser Gepäck und die Boote zusammen. Zu Fuß ging es dann noch nach Neustadt zum Bahnhof. Ein wunderschöner kurzer Paddelausflug ging zu Ende.



Zuhause angekommen merkte unser Hund sofort, dass auf meiner Isomatte ein Artgenosse gesessen haben musste.

Die Dosse von Fretzdorf bis Neustadt ist auf jeden Fall eine Empfehlung. Sie führt durch schöne Wiesenlandschaft, die Gegend ist dünn besiedelt und man findet viel Ruhe. Mit größeren Booten wird das Umtragen natürlich anstrengender. Im Sommer ist der Wasserstand niedriger und man wird die Sohlgleiten treideln müssen, dafür sollte man Neoprenschuhe dabei haben. Für ein verlängertes Wochenende ist die Strecke ideal. Wenn man am ersten Tag in Fretzdorf gegen 15 Uhr beginnt, kommt man ganz in Ruhe auf dem wunderbaren Rastplatz in Teetz an. Der zweite Tag ist mit 20km, und dabei schöner Strömung, auch keine unüberwindbare Distanz. Dabei bieten die sechs Umtragestellen genug Möglichkeiten für eine Rast. Wir benötigten für die Strecke mit Pause und Kaffekochen ganz in Ruhe 7 Stunden. Am dritten Tag schafft man es locker zur Mittagszeit in Neustadt am Bahnhof zu sein. Ein eher sportlich orientierter Paddler schafft die ganze Strecke natürlich an einem Tag. Unsere Packrafts haben sich bei der Tour bestens bewährt, wir konnten mit dem Zug an- und abreisen und waren mit 3l Wasser und Essen für drei Tage bei jeweils 20kg. Beim Gewicht kann man sicher noch einsparen, aber ein kleines bisschen Bequemlichkeit darf es dann schon sein. Ein besonderes Erlebnis waren die zahlreichen Tiere an der Strecke.
Die Dosse-Ableitung zum Kyritzer Obersee kann nicht gut befahren werden. Ein Anwohner aus Teetz sagte uns, dass der Obersee als „Stausee“ genutzt wird und im Frühjahr meist viel Wasser hat und deswegen der Zufluß über den Ableiter sehr klein gehalten wird. Auf mich wirkte der Ableiter wie ein kleiner Meliorationsgraben.