(60.) Geburtstag einmal anders

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Die Geschichte meiner Geburtstagsreise, 21.11. – 28.11.2024 war noch nicht aufgeschrieben, als ich zwei Monate später eine zweite Reise nach Madeira unternommen habe. Was die „Körperfresser 2“ mit der Nacht vom 25. auf den 26. November, meinem Geburtstag, zu tun haben, werde ich hier an späterer Stelle noch berichten, habt Geduld.

Am 21.11.2024 ging es vom Flughafen Leipzig-Halle los.

Die Verbindung Leipzig – Madeira findet mit Condor immer Donnerstags statt, sowohl der Hinweg als auch der Rückweg. Ich hatte mir vorgenommen eine Wanderung auf der Ostseite der Insel zu machen. Der aufmerksame Bertrachter der Karte wird erkennen, dass ich mir diemal die Probleme bereits vor Beginn der Reise eingebaut habe.

Wenn man Outdooractive nutzt sollte man gelbe Ausrufezeichen nicht ignorieren oder übersehen.

Am Flughafen angekommen nahm ich mir ein Taxi. Wir steuerten als erstes einen Supermarkt an und ich kaufte Wasser, denn am östlichen Zipfel der Insel in São Lourenço findet man keine Quelle, ein Levada oder etwas ähnliches. Dann fuhren wir zum letzten mit dem Auto erreichbaren östlichen Zipfel, ich zahlte 35 Euro und los ging es zum Biwakplatz Ponta de São Lourenço. Der Weg führt durch eine karge Landschaft mit hunderten Touristen, so ehrlich will ich sein, und nach knapp 4km kam ich an dem winzigen Platz an, baute mein Zelt auf, und quatschte nach dem Sonnenuntergang noch mit einem deutschen Pärchen welches seinen Urlaub gerade beendete. Sie wollten Ihre restlichen Vorräte loswerden und so konnte ich ein fürstliches Abendessen genießen.

Für den nächsten Tag hatte ich mir eine Etappe zu einem in Outdooractive eingezeichneten, nicht offiziellen Biwakplatz vorgenommen. Ich startete früh und es ging wieder durch die karge Landschaft zurück. An der Straße angekommen ging ich querfeldein zur Nordküste. Ich ging dann wieder auf die Straße zurück, weil ich nicht annähernd so höhentauglich bin wie ich es gern wäre. Auf den Wegen an der Steilküste, welche in den senkrechten Felschen gehauen sind, waren auch schon von weitem kleine Erdrutsche zu sehen, das war mir einfach zu krass und ich ging erneut die Straße entlang. In Caniçal an der Tankstelle kaufte ich mir Wasser, weil ich mir nicht sicher war, ob ich unterwegs etwas finden würde. Dieser Teil der Insel war relativ trocken. Weiter führte mein Weg etwas von den Klippen entfernt zum Boco do Risco wo ich mit bester Aussicht bei viel Wind mein Zelt aufbaute. Ich wanderte 15,8 km und lief dabei 839 m aufwärts und 553 m abwärts.

Am nächsten Morgen ging es zeitig weiter. Auch diesmal zog ich es vor, einen Weg in einiger Entfernung zur Steilküste zu nehmen. Ich hatte mir Porto da Cruz als Ziel vorgenommen denn dort hatte ich mit ein Zimmer reserviert.

Der Beginn des Weges war sehr anstrengend, denn es ging nur bergauf. Als der Gipfel des Boca do Risco erreicht war, wurde der Weg sehr bequem. Es ging auf einem zweispurigen Weg leicht bergab. Das letzte Stück bis zu den ersten Häusern des Ortes war ein schmaler steiler Abstieg mit zahlreichen Serpentinen. Auf der von diesem Text aus oben befindlichen Karte mit dem Track kann man erkennen, warum die Entfernungsangaben bei Outdoractive in den Bergen immer zu kurz sind: Es sind bei weitem nicht alle Serpentinen eingezeichnet.

Irgendwann bin ich dann tatsächlich unten am Meer angekommen und habe mir erstmal etwas zu Essen gekocht und das Wetter für den nächsten Tag gecheckt. Es war tatsächlich mies vorher gesagt. Als ich dann noch die Strecke für den nächsten Tag anschaute fielen mir auch endlich die gelben Ausrufezeichen auf und ich merkte endlich, dass der Gipfelweg gesperrt war. Was war ich doch für ein Idiot.

Beides, das vorhergesagte Wetter und die Aussicht, dass ich meine geplante Route ohnehin nicht laufen konnte, ließ mich meinen Vermieter fragen ob ich eine Nacht länger bleiben könnte, was kein Problem war. Deswegen unternahm ich am nächsten Tag nur eine kleine Rundtour.

Diesmal erkundete ich, nachdem der morgentliche Regen nachgelassen hatte, einen Teil des Weges an der Steilküste. Bis zum ersten Wasserfall kam ich, aber der nasse rutschige Boden ließ mich umkehren. Unten am Meer angekommen kochte ich erneut am steinigen Strand, um mir danach ein schönes Glas Wein zu gönnen.

Für den nächsten Tag, meine Tour war ja inzwischen über den Haufen geworfen, bestellte ich ein Taxi, denn es war kein Weg eingezeichnet auf den ich hätte, ohne dutzende Kilometer Mehrweg in Kauf zu nehmen, ausweichen können. Ich ließ mich auf den Pico do Arieiro fahren. Als Tagesziel nahm ich mir den Biwakplatz Poiso vor.

Jetzt kommen wir der Geschichte „Körperfresser 2“ langsam näher.

Ehe ich von der Tagesetappe herab vom Pico do Arieiro erzähle schaut Euch das letzte Bild hier oberhalb des Textes an. Was seht Ihr dort?

Die Sicht auf 1800m war so na ja… Es war bei Nebel und Sprühregen ziemlich kalt. Da auch hier massenhaft Leute auf dem Berg waren, begann ich schnell mit dem Abstieg. Mit jedem Höhenmeter wurde das Wetter ein bisschen besser und die Temperatur etwas höher, so dass ich bald in der schönsten Sonne unterwegs war. Die Vegetation wurde nach Anfangs fast ausschließlich nur Ginster, etwas vielseitiger, Praktischerweise hatte ich bei einer kleinen Rast meine Brusttasche liegen gelassen. Drei Kilometer später bemerte ich mein Mißgeschick und verlängerte so meine Tagesetappe zusätzlich. Am Biwakplatz Poiso angekommen stellte ich fest, dass es noch viel zu zeitig war um hier mein Lager aufzuschlagen. Außerdem war hier weit und breit niemand zu sehen und ich hatte irgendwie Lust, auch mal andere Leute zu sehen und mal ein Wort zu wechseln.

Es ging also weiter. Wenige hundert Meter weiter machte ich eine Rast an einer Gaststätte. Dann stieg ich weiter ab um drei weitere eingezeichnete Plätze in Augenschein zu nehmen. Dort angekommen machte sich bei mir eine große Trostlosigleit breit. Die drei Plätze gehörten irgendwie zusammen und waren auf mehreren Ebenen verteilt. Die Wiesen waren gemäht bzw. von Ziegen kurz gehalten, die sanitären Anlagen verschlossen und die Sitzgelegenheiten ziemlich vergammelt. Das trostlose an dieser Situation war, dass 200 bis 400 Zelte dort Platz gehabt hätten und ich der einzige Mensch weit und breit war. Hier wollte ich nicht bleiben um am nächsten Morgen in mein 61. Lebensjahr zu starten. Es war noch eine gute Stunde bis es anfing zu dämmern und so machte ich mich im Eiltempo an den weiteren Abschieg, um am Campingplatz Naturanza Holistic Camping in Funchal anzukommen. Es war bereits dunkel als ich am Ziel war. Was soll ich sagen… den Platz gab es nicht mehr. Was für eine Scheisse.

Ein freundlicher Portugiese der offensichtlich einen Teil des Grundstücks gekauft hatte und dort am Bauen war, bot mir an mein Zelt dort aufzubauen, er wohnte eh noch nicht dort. Ich war Ihm sehr dankbar, auch wenn es schwierig war auf diesem Messigrundstück ein 2 qm großes Plätzchen für mein Zelt zu finden.

Jetzt noch einmal zum obigen Bild, man sieht da unter anderem zwei melonenartigen Gewächse. Bei den Körperfressern stecken darin Außerirdische, die, sobald Du eingeschlafen ist, Deinen Körper umschlingen und Deine Seele stehlen. Wenn Du aufwachst siehst Du genau so aus wie vorher, aber Deine Gefühswelt ist für immer verloren – tolle Aussichten für die Nacht vor dem 60. Geburtstag.

Der Morgen kam, die Melonen waren ungeöffnet noch an Ort und Stelle, da hab ich nochmal riesen Schwein gehabt.

Nach einem zeitigen Frühstück packte ich zusammen, buchte mir mit booking.com ein preiswertes Hotel für die letzten zwei Übernachtungen und verbrachte den restlichen Tag in Funchal.

Am nächsten Morgen meldete ich mich für einen Tagesausflug an, wurde pünktlich von einem Kleinbus abgeholt und machte eine Levadawanderung. Ohne eigenes Auto ist das eine relativ preiswerte Möglichkeit woanders hin zu kommen.

Nach der Rückkehr ging es am Nachmittag noch einmal nach Funchal und ich blieb bis zum Abend in der Stadt und nahm Abschied.

Meinen Geburtstag hatte ich mit mit zeitigem Aufstehen und Sonnenaufgang auf dem Pico Ruivo vorgestellt, aber: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Kommentare

Ein Kommentar zu „(60.) Geburtstag einmal anders“

  1. […] Die Geschichte meiner Geburtstagsreise, 21.11. – 28.11.2024 war noch nicht aufgeschrieben als ich zwei Monate später eine zweite Reise nach Madeira unternommen habe. Jetzt ist auch der Bericht der Reise vom November 2024 fertig und aktualisiert. Was die „Körperfresser 2“ mit der Nacht vom 25. auf den 26. November, meinem Geburtstag, zu tun haben, erfahrt Ihr hier. […]

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