Schlagwort: Wandern

  • Schon wieder Madeira (Teil 2) Wie geht`s mit Auto?

    Zurück am Auto gab es nun mehrere Möglichkeiten, zumindest Zwei: entweder ich suche mir einen Zeltplatz und ich fahre hin oder ich suche mir einen Parkplatz und eine schöne Wanderung zu einem Zeltplatz. Nach meinen Erfahrungen auf der letzten Madeiratour war die Entscheidung nicht schwer. Falls Du die Geschichte zu dieser Tour nicht gelesen hast oder ich das nicht so deutlich beschrieben habe, will ich das hier noch einmal wiederholen.

    Die Zeltplätze auf Madeira gibt es nicht wirklich, es sind von der Regierung ausgewiesene Trekkingplätze. Diese können sehr unterschiedlich sein. Schlimmstenfalls gibt es eine nicht ganz ebene Fläche und eine Bank. Bestenfalls gibt es eine wunderbare Wiese, fließend Wasser, ein großes überdachtes Grillhaus wo man auch bei miesen Wetter sitzen kann, ein WC welches den Namen verdient, und zahlreiche Sitzgelegenheiten.

    Wenn man vorher noch nie dort war, weiß man halt nicht was kommt. Ich weiß ja nicht ob Du auch so ein Nerd bist, aber wenn ich dann irgendwo ankomme und es gefällt mir überhaupt nicht (und das hat nichts mit der Ausstattung zu tun), dann ist das schon doof und es kann mir total die Stimmung vermiesen. Deswegen entschied ich mich für Möglichkeit eins. Wenn mir der angesteuerte Platz nicht gefällt, fahre ich einfach zum Nächsten, eine kleine Wanderung findet sich auf Madeira überall. So suchte mir also einen Platz und fuhr dort hin. Zu den Plätzen führen fast immer Straßen, das macht die Sache einfach.

    Der eigentlich geplante Platz „Terreiros – Santa Cruz“ fiel schon einmal aus, weil dort auf der Straße gerade Asphalt neu eingebaut wurde. Das war laut und roch natürlich auch stark. Der nächste Platz „Cruzes de Baixo“ war nur ein paar hundert Meter weiter gelegen und war so… na ja. Er bestand aus einer großen Wiese, einigen Sitzgelegenheiten, war grundsätzlich schön und holte mich irgendwie doch nicht ab wie man das neudeutsch so sagt.

    Ich machte dort wenigstens meine Mittagspause, kochte mir was zu Essen und fuhr weiter nach „Chão das Feiteiras“. Der Platz gefiel mir sofort. Es gab zwar auch nur Wiese und Bänke (das Wasser funktionierte nicht), aber irgendwie war das mein Platz. Ein wunderbarer Blick zum Arreero, dem zweithöchsten Berg Madeiras, gab möglicherweise auch den Ausschlag.

    Vielleicht spielte auch das wunderbare Wetter eine Rolle. Die Sicht war jedenfalls so gut, dass ich erstmalig mit dem großen Teleobjektiv experimentierte.

    Es war erst zeitiger Nachmittag und deswegen suchte ich mir noch eine kleine Tour. In etwa 3 km Entfernung von meinem Standort war ein weiterer Trekkingplatz eingezeichnet. Den wollte ich mir auf jeden Fall ansehen, vielleicht war er sogar noch schöner als der, den ich gerade erreicht hatte und außerdem war dort ein Wasserfall eingezeichnet. Deswegen nahm ich mein ganzes Equipment mit, lies das Auto stehen und lief los.

    Die Landschaft war sehr weit und offen, es machte wirklich Spaß bei diesem tollen Wetter draußen zu sein. Ich tat etwas, was ich bei Familienwanderung immer zu vermeiden versuchte, ich begann die Wanderung Berg ab. Daran ließ sich allerdings nichts ändern denn der Zielpunkt lag nun einmal 400 m tiefer.

    Der Weg verlangte an einer Stelle links abzubiegen jetzt änderte sich die Landschaft, sie war nicht mehr offen sondern es ging durch den Wald, er führte in zahlreichen Serpentinen geradewegs Berg ab. Er endete auf einer Asphaltstraße wo auch gerade Bauarbeiten stattfanden, auch dort wurde gerade neuer Asphalt verlegt. Nach etwa 100 m bog der kleine Pfad wieder nach links ab und es ging erneut durch den Wald. Nach einigen hundert Metern erreichte ich den kleinen Biwakplatz. Er war wirklich winzig, nur eine kleine Lichtung und eine kleine Grillstelle, ein kleiner Bach floss in unmittelbarer Nähe vorbei.

    50 m weiter fand ich dann auch den Wasserfall. Leider kam ich nicht nahe genug heran um das Spektakel genau zu sehen, denn ein Teil des Wassers ergoß sich in großer Menge von links her, allerdings Intervallweise. Man kann es auf den beiden nachfolgenden Fotos erkennen

    Nach den Fotos ging es schon wieder auf den Rückweg. Das dauerte jetzt natürlich länger, es war natürlich die gleiche Entfernung, aber jetzt ging es stetig bergan.

    Am Auto angekommen begann ich mein Lager einzurichten und baute das Zelt auf. Es war gar nicht so einfach auf der großen, man kann schon sagen riesigen, Wiese einen Platz zu finden ein mal zwei Meter, der halbwegs gerade ist.

    Nach getaner Arbeit bereitete ich mir mein Abendessen, als es begann zu dämmern zog Nebel und Sprühregen auf und ich verzog mich relativ schnell ins Zelt. Noch ein bisschen gedöst, noch ein Stück Film geguckt, keinen Gefallen dran gefunden und schließlich alles weggelegt und schlafen gegangen. Mal sehen was der nächste Tag bringen wird.

  • (60.) Geburtstag einmal anders

    Die Geschichte meiner Geburtstagsreise, 21.11. – 28.11.2024 war noch nicht aufgeschrieben, als ich zwei Monate später eine zweite Reise nach Madeira unternommen habe. Was die „Körperfresser 2“ mit der Nacht vom 25. auf den 26. November, meinem Geburtstag, zu tun haben, werde ich hier an späterer Stelle noch berichten, habt Geduld.

    Am 21.11.2024 ging es vom Flughafen Leipzig-Halle los.

    Die Verbindung Leipzig – Madeira findet mit Condor immer Donnerstags statt, sowohl der Hinweg als auch der Rückweg. Ich hatte mir vorgenommen eine Wanderung auf der Ostseite der Insel zu machen. Der aufmerksame Bertrachter der Karte wird erkennen, dass ich mir diemal die Probleme bereits vor Beginn der Reise eingebaut habe.

    Wenn man Outdooractive nutzt sollte man gelbe Ausrufezeichen nicht ignorieren oder übersehen.

    Am Flughafen angekommen nahm ich mir ein Taxi. Wir steuerten als erstes einen Supermarkt an und ich kaufte Wasser, denn am östlichen Zipfel der Insel in São Lourenço findet man keine Quelle, ein Levada oder etwas ähnliches. Dann fuhren wir zum letzten mit dem Auto erreichbaren östlichen Zipfel, ich zahlte 35 Euro und los ging es zum Biwakplatz Ponta de São Lourenço. Der Weg führt durch eine karge Landschaft mit hunderten Touristen, so ehrlich will ich sein, und nach knapp 4km kam ich an dem winzigen Platz an, baute mein Zelt auf, und quatschte nach dem Sonnenuntergang noch mit einem deutschen Pärchen welches seinen Urlaub gerade beendete. Sie wollten Ihre restlichen Vorräte loswerden und so konnte ich ein fürstliches Abendessen genießen.

    Für den nächsten Tag hatte ich mir eine Etappe zu einem in Outdooractive eingezeichneten, nicht offiziellen Biwakplatz vorgenommen. Ich startete früh und es ging wieder durch die karge Landschaft zurück. An der Straße angekommen ging ich querfeldein zur Nordküste. Ich ging dann wieder auf die Straße zurück, weil ich nicht annähernd so höhentauglich bin wie ich es gern wäre. Auf den Wegen an der Steilküste, welche in den senkrechten Felschen gehauen sind, waren auch schon von weitem kleine Erdrutsche zu sehen, das war mir einfach zu krass und ich ging erneut die Straße entlang. In Caniçal an der Tankstelle kaufte ich mir Wasser, weil ich mir nicht sicher war, ob ich unterwegs etwas finden würde. Dieser Teil der Insel war relativ trocken. Weiter führte mein Weg etwas von den Klippen entfernt zum Boco do Risco wo ich mit bester Aussicht bei viel Wind mein Zelt aufbaute. Ich wanderte 15,8 km und lief dabei 839 m aufwärts und 553 m abwärts.

    Am nächsten Morgen ging es zeitig weiter. Auch diesmal zog ich es vor, einen Weg in einiger Entfernung zur Steilküste zu nehmen. Ich hatte mir Porto da Cruz als Ziel vorgenommen denn dort hatte ich mit ein Zimmer reserviert.

    Der Beginn des Weges war sehr anstrengend, denn es ging nur bergauf. Als der Gipfel des Boca do Risco erreicht war, wurde der Weg sehr bequem. Es ging auf einem zweispurigen Weg leicht bergab. Das letzte Stück bis zu den ersten Häusern des Ortes war ein schmaler steiler Abstieg mit zahlreichen Serpentinen. Auf der von diesem Text aus oben befindlichen Karte mit dem Track kann man erkennen, warum die Entfernungsangaben bei Outdoractive in den Bergen immer zu kurz sind: Es sind bei weitem nicht alle Serpentinen eingezeichnet.

    Irgendwann bin ich dann tatsächlich unten am Meer angekommen und habe mir erstmal etwas zu Essen gekocht und das Wetter für den nächsten Tag gecheckt. Es war tatsächlich mies vorher gesagt. Als ich dann noch die Strecke für den nächsten Tag anschaute fielen mir auch endlich die gelben Ausrufezeichen auf und ich merkte endlich, dass der Gipfelweg gesperrt war. Was war ich doch für ein Idiot.

    Beides, das vorhergesagte Wetter und die Aussicht, dass ich meine geplante Route ohnehin nicht laufen konnte, ließ mich meinen Vermieter fragen ob ich eine Nacht länger bleiben könnte, was kein Problem war. Deswegen unternahm ich am nächsten Tag nur eine kleine Rundtour.

    Diesmal erkundete ich, nachdem der morgentliche Regen nachgelassen hatte, einen Teil des Weges an der Steilküste. Bis zum ersten Wasserfall kam ich, aber der nasse rutschige Boden ließ mich umkehren. Unten am Meer angekommen kochte ich erneut am steinigen Strand, um mir danach ein schönes Glas Wein zu gönnen.

    Für den nächsten Tag, meine Tour war ja inzwischen über den Haufen geworfen, bestellte ich ein Taxi, denn es war kein Weg eingezeichnet auf den ich hätte, ohne dutzende Kilometer Mehrweg in Kauf zu nehmen, ausweichen können. Ich ließ mich auf den Pico do Arieiro fahren. Als Tagesziel nahm ich mir den Biwakplatz Poiso vor.

    Jetzt kommen wir der Geschichte „Körperfresser 2“ langsam näher.

    Ehe ich von der Tagesetappe herab vom Pico do Arieiro erzähle schaut Euch das letzte Bild hier oberhalb des Textes an. Was seht Ihr dort?

    Die Sicht auf 1800m war so na ja… Es war bei Nebel und Sprühregen ziemlich kalt. Da auch hier massenhaft Leute auf dem Berg waren, begann ich schnell mit dem Abstieg. Mit jedem Höhenmeter wurde das Wetter ein bisschen besser und die Temperatur etwas höher, so dass ich bald in der schönsten Sonne unterwegs war. Die Vegetation wurde nach Anfangs fast ausschließlich nur Ginster, etwas vielseitiger, Praktischerweise hatte ich bei einer kleinen Rast meine Brusttasche liegen gelassen. Drei Kilometer später bemerte ich mein Mißgeschick und verlängerte so meine Tagesetappe zusätzlich. Am Biwakplatz Poiso angekommen stellte ich fest, dass es noch viel zu zeitig war um hier mein Lager aufzuschlagen. Außerdem war hier weit und breit niemand zu sehen und ich hatte irgendwie Lust, auch mal andere Leute zu sehen und mal ein Wort zu wechseln.

    Es ging also weiter. Wenige hundert Meter weiter machte ich eine Rast an einer Gaststätte. Dann stieg ich weiter ab um drei weitere eingezeichnete Plätze in Augenschein zu nehmen. Dort angekommen machte sich bei mir eine große Trostlosigleit breit. Die drei Plätze gehörten irgendwie zusammen und waren auf mehreren Ebenen verteilt. Die Wiesen waren gemäht bzw. von Ziegen kurz gehalten, die sanitären Anlagen verschlossen und die Sitzgelegenheiten ziemlich vergammelt. Das trostlose an dieser Situation war, dass 200 bis 400 Zelte dort Platz gehabt hätten und ich der einzige Mensch weit und breit war. Hier wollte ich nicht bleiben um am nächsten Morgen in mein 61. Lebensjahr zu starten. Es war noch eine gute Stunde bis es anfing zu dämmern und so machte ich mich im Eiltempo an den weiteren Abschieg, um am Campingplatz Naturanza Holistic Camping in Funchal anzukommen. Es war bereits dunkel als ich am Ziel war. Was soll ich sagen… den Platz gab es nicht mehr. Was für eine Scheisse.

    Ein freundlicher Portugiese der offensichtlich einen Teil des Grundstücks gekauft hatte und dort am Bauen war, bot mir an mein Zelt dort aufzubauen, er wohnte eh noch nicht dort. Ich war Ihm sehr dankbar, auch wenn es schwierig war auf diesem Messigrundstück ein 2 qm großes Plätzchen für mein Zelt zu finden.

    Jetzt noch einmal zum obigen Bild, man sieht da unter anderem zwei melonenartigen Gewächse. Bei den Körperfressern stecken darin Außerirdische, die, sobald Du eingeschlafen ist, Deinen Körper umschlingen und Deine Seele stehlen. Wenn Du aufwachst siehst Du genau so aus wie vorher, aber Deine Gefühswelt ist für immer verloren – tolle Aussichten für die Nacht vor dem 60. Geburtstag.

    Der Morgen kam, die Melonen waren ungeöffnet noch an Ort und Stelle, da hab ich nochmal riesen Schwein gehabt.

    Nach einem zeitigen Frühstück packte ich zusammen, buchte mir mit booking.com ein preiswertes Hotel für die letzten zwei Übernachtungen und verbrachte den restlichen Tag in Funchal.

    Am nächsten Morgen meldete ich mich für einen Tagesausflug an, wurde pünktlich von einem Kleinbus abgeholt und machte eine Levadawanderung. Ohne eigenes Auto ist das eine relativ preiswerte Möglichkeit woanders hin zu kommen.

    Nach der Rückkehr ging es am Nachmittag noch einmal nach Funchal und ich blieb bis zum Abend in der Stadt und nahm Abschied.

    Meinen Geburtstag hatte ich mit mit zeitigem Aufstehen und Sonnenaufgang auf dem Pico Ruivo vorgestellt, aber: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

  • Wofür das Ganze Training?

    Am dritten freien Tag, dem 15.11.2024, machte ich eine Radtour um den Zwenkauer See, in südlicher Richtung noch etwas bis nach Wiederau erweit, kam ich immerhin auf gut 30km. Fotos hatte ich auf dieser kleinen Tour nicht gemacht.

    Ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich ein Geburtstagsmuffel bin. Deswegen hatte ich meiner Frau bereits im Frühjahr schonend beigebracht, dass ich in der Woche meines Geburtstages verreisen wollte. Ob das wirklich schonend gewesen ist weiß ich heute nicht mehr, aber weil ich eine sehr liebe Frau habe und sie mit mir schon einigen Kummer gewohnt ist, ließ Sie mich gewähren . An dieser Stelle muss unbedingt erwähnt werden, dass ich mehr Urlaub habe als meine Frau. Obwohl, Urlaub ist eigentlich nicht das richtige Wort, ich habe einfach Gelegenheit Überstunden anzusammeln weil ich nur 35 Stunden in der Woche arbeite. Das ist eine sehr schöne Sache und ich denke, wenn man straff auf die 60 zugeht hat man das vielleicht auch ein bisschen verdient. Die echten Urlaubstage bleiben in der Regel gemeinsamen Aktivitäten vorbehalten. Ich bin jedenfalls sehr dankbar dafür, dass ich mir die Arbeit so einrichten kann.

    Weil es mir beim letzten Mal schon so gut gefallen hat, entschied ich mich wieder für Madeira. Mit meinem Neffen hatte ich ja vor einem dreiviertel Jahr bereits den nordwestlichen Teil erwandert, deswegen nahm ich mir diesmal den östlichen Teil der Insel vor. Der Start war für den 21.11. anvisiert und für den Geburtstag hatte ich mir ein besonders Highlight ausgedacht, aber dazu später.

    Oben auf der Landkarte ist meine Planung zu sehen. Wer genau hinschaut wird erkennen, dass ich mir ein kleines Problem bereits vor dem Start in meine Strecke eingebaut hatte. Ich kann jetzt schon ein bisschen spoilern, denn wie bei allen Fernwanderungen davor, ist meine Planung auch dieses Mal nicht aufgegangen. Davon erzähle ich aber in der nächsten Geschichte.

  • Training an der Saale 14.11.2024

    Am Tag nach der Elsterwanderung war etwas Regen angesagt. Das war die Gelegenheit das Regenequipment nochmal zu testen. Einige Wochen zuvor war ich ja 3 Tage an der Mulde unterwegs. Dort war ich am letzten Tag in einen ordentlichen, lang anhaltenden Landregen geraten. Ich trug damals meinen langen Regenmantel hatte aber die Füße bzw die Schuhe nicht gegen den Regen geschützt. Da der Weg auch durch hohes Gras im Wald führte, war ich nach etwa zwei Stunden sehr nass und fing auch an zu frieren, ich war froh als ich in Zschetzsch angekommen war und mich erst einmal trocken legen konnte. Aus dieser Erfahrung heraus hatte ich dieses Mal ein paar leichte Überziehstiefel mitgenommen. Der Regen an der Saale was nur relativ kurz und auch mild, aber dennoch konnte ich spüren dass sich die Kombination ganz gut bewährt, denn ich behielt dadurch einfach trockene Füße.

    Meine Saalewanderung begann in Bad Dürrenberg. Dort sind wir in diesem Jahr schon zweimal gewesen, denn auf dem Gelände des Gradierwerkes fand die Landesgartenschau statt und nach unserem ersten Besuch gefiel es uns so gut, dass wir im Spätsommer gleich noch einen zweiten Ausflug dorthin gemacht haben. Ich stellte mein Auto ab und begann die Wanderung an der Westseite der Saale flussaufwärts, denn der Durchgang am anderen Saaleufer war gesperrt.

    Die ersten zwei Kilometer kannte ich bereits, denn wir hatten auf dem örtlichen Kanuverein schon einmal unser Lager aufgeschlagen. Die Saaleaue ist auf dieser Seite ähnlich flach und weit wie die Aue der Weißen Elster zwischen Profen und Zeitz.

    In Wengelsdorf passierte ich die Anlegestelle, an der wir schonmal eine Bootstour gemacht hatten. Ich legte hier eine kleine Pause ein und dann ging es weiter. Der Weg entfernte sich von der Saale und führte wieder durch eine weite Aue.

    An dieser Hütte legte ich die nächste Rast ein. Obwohl ich noch nicht mal annähernd die Hälfte des Weges gelaufen war, kochte ich mein Mittagessen und anschließend noch einen Glühwein.

    Frisch gestärkt und innerlich gewärmt ging es weiter an Wiesen und Weiden vorbei.

    In Schkortleben erfuhr ich von der traurigen Geschichte der Dorfkirche deren Erhaltung nicht gelungen war. Jetzt erinnern nur noch Ruinen an das einstige Gotteshaus.

    Kurz hinter diesem etwas magisch anmutenden Ort wollte ich die Saale überqueren. Weil ich mir nicht sicher war ob man über die Eisenbahnbrücke laufen kann, hatte ich extra mein leichtes Packraft dabei. Ich musste es nicht aufblasen, die Brücke hatte einen Fußweg obwohl Outdooractive diesen nicht anzeigt.

    Von nun an ging es wieder zurück nach Bad Dürrenberg. Auf dieser Seite der Saale hielt der Weg etwas mehr Abwechslung bereit. Es gab genau wie an der Elster Schilder an einem Naturlehrpfad, schmale Wege die durch den Wald am Ufer entlang führten, natürlich auch weite Ausblicke wie unter der Autobahnbrücke und dann wieder hübsche schmale Wege.

    Nach dem Ort Vesta sah ich zu meiner großen Überraschung eine Kehrmaschine mitten durch den Wald fahren, um den asphaltierten Radweg zu kehren.

    Kurz vor Bad dürrenberg wurde die Landschaft wieder weit und ich freute mich auch bald anzukommen, denn es fing schon an zu dämmern. In Bad Dürrenberg ärgerte ich mich noch ein wenig weil das Gelände der Landesgartenschau auch von dieser Seite abgesperrt war, so musste ich einen Umweg außen herum um das Gradierwerk wählen. Aber trotz dieses kleinen Ärgers kam ich gut und auch noch im Hellen auf dem Parkplatz an und war ein kleines bisschen stolz, am zweiten Tag wieder um die 20 km gewandert zu sein.

  • Training an der Weißen Elster 13.11.2024

    Am 26 November stand mein 60 Geburtstag an. Weil ich mir relativ wenig aus Geburtstagsfeiern mache, ich würde sogar sagen, ein Geburtstagsmuffel bin, hatte ich überlegt, in der Zeit eine Reise zu unternehmen. Um mich ein wenig auf die Wanderungen vorzubereiten absolvierte ich ein kleines Trainingsprogramm. Am 13. November hatte ich einen freien Tag und ich nahm mir vor, eine Wanderung entlang der Weißen Elster zu unternehmen. Startpunkt war der kleine Ort Profen, genauer gesagt die Gaststätte zur Eiche. Dort ist ein kleiner Parkplatz von dem man in höchstens einer Minute mitten in der Elsteraue ankommt.

    Der Plan war, auf der Ostseite der Weißen Elster in Richtung Zeitz zu laufen und irgendwann eine Brücke zu suchen, um auf der Westseite wieder zurückzugehen. Der Weg führte mich zuerst zum Naturwehr der Weißen Elster, an welchem der Profener Elstermühlgraben abgeschlagen wird. Dort ging es noch einige hundert Meter Elster abwärts bis zur Brücke. Vor deieser Brücke steht ein schönes Holzkunstwerk, an welchem man eine Pause bzw ein Biwak machen kann. Das Zelten ist dort nicht offiziell erlaubt aber die kleine Wiese davor ist immer so schön gemäht, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es großen Ärger geben würde, wenn man dort für eine Nacht sein kleines Zelt aufbaut.

    An diesem Rastplatz kam ich auf die andere Seite der weißen Elster und konnte flussaufwärts Richtung Süden wandern. Die Elsteraue ist hier sehr flach und der Blick verliert sich in der Weite.

    Der Weg verlief manchmal direkt am Fluss und manchmal auch hinaus auf weite Felder. An einigen Stellen konnte man die Spuren des Bergbaus, der in dieser Gegend südlich von Leipzig sehr prägend war und zum Teil immer noch ist, erkennen. Auf der Karte hatte ich die Ortschaft Etzoldshain entdeckt, wo eine Burg  eingezeichnet war. Deswegen entfernte ich mich etwas weiter vom Flusslauf, um das selbst mal in Augenschein zu nehmen.

    Aus westlicher Richtung kommend, kam ich nicht an das Bauwerk heran, deswegen sah ich aus einiger Entfernung nur den mittelalterlichen Turm. Über ein abgeerntetes Feld bog ich nach rechts ab, damit ich wieder an den Fluss kam.

    Der Weg führte an einer recht gepflegten Mühle entlang und schließlich erreichte ich die Elsterbrücke in Draschwitz. Dort legte ich am Flussufer eine Mittagspause ein.

    Jetzt war es nach ungefähr 10 km Zeit umzukehren und sich auf den Rückweg zu begeben. Auf dieser Seite des Elstertals verläuft der Elsterradweg. Er ist asphaltiert und ich kam vorbei an einigen schön gestalteten Spiel- und Rastplätzen, sogar an einigen kleinen Holzkunstwerken, bis sich mein Weg in Profen endlich kreuzte.

  • Biwakplatz am Zwenkauer See – Test

    Am 12. Juli habe ich den neuen Biwakplatz am nord-östlichen Ufer des Zwenkauer Sees getestet. Es ging zu Fuß zu Hause los. Am Aussichtspunkt baute ich das Packraft auf und paddelte am rechten Ufer entlang. Es war einer dieser schwülwarmen Tage bei dem Gewitter in der Luft liegt, wie wir sie in diesem Jahr schon oft hatten. Am Strand neben dem Zwenkauer Hafen legte ich eine Pause ein, weil eine dunkle Wolkenfront mit Donner hinter mir aufgezogen war.

    Das Unwetter blieb aus und so ging es weiter über den See zur Anlegestelle. Kaum angekommen fing es kurz an zu regnen. Als der Spuk vorbei war, sah ich noch den Rest eines Regenbogens.

    Der Platz ist sehr schön angelegt, die Biwakhütten sind sehr massiv und versprühen noch den Duft von frischem Holz. Man hat darin jede Menge Platz.

    Das spektakuläre an dieser Übernachtung waren die Lichtspiele am Abendhimmel.

    Die Nacht war dann relaviv laut. Man hört die Autobahn sehr deutlich und auch der nächtliche Flugverkehr trägt dazu bei. Am Morgen war es dann sehr windig, so dass ich den Rückweg zu Fuß antrat. Nach 10 km und 2 Stunden später saß ich zu Hause am Frühstückstisch.

  • 3 Tage Ruppiner Gewässer mit dem Packraft

    Das Anfibio Nano RTC XL ist nicht mein erstes Packraft. Ich hatte mir bereits vor knapp 2 Jahren das Anfibio Rebel 2K mit Seitentaschen gegönnt. Mit diesem habe ich bereits zahlreiche  Mehrtagestouren auf Bächen, Flüssen und Seen unternommen und bin immer noch absolut begeistert.

    Meine Touren mache ich oft allein, wenn sich ein Mitfahrer findet auch gern zu zweit.  Bei meinem Reisegepäck habe ich im letzten Jahr immer mehr auf Gewichtsreduzierung geachtet, weil ich meine Ziele gern mit dem Zug anfahre.  Da kam ich am Nano RTC von anfibio nicht mehr vorbei. Die Idee das Boot als Packsack zu konstruieren fand ich genial. Dieses minimalostische Design mit dem geringen Gewicht passte wunderbar zu  meinen Vorstellungen von Gewichtseinsparungen.

    Mein erster Test fand zu Hause statt. Ich blies das Boot auf und ließ es ein paar Tage stehen. Der Verschluss hielt absolut dicht. Meine erste Tour führte mich dann auf die Ruppiner Gewässer. Dort waren keine Sohlschwellen, Biberburgen oder ähnliche Hindernisse zu erwarten die der dünnen Hülle dieser neuen Generation von Booten etwas anhaben könnten. Es war eine Fahrt mit zwei Übernachtungen, ich hatte das gesamte Equipment einschließlich des Nano RTC XL in einem 60l Rucksack verstauen können und kam auf ein Gesamtgewicht ohne Essen und Wasser von 10 kg. Das war schon mal eine Hausnummer und sehr entspannt zu tragen. In Lindow angekommen kaufte ich noch Essen und Wasser und ab ging es zum Gudelacksee. Das Gepäck ließ sich wunderbar in den Schläuchen verstauen. Den Rucksack mit dem Tragegestell  legte ich, anders als bei meinen Fahrten mit dem Rebell 2K, nicht in den Schlauch, weil mir die vielen härteren Kunststoffteile des Rucksacks in dem dünnen Schlauchmaterial nicht gefielen.  Ich schnallte ihn anstelle eines Deckpacks leer auf den Bug.

    Das Wetter war etwas durchwachsen angekündigt. Für den Nachmittag waren Gewitter angesagt. Ich konnte nach meiner Anreise, die insgesamt 3 Züge und 2 Busse erforderte und, welch ein Wunder, tadellos funktioniert hatte, gegen 13 Uhr starten. Als ersten Übernachtungsplatz hatte ich die Insel auf dem Gudelacksee fest eingeplant. Deswegen wollte ich am ersten Tag noch etwas den Vielitzsee erkunden, denn der direkte Weg zu Insel war mit 2 km einfach ein bisschen kurz. Auf dem Weg zum Vielitzsee begann es dann schon leicht zu regnen und weil ich vermeiden wollte bei einem aufziehenden Gewitter über den See zu paddeln, drehte ich um und nahm direkten Kurs zum Biwakplatz. Der Platz ist wunderschön gelegen.

    Ich kam gegen 14:30 Uhr an und kochte mir in Ruhe einen Kaffee. Sehr zügig zogen auch schon Wolken auf, es begann zu grummeln, Sturm kam auf und schließlich brach das Unwetter los.

    So schnell wie das Gewitter aufgezogen war hatte es sich auch wieder verzogen. Die Sonne brach durch die Wolken und Nebel stiegen auf.

    Zu meiner großen Überraschung war mein leichtes Tarp stehen geblieben und hatte den Sturmböen getrotzt. Der Nachmittag und der Abend lagen vor mir und ich wollte die Insel zu Fuß umrunden. Gerade als ich starten wollte, kamen zwei Angler mit Ihrem Mororboot in die Bucht, wir kamen ins Gespräch, sie luden mich zum Essen ein und wir quatschten bis zum Abend. Ich ließ mir die frischen Barschfilets zu einem guten Glas Rotwein schmecken. Vielen Dank an Danny und Lothar für die schöne Runde, das herrliche Essen und die guten Gespräche. Solche Momente kann man für Geld nicht kaufen.

    Das Einschlafen war etwas mühsam. Ich hatte nur ein Tarp und kein Meshzelt dabei. Die Mücken plagten mich trotz Authan sehr. Als die Plagegeister endlich Ruhe gaben, schlief ich schnell ein.

    Ich habe bis 7 Uhr durchgeschlafen und fühlte mich frisch und ausgeruht. Fantastischer Sonnenschein weckte mich mit einem herrlichen Blick über den See.

    Ich musste den Tag mit einer Runde schwimmen beginnen, denn das Wasser war sehr angenehm warm und ich musste das Gemisch aus Schweiß und Authan los werden. Kaffetrinken und Frühstücken waren bei diesem herrlichen Wetter ein einziger Genuß.

    Die Sachen waren schnell gepackt und bei leichtem Gegenwind ging es über den See bis zur Einfahrt in den Rhin.

    Die Fußgängerbrücke erstaunte mich wegen der besonderen Konstruktion. Die Stützpfeiler waren einfach gestapelte kurze Balken.

    Nach 2 km paddelte ich über den Möllensee. Nach weiteren etwa 2 km legte ich hinter der Brücke bei Zippelsförde an, denn es zog erneut ein Gewitter heran. Als es zu regnen begann drehte ich das Boot um und verzog mich unter die Straßenbrücke.

    Auch dieses Mal war der Spuk so schnell vorbei wie er gekommen war. Bei wunderschönem Sonnenschein ging es weiter auf dem wohl schönsten Abschnitt des Rhin bis zum Zermützelsee.

    Auf dem Zermützelsee kam mir starker böiger Wind entgegen. Es bildeten sich kleine Schaumkronen und ich kam fast nicht mehr von der Stelle. Ich nutzte eine Lücke im Schilf, auf der linken Seite des Sees, um an Land zu gehen. Die Wetterapp zeigte bis zum Abend keine Abnahme des Windes und so packte ich zusammen und ging zu Fuß durch Zermützel bis zum Tetzensee. Unterwegs ließ ich mir bei einer Familie, die gerade im Garten war, meinen Wassersack auffüllen.

    Am Tetzensee steuerte ich einen bei Outdooractive eingezeichneten Übernachtungsplatz an. Der Platz stellte sich nicht als ideal heraus, aber für eine Nacht hat es gereicht. Es gab an diesem Ufer zahlreiche „Witwenmacher“, aber der Wind hatte sich komplett gelegt und so wählte ich meinen Platz nach dem geringst möglichen Übel aus. An diesem Tag bin ich 18 km gepaddelt und gelaufen. Am Abend kam eine Ringelnatter durchs Wasser geschwommen, um sich in die ausgespülten Wurzeln eines Baumes zurück zu ziehen. Auch zwei Biber (oder Nutrias?), kamen vorbei.

    Kurz nach 4 Uhr wurde ich munter und wollte nur mal kurz raus aufs Wasser schauen. Der Morgen hatte mit seinen Nebelschwaden über dem Wasser eine solche Magie, dass ich aufstand, mich ans Ufer setzte und dem Tag beim erwachen zuschaute.

    Auch die beiden Nager schwammen an mir vorbei um ihr Tagwerk zu beginnen oder ihr Nachtwerk zu beenden, ich hab keine Ahnung vom Lebensrhytmus dieser Tiere.

    Nach dem Einpacken ging es ohne Gegenwind über den Tetzensee und den Molchowsee bis nach Altruppin. Der Schleusenwärter war offensichtlich froh, dass endlich jemand zum Schleusen kam. Er öffnete das Tor für meine Nußschale und im handumdrehen ging es 2 m nach unten. Neben der Schleuse gibt es auch eine Bootsschleppe, aber so war es natürlich noch einfacher.

    Das letzte Stück bis zum Bootshaus MC Neuruppin war schnell gepaddelt. Der Wind war an diesem Tag etwas gnädiger mit mir.

    Abschließend noch ein Wort zu meinem Anfibio Nano RTC XL. Ich habe mich bewusst für die XL Variante entschieden, auch wenn ich mit 1,78 kein Riese bin, weil ich mir davon eine höhere Rumpfgeschwindigkeit erhoffte. Diese Hoffnung hat sich erfüllt. Mit entspanntem Paddeln bei leichtem Gegenwind konnte ich etwa 3,4 km in einer Stunde bewältigen. Ich bin das Boot mit einer Finne am Heck gefahren und es fiel mit sofort auf, dass das Nano RTC spurtreuer als das Rebel 2K ist. Das liegt sicher weniger an der etwas größeren Länge, sondern an der Konstruktion. Der Boden ist nicht bündig mit der Unterseite der Schläuche, sondern der Boden ist etwas höher als die Unterseiten der Schläuche. Dadurch entstehen an der Unterseite des Bootes zwei leicht unter dem Boden im Wasser hängende Schwimmer, die einen besseren Geradeauskauf ermöglichen.

    Bei verstautem Gepäck in den Schläuchen genügen 3 bis 4 Füllungen mit dem Blasesack und das Boot ist gut mit Luft gefüllt. Das Boot hat nach dem aufpumpen eine geschmeidige faltenarme Form. Nach einiger Zeit auf dem warmen Wasser in der prallen Sonne war es fast faltenfrei. Das erschien mir dann doch etwas zu viel des Guten und ich habe am flachen Ufer das Ventil eine Umdrehung geöffnet und etwas Luft entweichen lassen. Das sollte man sicher nicht mitten auf einem See machen,  denn man könnte schlimmstenfalls im Wasser sitzen wenn man zu weit aufgedreht hat. Bei einer minimalistischen Reise mit Tarp eignet sich das Boot auch bestens nach der Entnahme des Gepäcks und dem Wiederbefüllen des Bootes mit Luft als  regensichere Abdeckung des restlichen Gepäcks. Ich habe es mit einer Leine und zwei Heringen zusätzlich gegen Wind gesichert.

    Als Paddel habe ich mir das sehr leichte Anfibio Fly gegönnt. Ich war skeptisch als ich das Paddel zum ersten Mal in den Händen hielt, aber die Bedenken haben sich als grundlos erwiesen. Das Paddel liegt trotz seines geringen, nur etwa 25mm, Rohrdurchmessers gut in der Hand. Es werden keine Abtropfringe mitgeliefert, ich habe diese aber auch nicht vermisst. An der ersten Steckverbindung von Paddel und erstem Rohr ist eine ca. 1 cm lange Lücke die für ein sicheres abtropfen sorgt. Abtropfringe sind also aus meiner Sicht nicht nötig. Fazit: Ich bin restlos begeistert, sowohl vom RTC Nano XL als auch von meinem Rebel 2K.

    Der Campingstuhl den ich dabei hatte erwies sich im vollen ICE von Berlin nach Leipzig als segensreich, denn ich hatte ein großes Abteil allein für mich.

    Ach ja, ich habe mir ein Paar rote Kniehstrümpfe von der Reise mitgebracht. Wenn man schon eine lange Hose gegen Sonnenbrand an den Beinen mitnimmt, sollte man die Hosenbeine nach dem Einsteigenm ins Packraft auch wieder runter krempeln.

  • Madeira Februar 2024 Teil 6 von Fanal zum Parque da Campismo

    Nach einem sternenklaren Himmel in der Nacht begann der Tag unserer letzten Wanderetappe mit schönstem Sonnenschein. Nach fünf Tagen fühlte sich mein Gesicht schon ganz schön kratzig an, aber ich entschied dass es bis zum Abend gehen würde.

    Eine Kuh mit einem wenige Tage alten Kälbchen besuchte unser Lager während wir frühstückten. Die Tiere waren völlig tiefenentspannt. Wir raten es ihnen gleich, packten in Ruhe unsere Sachen und nahmen Abschied von diesem bezaubernden Ort.

    Der Weg führte uns zunächst die Straße entlang, den Kühen hinter. Der Weg sollte laut Outdooractiv von der Straße aus nach links in den Wald, später an einer Levada entlang bis zum Meer führen.

    Es hätte eine einfache Tour werden können.

    Der Weg durch den Wald begann völlig harmlos. Es ging über Steine stetig bergab. Nach 200 Metern war der Weg kaum noch zu erkennen und er wurde etwas steiler bis kein Weg mehr zu erkennen war. Ich versuchte weiter voran zu kommen und rutschte auf den Hintern von einem Baum zum Nächsten. Es gab keinen Weg mehr. Zurück zu gehen war mit dem schweren Gepäck keine verlockende Vorstellung. Wir setzten die Rucksäcke ab und mein Neffe versuchte einen Weg zu finden.

    Nach zehn Minuten kam er zurück, er hatte eine alte Levada gefunden die offensichtlich seit vielen Jahrzehnten verfallen war. Der Karte nach musste sie etwa einhundert Meter oberhalb derer liegen, die wir eigentlich entlang wandern wollten. Die Karte ließ vermuten, dass wir nach etwa sechshundert Metern, wenn wir der alten Levada folgen würden, auf einen Weg stoßen, der weiter nach unten führt. Wir krochen über und unter dutzenden Bäumen hindurch, es war schon eine ganz schöne Plackerei. Ich glaube wir brauchten für das kleine Stück fast eine Stunde. Wir waren unglaublich erschöpft und erleichtert als wir den Weg endlich fanden. Es ging jetzt noch zahlreiche Treppenstufen nach unten, bis wir die Levada erreichten. Leider hatte uns der anstrengende Weg beide abgehalten Fotos von dieser unfreiwilligen Durchschlageübung zu machen. Da muss ich bei zukünftigen Abenteuern an mir arbeiten, damit mir nicht immer die besten Bilder fehlen.

    Von jetzt an war der Weg wieder sehr bequem zu laufen. Häufig führte er im Halbschatten durch saftiges Grün immer weiter mit sanftem Gefälle langsam aber stetig in Richtung Meer. Nach unzähligen Wendungen am Berg entlang, immer wieder an kleinen Wasserfällen vorbei, erreichten wir eine Straße. Dort trafen wir auch wieder einige Touristen. Mit einem deutschen Pärchen unterhielten wir uns kurz. Sie wollten, beide mit weißen Turnschuhen und weißen Hosen bekleidet, mal hundert Meter in die Levada hinein laufen. Nach dem Abschied mussten wir irgendwie ein bisschen grinsen und waren froh, daß alle Menschen so unterschiedlich ticken, wie voll wären die Wanderwege und Trekkingplätze sonst gewesen.

    Nach der Straßenüberquerung ging es wieder etwas steiler mit uns bergab. Vorbei am riesigen Farnen ging es durch dichte Wälder bis eine größere Lichtung das erste Mal den Blick auf das Meer frei gab.

    Endlich kamen wir nach Ribeira da Janela. Jetzt galt es noch fünfhundert Höhenmeter bis zum Meer hinab zu steigen. Dazu benutzten wir die alten Straßen. Diese sind etwas steiler, aber auch kürzer als die neuen Asphaltpisten und haben in der Mitte Treppenstufen. Diese sind sehr flach und ich hatte ordentlich mit Wadenkrämpfen zu tun.

    So wie der längste Aufstieg hat natürlich auch der längste Abstieg irgendwann ein Ende. Am Meer angekommen gab es erstmal eine Cola. Nach einigen Tagen mit viel Energieverbrauch und knapp bemessenem Essen ist ein kleiner Zuckerschock schon sehr geil.

    Der Parque da Campismo ist ein kleiner, sehr feiner Platz. Die Sanitäranlagen sind sehr ordentlich und das bei einem Preis von sechs Euro pro Person.

    Am Abend hatten wir ein sehr angenehmes Gespräch mit einem Wander meines Alters (+10). Wir redeten über schöne Orte und Ziele, über Ost und West, über das Leben im Allgemeinen und über Madeira im Speziellen. So ging unser letzter Tag der Reise zu Ende.

    Da wusste ich noch nicht, dass am nächsten Tag noch ein kleines Abenteuer auf mich warten würde.

  • Madeira Februar 2024 Teil 5 von Rabacal nach Fanal

    Der Morgen in Rabacal begann wieder mit Sonnenschein. Ausgeschlafen ging es an die Zubereitung des Frühstücks. Wie man auf dem Bild sieht, kann man den Tag auch mit einem herzhaften Nudeleintopf starten. Wir hatten beide das Essen für die ganze Woche im Rucksack, da muss man schon auf das Gewicht achten. Deswegen war gefriergetrocknete Nahrung die erste Wahl. Im Laufe der Wanderung bestätigte sich, dass man auf Madeira keine großen Wasserreserven mitzuschleppen braucht. Es gab überall sehr viele Quellen bei denen man die Vorräte auffüllen konnte.

    Als die Zelte abgebaut und das Gepäck wieder im Rucksack verstaut war, nutzten wir die Toilette des Restaurants und gingen erleichtert die erste kurze Etappe entlang der „Levada das 25 Fontes“ an.

    Die Levada ist sehr gut ausgebaut, was bei den zahlreichen Touristen die hier unterwegs sind, kein Wunder ist. Wenn wir den Weg zu den 25 Wasserfällen und die Grotte selbst, ohne Touristen hätten erleben wollen, hätten wir vor der Morgendämmerung loslaufen müssen.

    Nach einer halben Stunde waren die Wasserfälle erreicht. Es ist wirklich ein märchenhafter Ort bei dem man ins schwärmen kommen kann. Die meisten Besucher gehen von hier wieder an der Levada entlang zurück. Uns führte der Weg noch ein kurzes Stück an der Levada weiter in die andere Richtung. Dort sahen wir noch ein Meisterwerk der Statik.

    Nach kurter Zeit mussten wir den bequemen Weg verlassen und ein langer steiler Aufstieg begann. Das ist wohl auch der Grund weswegen die meisten Leute diesen Weg meiden. Es sind knapp 500 Höhenmeter zu überwinden. Die meiste Zeit des Aufstieges sind Treppen in den Weg gebaut, entweder gemauert oder mit Hilfe quer liegender Hölzer. Mir gingen immer wieder die armen Kerle durch den Kopf die vor Jahren den ganzen Mörtel dorthin schleppen mussten. Wir brauchten den mühsamen Weg wenigstens nur einmal zu laufen.

    Zum Glück hat auch der mühsamste Aufstieg mal ein Ende. Der Weg nach Fanal war jetzt mit leichten An- und Abstiegen über sanfte Hügel nach den Strapazen der vielen Treppen ein Kinderspiel. Zwischendurch gab es immer wieder schöne Ausblicke in die bergige Landschaft.

    Nach diesem sanften auf und ab gab es noch eine Wegstrecke die durch sehr urwüchsigen Wald führte. Man hätte sich nicht gewundert, wenn hinter der nächsten Biegung der T-rex gestanden hätte. Als dieser Urwald hinter uns lag kamen wir nach der Überquerung einer Straße an einen Aussichtspunkt, von dem wir tiefer unter uns die Wolken sehen konnten. Ich war überzeugt, dass sich in diesem Nebelschleier Fanal verstecken musste. In Fanal ist der bekannte „Feenwald“ auf Madeira den man auf Fotos immer nur im Nebel sieht.

    Nach dieser wunderbaren Aussicht öffnete sich die Landschaft, es gab kurz abgeweidete Wiesen und die ersten alten Lobeerbäume zeigten sich in der weiten Landschaft. Fanal war nur noch einen Steinwurf von uns entfernt.

    Ich staunte nicht schlecht, dass der Feenwald im schönsten Abendlicht der Sonne schimmerte, kein Nebel weit und breit. Die Landschaft hatte jetzt zwar nicht diese märchenhafte Gestalt die wir vermutet hatten, aber das herrliche Wetter machte in dieser schönen Gegend dennoch richtig gute Laune. Die Anstrengung des heutigen Aufstiegs war meinem Tshirt anzusehen. Nachdem ich es am Nachmittag noch gewaschen hatte, war es sogar noch bis zum Einbruch der Dunkelheit getrocknet.

    An diesem Platz standen außer uns noch drei Zelte. Je mehr sich der Tag neigte, desto weniger Besucher waren unterwegs. Es wurde ruhig, wir kochten unser Abendessen an der Grillhütte, quatschen noch ein bisschen bis zur Dunkelheit und gingen bei einem tollen Sternenhimmel in unsere Zelte.

  • Madeira Februar 2024 Teil 4 von Estanquinhos nach Rabacal

    Im Laufe der Nacht hörte der Regen bald wieder auf. Der Platz Estanquinhos wirkte auf mich nicht sehr einladend. Es gibt dort kaum einen Platz auf dem man ein Einpersonenzelt auf gerader Fläche aufbauen kann. Ich hatte mir die einzige gerade Stelle gesucht, wenn es allerdings lange anhaltend geregnet hätte, wäre ich mit meiner Luftmatratze aufgeschwommen. Zum Glück war der Regen zu schwach, um mein Zelt zu fluten. Am Morgen war noch etwas Nebel in der Luft der sich allerdings schnell auflöste. Die Sonne zeigte sich bald und wir konnten in Ruhe frühstücken Wir packten zusammen und machten uns wieder auf den Weg.

    Der Weg führte an diesem Tag über eine Hochebene die hauptsächlich mit Ginster bewachsen war. Der von Outdooractive vorgeschlagene Weg abseits der Asphaltstraße endete im Nirgendwo. Wir mußten die letzten 500m wieder zurück und nahmen dann doch die Straße. Es war kaum Verkehr und wir trösteten uns mit dem Gedanken, schnell voran zu kommen. Es dauerte dann auch nicht lange und wir konnten die Straße wieder verlassen. Nach unserer Planung hätten wir hier schon die Tagesetappe beenden sollen. Der Platz Ribeira do Alecrim lag noch einen Kilometer entfernt. Weil es gerade erst Mittag war, beschlossen wir weiter zu laufen und sahen uns den Platz gar nicht erst an.

    Nachdem wir die Straße verlassen hatten, war die Landschaft immer noch sehr offen. Links von uns sahen wir den Stausee Barragem do Pico da Urze. Das ist ein rein technisches Bauwerk, er ist komplett eingzäunt. Der Weg führte jetzt leicht abwärts und der Bewuchs wurde wieder etwas höher. Hin und wieder gab der Bewuchs einen Blick auf die umliegenden Täler frei.

    Nach einem kurzen steilen Aufstieg kamen wir an eine sehr schöne Levada. Als Ziel für den Tag peilten wir jetzt Rabacal an. Auf den Karten ist dort ein Biwakplatz neben einem Restaurant eingezeichnet den man allerdings nicht vorher buchen konnte. Die Gegend um Rabacal hatte ich ein Jahr vorher schon einmal besucht. Es ist eine Touristenhochburg, weil es dort den Risco Wasserfall und die Levada das 25 Fontes zu sehen gibt.

    Am Nachmittag kamen wir gegen vier Uhr in Rabacal an. Im Restaurant erfuhr ich, dass der Biwakplatz auch von den Behörden Madeiras betrieben wird. Offensichtlich wurde er bei der Erstellung der entsprechenden Homepage einfach vergessen. Andere Wanderer, die auch ihre Zelte dort aufstellten, bestätigten das. Der Platz ist sehr schön gelegen, hat eine Feuerstelle, verfügt auch über fließend Wasser und natürlich gibt es dort auch viele der Madeirabuchfinken.

    Zitat von www.homeoffice-madeira.com:

    „Der Risco-Wasserfall ist ein besonderes Highlight in der Gegend der „Levada das 25 Fontes“ und im Lorbeerwald Laurisilva, er seit 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Hier stürzt er etwa 100 Meter an einer glatten Felswand in die Tiefe hinab. Ein besonderes Erlebnis, weil man relativ nah an den Wasserfall herankommt. Früher konnte man sogar noch einen kleinen extra Weg gehen, der hinter dem Wasserfall entlangführt. Dieser Weg ist heute leider gesperrt, da der er nicht mehr gepflegt und in Stand gehalten wird und dadurch das Begehen äußerst gefährlich ist.“

    Nach dem Aufbau der Zelte hatten wir noch genug Zeit und wanderten zum Risco Wasserfall. Der Weg war nicht anstrengend, er führt an einer Levada entlang. Der Wasserfall ist einfach toll. Den alten Weg hinter dem Wasserfall entlang konnten wir sehen, aber er ist durch eine Gittertür verschlossen.

    Wir liefen zurück zu unserem Lager und der Tag ging zur Neige. Die heutige Wanderung war gegenüber der Gestrigen fast schon erholsam. Das Wetter war mit etwa 20 Grad sehr angenehm zum Laufen und wir gingen zufrieden schlafen.