Alexander ist unterwegs

Reise- und andere Geschichten

Mit über 60 Jahren bin ich schon eine ganze Weile unterwegs und hoffe, dass noch einige Schritte dazu kommen

Kategorie: Abenteuer

Aktivitäten von ein bis zwei Tagen

  • Drei Tage Sächsische Schweiz 29.9.-1.10.23

    Drei Tage Sächsische Schweiz 29.9.-1.10.23

    Recht kurzfristig kam mir die Idee, ein Wochenende auf dem Forststeig Sächsische Schweiz Wandern zu gehen. Ich hatte bei meinen Recherchen nach offiziellen Biwakplätzen diese Möglichkeit bereits im Sommer entdeckt. Ich fragte meinen Neffen ob er Lust auf so eine Tour Lust hätte. Wir fanden einen Termin und so ging es am 29.09. früh um 8 Uhr mit dem Auto in Richtung Dresden los. Wie üblich gab es am Dreieck Nossen einen ordentlichen Stau. Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir auf dem Park & Ride Platz am Busbahnhof in Pirna an. Der Parkplatz war sehr voll und wir quetschten das Auto in die letzte etwas zu schmal geratenen Lücke. Mein Neffe mußte einparken, ich hätte nicht durch den schmalen Spalt zwischen Auto und Tür gepasst. Auf dem zentralen Busbahnhof sollte es Trekkingtickets geben. Diese Tickets kosten pro Stück 10 Euro und man braucht diese, wenn man auf einem der Trekkingplätze mit dem Zelt oder in einer Trekkinghütte für eine Nacht bleiben will. Wir erfuhren, dass diese Info falsch war und die nette Dame am Schalter sagte uns, dass die Tickets auf dem Bahnhof in Bad Schandau verkauft würden. Wir nahmen die S-Bahn nach Bad Schandau, kauften die Tickets und wenn wir nicht noch ein Formular dafür hätten ausfüllen müssen, wäre uns der Anschlusszug nach Schöna nicht vor der Nase weggefahren.

    Die S-Bahn fuhr zum Glück im 30-Minuten Takt, so dass es nicht weiter schlimm war. Wir hatten dadurch halt eine kleine Pause und konnten die ersten schönen An- und Aussichten auf die Sächsische Schweiz genießen. Das Wetter war sonnig, etwas über 20 Grad und es versprach ein gutes Wanderwochenende zu werden. In Schöna angekommen entdeckten wir nach der Bahnunterführung den ersten Hinweis auf den Forststeig.

    Es ging die ersten Höhenmeter nach oben, wir kamen schließlich vom tiefsten Punkt des Elbsandsteingebirges, der Elbe, und mussten als erstes aus diesem tief eingeschnittenen Tal heraus. Der Weg führte an den ersten überhängenden Felsen vorbei und gelegentlich eröffnete sich ein Ausblick zwischen den Bäumen hinunter zur Elbe.

    Nach jedem Aufstieg kommt bekanntlich irgendwann wieder ein Abstieg, wir kamen zum ersten Bach und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich mir diese Tour genau so vorgestellt hatte. Auch wenn ich schon sehr lange nicht mehr in der sächsischen Schweiz gewesen bin, wurden schnell die Erinnerungen an frühere Reisen in diese wunderbare Landschaft wach.

    Auf dem Weg zum großen Zschirnstein ging es immer wieder auf und ab, an einer Wanderhütte vorbei und auf den letzen Metern wurde der Aufstieg recht steil. Oben angekommen wurde man, wie nach fast jedem Aufstieg in der Gegend, mit tollen Aussichten belohnt.

    Nach einer kleinen Pause zum Verschnaufen ging es weiter. Der Forststeig umrundet den großen Zschirnstein. Wir verpassten den Abzweig nach rechts und machten den ersten ungeplanten Umweg. Nach etwa 400 Metern bemerkten wir unser kleines Missgeschick und liefen wieder zurück. Wir fanden die gelbe Markierung und bogen, nun aus der anderen Richtung kommend, nach links ab. In zahlreichen Berichten hatte ich gelesen, dass der Forststeig bestens markiert ist, diese Aussagen würde ich nicht unterschreiben. Man muss schon gut aufpassen, um keinen Abzweig zu verpassen. Der folgende Abstieg war sehr steil und wir gelangten zu einem ersten Biwakplatz – Zschirnsteinbiwak. Der Platz machte einen sehr gepflegten Eindruck. Es war etwa 16:30 Uhr und wir entschlossen uns, weiter zu laufen und unseren Tourplan nicht schon am ersten Tag über den Haufen zu werfen. Bis zur Grenzbaude, die wir uns als Tagesziel vorgenommen hatten, waren es noch etwa 4km. Der Weg führte nun genau an der Deutsch-Tschechichen Grenze entlang. Auf dem Weg gab es mehrere Quellen an denen wir unsere Wasservorräte auffüllen konnten.

    Auf dem letzten Stück ging es wieder einmal Bergauf. Wir erreichten einen breiten Waldweg und die Grenzbaude schimmerte schon durch die Bäume. Vor uns waren bereits zwei deutsche Mädels dort angekommen die sich bereits ans Abendessen machten. Als es schon stockdunkel war, kamen noch zwei tschechische Mädels an. Die Hütte ist sehr geräumig, hat zwei Öfen und genügend Räume so dass Jede der drei kleinen Wandergruppen ihr eigenes Zimmer hatte. Insgesamt könnten in der Hütte mindestens 20 Leute übernachten.

    Nachdem wir unse Matratzen aufgeblasen und die Schlafsäcke ausgerollt hatten, konnten auch wir endlich ans Abenessen denken. Es wurde schnell dunkel aber der Abend war sehr mild und wir konnten noch sehr schön draußen sitzen. Es gab Tee, etwas Warmes zu essen und als Nachtisch einen Whisky. Wir quatschten noch ein bisschen, packten unsere Rucksäcke zusammen und gingen ins Haus zu unseren Schlafplätzen im Obergeschoss der Hütte. Nach gut 17km Strecke, 660m aufwärts und 368m abwärts mit Gepäck brauchte ich zum Einschlafen keine Schäfchen mehr zu zählen.

    Am nächsten Morgen war es noch so warm wie am vorherigen Abend, so dass wir wunderbar draußen frühstücken konnten. Gegen 10 Uhr ging es weiter. Die Etappe sotte etwa 16 km lang sein, aber es kam anders. Wir nahmen gleich am Anfang den falschen Weg und bemerkten das Mißgeschick erst nach 2,5km als wir kurz vor der Haselmausbaude waren. Der Forststeig führt zwar auch zu dieser Hütte, aber wir wollten eigentlich zum Taubenteich. Ein wenig frustrierend war das schon, aber der Tag war ja noch jung. Die Haselmausbaude wollten wir uns dennoch nicht ansehen. Zurück nahmen wir einen anderen Weg, um wenigstens nicht zweimal den gleichen Weg zu laufen. Mit ewas Verspätung kamen wir dann am Taubenteich an. Dort ist auch ein recht schöner Biwakplatz eingerichtet.

    Der Forststeig führte wieder an der Grenze entlang bis er nach etwa einem Kilometer nach Tschechien abbog. Kurze Zeit später landeten wir in Kristin Hrádek (Christianenburg). In dem früheren Jagdhaus ist heute ein gepflegtes Hotel und Restaurant untergebracht.

    Beim nächsten Wegabschnitt gingen wir bewußt nicht den Forststeig entlang, um nach den morgentlichen Zusatzkilometern etwas abzukürzen. Zugegeben, spannend war der Weg nicht, aber er hatte keine Höhenmeter und wir konnten uns dadurch wieder etwas erholen. Der Weg endete auf einem Parkplatz. Dort waren schon einige Tagestouristen angekommen und machten sich auf den Weg zum Děčínský Sněžník (Hoher Schneeberg). Der Weg dorthin ist teilweise sehr steinig und auch relativ steil, der wunderschöne Birkenwald durch den der Weg verläuft, ließ uns die Mühen glatt vergessen.

    Auf dem Schneeberg angekommen dachte ich mitten in einem Märchen zu sein. Ein romantischer Aussichtsturm tauchte zwischen den Birken auf, der Weg war mit großen und kleinen Steinen übersät und es hätte mich nicht gewundert wenn plötzlich Schneewittchen aufgetaucht wäre. Es tauchte dann auch tatsächlich auf, im Doppelpack. Zwei Wanderinnen mit Schwarzen langen Haaren beugten sich aufgeregt über die Karte und hatten keinen Plan wo sie genau waren. Sie hatten etwas Angst ihr Tagesziel nicht rechtzeitig zu erreichen. Als wir Ihnen unseren Standort auf der Karte gezeigt hatten waren sie beruhigt und bogen erstmal in das Restaurant am Fuße des Aussichtsturms ein. Der Hohe Schneeberg ist übrigens mit 724m der Höchste Berg im Elbsandsteingebirge und die Aussicht nach Böhmen ist fantastisch.

    Wir machten eine Rast, mein Neffe kochte sich etwas, ich begnügte mich mit ein paas Snacks. Danach ging es noch ein Stück auf dem Gipfel entlang und dann immer abwärts weiter nach Ostrov (Eiland). Dort angekommen füllten wir an einem Bach unsere Wasservorräte auf.

    Es war noch genügend Zeit und so ließen wir den Campingplatz auf der linken Seite liegen und gingen weiter zum Zehrborn Biwakplatz. Dieser Platz liegt direkt neben der Grenze und ist, wie könnte es anders sein, wunderschön. Die Zelte werden dort mitten im Wald aufgebaut und in 30m Entfernung ist ein Bach mit einer kleinen Wiese. Der Platz ist wohl recht beliebt, denn wir waren nicht die Ersten und auch nicht die Letzten, die ihre Zelte dort aufschlugen. Als es dunkel wurde, war der Wald dann auch recht ordentlich mit Zelten bestückt. Ich freute mich besonders über eine Wandergruppe die aus Opa, zwei Söhnen, drei halbwüchsigen Enkelsöhnen und einem etwa sechs Jahre alten Steppke bestand. Die Frauen hatten wohl keine Lust auf Survivalurlaub. Der kleine war die ganze Zeit quietschvergnügt und lief ständig zwischen seinem Zelt und dem Bach hin und her. Die drei größeren Jungs hatten nach dem Abendessen, was Opa gekocht hatte, wieder richtig Energie und versuchten aus Holzstämmen eine Brücke zu bauen. Um 20 Uhr war es stockfinster und diesmal auch schon recht kühl. Eine Stunde später waren alle in Ihren Schlafsäcken verschwunden und auch an diesem Abend bereitete mir das Einschlafen keine Probleme – 20km, 430m rauf und 416m wieder runter.

    Es begann unser letzter Tag an dem wir auch noch die Rückreise einplanen mussten. Der Morgen war kühl und wir genossen unseren heißen Kaffee. Die Zelte wurden abgebaut, die Rucksäcke gepackt und als Erstes ging es wieder ein Sück aufwärts. Nach etwa 2km tauchte unser doppeltes Schneewittchen wieder auf. Die Mädels waren genauso aufgeregt wir am zurückliegenden Tag. Sie löcherten gerade einen Tschechen mit Ihren Fragen nach dem Weg und waren sichtlich erfreut als sie uns sahen. Auf meine Frage warum sie schon am Morgen so beunruhigt wegen des Weges waren meinten sie, dass ihre heutige Etappe recht lang sei. Wir verabschiedeten uns und wieder einmal führte unser Weg auf der Grenze entlang. Wir kamen auf dem schmalen Pfad durch schöne Mischwälder, auch herrliche Birkenwälder lagen wieder am Wegesrand und plötzlich waren wir wieder inmitten der wunderschönen Felsenlandschaft der Sächsisch-Böhmischen Schweiz, wir waren auf den „Fichtenwänden“ angekommen.

    Beim Abstieg meldete sich das Knie meines Neffen wie schon am vorherigen Tag und wir beschlossen die geplante Runde zu verkürzen und direkt nach Bielatal zu laufen. Die letzten Kilometer waren unspäktakulär, aber die breiten, gut ausgebauten Wege taten dem angeschlagenen Knie besser als die Kraxelwege des Forststeigs. So kamen wir gegen 13 Uhr an der Bushaltestelle an. Bis zur Abfahrt des Busses hatten wir noch eine Stunde Zeit und so konnten wir an einem schönen Rastplatz, neben einem Teich, eine gemütliche Mittagspause machen.

    Der Bus kam auf die Minute pünktlich, wir erreichten nach 40 Minuten den Busbahnhof in Pirna und kamen diesmal ohne Stau am späten Nachmittag zu Hause an.

    Fazit

    Wir planten unsere Tour nur eine Woche vorher, die Wetterberichte sagten ein schönes Spätsommerwochenende vorher, wir hatten beide nichts anderes fest geplant und unsere Familien hatten auch nichts dagegen. Das vorhergesagte Wetter trat wie angesagt ein, wir hatten Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad am Tag, kurzum, es war wunderbares Wanderwetter. Die Anreise mit dem Auto und der S-Bahn klappte prima, der ICE von Leipzig nach Dresden und zurück hätte für zwei Personen 240 Euro gekostet, deswegen kam eine komplette Bahnanreise nicht in Frage. Auch die Verbindung für die Rückreise mit dem Bus und dem Auto hat sehr gut funkioniert. Die Wanderung selbst war einfach fantastisch, manchmal anstrengend, aber die Wälder, die Felsen, die Ausblicke und die Übernachtungsplätze waren einmalig und sind nur schwer zu toppen. Ich kann eine Wanderung auf dem Forststeig nur empfehlen. Die Hütten und Plätze sind mit gut benutzbaren Trockentoiletten ausgestattet, es gibt Bänke und Tische wobei die Tische sogar in der Mitte einen Streifen Edelstahl eingebaut haben, um auch im Wald sicher mit dem Kocher hantieren zu können. Die Leute die man auf den Plätzen trifft sind Gleichgesinnte, man kommt sehr gut miteinander aus. Keiner läßt seinen Müll liegen, die Hütten werden vor dem Gehen durchgekehrt und so findet auch der nächste Wanderer einen schönen und sauberen Platz vor. Beim Rucksack ist natürlich jedes Gramm weniger ein Pluspunkt. Ich war mit 4 Litern Wasser bei gut 15 kg, mein Neffe bei 20kg. Ok, wenn man das Körpergewicht dazu rechnet sieht die Sache wohl etwas anders aus.

  • Zwei Tage auf der Saale von Jena nach Naumburg

    Zwei Tage auf der Saale von Jena nach Naumburg

    Für den 09. und 10. September 2023 war war schönes Wetter vorhergesagt. Auf der Saale war ich mit meiner Frau in diesem Jahr schon für die eine oder andere Tagestour unterwegs. Oberhalb von Camburg kannte ich die Saale noch nicht. Mein Neffe hatte sich vor einiger Zeit ein Schlauchboot-Kajak FitNord Seal one gekauft und mußte nicht lange überredet werden, eine Zweitagestour mit mir zu unternehmen. Ich wollte mit meinem Packraft und leichtem Gepäck meinen selbst modifizierten Bootswagen endlich ausprobieren. Der Plan war mit dem Zug von Großdalzig nach Jena, mit einem Umstieg in Gera, zu fahren und dort in die Saale einzusetzen. Wir wollten irgendwo übernachten und uns am Ende des zweiten Tages von meiner Fau abholen lassen.

    Um 8.16 Uhr fuhr der Zug pünktlich ab und um halb Zehn waren wir in Jena-Göschwitz angekommen. Im Zug stellte sich mein Bootswagen mit seinen 2m langen Zugstangen erstmal als recht sperrig heraus. Zum Ziehen des Gepäcks machte der Wagen zunächst einen recht brauchbaren Eindruck.

    Mein Neffe baute sein Boot gleich am Bahnhof in Jena auf, sein Bootswagen funktionierte nur mit aufgebautem Boot.

    Bis zur Saale waren es etwa 500m. Wir suchten eine Stelle an welcher wir gut einsetzen konnten, bauten auf, verstauten das ganze Gepäck und jetzt konnten wir endlich lospaddeln. Startpunkt war etwa bei Saalekilometer 219.

    Es ging durch Jena und dabei mussten die ersten Wehre umtragen werden. Ich empfehle die an den Ufern stehenden Schilder bis zum Schluß durchzulesen. Am ersten Wehr erblickte ich das Schild „Umtragestelle“, paddelte voller Eifer heran, sprang aus dem Boot, versank bis oberhalb des Knies um Schlamm, schaute auf das Schild und las es erneut – „Umtragestelle -> 50m“. Mein Begleiter ersparte sich die Schlammpackung und landete 50m weiter flußabwärts völlig problemlos an, man lernt nie aus.

    Ich hatte mir den Verlauf der Saale durch Jena nicht so grün vorgestellt wie er dann tatsächlich war. Man nimmt wenig davon wahr, dass man gerade durch eine Stadt paddelt. Selbst Schildkröten hatten sich an den Ufern der Saale von der Sonne wärmen lassen. Wir sahen zahlreiche Eisvögel mit Ihrem kräftigem blau-türkierem Gefieder, auf ein Foto habe ich sie leider nicht bekommen.

    In Porstendorf teilt sich die Saale und wir führen in die links verlaufende Lache. Den dort gelegenen Campingplatz nahmen wir nicht, denn es war erst gegen 16 Uhr und wir wollten noch etwas weiter kommen. Mein Neffe nahm noch ein Bad in der Lache dann ging es weiter auf der Saale, vorbei an den Dornburger Schlössern.

    Wir landeten dann gegen 18 Uhr am Saalerastplatz Döbritzschen wo wir einen schönen Patz für unsere Zelte mit Saaleblick fanden. Das Nachtlager wurde schnell aufgebaut und die Schlafplätze eingerichtet, inum dann in Ruhe etwas zum Essen zu kochen und anschließend bei einem Bierchen noch ein wenig zu quatschen. Sechs umtragene Schleusen lagen in unserem Kielwasser.

    Am nächsten Morgen wurden nach einen gediegenen Frühstück die ganzen Sachen wieder eingepackt und in den Booten verstaut. Auf diesem Abschnitt gab es mehr kleinere Stromschnellen als am ersten Tag und es kam auch das eine oder andere Mal zu Grundberührungen. Ich hatte vorsorglich die Finne nicht angebaut und bin überall gerade noch so durchgekommen. Mein Neffe musste dagegen einmal treideln und die Saale zu Fuß bezwingen.

    Der zweite Saaleabschnitt von Döbritzschen aus ist der landschaftlich etwas Reizvollere. Der Preis ist allerdungs, dass deutlich mehr Leute dort unterwegs sind. Waren wir von Jena aus fast allein unterwegs, war es spätestens ab Camburg rappelvoll. Zahlreiche Gruppen mit großen Schlauchbooten, aber auch viele Kajakwanderer waren unterwegs, um die Saalefelsen zu bestaunen.

    Am letzten Wehr vor unserem Ziel, dem Blütengrund in Naumburg, gab es beim Umtragen sogar so etwas wie einen kleinen Stau.

    Keine 100m nachdem die Unstrut in die Saale fließt, war unser Zielpunkt erreicht. Man muss ein bisschen Obacht geben, die Ausstiegsstelle nicht zu verpassen. Mit unseren leichten kurzen Booten ist es sehr mühsam bei der dort herrschenden starken Strömung flussaufwärts zu paddeln. Meine Frau und meine Tochter warteten bereits auf einer Bank, sie holten uns mit dem Auto ab. So blieb uns der Weg zum Bahnhof nach Naumburg erspart und die Tour ging sehr entspannt zu Ende.

    Fazit

    Die Saale ist sehr empfehlenswert. Durch die zahlreichen Wehre, insgesamt mussten 9 Stück umtragen werden, hat die Strecke eine zusätzliche sportliche Komponente, mit leichten Booten ist das aber sehr gut machbar. Die Tour hat Lust gemacht, die Saale auch noch etwas weiter oben zu befahren. Zu Zweit ist die Tour auf jeden Fall einfacher zu bewerkstelligen und es macht natürlich auch mehr Spaß. An meinem Bootswagenkonzept muss ich noch etwas nacharbeiten, die Zugstangen aus 20x1mm Aluminiumrohr haben es ohne sich zu verbiegen nicht geschafft und auch die Länge ist, wie bereits am Anfang beschrieben, für Zugfahrten nicht optimal geeignet.

  • Ein Packraft ist riesig – Störmthaler See

    Ein Packraft ist riesig – Störmthaler See

    Für den 30 April und den 1 Mai war endlich wieder einmal strahlender Sonnenschein vorhergesagt. Es wäre wirklich schade gewesen die Zeit nicht zu nutzen um draußen im Freien etwas zu unternehmen. Ich hatte mir ja schon vor längerer Zeit vorgenommen einmal auf dem Störmthaler See zu paddeln. Die Ausrüstung packte ich schon im Laufe der Woche zusammen. Das zeitige Packen hilft mir immer dabei den eigenen Schweinehund zu überwinden, wenn die Sachen einmal gepackt sind, mache ich nicht gern einen Rückzieher. Der Plan sah vor, dass mich meine Familie nach dem Mittagessen in aller Ruhe zum Bergbautechnikpark fährt. Um 13 Uhr ging es los. Für eine Übernachtung hatte ich relativ viel Gepäck dabei, aber ich wollte auch einiges neues Equipment ausprobieren. Da ich noch keinen Wanderwagen habe, kam ein alter kleiner Handwagen zum Einsatz. Ich musste ihn schließlich nicht mit auf das Boot nehmen, denn die Familie holte mich am Ende meiner Tour einfach wieder ab. Der Weg zum Bergbau Technikpark ist nicht weit von uns zu Hause und wir waren schnell am Ziel. Ich belud den Handwagen, nahm den Rucksack in dem sich das Boot befand auf den Rücken und los ging es auf dem kurzen Weg bis zum Störmthaler See.

    Ich war ein bisschen gespannt wie sich das Boot mit 30 kg Gepäck schlagen würde, ich selbst bin ja schließlich auch kein Fliegengewicht. Zugegeben, bei den 30 kg war das Boot selbst auch mit dabei. Der Eine oder Andere wird sicher fragen wie man auf so viel Gewicht kommen kann, bei mir ist das klar, es liegt am Essen, darüber hinaus hatte ich aber ein Tipi aus Baumwoll-Mischgewebe und einen Zeltofen dabei. Das Boot war schnell aufgebaut, inzwischen habe ich ja auch einige Übung darin, und so konnte ich alles aufladen und mich startklar machen. Ein letztes Winken und schon konnte das kleine Abenteuer beginnen.

    Ich hatte mir vorgenommen die Strecke des ersten Tages auf der rechten Seite des Sees entlang zu paddeln. Es fällt gleich am Anfang auf, dass dieses Ufer durch Tonnen abgegrenzt ist. Ich war mir nicht sicher ob diese Tonnen ein Naturschutzgebiet markieren oder ob auf dieser Seite Untiefen, möglicherweise durch Bäume unterhalb der Wasserlinie, vorhanden sind. Ein Loch im Packraft wollte ich nicht riskieren, deswegen habe ich ganz brav jede einzelne Boje außen umfahren. Nachdem ich die erste größere Landzunge um fahren hatte, tauchte auf der linken Seite Vineta, das Kunstprojekt zur Erinnerung des Ortes Magdeborn, auf. Dort anzulegen hatte ich keine Lust, deswegen ließ ich sie einfach auf der linken Seite liegen und hangelte mich weiter entlang der Bojenkette. Das kleine Segel, was es für kleines Geld gab, probierte ich aus. Leider war der Wind zu schwach um es richtig auszuprobieren, die kleinen Windböen jdoch waren recht vielversprechend.

    Ich fuhr nicht bis zum Ende des Sees sondern wendete vorher und legte dann in Lagovida an. Dort musste ich erst einmal das Boot ein Stück aus dem Wasser ziehen und die Luft ablassen denn ich hatte in den inneren Taschen des Packrafts dummerweise mein Portemonnaie mit eingepackt. Dann gab es endlich das wohlverdiente Eis.

    Die Beine zu vertreten war es eigentlich noch zu früh, denn ich war ja noch keine große Strecke gefahren, deswegen ging es zügig weiter. Der Biwakplatz am See war schnell erreicht und ich konnte mich in aller Ruhe umsehen.

    Ich war nicht der einzige der das schöne Wetter nutzen wollte, es waren zahlreiche Spaziergänger, Fahrradfahrer und auch Mopedfahrer unterwegs. Die Jungs mit den Mopeds versuchten auf dem Lagerfeuerplatz ein Feuer zu entfachen was glücklicherweise nicht gelang, deswegen verloren sie relativ schnell die Lust daran, machten sich wieder auf den Weg und so hatte ich den Platz schnell wieder für mich allein. Ich ging daran das Lager aufzubauen. Als das Tipi stand sah ich es mir zufrieden an. Da hatte ich doch glatt eine kleine Kiefer übersehen die in einem Winkel von höchstens 40 Grad halb über meinem Zelt hing. Wie kann man nur so dämlich sein. Es half alles nichts, alle Heringe wieder raus, die Mittelstange umgelegt und das ganze noch zwei drei Meter rüber gezogen. Diesmal ging der Aufbau wesentlich schneller. Als ich merkte dass das Zelt groß genug war um das Pack raft mit hinein zu nehmen, war ich ganz fasziniert.

    Als das Zelt stand, kümmerte ich mich um das Essen. Es kam noch ein Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Großpösna vorbei und schaute nach dem Platz. Ich lobte ihn für den guten Zustand desselben. Daraus entwickelte sich ein Gespräch und er erzählte mir, dass es gar nicht so einfach sei den Platz in diesem Zustand zu erhalten. Es sei auch schon mal eine Großfamilie da gewesen mit über 50 Leuten, da wird das Prinzip eines Kanurastplatzes arg überdehnt. Er meinte auch dass durch die gesperrte Gewässerverbindung der Rastplatz eigentlich gar keine Nutzen mehr hätte. Ich finde das zwar auch schade, aber man kann es nicht ändern und muss einfach das Beste daraus machen, schließlich kann man ein kleines Boot auch gut umtragen. Als er wieder gegangen war, packte ich meinen restlichen Krempel zusammen und genoss den wunderbaren Sonnenuntergang, machte dabei allerhand Fotos und zog mich dann in mein Zelt zurück.

    Die Nacht war ruhig, ich hörte allerhand Tiere aber das beeinträchtigte meinen Schlaf weniger. Die Waschbären, vor denen mich der Kollege gewarnt hatte, kamen zum Glück nicht. Am nächsten Morgen stand ich zeitig auf.

    Ich mag die Ruhe am Morgen, man hat das Gefühl die Welt gehört einem ganz allein, kein Mensch weit und breit, der See liegt völlig still ohne irgendein Boot und man kann seinen Gedanken einfach freien Lauf lassen. Die einzigen die schon recht geschäftig an diesem Morgen unterwegs waren, war eine Entenfamilie.

    Ich packte meine Sachen zusammen, baute das Zelt ab und belud erneut mein Packraft. Es ist total erstaunlich wie viel Gepäck man in so ein kleines Boot laden kann. Ich fuhr wie am vorhergehenden Tag weiter und hatte das Ufer auf der rechten Seite, so dass ich am Ende den See einmal komplett umrundet hatte. Es fiel auf dass diesmal am Ufer sehr großflächig Schotterpackungen aufgeschüttet waren. Offensichtlich gibt es an dieser Seite des Sees Probleme mit der Erosion des Ufers.

    Die Maschinen des Bergbau Technikparks wurden schnell größer, deswegen signalisierte ich meiner Familie dass ich gegen 11 Uhr wieder am Start- und Zielpunkt der Tour sein würde und sie mich abholen können.

    Es klappte alles wunderbar und zum Mittag war ich wieder zu Hause.

    Fazit : Es hat sich wieder gelohnt eine kleine Tour mit Übernachtung gemacht zu haben. Das Packraft ist eine wunderbare Alternative zu anderen Booten und bietet unglaublich viel Platz um die verschiedensten Dinge unterzubringen. Wenn man den großen Stauraum im inneren der Schläuche einmal erlebt hat, ist man von den eingebauten Packtaschen restlos überzeugt.

    Mein nächstes Projekt wird der Bau eines Wanderwagens bzw Bootswagens sein. Dazu habe ich schon meinen bisherigen Bootswagen rausgekramt und ein paar kleinen Teile bestellt. Ich will mal schauen, was daraus wird und ob meine Idee zielführend ist. Dann könnte man z.B. eine Rundfahrt über alle vier großen Leipziger Seen machen. Das geht natürlich nicht ohne Wagen und man braucht ein etwas längeres Wochenende.