Alexander ist unterwegs

Reise- und andere Geschichten

Mit über 60 Jahren bin ich schon eine ganze Weile unterwegs und hoffe, dass noch einige Schritte dazu kommen

Kategorie: Abenteuer

Aktivitäten von ein bis zwei Tagen

  • Madeira Februar 2024 Teil 3 von Chao dos Lours nach Estanquinhos

    Madeira Februar 2024 Teil 3 von Chao dos Lours nach Estanquinhos

    Unser Tag begann mit dem Sonnenaufgang. Zehn Stunden am Stück hatte ich schon seit Langem nicht mehr geschlafen. Meine Begeisterung für das neue Equipment, was ich mir in den letzten Wochen gekauft hatte, war groß. Das Zelt von Sierra Designs zeigte am Morgen keine Spuren von Kondenswasser. Darüber freute sich auch der neue Daunenschlafsack von Cumulus sehr. Es war während der Morgendämmerung etwas windig, so dass wir uns zum Kaffeekochen in einen etwas schäbigen Unterstand aus Beton zurückzogen. Wir waren zumindest vom Wind gut geschützt.

    Nach dem Frühstück ging es ans zusammenpacken. Es war sonnig, vor uns lag eine Etappe die 12,9km lang sein sollte.

    Gegen 10:30 Uhr starteten wir. Als erstes wurde schnell noch einmal die Wegstrecke kontrolliert. Das erste Stück war ein leichter Anstieg welcher uns zu einer Levada führte. Nach dem grauen Wetter zu Hause waren die Frühlingstemperaturen und der Sonnenschein einfach großartig.

    Wir kamen an eine Straße an der ein kleines Ausflugslokal stand. Hier begann endlich die Levada. Die Levadas haben den großen Vorteil dass es fast keine Höhenmeter gibt. Am Beginn stand ein schönes Schild, man hätte glatt denken können in Deutschland zu sein.

    Der Weg war sehr bequem, es waren wenige Leute unterwegs. Nach einer halben Stunde teilte sich die Levada auf, ein Teil kam vom Rande des Bergs ein anderer Teil aus dem Berg. Wir liefen etwa 100m weiter bis ich realisierte dass unser Weg durch den Berg führt. Es ging also wieder ein Stück zurück und wir stiegen in unseren ersten Levadatunnel.

    Mein Neffe hatte einige Utensilien für quer auf den Rucksack gepackt. Der Tunnel war zu schmal und zu niedrig, um den Rucksack auf den Schultern zu lassen. Er setzte ihn ab und trug ihn vor der Brust seitlich verdreht durch den etwa 1000m langen Tunnel. Ich hätte auf keinen Fall tauschen wollen. Das war eine echte Anstrengung und Leistung, und es war der erste von vier Tunneln an diesem Tag. Nach dem zweiten Tunnel sollte der geplante Weg auf einer Länge von etwa 4km mit einem Abstieg etwa 150m nach unten und danach wieder 150m nach oben verlaufen, um wieder an der Levada anzukommen. Ich entdeckte auf meiner Karte dass es angeblich auch einen Weg durch zwei weitere Tunnel geben sollte. Damit konnte man die Höhenmeter und 2km Weglänge einsparen. Für Abkürzungen bin ich immer zu haben, fragt mal meine Kinder. Ich hatte ja mit den Tunneln keine Probleme, ich bin kleiner als mein Neffe und mein Rucksack war schmaler, ich kam da gut durch, er nicht. Ich glaube als ich meinen Willen durchsetzte und wir den dritten Tunnel nahmen, stellte das unsere Freundschaft ein bisschen auf die Probe zumal ich den vierten Tunnel wohl vergessen hatte zu erwähnen (ich bitte an dieser Stelle um Verzeihung). Zwischen den Tunneln erwarteten uns kurze Passagen im Freien und wohin man auch schaute, es gab überall Wasserfälle.

    Nach insgesamt etwa 4km Levadatunnel ging es endlich wieder durch die satte grüne Landschaft. Der Weg führte noch ein Stück an dem Levadalauf entlang. An einem Haus angekommen mussten wir uns von diesem ebenen Weg verabschieden und es begann ein langer Aufstieg.

    Der Aufstieg hatte es für meine bescheidenen Verhältnisse in sich. Er war 7km lang und es waren ungefähr 600 Höhenmeter zu überwinden. Der Weg war leider nur aus losen Gesteinsbrocken, so dass man jeden Schritt einzeln setzen musste, um ein Abrutschen oder Umknicken zu vermeiden.

    Als wir endlich auf dem Gipfel angekommen waren und unserem Biwakplatz erreicht hatten, schlug das bis dahin schöne sonnige Wetter um. Von dem vor uns liegenden Hochplateau zog aus der Ferne Nebel auf uns zu. Wir bauten in Rekordtempo unsere Zelte auf und keine Minute später begann es zu regnen. Wir hatten wirklich großes Glück, dass wir nicht mehr nass geworden sind. Zu dem Regen kam auch schnell die Dunkelheit. Mein Neffe rief an und wünschte mir eine gute Nacht. Auf diesem Platz gab es keine Möglichkeit zum Unterstellen, deswegen fiel das Abendessen aus.

  • Madeira Februar 2024 Teil 2 Chao dos Louros – Start mit Hindernissen

    Madeira Februar 2024 Teil 2 Chao dos Louros – Start mit Hindernissen

    Ich hatte schon davon gehört, dass der Flughafen auf Madeira zu den Schwierigsten der Welt gehört. Die Piloten benötigen wohl eine extra Lizenz um ihn anfliegen zu dürfen. Mein Sohn fuhr uns am Donnerstag früh zum Flughafen Leipzig-Halle. Diverse Wettervorhersagen hatten eine ganze Menge Wind vorhergesagt. Es kam wie es kommen musste, der Flug wurde eine Stunde vor dem Start wegen der Wetterbedingungen vor Ort abgesagt. Was für ein riesen Mist, das war zumindest der erste Gedanke. Der zweite war: Wir wollen ja auch heil ankommen, da kann man halt nichts machen. Wir ließen uns wieder abholen, besprachen zu Hause die neue Lage und setzten uns an den Rechner.

    Für Freitag war immer noch starker Wind auf Madeira vorhergesagt, es lohnte sich also nicht einen Flug für den kommenden Tag zu suchen. Wir fanden dann eine Variante die zugegeben etwas schräg war, uns aber wenigsten eine Anreise am Sonnabend Mittag auf Madeira bescheren sollte. Wir starteten am Freitag Abend in Leipzig, flogen nach Wien, von dort weiter nach Prag und am Morgen sollte es von Prag aus nach Madeira gehen. Um die Nacht in Prag nicht auf dem Flughafen verbringen zu müssen, suchten wir uns ein Zimmer am Flughafen. Wir kamen schnell überein, dass wir uns diesen Luxus gönnen sollten.

    Etwas weniger Komfort hätte durchaus gereicht, aber die einfachen Hotels am Flughafen waren ausgebucht. Ohne Frühstück checkten wir am Morgen aus. Es waren etwa 5 Gehminuten bis zum Check in des Flughafens. Endlich ging die ersehnte Reise tatsächlich los, auch die Wetterberichte gaben grünes Licht für eine Landung auf Madeira.

    Wir landeten gegen 13 Uhr auf Madeira. Der kleine Flughafen am Rande der Berge, auf Betonsäulen stehend, ist schon besonders anzusehen. Ich hatte bereits bei der Planung nach Busverbindungen auf Madeira geschaut, diese waren, anders als vor einem Jahr auf Mallorca, nicht so besonders toll für unsere Pläne. Apropos Pläne: Uns fehlten ja nun zwei Nächte, so dass wir beschlossen auf dem dritten ursprünglich angepeilten Biwakplatz zu beginnen. Dadurch wurde die Anfahrt mit einem Taxi um einiges länger. Weil wir ohnehin durch Funchal mussten, legten wir einen kurzen Halt beim örtlichen Decathlon ein um zwei Gaskartuschen zu kaufen. Nach insgesamt etwa einer Stunde Fahrt und 90 Euro weniger im Portmonaise konnte die Tour nun endlich beginnen. Der erste Platz war Chao dos Louros, ein Platz auf dem locker 20 Zelte unterkommen könnten.

    Als Erstes wurden die Zelte aufgebaut und der Platz erkundet. Es gibt wohl auf fast allen Plätzen auf Madeira fließendes Wasser. Dazu braucht dort keine Pumpen, es wird einfach eine etwas oberhalb liegende Quelle, von welchen es wohl unzählige auf der Insel gibt, mit einem PE-Schlauch abgegriffen, so dass es dann am Wasserhahn immer Wasserdruck allein durch den Höhenunterschied gibt. Das ist echt eine tolle Sache. Toiletten waren zwar vorhanden, aber na ja…

    Am anderen Ende des Platzes kam dann noch ein Zelt hinzu aber es ergab sich keine Begegnung. Wir machten, als es dann schon langsam Abend wurde, noch eine kurze Wanderung, um einen ersten Eindruck von der Natur zu bekommen und nach dem Stress der Anreise richtig durchzuatmen und anzukommen.

    Sonnenuntergang ist Mitte Februar gegen 18:45 Uhr auf Madeira. Beim Abendessen erhofften sich die zahlreichen Madeirabuchfinken Ihren Teil von den Nudeln zu bekommen.

    Wir sid dann recht bald in die Zelte gekrochen um am nächsten Tag fit für die erste „echte“ Wanderung zu sein.

  • Madeira Februar 2024 Teil 1 Vorbereitung

    Madeira Februar 2024 Teil 1 Vorbereitung

    Um der Schwermut des Winters, den ich zu dieser Jahreszeit immer häufiger empfinde, etwas entgegen zu setzen, plante ich eine Woche wandern auf Madeira. Die Insel des ewigen Frühlings sollte die richtige Therapie gegen diesen Winterblues sein. Anders als im vergangenen Jahr auf Mallorca fand ich mit meinem Neffen einen Mitstreiter der bereits von Anfang an mit dabei war. Der Plan sah vor, vom 08.-15. Februar von Leipzig aus auf die Insel zu fliegen. Ich hatte bereits über die Weihnachtstage begonnen, die Route zu planen.

    Dieser Plan hier ist die Variante 3. Als Vorlage und Anregung verwendete ich das Buch von Täve Supertramp „Madeira – Trekking mit Zelt“. Es gibt zwar auch zahlreiche Beiträge dazu im Netz, aber ein Buch ist dennoch eine schöne Möglichkeit, sich mit einem Thema intensiv zu befassen.

    Auf Madeira gibt es ausgewiesenen Trekkingplätze welche man kostenlos nutzen kann, einzige Bedingung ist eine vorherige Anmeldung auf der Seite https://simplifica.madeira.gov.pt/services/8-25-101. Für die Plätze ist das Institut für Wald und Naturschutz in Funchal zuständig. Die Plätze sind zwar etwas ungleichmäßig über die Insel verteilt, aber man bekommt dennoch eine Route mit Tagesabschnitten um die 10 – 14km zusammengestellt.

    Es gibt die Seite des Instituts für Wald und Naturschutz auch in einer deutschen Übersetzung. Im Netz fand ich Hinweise, dass man unbedingt die potugisische Variante benutzen sollte, weil sonst durch die Übersetzung sehr viele Fehler bei der Auswahl auftreten würden. Das kann ich so nicht bestätigen, die deutsche Übersetzung ist sehr gut. Ich hatte bei der Buchung ganz andere Probleme. Ich war es bisher gewohnt eine Übernachtung, egal ob im Hotel oder auf einem Campinglatz, vom Anreise- bis zum Abreisetag zu buchen. Es brauchte mindestens 10 Anläufe bis ich merkte, dass man hier nur den Arreisetag buchen musste, weil man ansonsten für den Folgetag keinen anderen Platz mehr auswählen kann. Auf der Lizenz steht dann tatsächlich dass man am Tag x den Platz y von 0 – 24 Uhr nutzen kann. Das ist natürlich etwas eigenartig, aber als ich herausbekommen hatte wie es funktioniert, war es ein Kinderspiel die Lizenz zu bekommen. Am Ende der Anmeldeprozedur konnte ich mir das Ganze als PDF selbst ausdrucken.

    In der Praxis erwiesen sich die Entfernungen, welche Outdooractive ermittelt hatte, als zu kurz angegeben. So wurden aus geplanten 11km auch tatsächlich mal 20km. Man sollte also nicht zu lange Etappen planen, länger werden sie von ganz allein.

    Jetzt galt es noch den Flug zu buchen. Condor fliegt immer Donnerstags von und nach Leipzig, wir einigten uns auf einen Termin und so war ein großer Teil der Vorbereitungen abgeschlossen.

    Bis zum Abflug war ich mit der Packliste beschäftigt. Was braucht man unbedingt? Welchen kleinen Luxus möchte man mitnehmen? Wie ist letztendlich das Gepäckgewicht? Manch Einer wird sich fragen wie ich mich so lange an diesen Fragen aufhalten kann. Es ist ganz einfach: Ich habe meinen Spaß dran, Vorfreude ist ein kleines Glück. Am Ende war ich bei einem Rucksackgewicht mit Essen für 7 Tage bei etwa 14kg. Das Trinkwasser und der Fotoapparat kamen da natürlich noch dazu. Der kleine Luxus war dann übrigens echter Filterkaffee.