Alexander ist unterwegs

Reise- und andere Geschichten

Mit über 60 Jahren bin ich schon eine ganze Weile unterwegs und hoffe, dass noch einige Schritte dazu kommen

Kategorie: Abenteuer

Aktivitäten von ein bis zwei Tagen

  • Dosse April 2024

    Dosse April 2024

    11.04. Anreise und Start

    Der Hunger auf kleine Abenteuer ist bei mir derzeit groß. Ganz genau kann ich nicht sagen warum das so ist. Ich glaube es liegt einfach daran, dass mir die letzten Ausflüge gut getan haben. Während der Zeit in der man in der Natur unterwegs ist, reduziert sich das Dasein auf das Wesentliche. Nachrichten bei denen die eine Katastrophenmeldung im Eiltempo von der Nächsten in kürzester Zeit abgelöst wird, kommen nicht an, das ist unglaublich wohltuend.

    Wir nahmen uns den 11.April als Starttermin für eine 3-tägige Paddeltour vor. „Wir“ das waren mein Sohn, Udo und ich. Nein, Udo ist nicht mein Sohn, er war der dritte Mitfahrer. Für die Tour brauchten wir nur zwei Boote, denn Udo kann nicht paddeln, er ist der Hund meines Sohnes. Ich war gespannt wie er sich auf dem Wasser anstellen würde. Bei meinen Ausflügen in den letzten Monaten war kein Termin dabei, bei welchem mein Sohn frei machen konnte. Deswegen freute ich mich umso mehr, dass es diesmal endlich geklappt hatte.

    Eine Woche vor dem Start schaute ich täglich nach dem Wetter, dann das kann einem im April schonmal in die Quere kommen. Anfangs sah es nicht so ganz toll aus, aber je näher die Zeit heranrückte, desto besser wurde die Vorhersage. In der Nachbetrachtung konnte ich resümieren, dass die Vorhersage des „Kachelmannwetters“ sehr gut stimmte.

    Nachdem meine letzte Bootstour auf den Feldberger Gewässern mit An- und Abreise durch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gut zu händeln gewesen war, wollten wir auch diesmal auf die gleiche Weise unterwegs sein. Unser Startpunkt in Fretzdorf war mit einem Regionalzug von Berlin aus sehr gut zu erreichen. Durch unsere beiden Packrafts war das Gepäck gut händelbar. Udo hatte seinen eigenen Rucksack. Er trug seine Verpflegung für die nächsten Tage selbst. Vom Bahnhof Fretzdorf bis zur Einsatzstelle an der Dosse waren es etwa 300m.

    Ach ja, wie kam ich auf die Dosse? Schuld daran war der Wasserwanderatlas. Der kleine Fluß fiel mir beim Durchblättern auf. Gelegen zwischen der unteren Havel im Westen und den Ruppiner Gewässern im Osten war das bisher für mich ein weißer Fleck. In einem Paddelforum kam der Fluß eher schlecht weg, es hieß, er sei wenig abwechslungsreich.

    Die Einsatzstelle hinter der Bahnlinie sah vielversprechend aus.. Wir bauten die Boote auf, verstauten das Gepäck und gegen Mittag konnten wir starten. Wir hatten uns keinen konkreten Zielpunkt vorgenommen, sondern wollten uns treiben lassen und schauen, was die Gegend uns anbieten würde.

    Der kleine Fluß ließ sich von Anfang an sehr schön und leicht paddeln, mit einer Strömung von ungefähr zwei bis drei Kilometern pro Stunde muss man nicht viel machen. Einzig der an allen drei Tagen herrschende Gegenwind bremste uns etwas aus. Nach einer Stunde machten wir eine erste kleine Pause, damit sich Udo ein bisschen bewegen konnte.

    Links und Rechts der Dosse gibt es meist Wiesen und auch etwas Wald. Ackerflächen sind seltener, weil es sich meistens um Feuchtwiesen handelt, die für Weiden genutzt werden. Auf den ersten sechs Kilometern gibt es drei Sohlgleiten. Das sind ehemalige Wehre die durch Schüttungen in kleine Stromschnellen umgewandelt worden sind. Im Wasserwanderatlas stand, dass diese bei gutem Wasserstand überfahren werden können. Der Pegel in Wusterhausen zeigte 53cm, als mittlerer Wasserstand werden für April 37cm angegeben. Wir konnten alle drei Stellen gut überfahren, das brachte ein kleines bisschen „Wildwasserfeeling“ in die ganze Sache.

    Nach sieben Kilometern erreichten wir das kleine Dörfchen Teetz. Gleich hinter der Brücke gibt es auf der linken Seite einen wunderschönen Rastplatz. Wir landeten an und kochten erst einmal Kaffee.

    Gegen 15 Uhr hätten wir in aller Ruhe weiter paddeln können. Wir sahen uns die Karte an und überlegten, wo der nächste Platz für eine Übernachtung sein würde, aber der Platz in Teetz war einfach zu schön um ihn einfach ungenutzt zu lassen. Es gab überdachte Sitzgelegenheiten, ein Gebäude das zum Kochen Windschatten bot, eine schöne ebene Wiesenfläche für die Zelte, viel Ruhe, ein Dorf in dem man sich Trinkwasser besorgen konnte und eine Feuerstelle. Kann man so viele Vorteile an einem Platz weiter Dosseabwärts finden? Um es vorweg zu nehmen, nein. Es gibt keinen besseren Rastplatz während der nächsten 25km. Wir beschlossen auf diesem Platz zu bleiben und unser Lager aufzuschlagen. Anschließend machten wir noch einen kleinen Spaziergang, um die Gegend zu erkunden. Bei einem freundlichen Dorfbewohner ließen wir noch unsere leeren Wasserflaschen füllen, machten ein kleines Feuer, quatschten noch eine Runde und legten uns relativ zeitig schlafen.

    12.04. Ein schöner Paddeltag

    Den nächsten Tag gingen wir sehr ruhig an. Ich stand 8:30 Uhr auf. Mein Sohn schlief eine Stunde länger. Wir frühstückten in aller Ruhe, trödelten noch ein bisschen beim Einpacken und kamen dann erst kurz vor Mittag wieder auf das Wasser.

    Vor uns lag die Dosse, die noch einige Wehre zum Umtragen für uns bereit hielt. Auffällig an diesem Flußabschnitt war, dass fast alle am Fluß stehenden Bäume im unteren Bereich von Bibern angenagt waren. Man kann das auf dem oberen Bild über meinem Boot erkennen. Im Laufe des Tages sahen wir dann tatsächlich zahlreiche Biber, zum Teil auch mit Ihren Jungen. Leider war ich schlecht vorbereitet um schnell zu Fotografieren, so dass ich keinen Biber auf ein Bild bannen konnte. Immer als ich soweit war, waren sie bereits in ihrem Bau verschwunden.

    Einmal sah Udo den Biber als erster und sprang ins Wasser. Er schwamm ans Ufer und lief dort aufgeregt hin und her. Als er sich etwas beruhigt hatte, konnten wir ihn wieder überzeugen ins Boot zu springen. Der Biber war zum Glück im Wasser viel schneller, das hätte sonst für Udo schlecht ausgehen können. Alles was er von seinem Ausflug mitbrachte, waren einige dutzend Kletten.

    Bei unserer weiteren Fahrt trugen wir die Boote an insgesamt sechs Wehren um. Es gibt keine ausgebauten Stellen zum Aus- und Einsetzen der Boote. Da war es sehr praktisch, dass ich mit Trockenanzug und Neoprenschuhen unterwegs war. So konnte ich an matschigen Stellen zuerst aussteigen und den anderen Beiden beim Anlegen helfen.

    Ein besonderes Erlebnis war eine riesige Koppel. Die Pferde waren neugierig und begleiteten uns ein Stück.

    An zwei Wehren waren in der Karte Rastplätze eingetragen. Diese Rastplätze gab es dort allerdings nicht. Deswegen entschlossen wir uns zum Weiterfahren und bauten unser Lager am siebenten Wehr des Tages, kurz vor Wusterhausen, auf. So konnten wir noch etwas Leckeres einkaufen und den Abend gemütlich am Feuer verbringen.

    13.04. Am Ende der Tour blauer Himmel und Sonnenschein

    Am nächsten Morgen weckte uns herrlicher Sonnenschein. Ich stand etwas eher auf und bereitete Holz für den Hobokocher vor. Man kann auch das Kaffeewasser entspannt mit einem Gaskocher heiß machen, aber am Morgen an einem kleinen Feuer sitzen und das Frühstück mit ein wenig Anstrengung vor zu bereiten, ist etwas anderes.

    Gegen 9:30 war alles wieder gepackt und es ging weiter. Es kam noch eine Stelle an der Treibgut den Weg versperrte und noch einmal umgetragen werden mußte. In Wusterhausen gab es noch ein paar kleine Stromschnellen und danach war entspanntes Paddeln bis nach Spiegelberg angesagt. Nach einer Stunde waren wir an der Eisenbahnbrücke angekommen. Dort ist eine Sperre im Fluß aufgebaut. Wir nahmen die Boote aus dem Wasser und packten unser Gepäck und die Boote zusammen. Zu Fuß ging es dann noch nach Neustadt zum Bahnhof. Ein wunderschöner kurzer Paddelausflug ging zu Ende.

    Zuhause angekommen merkte unser Hund sofort, dass auf meiner Isomatte ein Artgenosse gesessen haben musste.

    Die Dosse von Fretzdorf bis Neustadt ist auf jeden Fall eine Empfehlung. Sie führt durch schöne Wiesenlandschaft, die Gegend ist dünn besiedelt und man findet viel Ruhe. Mit größeren Booten wird das Umtragen natürlich anstrengender. Im Sommer ist der Wasserstand niedriger und man wird die Sohlgleiten treideln müssen, dafür sollte man Neoprenschuhe dabei haben. Für ein verlängertes Wochenende ist die Strecke ideal. Wenn man am ersten Tag in Fretzdorf gegen 15 Uhr beginnt, kommt man ganz in Ruhe auf dem wunderbaren Rastplatz in Teetz an. Der zweite Tag ist mit 20km, und dabei schöner Strömung, auch keine unüberwindbare Distanz. Dabei bieten die sechs Umtragestellen genug Möglichkeiten für eine Rast. Wir benötigten für die Strecke mit Pause und Kaffekochen ganz in Ruhe 7 Stunden. Am dritten Tag schafft man es locker zur Mittagszeit in Neustadt am Bahnhof zu sein. Ein eher sportlich orientierter Paddler schafft die ganze Strecke natürlich an einem Tag. Unsere Packrafts haben sich bei der Tour bestens bewährt, wir konnten mit dem Zug an- und abreisen und waren mit 3l Wasser und Essen für drei Tage bei jeweils 20kg. Beim Gewicht kann man sicher noch einsparen, aber ein kleines bisschen Bequemlichkeit darf es dann schon sein. Ein besonderes Erlebnis waren die zahlreichen Tiere an der Strecke.

    Die Dosse-Ableitung zum Kyritzer Obersee kann nicht gut befahren werden. Ein Anwohner aus Teetz sagte uns, dass der Obersee als „Stausee“ genutzt wird und im Frühjahr meist viel Wasser hat und deswegen der Zufluß über den Ableiter sehr klein gehalten wird. Auf mich wirkte der Ableiter wie ein kleiner Meliorationsgraben.

  • Küstrinchenbach März 24

    Küstrinchenbach März 24

    Ich hatte große Lust die Strecke von Feldberg nach Lychen, nachdem ich diese schon einmal vor 45 Jahren in entgegengesetzter Richtung gefahren bin, ja das ging damals noch, zu paddeln. Weil ich unbedingt den dazwischen liegenden Küstrinchenbach im Boot zurücklegen und die Strecke nicht umtragen wollte, musste ich zeitig im Frühjahr fahren. Der Küstrinchenbach darf nur ab einem Pegel von 30 cm befahren werden. Diesen Wasserstand hat der Bach immer nur im zeitigen Frühjahr, deswegen musste die Fahrt so zeitig im Jahr sein. Ich fand leider niemanden der mit mir im März paddeln wollte, weil es Allen die für so eine Tour in Frage kamen noch zu kalt war in dieser Jahreszeit. Mich hat das nicht abgeschreckt, zumal ich meinen Trockenanzug gern einmal intensiver ausprobieren wollte. Außerdem hatte ich mir vor der Madeira Tour einen Daunenschlafsack gekauft, so dass Übernachtungen bis etwa null Grad kein Problem sein sollten. Ohne Trockenanzug hätte ich die Tour nicht gemacht, weil im Falle des Kenterns das Wasser bei 10 Grad wohl keine guten Voraussetzungen bietet, um gesund an Land zu kommen.

    Wie bei meinen vorhergehenden Touren habe ich mich zeitig mit meiner Packliste beschäftigt. Nach zahlreichen Änderungen hatte ich mich letztendlich entschieden, nur den Hobokocher mitzunehmen. Ich kam letztlich auf ein Gesamtgewicht mit meinem Packraft von 14 kg. Als ich die ganzen Einzelgewichte zusammengerechnet hatte, war ich selbst sehr erstaunt, dass ich mit Klamotten, Kochutensilien, Lebensmitteln, Rucksack, diversen Kleinkram und Boot bei diesem Gewicht gelandet bin. Das Trinkwasser für die Tour kam natürlich noch dazu.

    Der Bus fuhr pünktlich los. Weil ich in Neustrelitz genug Zeit hatte, habe ich mir dort noch zwei Flaschen Wasser gekauft. Diese 3 kg kamen natürlich noch bei den 14 kg oben drauf.

    Gegen 13 Uhr kam ich in Feldberg an. Um die verlorenen zwei Stunden etwas zu kompensieren bin ich ein Stück der ersten Strecke am Schmalen Luzin in Richtung Süden gelaufen. Dort gibt es eine kleine Fähre und dieser Anleger sollte mein Startpunkt werden. Obwohl es noch außerhalb der Saison war, traf ich dort den Fährmann der sich wunderte, warum ich so zeitig im Jahr dort paddeln wollte. Nach meiner Erklärung wünschte er mir eine schöne Tour und fuhr wieder nach Hause, er hatte nur nachgesehen, ob auf seinem Gelände alles in Ordnung war.

    Das Aufbauen und das Verstauen des Gepäcks dauerte etwa eine viertel Stunde. Dann konnte es endlich aufs Wasser gehen.

    Endlich konnte es losgehen. Es war bewölkt und der Wind wehte leicht von vorn. Glücklicherweise war es zu wenig um ernsthafte Wellen aufzubauen.

    Da hatte ich mich wirklich dämlich angestellt. Ich hatte das kleine Stativ etwas höher gestellt, damit die Kamera über den Packsack „sehen“ konnte. Das hätte ich einfach lassen sollen. Fünf Sekunden später fiel sie ins Wasser. Deswegen geht es ab jetzt mit Bildern vom Handy weiter.

    Die Bäk als Übergang zum Carwitzer See ist ein kleiner Bach dicht mit Bäumen bewachsen. Die erste Umtragestelle ist dann auch schon mitten im Dorf Carwitz. Ich konnte gut aussteigen, das Boot heraus nehmen, die Packsäcke abschnallen und dann alles über die Straße auf die andere Seite tragen. Man landet dabei mitten im Dorf an einem schönen Rast- und Spielplatz.

    Direkt an dieser Stelle konnte ich nicht wieder einsetzen, das schnell strömende Wasser war zu flach, selbst für mein Packraft mit seinem geringen Tiefgang. Vielleicht bin ich auch einfach ein bisschen zu schwer um den wenigen Tiefgang des Bootes optimal zu nutzen.

    Ich trug meine Ausrüstung etwa 100 m weiter direkt an den Carwitzer See. Den durchpaddelt man nur ein sehr kleines Stück bis zu einer von Schilf bewachsenen Durchfahrt die zum Dreetzsee führt. In dieser Durchfahrt hatte die Kamera dann ihren Schwimmkurs. Bis Heute konnte ich ihr übrigens noch kein zweites Leben einhauchen trotz intensiver Trocknungsbemühungen.

    Mit einigem Frust im Bauch durchquerte ich den Dreetzsee. An dessen Ende war eine Umtragestelle über einen Campingplatz. Ich wußte, dass der Platz im März noch nicht geöffnet hatte und hatte dennoch vor, dort mein Zelt aufzubauen. Als ich aus dem Boot stieg um die Lage zu peilen sah ich, dass jemand in der Rezeption war. Der Platz ist riesig und mit zahlreichen Dauercampern belegt. Ich fragte sehr freundlich beim Platzwart, der offensichtlich auch außerhalb der Saison auf seinen Platz aufpasst, nach, ob ich eine Nacht dort unten am See übernachten dürfe. Er wand sich und meinte, dass die Sanitäranlagen ja auch noch nicht geöffnet hätten und wollte mir seine Erlaubnis nicht geben. Ich gebe zu, dass ich mächtig sauer war. Er empfahl mir mein Zelt nach der Umtragung unten am Krüselinsee aufzubauen, da sei ein kleines Wiesenfleckchen wo ich gut mit meinem Minizelt stehen könne. Ich trug alles auf die andere Seite. Schnell stand fest, dass ich direkt hinter zwei Schildern, die das Naturschutzgebiet auswiesen, nicht mein Zelt aufstellen und den Hobokocher anschmeißen würde.

    Inzwischen dämmerte es schon mächtig, es war gegen halb sechs. Ich entschied, weiter zu fahren. Der Krüselinsee lag vor mir, einer der saubersten und klarsten Seen in der Gegend. Nach einer knappen Stunde kam ich am anderen Ufer, der Krüseliner Mühle an. Dort gibt es keinen Biwakplatz und auch sonst fand ich keinen gescheiten Platz für mein Lager. Ich beschloß unzutragen und hoffte am Kleinen- oder am Großen Mechnowsee ein Plätzchen zu finden.

    Ich setzte hinter dem Wehr der Krüseliner Mühle wieder ein. Es war dort sehr matschig und sumpfig und vor Allem zu flach und das Fließ von zahlreichen umgefallenen Bäumen versperrt. Hier kam ich nicht weiter. Also: Schuhe und Socken aus, Hose hochkrempeln, Neoprenschuhe an, raus aus dem Boot und das ganze Gerödel 30m durch den Sumpfstreifen tragen. Was soll ich sagen, das hatte ich mir etwas einfacher vorgestellt. Zuerst wollte ich das ganze Boot mit Gepäck zum Waldrand schaffen, aber da ich bei jedem Schritt bis zum Knie im Modder versank, trug ich die Packsäcke und das Boot jeweils einzeln. Hier muß ich mir wieder einmal vornehmen, auch in solchen Situationen, das Fotografieren nicht zu vergessen. Ich sah aus wie ein Wildschwein was gerade seiner Suhle entstiegen ist. Jetzt musste ich mir etwas einfallen lassen, es war halb acht und dunkel. Sicher hätte ich in der Nähe irgendeinen Platz gefunden auf dem ich mein Zelt hätte aufbauen können, aber irgendwie war dieser Flecken Erde bei mir gerade durchgefallen. Ein kurzes Kartenstudium verriet, dass es zu Fuß durch den Wald etwa 6 km bis zur Kolbatzer Mühle waren. Dort gibt es einen Biwakplatz. Der Entschluß stand fest, ich ließ die Luft aus dem Boot packte den Rucksack und gegen acht Uhr lief ich los. Es war stockfinster und ich war vorher noch nie nachts mit Kopflampe und Gepäck unterwegs gewesen. Aber ungeachtet dessen, meine Laune besserte sich mit jedem Schritt und nach einer guten Stunde war ich am Ziel.

    Ich habe in der Nachbetrachtung zu diesem sehr wechselvollen Tag festgestellt, dass es wichtig ist, sich in einem Zustand des Frusts, der Niedergeschlagenheit und einer gewissen Ausweglosigkeit (letzteres ist natürlich etwas übertrieben) einen Plan zu machen, eine Entscheidung zu treffen und die Sache dann neu anzugehen. Das mobilisiert den Körper und den Geist zu nicht geahnter Zähigkeit. Lasst Euch nie unterkriegen.

    Am Morgen waren die Strapazen des vergangenen Tages wie weggeblasen. Der Tag versprach Sonnenschein und ich machte mich daran das Frühstück zu bereiten. Der Biwakplatz ist sehr groß, es gibt mehrere Feuerstellen, mehrere Unterstände und auch einige Schutzhütten. Ich sammelte Holz und kochte mir auf dem Hobokocher Kaffee und bereitete mir mein morgendliches Porridge. So kann man einen Tag beginnen.

    Gegen 9:30 Uhr hatte ich alles wieder zusammengepackt, das Boot stand am Fließ und es konnte jetzt weitergehen. Die kurze Strecke bis zur Schreibermühle war bereits recht anstrengend, weil aller 20 bis 50 Meter wieder Baumstämme im Wasser lagen, man musste umtragen oder das Boot darüber heben. Der Mechowbach hatte dann aber glücklicherweise auch ein Ende

    Jetzt musste nur noch die Schreibermühle als letztes Hindernis zum Großen Küstrinsee umtragen werden und nun war ich meinem eigentlichen Ziel, dem Küstrinchenbach, schon sehr nahe gekommen.

    Die Strecke über den großen küstrinsee war nicht sehr lang und so kam ich bald in einen breiten Kanal, der zur Küstriner Mühle führte. Alle Signale standen auf go.

    An der Hinweistafel gab es einen Aushang an welchem stand, dass man den Bach mit Vorsicht befahren sollte und auf jeden Fall die zahlreichen Biberburgen weiträumig umtragen soll. An einigen dieser Biberburgen standen dann auch noch extra Hinweisschilder. Der Anfang des Bachs war sehr harmlos. Noch wenigen hundert Metern musste man allerdings immer öfter aus dem Boot raus und entweder treideln, weil das Wasser zu flach war, oder man musste das Boot umtragen, weil irgendwelche Bäume oder Biberburgen im Weg lagen. Es war ringsherum eine wunderschöne Natur und ich brauchte für die etwa 4 km drei Stunden.

    Eine letzte Biberburg war noch zu umtragen, und ich konnte vor mir den Biwakplatz Fegefeuer endlich sehen. Es war noch rechtzeitig am Tag, aber das war auch gut so, denn alle Dinge die ich im Boot unverpackt liegen hatte, waren völlig durchnässt. Das lag an meiner Technik wie ich in das Boot, wenn ich auf dem Fließ war, ein- und ausgestiegen bin. Die besten Ergebnisse hatte ich erzielt indem ich mich bei einer Wassertiefe von ungefähr 30 cm mit dem Rücken an das Boot gestellt habe und mit einem kühnen Satz nach hinten auf den Sitz gesprungen bin und danach die Beine ins Boot geschwungen habe. In dieser Disziplin hatte ich mittlerweile eine gewisse Perfektion erreicht. Es gab lediglich den unangenehmen Nebeneffekt, dass bei jedem Sprung mindestens ein Liter Wasser mit über Bord kam. Da sammelt sich nach dem zehnten Sprung so einiges an. Mir selbst konnte das Wasser nichts anhaben, denn ich hatte meinen Trockenanzug an und an den Füßen zusätzlich noch Neoprenschuhe. Meine normalen Straßenschuhe hatte es dagegen arg erwischt, denn ich hatte sie hinter die Sitzlehne gesteckt und sie waren randvoll mit Wasser. Deswegen machte ich nach meiner Ankunft um 15 Uhr nach dem Zeltaufbau als erstes Feuer um die Chance zu haben, die Schuhe bis zum nächsten Morgen irgendwie trocken zu bekommen.

    Am nächsten Morgen stand ich um 6 Uhr auf, machte mir kein Frühstück, denn mein Bus in Lychen sollte um 10 Uhr fahren. Ich war wirklich sehr schnell mit dem Einpacken, so dass ich schon um 7 Uhr los paddeln konnte. Der Weg nach Lychen, es waren etwa 3 km, dauerte höchstens eine Stunde, so dass ich viel zu zeitig da war. Ich zog mich um, packte meine Sachen in aller Ruhe zusammen, suchte mir einen Bäcker, machte dort ein wunderbares Frühstück, und als ich den Bus bestieg, fing es an zu regnen. So nahm mein kurzer Ausflug ein wunderbares Ende, das Wetter hat bis zuletzt richtig schön durchgehalten und es war trotz einiger Schwierigkeiten ein wunderbares Abenteuer.

  • Madeira Februar 2024 Teil 7 Heimreise

    Madeira Februar 2024 Teil 7 Heimreise

    Vom letzten Tag, dem Tag der Heimreise, gibt es fast keine Bilder und eigentlich auch nichts weiter zu berichten.

    Ein Umstand machte den Tag jedoch noch besonders. Wir hatten durch die Probleme bei der Hinreise eine ganze Menge Telefonate und auch E-Mails mit und von der Hotline der Fluggesellschaft. Condor hatte uns am Freitag einen Flug von Frankfurt nach Madeira angeboten. Da wir uns bereits einen anderen Flug gebucht hatten, lehnten wir das Angebot ab. Weil wir unsere Tickets getrennt voneinander gebucht hatten, tat das Jeder für sich. Bei mir ist da letztendlich noch etwas schief gelaufen. Ich telefonierte mehrmals mit der Hotline und mehrmals brach die Verbindung mitten in den Verhandlungen ab. Das Ergebnis war, dass ich ein halbes Dutzend E-Mails bekommen hatte und in jeder stand etwas anderes. Letztendlich hatte ich übersehen, dass durch das viele hin und her Condor für mich den Rückflug zwar am richtigen Tag, aber zum falschen Flughafen eingeplant hatte. Zum Glück hat mein Neffe in letzter Sekunde den Fehler noch bemerkt, so dass ich auf dem Flughafen in Funchal die Buchung noch einmal ändern konnte. Ihr könnt euch vorstellen, dass mir das eine Menge Schweiß gekostet hat, denn ich wusste die ganze Zeit noch nicht, ob das mit der Umbuchung klappen würde oder nicht. Am Ende ist dann doch alles gut gegangen und ich war sehr glücklich über diesen Umstand.

    Für mich steht fest: nach Madeira sollte ich, so Gott will, unbedingt noch mal hin!