Schlagwort: Trekking

  • Schon wieder Madeira (Teil 1) Ankunft und Start

    Ja Leute, wie kommt man auf die komische Idee nach zwei Monaten erneut eine Woche nach Madeira zu fliegen? Weil die alten weißen Männer, zu denen ich zweifellos gehöre, den Planeten an den Abgrund geführt haben dachte ich, auf die eine Reise mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an. Ja wenn alle so denken würden? Keine Ahnung, aber da wäre es hier auf Madeira ziemlich überfüllt.

    Wenn ich an die anderen Fluggäste denke, spielen aber auch sowohl alte weiße (in der Mehrheit gefärbte) Frauen als auch Familien mit Kleinkindern eine Rolle bei der Zerstörung des Planeten. Schade, die Story mit den alten weißen Männern ist wohl doch nicht die ganze Wahrheit.

    Tatsächlich war es natürlich ganz anders, Condor machte mir ein unwiderstehliches Angebot auf welches ich, als braver Konsument, einfach reingefallen bin. Außerdem fliegt Luisa Neubauer auch ständig durch die ganze Welt um das Klima zu retten, da dachte ich mir, ich mach da einfach mit, jede Unterstützung hilft.

    Am Donnerstag, dem 30.01.2025 ging es von Leipzig – Halle los. Ich wunderte mich etwas, dass die Crew auch aus alten weißen Stewards anstelle wunderbar geschminkten jungen Stewardessen bestand, das Alles hatte schon den Anschein eines Komplotts.

    Die Landung auf Madeira war sehr spannend. Der starke Wind aus Nordost, der uns eine Stunde Vorsprung verschafft hatte, wurde am Flughafen auf Madeira zu kräftigen Fallböen. Der Pilot musste ständig korrigieren weil die Turbulenzen bis zum Aufsetzen erheblich waren. Als er uns unmittelbar vor der Landung zweimal ermahnte dass auch ja alle angeschnallt seien sollten, wurde es relativ ruhig. Als wir dann aufgesetzt hatten gab es heftigen Applaus und er meldete sich erneut: „Habe ich da gerade eine gewisse Erleichterung in Ihrem Applaus gehört?“ und man konnte das Grinsen in seinem Gesicht direkt spüren. Ich war auch erleichtert, dass der Pilot eine weitere Verschmutzung der Weltmeere verhindern konnte. So viele Flugzeugteile an den Küsten Madeiras ist keine schöne Vorstellung.

    Um dem Planeten vollends den Rest zu geben, hatte ich bei der Autoverleihfirma „Madeira rent“ natürlich noch ein Auto bestellt. Bei dieser Firma hatte ich, als ich gemeinsam mit meiner Frau vor zwei Jahren hier auf Madeira unterwegs war, bereits schon einmal ein Auto gemietet. Es war irgendwie lustig, denn sie kamen mit der gleichen Masche wie damals um die Ecke. Ein größeres, stärker motorisiertes Auto würde die steilen Berge hier viel besser rauf kommen und das größere Auto würde mich nur 100 € mehr kosten.  Ich ließ mich ziemlich schnell bequatschen, denn schließlich bekommt man mit einem größeren Auto das Weltklima noch viel besser und schneller gerettet.

    Falls sich hier irgendjemand fragt, warum ich es ständig mit dem Weltklima habe, die Antwort ist ganz einfach: Ich habe hier beim Schreiben so ganz nebenbei ein Schlückchen Rotwein hintergekübelt, das hat meine Kreativität in besondere Bahnen gelenkt und meine philosophische Seite geweckt.. Ich glaube, wenn ich in meinem Leben mehr getrunken hätte, wäre glatt ein Schriftsteller aus mir geworden. Jetzt, wo die halbe Flasche leer ist und meine Gedanken müde werden, mache ich erstmal Schluss und schreibe morgen weiter.

    Da habe ich ganz schön viel geschwafelt und bin erst bis zur Abholung des Autos gekommen. Das kann ja noch dauern. Als erstes bin ich in den Supermarkt in der Nähe des Flughafens gefahren. Ich war unglaublich stolz, dass ich den Weg auf Anhieb gefunden habe. Hauptsächlich brauchte ich Wasser und nach Möglichkeit Brennstoff für einen Kocher. Gaskartuschen gab es zwar nicht, aber in der Grillabteilung fand ich eine Flasche Brenngel. Das war besser als nichts und es stellte sich als sehr brauchbar heraus. Nach dem Einkauf sollte es in Richtung „Canical“, an den östlichsten Zipfel Madeiras gehen, dort begann ich zwar schon die letzte Tour, aber der winzige Platz ist einfach schön und mit 4 km Wanderung bei knapp 400 Höhenmetern vom Parkplatz aus auch nicht zu anstrengend für den ersten Tag. Auch wegen der wunderbaren Sonnenauf- und Sonnenuntergänge sollte man ihn einmal besuchen. Diesmal blieb ich fast allein dort auf dem kleinen Platz, es kam nur eine Wanderin dazu.

    Der nächste Morgen begann mit schönstem Sonnenschein, so wie auch der vergangene Tag zu Ende ging. Ich stand schon mit Beginn der Morgendämmerung auf und testete mein neues Windlicht (mit Kultstatus) welches mir meine Kollegen zum 60. Geburtstag geschenkt hatten, das macht echt was her und trotzt tatsächlich dem Wind.

    Der östliche Teil Madeiras ist sehr kahl und nur mit wenigen Gräsern und einigen Blumen bewachsen. Die auf den Bildern zu sehenden Palmen sind die einzigen auf der Halbinsel. Jetzt, Ende Januar, ist es durch die Regenzeit recht grün. Die Küsten sind schroff und felsig, aber die Brandung ist auf der Südseite meist milder als auf der Nordseite.Das kleine Rondell auf dem dritten Bild ist der Biwakplatz.

    Ich konnte von diesem Zipfel sogar mein Leihauto auf dem Parkplatz sehen (nur mit dem Telepbjektiv, das einsame links stehende) und es bleibt es nicht aus, dass mit dem ersten Tageslicht auch die ersten Flugzeuge auftauchten, denn der Flughafen liegt an dieser Küstenseite.

    Am Morgen tauchte auch ein Fischerboot auf und ich konnte den Männern bei der Arbeit zuschauen.

    Das Zelt war abgebaut, die Sachen waren gepackt und es ging 4 km über diese karge Gegend zurück zum Parkplatz.

    Ich war mir noch nicht sicher wie ich diese Reise angehen würde, denn mit Trekkingausrüstung und Auto hat man doch mehr Möglichkeiten. Zumindest sah ich mir noch ein paar spektakuläre Felsen auf der nordöstlichen Seite an.

    Wie es weiter gegangen ist, erfährst Du im nächsten Teil der Geschichte.

  • (60.) Geburtstag einmal anders

    Die Geschichte meiner Geburtstagsreise, 21.11. – 28.11.2024 war noch nicht aufgeschrieben, als ich zwei Monate später eine zweite Reise nach Madeira unternommen habe. Was die „Körperfresser 2“ mit der Nacht vom 25. auf den 26. November, meinem Geburtstag, zu tun haben, werde ich hier an späterer Stelle noch berichten, habt Geduld.

    Am 21.11.2024 ging es vom Flughafen Leipzig-Halle los.

    Die Verbindung Leipzig – Madeira findet mit Condor immer Donnerstags statt, sowohl der Hinweg als auch der Rückweg. Ich hatte mir vorgenommen eine Wanderung auf der Ostseite der Insel zu machen. Der aufmerksame Bertrachter der Karte wird erkennen, dass ich mir diemal die Probleme bereits vor Beginn der Reise eingebaut habe.

    Wenn man Outdooractive nutzt sollte man gelbe Ausrufezeichen nicht ignorieren oder übersehen.

    Am Flughafen angekommen nahm ich mir ein Taxi. Wir steuerten als erstes einen Supermarkt an und ich kaufte Wasser, denn am östlichen Zipfel der Insel in São Lourenço findet man keine Quelle, ein Levada oder etwas ähnliches. Dann fuhren wir zum letzten mit dem Auto erreichbaren östlichen Zipfel, ich zahlte 35 Euro und los ging es zum Biwakplatz Ponta de São Lourenço. Der Weg führt durch eine karge Landschaft mit hunderten Touristen, so ehrlich will ich sein, und nach knapp 4km kam ich an dem winzigen Platz an, baute mein Zelt auf, und quatschte nach dem Sonnenuntergang noch mit einem deutschen Pärchen welches seinen Urlaub gerade beendete. Sie wollten Ihre restlichen Vorräte loswerden und so konnte ich ein fürstliches Abendessen genießen.

    Für den nächsten Tag hatte ich mir eine Etappe zu einem in Outdooractive eingezeichneten, nicht offiziellen Biwakplatz vorgenommen. Ich startete früh und es ging wieder durch die karge Landschaft zurück. An der Straße angekommen ging ich querfeldein zur Nordküste. Ich ging dann wieder auf die Straße zurück, weil ich nicht annähernd so höhentauglich bin wie ich es gern wäre. Auf den Wegen an der Steilküste, welche in den senkrechten Felschen gehauen sind, waren auch schon von weitem kleine Erdrutsche zu sehen, das war mir einfach zu krass und ich ging erneut die Straße entlang. In Caniçal an der Tankstelle kaufte ich mir Wasser, weil ich mir nicht sicher war, ob ich unterwegs etwas finden würde. Dieser Teil der Insel war relativ trocken. Weiter führte mein Weg etwas von den Klippen entfernt zum Boco do Risco wo ich mit bester Aussicht bei viel Wind mein Zelt aufbaute. Ich wanderte 15,8 km und lief dabei 839 m aufwärts und 553 m abwärts.

    Am nächsten Morgen ging es zeitig weiter. Auch diesmal zog ich es vor, einen Weg in einiger Entfernung zur Steilküste zu nehmen. Ich hatte mir Porto da Cruz als Ziel vorgenommen denn dort hatte ich mit ein Zimmer reserviert.

    Der Beginn des Weges war sehr anstrengend, denn es ging nur bergauf. Als der Gipfel des Boca do Risco erreicht war, wurde der Weg sehr bequem. Es ging auf einem zweispurigen Weg leicht bergab. Das letzte Stück bis zu den ersten Häusern des Ortes war ein schmaler steiler Abstieg mit zahlreichen Serpentinen. Auf der von diesem Text aus oben befindlichen Karte mit dem Track kann man erkennen, warum die Entfernungsangaben bei Outdoractive in den Bergen immer zu kurz sind: Es sind bei weitem nicht alle Serpentinen eingezeichnet.

    Irgendwann bin ich dann tatsächlich unten am Meer angekommen und habe mir erstmal etwas zu Essen gekocht und das Wetter für den nächsten Tag gecheckt. Es war tatsächlich mies vorher gesagt. Als ich dann noch die Strecke für den nächsten Tag anschaute fielen mir auch endlich die gelben Ausrufezeichen auf und ich merkte endlich, dass der Gipfelweg gesperrt war. Was war ich doch für ein Idiot.

    Beides, das vorhergesagte Wetter und die Aussicht, dass ich meine geplante Route ohnehin nicht laufen konnte, ließ mich meinen Vermieter fragen ob ich eine Nacht länger bleiben könnte, was kein Problem war. Deswegen unternahm ich am nächsten Tag nur eine kleine Rundtour.

    Diesmal erkundete ich, nachdem der morgentliche Regen nachgelassen hatte, einen Teil des Weges an der Steilküste. Bis zum ersten Wasserfall kam ich, aber der nasse rutschige Boden ließ mich umkehren. Unten am Meer angekommen kochte ich erneut am steinigen Strand, um mir danach ein schönes Glas Wein zu gönnen.

    Für den nächsten Tag, meine Tour war ja inzwischen über den Haufen geworfen, bestellte ich ein Taxi, denn es war kein Weg eingezeichnet auf den ich hätte, ohne dutzende Kilometer Mehrweg in Kauf zu nehmen, ausweichen können. Ich ließ mich auf den Pico do Arieiro fahren. Als Tagesziel nahm ich mir den Biwakplatz Poiso vor.

    Jetzt kommen wir der Geschichte „Körperfresser 2“ langsam näher.

    Ehe ich von der Tagesetappe herab vom Pico do Arieiro erzähle schaut Euch das letzte Bild hier oberhalb des Textes an. Was seht Ihr dort?

    Die Sicht auf 1800m war so na ja… Es war bei Nebel und Sprühregen ziemlich kalt. Da auch hier massenhaft Leute auf dem Berg waren, begann ich schnell mit dem Abstieg. Mit jedem Höhenmeter wurde das Wetter ein bisschen besser und die Temperatur etwas höher, so dass ich bald in der schönsten Sonne unterwegs war. Die Vegetation wurde nach Anfangs fast ausschließlich nur Ginster, etwas vielseitiger, Praktischerweise hatte ich bei einer kleinen Rast meine Brusttasche liegen gelassen. Drei Kilometer später bemerte ich mein Mißgeschick und verlängerte so meine Tagesetappe zusätzlich. Am Biwakplatz Poiso angekommen stellte ich fest, dass es noch viel zu zeitig war um hier mein Lager aufzuschlagen. Außerdem war hier weit und breit niemand zu sehen und ich hatte irgendwie Lust, auch mal andere Leute zu sehen und mal ein Wort zu wechseln.

    Es ging also weiter. Wenige hundert Meter weiter machte ich eine Rast an einer Gaststätte. Dann stieg ich weiter ab um drei weitere eingezeichnete Plätze in Augenschein zu nehmen. Dort angekommen machte sich bei mir eine große Trostlosigleit breit. Die drei Plätze gehörten irgendwie zusammen und waren auf mehreren Ebenen verteilt. Die Wiesen waren gemäht bzw. von Ziegen kurz gehalten, die sanitären Anlagen verschlossen und die Sitzgelegenheiten ziemlich vergammelt. Das trostlose an dieser Situation war, dass 200 bis 400 Zelte dort Platz gehabt hätten und ich der einzige Mensch weit und breit war. Hier wollte ich nicht bleiben um am nächsten Morgen in mein 61. Lebensjahr zu starten. Es war noch eine gute Stunde bis es anfing zu dämmern und so machte ich mich im Eiltempo an den weiteren Abschieg, um am Campingplatz Naturanza Holistic Camping in Funchal anzukommen. Es war bereits dunkel als ich am Ziel war. Was soll ich sagen… den Platz gab es nicht mehr. Was für eine Scheisse.

    Ein freundlicher Portugiese der offensichtlich einen Teil des Grundstücks gekauft hatte und dort am Bauen war, bot mir an mein Zelt dort aufzubauen, er wohnte eh noch nicht dort. Ich war Ihm sehr dankbar, auch wenn es schwierig war auf diesem Messigrundstück ein 2 qm großes Plätzchen für mein Zelt zu finden.

    Jetzt noch einmal zum obigen Bild, man sieht da unter anderem zwei melonenartigen Gewächse. Bei den Körperfressern stecken darin Außerirdische, die, sobald Du eingeschlafen ist, Deinen Körper umschlingen und Deine Seele stehlen. Wenn Du aufwachst siehst Du genau so aus wie vorher, aber Deine Gefühswelt ist für immer verloren – tolle Aussichten für die Nacht vor dem 60. Geburtstag.

    Der Morgen kam, die Melonen waren ungeöffnet noch an Ort und Stelle, da hab ich nochmal riesen Schwein gehabt.

    Nach einem zeitigen Frühstück packte ich zusammen, buchte mir mit booking.com ein preiswertes Hotel für die letzten zwei Übernachtungen und verbrachte den restlichen Tag in Funchal.

    Am nächsten Morgen meldete ich mich für einen Tagesausflug an, wurde pünktlich von einem Kleinbus abgeholt und machte eine Levadawanderung. Ohne eigenes Auto ist das eine relativ preiswerte Möglichkeit woanders hin zu kommen.

    Nach der Rückkehr ging es am Nachmittag noch einmal nach Funchal und ich blieb bis zum Abend in der Stadt und nahm Abschied.

    Meinen Geburtstag hatte ich mit mit zeitigem Aufstehen und Sonnenaufgang auf dem Pico Ruivo vorgestellt, aber: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

  • Wofür das Ganze Training?

    Am dritten freien Tag, dem 15.11.2024, machte ich eine Radtour um den Zwenkauer See, in südlicher Richtung noch etwas bis nach Wiederau erweit, kam ich immerhin auf gut 30km. Fotos hatte ich auf dieser kleinen Tour nicht gemacht.

    Ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich ein Geburtstagsmuffel bin. Deswegen hatte ich meiner Frau bereits im Frühjahr schonend beigebracht, dass ich in der Woche meines Geburtstages verreisen wollte. Ob das wirklich schonend gewesen ist weiß ich heute nicht mehr, aber weil ich eine sehr liebe Frau habe und sie mit mir schon einigen Kummer gewohnt ist, ließ Sie mich gewähren . An dieser Stelle muss unbedingt erwähnt werden, dass ich mehr Urlaub habe als meine Frau. Obwohl, Urlaub ist eigentlich nicht das richtige Wort, ich habe einfach Gelegenheit Überstunden anzusammeln weil ich nur 35 Stunden in der Woche arbeite. Das ist eine sehr schöne Sache und ich denke, wenn man straff auf die 60 zugeht hat man das vielleicht auch ein bisschen verdient. Die echten Urlaubstage bleiben in der Regel gemeinsamen Aktivitäten vorbehalten. Ich bin jedenfalls sehr dankbar dafür, dass ich mir die Arbeit so einrichten kann.

    Weil es mir beim letzten Mal schon so gut gefallen hat, entschied ich mich wieder für Madeira. Mit meinem Neffen hatte ich ja vor einem dreiviertel Jahr bereits den nordwestlichen Teil erwandert, deswegen nahm ich mir diesmal den östlichen Teil der Insel vor. Der Start war für den 21.11. anvisiert und für den Geburtstag hatte ich mir ein besonders Highlight ausgedacht, aber dazu später.

    Oben auf der Landkarte ist meine Planung zu sehen. Wer genau hinschaut wird erkennen, dass ich mir ein kleines Problem bereits vor dem Start in meine Strecke eingebaut hatte. Ich kann jetzt schon ein bisschen spoilern, denn wie bei allen Fernwanderungen davor, ist meine Planung auch dieses Mal nicht aufgegangen. Davon erzähle ich aber in der nächsten Geschichte.

  • Training an der Saale 14.11.2024

    Am Tag nach der Elsterwanderung war etwas Regen angesagt. Das war die Gelegenheit das Regenequipment nochmal zu testen. Einige Wochen zuvor war ich ja 3 Tage an der Mulde unterwegs. Dort war ich am letzten Tag in einen ordentlichen, lang anhaltenden Landregen geraten. Ich trug damals meinen langen Regenmantel hatte aber die Füße bzw die Schuhe nicht gegen den Regen geschützt. Da der Weg auch durch hohes Gras im Wald führte, war ich nach etwa zwei Stunden sehr nass und fing auch an zu frieren, ich war froh als ich in Zschetzsch angekommen war und mich erst einmal trocken legen konnte. Aus dieser Erfahrung heraus hatte ich dieses Mal ein paar leichte Überziehstiefel mitgenommen. Der Regen an der Saale was nur relativ kurz und auch mild, aber dennoch konnte ich spüren dass sich die Kombination ganz gut bewährt, denn ich behielt dadurch einfach trockene Füße.

    Meine Saalewanderung begann in Bad Dürrenberg. Dort sind wir in diesem Jahr schon zweimal gewesen, denn auf dem Gelände des Gradierwerkes fand die Landesgartenschau statt und nach unserem ersten Besuch gefiel es uns so gut, dass wir im Spätsommer gleich noch einen zweiten Ausflug dorthin gemacht haben. Ich stellte mein Auto ab und begann die Wanderung an der Westseite der Saale flussaufwärts, denn der Durchgang am anderen Saaleufer war gesperrt.

    Die ersten zwei Kilometer kannte ich bereits, denn wir hatten auf dem örtlichen Kanuverein schon einmal unser Lager aufgeschlagen. Die Saaleaue ist auf dieser Seite ähnlich flach und weit wie die Aue der Weißen Elster zwischen Profen und Zeitz.

    In Wengelsdorf passierte ich die Anlegestelle, an der wir schonmal eine Bootstour gemacht hatten. Ich legte hier eine kleine Pause ein und dann ging es weiter. Der Weg entfernte sich von der Saale und führte wieder durch eine weite Aue.

    An dieser Hütte legte ich die nächste Rast ein. Obwohl ich noch nicht mal annähernd die Hälfte des Weges gelaufen war, kochte ich mein Mittagessen und anschließend noch einen Glühwein.

    Frisch gestärkt und innerlich gewärmt ging es weiter an Wiesen und Weiden vorbei.

    In Schkortleben erfuhr ich von der traurigen Geschichte der Dorfkirche deren Erhaltung nicht gelungen war. Jetzt erinnern nur noch Ruinen an das einstige Gotteshaus.

    Kurz hinter diesem etwas magisch anmutenden Ort wollte ich die Saale überqueren. Weil ich mir nicht sicher war ob man über die Eisenbahnbrücke laufen kann, hatte ich extra mein leichtes Packraft dabei. Ich musste es nicht aufblasen, die Brücke hatte einen Fußweg obwohl Outdooractive diesen nicht anzeigt.

    Von nun an ging es wieder zurück nach Bad Dürrenberg. Auf dieser Seite der Saale hielt der Weg etwas mehr Abwechslung bereit. Es gab genau wie an der Elster Schilder an einem Naturlehrpfad, schmale Wege die durch den Wald am Ufer entlang führten, natürlich auch weite Ausblicke wie unter der Autobahnbrücke und dann wieder hübsche schmale Wege.

    Nach dem Ort Vesta sah ich zu meiner großen Überraschung eine Kehrmaschine mitten durch den Wald fahren, um den asphaltierten Radweg zu kehren.

    Kurz vor Bad dürrenberg wurde die Landschaft wieder weit und ich freute mich auch bald anzukommen, denn es fing schon an zu dämmern. In Bad Dürrenberg ärgerte ich mich noch ein wenig weil das Gelände der Landesgartenschau auch von dieser Seite abgesperrt war, so musste ich einen Umweg außen herum um das Gradierwerk wählen. Aber trotz dieses kleinen Ärgers kam ich gut und auch noch im Hellen auf dem Parkplatz an und war ein kleines bisschen stolz, am zweiten Tag wieder um die 20 km gewandert zu sein.

  • Training an der Weißen Elster 13.11.2024

    Am 26 November stand mein 60 Geburtstag an. Weil ich mir relativ wenig aus Geburtstagsfeiern mache, ich würde sogar sagen, ein Geburtstagsmuffel bin, hatte ich überlegt, in der Zeit eine Reise zu unternehmen. Um mich ein wenig auf die Wanderungen vorzubereiten absolvierte ich ein kleines Trainingsprogramm. Am 13. November hatte ich einen freien Tag und ich nahm mir vor, eine Wanderung entlang der Weißen Elster zu unternehmen. Startpunkt war der kleine Ort Profen, genauer gesagt die Gaststätte zur Eiche. Dort ist ein kleiner Parkplatz von dem man in höchstens einer Minute mitten in der Elsteraue ankommt.

    Der Plan war, auf der Ostseite der Weißen Elster in Richtung Zeitz zu laufen und irgendwann eine Brücke zu suchen, um auf der Westseite wieder zurückzugehen. Der Weg führte mich zuerst zum Naturwehr der Weißen Elster, an welchem der Profener Elstermühlgraben abgeschlagen wird. Dort ging es noch einige hundert Meter Elster abwärts bis zur Brücke. Vor deieser Brücke steht ein schönes Holzkunstwerk, an welchem man eine Pause bzw ein Biwak machen kann. Das Zelten ist dort nicht offiziell erlaubt aber die kleine Wiese davor ist immer so schön gemäht, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es großen Ärger geben würde, wenn man dort für eine Nacht sein kleines Zelt aufbaut.

    An diesem Rastplatz kam ich auf die andere Seite der weißen Elster und konnte flussaufwärts Richtung Süden wandern. Die Elsteraue ist hier sehr flach und der Blick verliert sich in der Weite.

    Der Weg verlief manchmal direkt am Fluss und manchmal auch hinaus auf weite Felder. An einigen Stellen konnte man die Spuren des Bergbaus, der in dieser Gegend südlich von Leipzig sehr prägend war und zum Teil immer noch ist, erkennen. Auf der Karte hatte ich die Ortschaft Etzoldshain entdeckt, wo eine Burg  eingezeichnet war. Deswegen entfernte ich mich etwas weiter vom Flusslauf, um das selbst mal in Augenschein zu nehmen.

    Aus westlicher Richtung kommend, kam ich nicht an das Bauwerk heran, deswegen sah ich aus einiger Entfernung nur den mittelalterlichen Turm. Über ein abgeerntetes Feld bog ich nach rechts ab, damit ich wieder an den Fluss kam.

    Der Weg führte an einer recht gepflegten Mühle entlang und schließlich erreichte ich die Elsterbrücke in Draschwitz. Dort legte ich am Flussufer eine Mittagspause ein.

    Jetzt war es nach ungefähr 10 km Zeit umzukehren und sich auf den Rückweg zu begeben. Auf dieser Seite des Elstertals verläuft der Elsterradweg. Er ist asphaltiert und ich kam vorbei an einigen schön gestalteten Spiel- und Rastplätzen, sogar an einigen kleinen Holzkunstwerken, bis sich mein Weg in Profen endlich kreuzte.

  • Eine Nacht draußen verbringen

    Es ist bereits Ende Oktober, ich habe ein paar Tage frei und es ist bestes sonniges Herbstwetter angesagt. Es fehlte lediglich ein kleiner Anlass, ein Auslöser sozusagen, um eine Tour zu starten. Meine jüngste Tochter studiert in Brandenburg an der Havel und brauchte noch ein paar Kleinmöbel um den ganzen Trödel, der sich nach dem ersten Studienjahr angesammelt hatte, sinnvoll zu verstauen. Prima, geht doch, der Anlass war gefunden.

    Der Blick auf der Karte verriet mir, dass es etwa 800m vom Wohnheim bis zur Havel waren. Da würde sich doch ein Plätzchen finden, wo ich mein Boot einsetzten konnte.

    Ich packte zu Hause also außer den Möbeln fürs Wohnheim noch einen leichten Rucksack für eine 2-Tagestour. Nachdem das Möbelschleppen fertig war, verabschiedete ich mich und ließ das Auto auf dem Parkplatz des Wohnheims stehen. Unter der Straßenbrücke am REWE-Center war eine prima Einstiegsstelle, wo ich in Ruhe das Packraft beladen und aufpusten konnte.

    Gegen 14 Uhr hatte ich alles fertig und es konnte los gehen. Der Plan war die Havel abwärts bis zum Breitlingsee zu fahren und dort im Uhrzeigersinn am Ufer entlang bis zur Kanincheninsel zu paddeln. Ich hatte mich für mein leichtes Packraft Nano RTC XL entschieden und auch meinen Trockenanzug dabei, weil ich mir nicht sicher war, wie lustig schwimmen auf dem See Ende Oktober notfalls werden könnte. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

    Anfangs auf der Havel war die Motivation, sagen wir mal, entwicklungsfähig. Als ich den Breitlingsee erreichte und ich der herrlichen Herbstsonne die Kanincheninsel sah, war die Stimmung wie umgewandelt und ich freute mich riesig auf das kleine Abenteuer.

    Zuerst schaute ich mit die Insel an, baute mein Lager auf und kümmerte mich um das Abendessen.

    Als die Sonne unterging kam noch ein Bungalowboot und ankerte vor „meiner“ Insel. Ich machte noch ein kleines Lagerfeuer und backte mit ein Brötchen, denn ich hatte mit vorgenommen in dieser Richtung ein bisschen zu experimentieren. Das Ergebnis war gut essbar, aber es gab auch Erkenntnisse, was ich beim nächsten Versuch besser machen könnte.

    Die Nacht schlief ich sehr gut. Der Morgen war durch den leichten Nebel anfangs etwas kühl, aber die Sonne brauchte nicht lange um den Nebel zu vertreiben.

    Aus dieser Nacht konnte ich noch eine Erkenntnis gewinnen. Ich hatte die „geniale Idee“ mit dem Fußende des Schlafsacks in eine Mülltüte zu steigen, um mich und vor Allem den Daunenschlafsack so vor möglichem Kondenswasser am Zelt zu schützen. Was soll ich sagen: Das Zelt war innen fast trocken aber das Fußende des Schlafsacks war außen unter dem blauen Sack richtig nass. Manche Sachen muss man einfach mal testen um heraus zu bekommen, dass eine Idee dämlich ist.

    Ich ließ den Morgen ruhig angehen, kochte Kaffee und Frühstück, machte ein paar Fotos von Pilzen an diversen Eichenstämmen und packte dann mein Zeug, um den Rückweg anzugehen.

    Ich habe mir sagen lassen, dass es sich um Shiitake handeln könnte (es waren wie bereits geschrieben Eichenstämme), wer es genau weiß, kann sich gern melden, das würde mich interessieren.

    Ein Freund hatte mir im Rückblick auf seine einwöchige Familienwanderung auf dem Forststeig Elbsandstein ein paar Tage vorher gesagt, dass man ab und zu die Komfortzone verlassen muss, da kann ich mich nur anschließen.

  • 3 Tage von Rathenow bis Havelberg

    Mitte August hatte ich noch einmal drei Tage frei. Irgendwie hatte ich Lust zu paddeln und dabei keine ganz einsamen Übernachtungsplätze zu suchen. Meine Wahl fiel auf die Havel ab Rathenow. Einerseits habe ich bis dorthin eine gute Zugverbindung, die auch tatsächlich perfekt funktioniert hat, andererseits wohnt dort mein Cousin mit seiner Frau, die ich schon seit Jahren nicht gesehen hatte. Gegen 10 Uhr kam ich am Bahnhof an und stand eine Viertelstunde später bei den Beiden vor der Tür. Es gab viel zu erzählen und nach drei Stunden hatten wir uns gegenseitig halbwegs auf den neusten Stand gebracht.

    Nach einem gemeinsamen Mittagessen brachten sie mich noch zur Havel und mein Cousin verabschiedete mich mit einem kleinen Liedchen auf der Mundharmonika.

    Wie auf dem Bild zu sehen ist, startete ich meine Paddelei unter der Eisenbahnbrücke in Rathenow. Die Brücke ist als Startpunkt sehr zu empfehlen, selbst bei Regen kann man hier in aller Ruhe aufbauen und das Gepäck verstauen (oder auch zelten und eine Nacht im Trockenen verbringen).

    Nach der Brücke habe ich den rechten Abzweig in Richtung Stadtschleuse Rathenow genommen. Es war schönes warmes Sommerwetter, die Schleusung ging sehr zügig und nachdem ich Rathenow hinter mir gelassen hatte, suchte ich mir ein sandiges Plätzchen, um mich abzukühlen und ein bisschen zu schwimmen.

    Wer das Bild gerade aufmerksam angesehen hat konnte bemerken, dass ich weder mein Rebel 2K noch mein Nano RTC XL dabei hatte. Richtig, ich wollte unbedingt mal das Nomad S1 ausprobieren. Dieses Packraft ist zwar schwerer, aber auch ein ganzes Stück länger und ich wollte testen, ob sich damit eine bessere Geschwindigkeit erreichen läßt. Zur Geschwindigkeit werde ich später noch etwas schreiben. Geliehen habe ich mir das Boot bei „TreckPack“. Ich kann die Firma nur empfehlen, wer nicht genau weiss welches Packraft er kaufen soll, ist hier bestens beraten. Es gibt eine große Bootsauswahl, eine sehr einfache Abwicklung, das Boot war in einem Top-Zustand und der Preis war auch ok.

    In Grütz nahm ich den Biwakplatz. Es waren für den Abend Sturm und Gewitter angesagt, da wollte ich die Nacht nicht unter einer morschen Weide verbringen. Es fing dann wie vorhergesagt am Abend an zu regnen, aber dank der überdachten Bänke konnte man draußen sitzen und ich habe noch ein bisschen mit anderen Paddlern geklönt.

    Am Morgen war von dem ganzen Spuk nichts mehr zu sehen und es begann ein weiterer wunderbarer Sommertag. Ich mag die Havel als Paddelgewässer sehr, weil es überall so zahlreiche schöne Sandstrände gibt. Da kann man überall ganz gefahrlos an- und ablegen. Dazu hat der Fluß kaum hohe Ufer so dass man meist weit ins Land schauen kann.

    In Schollene hatte ich die, wie sich später heraus stellte dämliche, Idee links abzubiegen, um direkt in den Ort zu paddeln. So ählich stelle ich mir Packeis vor. Die Entengrütze wurde immer dichter und nach einem knappen Kilometer harter Arbeit steckte ich fest. Es fiel mir schwer so kurz vor dem Ziel aufzugeben und umzukehren aber es half nichts.

    Nachdem ich endlich wieder freie Fahrt auf der Havel hatte, machte ich noch eine kurze Pause um im Hafen Molkenberg das Wasser aufzufüllen. Für die Weiterfahrt entschied ich mich für die Gülper Havel. Auf dem ersten Kilometer war ich etwas skeptisch ob das Grün nicht wieder zu dicht werden könnte, aber die etwas flottere Strömung hält diesen kleineren Havelarm dann doch frei und man findet immer eine Stelle zum durch fahren.

    Am Rastplatz Gülpe machte ich ein kleines Päuschen. Er gilt ja als der dunkelste Flecken (was Lichtverschmutzung betrifft) in Deutschland und ist somit dei den Hobbyastronomen sehr beliebt. Ich hatte noch genügend Zeit und suchte ja wie Anfangs geschrieben nicht undedingt die Einsamkeit und so paddelte ich weiter bis zum Wasserwanderrastplatz in Strodehne.

    Der Platz, welcher von einem Wassersportverein berieben wird, ist am Rande des kleinen Ortes. Auch hier traf ich andere Paddler und wegen des Geburtstags des Vereinsvorsitzenden wurde es noch ein sehr feucht-fröhlicher Abend.

    Die Ruhe beim Ablegen am nächsten Morgen hat etwas über das bevorstehende Wetter hinweg getäuscht. Es war starker Wind aus West angesagt. Nach vier Kilometern Fahrt ab Wendisch Kirchhof kam der Wind dann auch heftig und direkt von vorn.

    Jetzt war ich wirklich froh, dass ich mir das Nomad S1 ausgeliehen hatte. Natürlich wäre ich auch mit mit einem meiner zwei eigenen Boote angekommen, aber mit dem Nomad schaffte ich ohne Wind und Strömung etwa 1km/h mehr und das zeigte sich auch bei dem heftigen Gegenwind. Es hat auch wesentlich mehr Platz für Gepäck, sowohl hinter der Rückenlehne unter der Spritzdecke, als auch in den Schläuchen. Eines gefällt mir beim Rebel 2K allerdings doch besser: Die Tube Bags haben innen eine eingeklebte Gepäcktasche. Diese schützt das Gepäck vor verrutschen und gibt das sichere Gefühl nicht unbedingt auf die Dichtheit der Reißverschlüsse angewiesen zu sein. Beim Nomad S1 ist das Gepäck beim Umtragen immer durch das Boot entweder ganz nach vorn oder ganz nach hinten gerutscht, das war schon etwas nervig. Die Reißverschlüsse waren natürlich 100% dicht, aber ob das vielleicht mal eine Schwachstelle wird, weiß ich nicht. Wer selbst schon paddeln war kann nachvollziehen, dass es fast unmöglich ist feine Sandkörner oder anderen Schmutz immer von den Reißverschlüssen fern zu halten (wie in der Beschreibung zum Boot gefordert).

    Ich habe jedenfalls für mich herausgefunden, dass ich bei meinem Rebel 2K bleibe. Die Vor- und Nachteile beider Boote halten sich für mich die Waage, so dass der viel höhere Preis des Nomad für mich persönlich nicht gerechtfertigt ist. Wem das höhere Gewicht, die nicht vorhandenen Gepäcktaschen nicht stört, und dabei mehr Gepäckvolumen sucht, der sieht das vielleicht anders.

    Nachdem ich es unterwegs sogar geschafft habe zwei Einerkajaks hinter mir zu lassen bin ich ziemlich geschafft nach dem Mittag in Havelberg auf der Campinginsel angekommen. Eigentlich hätte ich die Rückfahrt antreten können, aber ich hatte die Bahntickets für den nächsten Tag schon vorher gekauft und so war ich noch schön essen, bin durch die Stadt gebummelt, hab mir noch einen fetten Eisbecher gegönnt und noch ein bisschen gelesen.

    Ich hatte eigentlich gedacht, dass mehr Leute auf der Havel unterwegs sind. Mir war aber auch schon in den vergangenen Jahren bei meinen Angeltouren mit dem Motorboot auf der Havel aufgefallen, dass es ab Rathenow relativ ruhig wird. Das hat sich bei dieser Tour bestätigt. Die Havel kann man wirklich, besonders für Anfänger, empfehlen.

    Durch die abendlichen Gespräche war mir diese Tour sehr kurzweilig, so hatte ich mir das auch vorgestellt.

  • Biwakplatz am Zwenkauer See – Test

    Am 12. Juli habe ich den neuen Biwakplatz am nord-östlichen Ufer des Zwenkauer Sees getestet. Es ging zu Fuß zu Hause los. Am Aussichtspunkt baute ich das Packraft auf und paddelte am rechten Ufer entlang. Es war einer dieser schwülwarmen Tage bei dem Gewitter in der Luft liegt, wie wir sie in diesem Jahr schon oft hatten. Am Strand neben dem Zwenkauer Hafen legte ich eine Pause ein, weil eine dunkle Wolkenfront mit Donner hinter mir aufgezogen war.

    Das Unwetter blieb aus und so ging es weiter über den See zur Anlegestelle. Kaum angekommen fing es kurz an zu regnen. Als der Spuk vorbei war, sah ich noch den Rest eines Regenbogens.

    Der Platz ist sehr schön angelegt, die Biwakhütten sind sehr massiv und versprühen noch den Duft von frischem Holz. Man hat darin jede Menge Platz.

    Das spektakuläre an dieser Übernachtung waren die Lichtspiele am Abendhimmel.

    Die Nacht war dann relaviv laut. Man hört die Autobahn sehr deutlich und auch der nächtliche Flugverkehr trägt dazu bei. Am Morgen war es dann sehr windig, so dass ich den Rückweg zu Fuß antrat. Nach 10 km und 2 Stunden später saß ich zu Hause am Frühstückstisch.

  • 3 Tage Ruppiner Gewässer mit dem Packraft

    Das Anfibio Nano RTC XL ist nicht mein erstes Packraft. Ich hatte mir bereits vor knapp 2 Jahren das Anfibio Rebel 2K mit Seitentaschen gegönnt. Mit diesem habe ich bereits zahlreiche  Mehrtagestouren auf Bächen, Flüssen und Seen unternommen und bin immer noch absolut begeistert.

    Meine Touren mache ich oft allein, wenn sich ein Mitfahrer findet auch gern zu zweit.  Bei meinem Reisegepäck habe ich im letzten Jahr immer mehr auf Gewichtsreduzierung geachtet, weil ich meine Ziele gern mit dem Zug anfahre.  Da kam ich am Nano RTC von anfibio nicht mehr vorbei. Die Idee das Boot als Packsack zu konstruieren fand ich genial. Dieses minimalostische Design mit dem geringen Gewicht passte wunderbar zu  meinen Vorstellungen von Gewichtseinsparungen.

    Mein erster Test fand zu Hause statt. Ich blies das Boot auf und ließ es ein paar Tage stehen. Der Verschluss hielt absolut dicht. Meine erste Tour führte mich dann auf die Ruppiner Gewässer. Dort waren keine Sohlschwellen, Biberburgen oder ähnliche Hindernisse zu erwarten die der dünnen Hülle dieser neuen Generation von Booten etwas anhaben könnten. Es war eine Fahrt mit zwei Übernachtungen, ich hatte das gesamte Equipment einschließlich des Nano RTC XL in einem 60l Rucksack verstauen können und kam auf ein Gesamtgewicht ohne Essen und Wasser von 10 kg. Das war schon mal eine Hausnummer und sehr entspannt zu tragen. In Lindow angekommen kaufte ich noch Essen und Wasser und ab ging es zum Gudelacksee. Das Gepäck ließ sich wunderbar in den Schläuchen verstauen. Den Rucksack mit dem Tragegestell  legte ich, anders als bei meinen Fahrten mit dem Rebell 2K, nicht in den Schlauch, weil mir die vielen härteren Kunststoffteile des Rucksacks in dem dünnen Schlauchmaterial nicht gefielen.  Ich schnallte ihn anstelle eines Deckpacks leer auf den Bug.

    Das Wetter war etwas durchwachsen angekündigt. Für den Nachmittag waren Gewitter angesagt. Ich konnte nach meiner Anreise, die insgesamt 3 Züge und 2 Busse erforderte und, welch ein Wunder, tadellos funktioniert hatte, gegen 13 Uhr starten. Als ersten Übernachtungsplatz hatte ich die Insel auf dem Gudelacksee fest eingeplant. Deswegen wollte ich am ersten Tag noch etwas den Vielitzsee erkunden, denn der direkte Weg zu Insel war mit 2 km einfach ein bisschen kurz. Auf dem Weg zum Vielitzsee begann es dann schon leicht zu regnen und weil ich vermeiden wollte bei einem aufziehenden Gewitter über den See zu paddeln, drehte ich um und nahm direkten Kurs zum Biwakplatz. Der Platz ist wunderschön gelegen.

    Ich kam gegen 14:30 Uhr an und kochte mir in Ruhe einen Kaffee. Sehr zügig zogen auch schon Wolken auf, es begann zu grummeln, Sturm kam auf und schließlich brach das Unwetter los.

    So schnell wie das Gewitter aufgezogen war hatte es sich auch wieder verzogen. Die Sonne brach durch die Wolken und Nebel stiegen auf.

    Zu meiner großen Überraschung war mein leichtes Tarp stehen geblieben und hatte den Sturmböen getrotzt. Der Nachmittag und der Abend lagen vor mir und ich wollte die Insel zu Fuß umrunden. Gerade als ich starten wollte, kamen zwei Angler mit Ihrem Mororboot in die Bucht, wir kamen ins Gespräch, sie luden mich zum Essen ein und wir quatschten bis zum Abend. Ich ließ mir die frischen Barschfilets zu einem guten Glas Rotwein schmecken. Vielen Dank an Danny und Lothar für die schöne Runde, das herrliche Essen und die guten Gespräche. Solche Momente kann man für Geld nicht kaufen.

    Das Einschlafen war etwas mühsam. Ich hatte nur ein Tarp und kein Meshzelt dabei. Die Mücken plagten mich trotz Authan sehr. Als die Plagegeister endlich Ruhe gaben, schlief ich schnell ein.

    Ich habe bis 7 Uhr durchgeschlafen und fühlte mich frisch und ausgeruht. Fantastischer Sonnenschein weckte mich mit einem herrlichen Blick über den See.

    Ich musste den Tag mit einer Runde schwimmen beginnen, denn das Wasser war sehr angenehm warm und ich musste das Gemisch aus Schweiß und Authan los werden. Kaffetrinken und Frühstücken waren bei diesem herrlichen Wetter ein einziger Genuß.

    Die Sachen waren schnell gepackt und bei leichtem Gegenwind ging es über den See bis zur Einfahrt in den Rhin.

    Die Fußgängerbrücke erstaunte mich wegen der besonderen Konstruktion. Die Stützpfeiler waren einfach gestapelte kurze Balken.

    Nach 2 km paddelte ich über den Möllensee. Nach weiteren etwa 2 km legte ich hinter der Brücke bei Zippelsförde an, denn es zog erneut ein Gewitter heran. Als es zu regnen begann drehte ich das Boot um und verzog mich unter die Straßenbrücke.

    Auch dieses Mal war der Spuk so schnell vorbei wie er gekommen war. Bei wunderschönem Sonnenschein ging es weiter auf dem wohl schönsten Abschnitt des Rhin bis zum Zermützelsee.

    Auf dem Zermützelsee kam mir starker böiger Wind entgegen. Es bildeten sich kleine Schaumkronen und ich kam fast nicht mehr von der Stelle. Ich nutzte eine Lücke im Schilf, auf der linken Seite des Sees, um an Land zu gehen. Die Wetterapp zeigte bis zum Abend keine Abnahme des Windes und so packte ich zusammen und ging zu Fuß durch Zermützel bis zum Tetzensee. Unterwegs ließ ich mir bei einer Familie, die gerade im Garten war, meinen Wassersack auffüllen.

    Am Tetzensee steuerte ich einen bei Outdooractive eingezeichneten Übernachtungsplatz an. Der Platz stellte sich nicht als ideal heraus, aber für eine Nacht hat es gereicht. Es gab an diesem Ufer zahlreiche „Witwenmacher“, aber der Wind hatte sich komplett gelegt und so wählte ich meinen Platz nach dem geringst möglichen Übel aus. An diesem Tag bin ich 18 km gepaddelt und gelaufen. Am Abend kam eine Ringelnatter durchs Wasser geschwommen, um sich in die ausgespülten Wurzeln eines Baumes zurück zu ziehen. Auch zwei Biber (oder Nutrias?), kamen vorbei.

    Kurz nach 4 Uhr wurde ich munter und wollte nur mal kurz raus aufs Wasser schauen. Der Morgen hatte mit seinen Nebelschwaden über dem Wasser eine solche Magie, dass ich aufstand, mich ans Ufer setzte und dem Tag beim erwachen zuschaute.

    Auch die beiden Nager schwammen an mir vorbei um ihr Tagwerk zu beginnen oder ihr Nachtwerk zu beenden, ich hab keine Ahnung vom Lebensrhytmus dieser Tiere.

    Nach dem Einpacken ging es ohne Gegenwind über den Tetzensee und den Molchowsee bis nach Altruppin. Der Schleusenwärter war offensichtlich froh, dass endlich jemand zum Schleusen kam. Er öffnete das Tor für meine Nußschale und im handumdrehen ging es 2 m nach unten. Neben der Schleuse gibt es auch eine Bootsschleppe, aber so war es natürlich noch einfacher.

    Das letzte Stück bis zum Bootshaus MC Neuruppin war schnell gepaddelt. Der Wind war an diesem Tag etwas gnädiger mit mir.

    Abschließend noch ein Wort zu meinem Anfibio Nano RTC XL. Ich habe mich bewusst für die XL Variante entschieden, auch wenn ich mit 1,78 kein Riese bin, weil ich mir davon eine höhere Rumpfgeschwindigkeit erhoffte. Diese Hoffnung hat sich erfüllt. Mit entspanntem Paddeln bei leichtem Gegenwind konnte ich etwa 3,4 km in einer Stunde bewältigen. Ich bin das Boot mit einer Finne am Heck gefahren und es fiel mit sofort auf, dass das Nano RTC spurtreuer als das Rebel 2K ist. Das liegt sicher weniger an der etwas größeren Länge, sondern an der Konstruktion. Der Boden ist nicht bündig mit der Unterseite der Schläuche, sondern der Boden ist etwas höher als die Unterseiten der Schläuche. Dadurch entstehen an der Unterseite des Bootes zwei leicht unter dem Boden im Wasser hängende Schwimmer, die einen besseren Geradeauskauf ermöglichen.

    Bei verstautem Gepäck in den Schläuchen genügen 3 bis 4 Füllungen mit dem Blasesack und das Boot ist gut mit Luft gefüllt. Das Boot hat nach dem aufpumpen eine geschmeidige faltenarme Form. Nach einiger Zeit auf dem warmen Wasser in der prallen Sonne war es fast faltenfrei. Das erschien mir dann doch etwas zu viel des Guten und ich habe am flachen Ufer das Ventil eine Umdrehung geöffnet und etwas Luft entweichen lassen. Das sollte man sicher nicht mitten auf einem See machen,  denn man könnte schlimmstenfalls im Wasser sitzen wenn man zu weit aufgedreht hat. Bei einer minimalistischen Reise mit Tarp eignet sich das Boot auch bestens nach der Entnahme des Gepäcks und dem Wiederbefüllen des Bootes mit Luft als  regensichere Abdeckung des restlichen Gepäcks. Ich habe es mit einer Leine und zwei Heringen zusätzlich gegen Wind gesichert.

    Als Paddel habe ich mir das sehr leichte Anfibio Fly gegönnt. Ich war skeptisch als ich das Paddel zum ersten Mal in den Händen hielt, aber die Bedenken haben sich als grundlos erwiesen. Das Paddel liegt trotz seines geringen, nur etwa 25mm, Rohrdurchmessers gut in der Hand. Es werden keine Abtropfringe mitgeliefert, ich habe diese aber auch nicht vermisst. An der ersten Steckverbindung von Paddel und erstem Rohr ist eine ca. 1 cm lange Lücke die für ein sicheres abtropfen sorgt. Abtropfringe sind also aus meiner Sicht nicht nötig. Fazit: Ich bin restlos begeistert, sowohl vom RTC Nano XL als auch von meinem Rebel 2K.

    Der Campingstuhl den ich dabei hatte erwies sich im vollen ICE von Berlin nach Leipzig als segensreich, denn ich hatte ein großes Abteil allein für mich.

    Ach ja, ich habe mir ein Paar rote Kniehstrümpfe von der Reise mitgebracht. Wenn man schon eine lange Hose gegen Sonnenbrand an den Beinen mitnimmt, sollte man die Hosenbeine nach dem Einsteigenm ins Packraft auch wieder runter krempeln.

  • Dosse April 2024

    11.04. Anreise und Start

    Der Hunger auf kleine Abenteuer ist bei mir derzeit groß. Ganz genau kann ich nicht sagen warum das so ist. Ich glaube es liegt einfach daran, dass mir die letzten Ausflüge gut getan haben. Während der Zeit in der man in der Natur unterwegs ist, reduziert sich das Dasein auf das Wesentliche. Nachrichten bei denen die eine Katastrophenmeldung im Eiltempo von der Nächsten in kürzester Zeit abgelöst wird, kommen nicht an, das ist unglaublich wohltuend.

    Wir nahmen uns den 11.April als Starttermin für eine 3-tägige Paddeltour vor. „Wir“ das waren mein Sohn, Udo und ich. Nein, Udo ist nicht mein Sohn, er war der dritte Mitfahrer. Für die Tour brauchten wir nur zwei Boote, denn Udo kann nicht paddeln, er ist der Hund meines Sohnes. Ich war gespannt wie er sich auf dem Wasser anstellen würde. Bei meinen Ausflügen in den letzten Monaten war kein Termin dabei, bei welchem mein Sohn frei machen konnte. Deswegen freute ich mich umso mehr, dass es diesmal endlich geklappt hatte.

    Eine Woche vor dem Start schaute ich täglich nach dem Wetter, dann das kann einem im April schonmal in die Quere kommen. Anfangs sah es nicht so ganz toll aus, aber je näher die Zeit heranrückte, desto besser wurde die Vorhersage. In der Nachbetrachtung konnte ich resümieren, dass die Vorhersage des „Kachelmannwetters“ sehr gut stimmte.

    Nachdem meine letzte Bootstour auf den Feldberger Gewässern mit An- und Abreise durch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gut zu händeln gewesen war, wollten wir auch diesmal auf die gleiche Weise unterwegs sein. Unser Startpunkt in Fretzdorf war mit einem Regionalzug von Berlin aus sehr gut zu erreichen. Durch unsere beiden Packrafts war das Gepäck gut händelbar. Udo hatte seinen eigenen Rucksack. Er trug seine Verpflegung für die nächsten Tage selbst. Vom Bahnhof Fretzdorf bis zur Einsatzstelle an der Dosse waren es etwa 300m.

    Ach ja, wie kam ich auf die Dosse? Schuld daran war der Wasserwanderatlas. Der kleine Fluß fiel mir beim Durchblättern auf. Gelegen zwischen der unteren Havel im Westen und den Ruppiner Gewässern im Osten war das bisher für mich ein weißer Fleck. In einem Paddelforum kam der Fluß eher schlecht weg, es hieß, er sei wenig abwechslungsreich.

    Die Einsatzstelle hinter der Bahnlinie sah vielversprechend aus.. Wir bauten die Boote auf, verstauten das Gepäck und gegen Mittag konnten wir starten. Wir hatten uns keinen konkreten Zielpunkt vorgenommen, sondern wollten uns treiben lassen und schauen, was die Gegend uns anbieten würde.

    Der kleine Fluß ließ sich von Anfang an sehr schön und leicht paddeln, mit einer Strömung von ungefähr zwei bis drei Kilometern pro Stunde muss man nicht viel machen. Einzig der an allen drei Tagen herrschende Gegenwind bremste uns etwas aus. Nach einer Stunde machten wir eine erste kleine Pause, damit sich Udo ein bisschen bewegen konnte.

    Links und Rechts der Dosse gibt es meist Wiesen und auch etwas Wald. Ackerflächen sind seltener, weil es sich meistens um Feuchtwiesen handelt, die für Weiden genutzt werden. Auf den ersten sechs Kilometern gibt es drei Sohlgleiten. Das sind ehemalige Wehre die durch Schüttungen in kleine Stromschnellen umgewandelt worden sind. Im Wasserwanderatlas stand, dass diese bei gutem Wasserstand überfahren werden können. Der Pegel in Wusterhausen zeigte 53cm, als mittlerer Wasserstand werden für April 37cm angegeben. Wir konnten alle drei Stellen gut überfahren, das brachte ein kleines bisschen „Wildwasserfeeling“ in die ganze Sache.

    Nach sieben Kilometern erreichten wir das kleine Dörfchen Teetz. Gleich hinter der Brücke gibt es auf der linken Seite einen wunderschönen Rastplatz. Wir landeten an und kochten erst einmal Kaffee.

    Gegen 15 Uhr hätten wir in aller Ruhe weiter paddeln können. Wir sahen uns die Karte an und überlegten, wo der nächste Platz für eine Übernachtung sein würde, aber der Platz in Teetz war einfach zu schön um ihn einfach ungenutzt zu lassen. Es gab überdachte Sitzgelegenheiten, ein Gebäude das zum Kochen Windschatten bot, eine schöne ebene Wiesenfläche für die Zelte, viel Ruhe, ein Dorf in dem man sich Trinkwasser besorgen konnte und eine Feuerstelle. Kann man so viele Vorteile an einem Platz weiter Dosseabwärts finden? Um es vorweg zu nehmen, nein. Es gibt keinen besseren Rastplatz während der nächsten 25km. Wir beschlossen auf diesem Platz zu bleiben und unser Lager aufzuschlagen. Anschließend machten wir noch einen kleinen Spaziergang, um die Gegend zu erkunden. Bei einem freundlichen Dorfbewohner ließen wir noch unsere leeren Wasserflaschen füllen, machten ein kleines Feuer, quatschten noch eine Runde und legten uns relativ zeitig schlafen.

    12.04. Ein schöner Paddeltag

    Den nächsten Tag gingen wir sehr ruhig an. Ich stand 8:30 Uhr auf. Mein Sohn schlief eine Stunde länger. Wir frühstückten in aller Ruhe, trödelten noch ein bisschen beim Einpacken und kamen dann erst kurz vor Mittag wieder auf das Wasser.

    Vor uns lag die Dosse, die noch einige Wehre zum Umtragen für uns bereit hielt. Auffällig an diesem Flußabschnitt war, dass fast alle am Fluß stehenden Bäume im unteren Bereich von Bibern angenagt waren. Man kann das auf dem oberen Bild über meinem Boot erkennen. Im Laufe des Tages sahen wir dann tatsächlich zahlreiche Biber, zum Teil auch mit Ihren Jungen. Leider war ich schlecht vorbereitet um schnell zu Fotografieren, so dass ich keinen Biber auf ein Bild bannen konnte. Immer als ich soweit war, waren sie bereits in ihrem Bau verschwunden.

    Einmal sah Udo den Biber als erster und sprang ins Wasser. Er schwamm ans Ufer und lief dort aufgeregt hin und her. Als er sich etwas beruhigt hatte, konnten wir ihn wieder überzeugen ins Boot zu springen. Der Biber war zum Glück im Wasser viel schneller, das hätte sonst für Udo schlecht ausgehen können. Alles was er von seinem Ausflug mitbrachte, waren einige dutzend Kletten.

    Bei unserer weiteren Fahrt trugen wir die Boote an insgesamt sechs Wehren um. Es gibt keine ausgebauten Stellen zum Aus- und Einsetzen der Boote. Da war es sehr praktisch, dass ich mit Trockenanzug und Neoprenschuhen unterwegs war. So konnte ich an matschigen Stellen zuerst aussteigen und den anderen Beiden beim Anlegen helfen.

    Ein besonderes Erlebnis war eine riesige Koppel. Die Pferde waren neugierig und begleiteten uns ein Stück.

    An zwei Wehren waren in der Karte Rastplätze eingetragen. Diese Rastplätze gab es dort allerdings nicht. Deswegen entschlossen wir uns zum Weiterfahren und bauten unser Lager am siebenten Wehr des Tages, kurz vor Wusterhausen, auf. So konnten wir noch etwas Leckeres einkaufen und den Abend gemütlich am Feuer verbringen.

    13.04. Am Ende der Tour blauer Himmel und Sonnenschein

    Am nächsten Morgen weckte uns herrlicher Sonnenschein. Ich stand etwas eher auf und bereitete Holz für den Hobokocher vor. Man kann auch das Kaffeewasser entspannt mit einem Gaskocher heiß machen, aber am Morgen an einem kleinen Feuer sitzen und das Frühstück mit ein wenig Anstrengung vor zu bereiten, ist etwas anderes.

    Gegen 9:30 war alles wieder gepackt und es ging weiter. Es kam noch eine Stelle an der Treibgut den Weg versperrte und noch einmal umgetragen werden mußte. In Wusterhausen gab es noch ein paar kleine Stromschnellen und danach war entspanntes Paddeln bis nach Spiegelberg angesagt. Nach einer Stunde waren wir an der Eisenbahnbrücke angekommen. Dort ist eine Sperre im Fluß aufgebaut. Wir nahmen die Boote aus dem Wasser und packten unser Gepäck und die Boote zusammen. Zu Fuß ging es dann noch nach Neustadt zum Bahnhof. Ein wunderschöner kurzer Paddelausflug ging zu Ende.

    Zuhause angekommen merkte unser Hund sofort, dass auf meiner Isomatte ein Artgenosse gesessen haben musste.

    Die Dosse von Fretzdorf bis Neustadt ist auf jeden Fall eine Empfehlung. Sie führt durch schöne Wiesenlandschaft, die Gegend ist dünn besiedelt und man findet viel Ruhe. Mit größeren Booten wird das Umtragen natürlich anstrengender. Im Sommer ist der Wasserstand niedriger und man wird die Sohlgleiten treideln müssen, dafür sollte man Neoprenschuhe dabei haben. Für ein verlängertes Wochenende ist die Strecke ideal. Wenn man am ersten Tag in Fretzdorf gegen 15 Uhr beginnt, kommt man ganz in Ruhe auf dem wunderbaren Rastplatz in Teetz an. Der zweite Tag ist mit 20km, und dabei schöner Strömung, auch keine unüberwindbare Distanz. Dabei bieten die sechs Umtragestellen genug Möglichkeiten für eine Rast. Wir benötigten für die Strecke mit Pause und Kaffekochen ganz in Ruhe 7 Stunden. Am dritten Tag schafft man es locker zur Mittagszeit in Neustadt am Bahnhof zu sein. Ein eher sportlich orientierter Paddler schafft die ganze Strecke natürlich an einem Tag. Unsere Packrafts haben sich bei der Tour bestens bewährt, wir konnten mit dem Zug an- und abreisen und waren mit 3l Wasser und Essen für drei Tage bei jeweils 20kg. Beim Gewicht kann man sicher noch einsparen, aber ein kleines bisschen Bequemlichkeit darf es dann schon sein. Ein besonderes Erlebnis waren die zahlreichen Tiere an der Strecke.

    Die Dosse-Ableitung zum Kyritzer Obersee kann nicht gut befahren werden. Ein Anwohner aus Teetz sagte uns, dass der Obersee als „Stausee“ genutzt wird und im Frühjahr meist viel Wasser hat und deswegen der Zufluß über den Ableiter sehr klein gehalten wird. Auf mich wirkte der Ableiter wie ein kleiner Meliorationsgraben.