Im Winter 2020/2021, den wir alle im Wesentlichen kollektiv zu Hause verbringen durften, hatte ich die schwachsinnige Idee eine 28„ große Granada an der Müritz inclusive Liegeplatz zu kaufen. Mit all den falschen Argumenten, der Eine oder Andere kennt so etwas vielleicht, hatte ich mir das so schön geredet, dass ich daran glaubte und garnicht mehr anders konnte, als das durch zu ziehen. Die Kritiker des Vorhabens hatten alle keine Ahnung. Tja, warum sollte ich klügere Entscheidungen treffen als hoch dotierte Politiker. Alle sorgfältig abgewogenen Argumente sprachen für mich:
- so weit ist das ja garnicht, die 300 km sind doch schnell gefahren
- du bist ja nur im Nebenjob Kantor, da wirst du dir immer mal einen Sonntag freischaufeln
- der Liegeplatz am Zwenkauer See ist eigentlich blöd, viel zu klein für deine Segelambitionen
- da kannst Du das 21„ Boot verkaufen
OK, das Boot, eine Pretty 21 die vorher am Zwenkauer See lag war wirklich schnell verkauft. Jeder versuchte irgendwas zu bekommen, um seinen Urlaub auf irgendeine schöne Art im Lande zu verbringen. Das ging zum Glück auch dieses mal ohne Verluste ab. Der Liegeplatz war auch schnell gekündigt, die Warteliste für den See war länger als eine Rolle Klopapier. Den Liegeplatz konnte ich mir also für die nächsten 100 Jahre abschminken. Sonntage hatte ich sehr viel frei am Anfang des Jahres 2021, das hatte schon mal gut geklappt. Es gab da nur ein kleines Hindernis: Die Mecklenburger wollten keinen Besuch haben. Die Landesregierung hatte bis Anfang Mai Schengen einfach ausgesetzt. Als man dann wieder einreisen durfte, waren bei uns auch Gottesdienste wieder erlaubt. Weil dort auch lange nichts stattgefunden hatte, gab es verstädlicherweise eine Menge Dienste nach zu holen. Und zuletzt, machen wir uns nichts vor, 300km sind 300km.
Das Ergebnis war, dass ich das Boot, was auf dem Land stand, an einem Wochenende angefangen hatte aufzumotzen und das war es dann auch an Bootsaktivitäten im Jahr zwei der Pandemie. Das muss man erst einmal hinbekommen, wirklich alles falsch zu machen. Vielleicht sollte ich gelegentlich mehr auf meine Frau hören (hoffentlich überliest sie das).
Noch dämlicher als ich war nur der Verkäufer, bei dem ich das Segelboot erworben hatte, er kaufte es von mir zurück. Er hatte wohl auch auf niemanden gehört, ich fand die Verkaufsanzeige ein halbes Jahr später auf Ebay-Kleinanzeigen.

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