Alexander ist unterwegs

Reise- und andere Geschichten

Mit über 60 Jahren bin ich schon eine ganze Weile unterwegs und hoffe, dass noch einige Schritte dazu kommen

Kategorie: Gedanken

  • Etwas Gutes hatten die „Maßnahmen“

    Die Corona Logdowns waren im Rückblick gesehen schon unglaublich. Einigkeit und Recht und Freiheit heißt es so schön in unserer Hymne. Davon war plötzlich nicht mehr viel übrig geblieben. An die Stelle des Bundestages in dem gewählte Abgeordnete Gesetze mit Mehrheiten beschließen trat etwas, was unsere Verfassung nicht vorsieht: Die MPK. Ministerpräsidentenkonferenz, was für ein schönes langes Wort. Dazu kamen dann eine Hand voll Experten. Dort durften nicht alle mitmachen, man mußte wohl schon eine recht strenge Linie vertreten um in das Expertengremium zu kommen. Am Anfang war die strenge von Angst getriebene Linie verständlich. Ich hatte schließlich „Das letzte Gefecht“ von Steven King gelesen. Ich wußte was passiert wen 99.9% aller Menschen auf der Welt sterben und ich wollte natürlich bei den 0,1% Überlebenden sein.

    Als sich dann immer mehr hersusstellte, dass Steven King Unrecht gehabt haben mußte und das Verhältnis anders herum war, jedenfalls in etwa, kamen auch bei mir Zweifel auf, ob es einer Regierung zusteht alte Menschen in einem Heim monatelang in Einzelhaft zu nehmen. Im Rückblick ist es schon unvorstellbar wie lange wir alle das zugelassen haben und wie viele alte Menschen an Einsamkeit gestorben sind. Wir müssen echt daran arbeiten uns vom Untertan Heinrich Manns zu befreien, sonst nimmt es demnächst wieder ein böses Ende mit uns.

    Was das denn bitteschön mit unterwegs sein zu tun hat? Verzeiht mir diesen Exkurs, aber die Gedanken in der Badewanne gehen manchmal spazieren. Dann will ich jetzt wieder auf den richtigen Pfad zurück kommen, denn Abkürzungen zu nehmen ist nicht immer kürzer. Jedenfalls hatten die Logdowns den Vorteil dass unsere Kinder teilweise vom Studium nach Hause kamen, die Familie wieder vereint war und enger zusammen rückte, obwohl zusammenrücken natürlich auf dem Index stand. Die eingeschränkten Möglichkeiten mit Freizeit etwas anderes als vorm Computer hocken anzufangen förderte das Wandern weit nach oben und wir merkten wie gut uns das tat.

  • Dann blieben wir alle zu Hause

    Im Winter 2020/2021, den wir alle im Wesentlichen kollektiv zu Hause verbringen durften, hatte ich die schwachsinnige Idee eine 28„ große Granada an der Müritz inclusive Liegeplatz zu kaufen. Mit all den falschen Argumenten, der Eine oder Andere kennt so etwas vielleicht, hatte ich mir das so schön geredet, dass ich daran glaubte und garnicht mehr anders konnte, als das durch zu ziehen. Die Kritiker des Vorhabens hatten alle keine Ahnung. Tja, warum sollte ich klügere Entscheidungen treffen als hoch dotierte Politiker. Alle sorgfältig abgewogenen Argumente sprachen für mich:

    • so weit ist das ja garnicht, die 300 km sind doch schnell gefahren
    • du bist ja nur im Nebenjob Kantor, da wirst du dir immer mal einen Sonntag freischaufeln
    • der Liegeplatz am Zwenkauer See ist eigentlich blöd, viel zu klein für deine Segelambitionen
    • da kannst Du das 21„ Boot verkaufen

    OK, das Boot, eine Pretty 21 die vorher am Zwenkauer See lag war wirklich schnell verkauft. Jeder versuchte irgendwas zu bekommen, um seinen Urlaub auf irgendeine schöne Art im Lande zu verbringen. Das ging zum Glück auch dieses mal ohne Verluste ab. Der Liegeplatz war auch schnell gekündigt, die Warteliste für den See war länger als eine Rolle Klopapier. Den Liegeplatz konnte ich mir also für die nächsten 100 Jahre abschminken. Sonntage hatte ich sehr viel frei am Anfang des Jahres 2021, das hatte schon mal gut geklappt. Es gab da nur ein kleines Hindernis: Die Mecklenburger wollten keinen Besuch haben. Die Landesregierung hatte bis Anfang Mai Schengen einfach ausgesetzt. Als man dann wieder einreisen durfte, waren bei uns auch Gottesdienste wieder erlaubt. Weil dort auch lange nichts stattgefunden hatte, gab es verstädlicherweise eine Menge Dienste nach zu holen. Und zuletzt, machen wir uns nichts vor, 300km sind 300km.

    Das Ergebnis war, dass ich das Boot, was auf dem Land stand, an einem Wochenende angefangen hatte aufzumotzen und das war es dann auch an Bootsaktivitäten im Jahr zwei der Pandemie. Das muss man erst einmal hinbekommen, wirklich alles falsch zu machen. Vielleicht sollte ich gelegentlich mehr auf meine Frau hören (hoffentlich überliest sie das).

    Noch dämlicher als ich war nur der Verkäufer, bei dem ich das Segelboot erworben hatte, er kaufte es von mir zurück. Er hatte wohl auch auf niemanden gehört, ich fand die Verkaufsanzeige ein halbes Jahr später auf Ebay-Kleinanzeigen.

  • Wandern? Na wenn’s unbedingt sein muss…

    Es sollte unbedingt ein Segelboot sein, es war auch schon häufig eines. In der Jugend versuchte ich es mit dem Faltboot. Es gab da kleine Segel dazu und bei der richtigen Windrichtung kam man auch ein bisschen voran. Während der Abizeit war ich zwei Tage bei mein Cousin in Rathenow. Ich segelte ein Wochenende auf seinem 15er Jollenkreuzer mit, das hat mich dann schon irgendwie angefixt. Jahre später, schon nach der Wende, kam dann ein Segelfaltboot Delphin 140 ins Haus. Das war dann schon ein richtiges, eigenes, kleines Segelboot. Viel genutzt haben wir es nicht. Dann kamen und gingen nach und nach weitere Segelboote. Es waren allesamt Kajütboote, das Wochenende in Rathenow hatte da wohl sehr früh die Weichen in diese Richtung gestellt. Wandern und wenn’s geht noch weit, das stand nicht auf der Agenda, dann vielleicht eher noch Radfahren.