3 Tage Ruppiner Gewässer mit dem Packraft

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Das Anfibio Nano RTC XL ist nicht mein erstes Packraft. Ich hatte mir bereits vor knapp 2 Jahren das Anfibio Rebel 2K mit Seitentaschen gegönnt. Mit diesem habe ich bereits zahlreiche  Mehrtagestouren auf Bächen, Flüssen und Seen unternommen und bin immer noch absolut begeistert.

Meine Touren mache ich oft allein, wenn sich ein Mitfahrer findet auch gern zu zweit.  Bei meinem Reisegepäck habe ich im letzten Jahr immer mehr auf Gewichtsreduzierung geachtet, weil ich meine Ziele gern mit dem Zug anfahre.  Da kam ich am Nano RTC von anfibio nicht mehr vorbei. Die Idee das Boot als Packsack zu konstruieren fand ich genial. Dieses minimalostische Design mit dem geringen Gewicht passte wunderbar zu  meinen Vorstellungen von Gewichtseinsparungen.

Mein erster Test fand zu Hause statt. Ich blies das Boot auf und ließ es ein paar Tage stehen. Der Verschluss hielt absolut dicht. Meine erste Tour führte mich dann auf die Ruppiner Gewässer. Dort waren keine Sohlschwellen, Biberburgen oder ähnliche Hindernisse zu erwarten die der dünnen Hülle dieser neuen Generation von Booten etwas anhaben könnten. Es war eine Fahrt mit zwei Übernachtungen, ich hatte das gesamte Equipment einschließlich des Nano RTC XL in einem 60l Rucksack verstauen können und kam auf ein Gesamtgewicht ohne Essen und Wasser von 10 kg. Das war schon mal eine Hausnummer und sehr entspannt zu tragen. In Lindow angekommen kaufte ich noch Essen und Wasser und ab ging es zum Gudelacksee. Das Gepäck ließ sich wunderbar in den Schläuchen verstauen. Den Rucksack mit dem Tragegestell  legte ich, anders als bei meinen Fahrten mit dem Rebell 2K, nicht in den Schlauch, weil mir die vielen härteren Kunststoffteile des Rucksacks in dem dünnen Schlauchmaterial nicht gefielen.  Ich schnallte ihn anstelle eines Deckpacks leer auf den Bug.

Das Wetter war etwas durchwachsen angekündigt. Für den Nachmittag waren Gewitter angesagt. Ich konnte nach meiner Anreise, die insgesamt 3 Züge und 2 Busse erforderte und, welch ein Wunder, tadellos funktioniert hatte, gegen 13 Uhr starten. Als ersten Übernachtungsplatz hatte ich die Insel auf dem Gudelacksee fest eingeplant. Deswegen wollte ich am ersten Tag noch etwas den Vielitzsee erkunden, denn der direkte Weg zu Insel war mit 2 km einfach ein bisschen kurz. Auf dem Weg zum Vielitzsee begann es dann schon leicht zu regnen und weil ich vermeiden wollte bei einem aufziehenden Gewitter über den See zu paddeln, drehte ich um und nahm direkten Kurs zum Biwakplatz. Der Platz ist wunderschön gelegen.

Ich kam gegen 14:30 Uhr an und kochte mir in Ruhe einen Kaffee. Sehr zügig zogen auch schon Wolken auf, es begann zu grummeln, Sturm kam auf und schließlich brach das Unwetter los.

So schnell wie das Gewitter aufgezogen war hatte es sich auch wieder verzogen. Die Sonne brach durch die Wolken und Nebel stiegen auf.

Zu meiner großen Überraschung war mein leichtes Tarp stehen geblieben und hatte den Sturmböen getrotzt. Der Nachmittag und der Abend lagen vor mir und ich wollte die Insel zu Fuß umrunden. Gerade als ich starten wollte, kamen zwei Angler mit Ihrem Mororboot in die Bucht, wir kamen ins Gespräch, sie luden mich zum Essen ein und wir quatschten bis zum Abend. Ich ließ mir die frischen Barschfilets zu einem guten Glas Rotwein schmecken. Vielen Dank an Danny und Lothar für die schöne Runde, das herrliche Essen und die guten Gespräche. Solche Momente kann man für Geld nicht kaufen.

Das Einschlafen war etwas mühsam. Ich hatte nur ein Tarp und kein Meshzelt dabei. Die Mücken plagten mich trotz Authan sehr. Als die Plagegeister endlich Ruhe gaben, schlief ich schnell ein.

Ich habe bis 7 Uhr durchgeschlafen und fühlte mich frisch und ausgeruht. Fantastischer Sonnenschein weckte mich mit einem herrlichen Blick über den See.

Ich musste den Tag mit einer Runde schwimmen beginnen, denn das Wasser war sehr angenehm warm und ich musste das Gemisch aus Schweiß und Authan los werden. Kaffetrinken und Frühstücken waren bei diesem herrlichen Wetter ein einziger Genuß.

Die Sachen waren schnell gepackt und bei leichtem Gegenwind ging es über den See bis zur Einfahrt in den Rhin.

Die Fußgängerbrücke erstaunte mich wegen der besonderen Konstruktion. Die Stützpfeiler waren einfach gestapelte kurze Balken.

Nach 2 km paddelte ich über den Möllensee. Nach weiteren etwa 2 km legte ich hinter der Brücke bei Zippelsförde an, denn es zog erneut ein Gewitter heran. Als es zu regnen begann drehte ich das Boot um und verzog mich unter die Straßenbrücke.

Auch dieses Mal war der Spuk so schnell vorbei wie er gekommen war. Bei wunderschönem Sonnenschein ging es weiter auf dem wohl schönsten Abschnitt des Rhin bis zum Zermützelsee.

Auf dem Zermützelsee kam mir starker böiger Wind entgegen. Es bildeten sich kleine Schaumkronen und ich kam fast nicht mehr von der Stelle. Ich nutzte eine Lücke im Schilf, auf der linken Seite des Sees, um an Land zu gehen. Die Wetterapp zeigte bis zum Abend keine Abnahme des Windes und so packte ich zusammen und ging zu Fuß durch Zermützel bis zum Tetzensee. Unterwegs ließ ich mir bei einer Familie, die gerade im Garten war, meinen Wassersack auffüllen.

Am Tetzensee steuerte ich einen bei Outdooractive eingezeichneten Übernachtungsplatz an. Der Platz stellte sich nicht als ideal heraus, aber für eine Nacht hat es gereicht. Es gab an diesem Ufer zahlreiche „Witwenmacher“, aber der Wind hatte sich komplett gelegt und so wählte ich meinen Platz nach dem geringst möglichen Übel aus. An diesem Tag bin ich 18 km gepaddelt und gelaufen. Am Abend kam eine Ringelnatter durchs Wasser geschwommen, um sich in die ausgespülten Wurzeln eines Baumes zurück zu ziehen. Auch zwei Biber (oder Nutrias?), kamen vorbei.

Kurz nach 4 Uhr wurde ich munter und wollte nur mal kurz raus aufs Wasser schauen. Der Morgen hatte mit seinen Nebelschwaden über dem Wasser eine solche Magie, dass ich aufstand, mich ans Ufer setzte und dem Tag beim erwachen zuschaute.

Auch die beiden Nager schwammen an mir vorbei um ihr Tagwerk zu beginnen oder ihr Nachtwerk zu beenden, ich hab keine Ahnung vom Lebensrhytmus dieser Tiere.

Nach dem Einpacken ging es ohne Gegenwind über den Tetzensee und den Molchowsee bis nach Altruppin. Der Schleusenwärter war offensichtlich froh, dass endlich jemand zum Schleusen kam. Er öffnete das Tor für meine Nußschale und im handumdrehen ging es 2 m nach unten. Neben der Schleuse gibt es auch eine Bootsschleppe, aber so war es natürlich noch einfacher.

Das letzte Stück bis zum Bootshaus MC Neuruppin war schnell gepaddelt. Der Wind war an diesem Tag etwas gnädiger mit mir.

Abschließend noch ein Wort zu meinem Anfibio Nano RTC XL. Ich habe mich bewusst für die XL Variante entschieden, auch wenn ich mit 1,78 kein Riese bin, weil ich mir davon eine höhere Rumpfgeschwindigkeit erhoffte. Diese Hoffnung hat sich erfüllt. Mit entspanntem Paddeln bei leichtem Gegenwind konnte ich etwa 3,4 km in einer Stunde bewältigen. Ich bin das Boot mit einer Finne am Heck gefahren und es fiel mit sofort auf, dass das Nano RTC spurtreuer als das Rebel 2K ist. Das liegt sicher weniger an der etwas größeren Länge, sondern an der Konstruktion. Der Boden ist nicht bündig mit der Unterseite der Schläuche, sondern der Boden ist etwas höher als die Unterseiten der Schläuche. Dadurch entstehen an der Unterseite des Bootes zwei leicht unter dem Boden im Wasser hängende Schwimmer, die einen besseren Geradeauskauf ermöglichen.

Bei verstautem Gepäck in den Schläuchen genügen 3 bis 4 Füllungen mit dem Blasesack und das Boot ist gut mit Luft gefüllt. Das Boot hat nach dem aufpumpen eine geschmeidige faltenarme Form. Nach einiger Zeit auf dem warmen Wasser in der prallen Sonne war es fast faltenfrei. Das erschien mir dann doch etwas zu viel des Guten und ich habe am flachen Ufer das Ventil eine Umdrehung geöffnet und etwas Luft entweichen lassen. Das sollte man sicher nicht mitten auf einem See machen,  denn man könnte schlimmstenfalls im Wasser sitzen wenn man zu weit aufgedreht hat. Bei einer minimalistischen Reise mit Tarp eignet sich das Boot auch bestens nach der Entnahme des Gepäcks und dem Wiederbefüllen des Bootes mit Luft als  regensichere Abdeckung des restlichen Gepäcks. Ich habe es mit einer Leine und zwei Heringen zusätzlich gegen Wind gesichert.

Als Paddel habe ich mir das sehr leichte Anfibio Fly gegönnt. Ich war skeptisch als ich das Paddel zum ersten Mal in den Händen hielt, aber die Bedenken haben sich als grundlos erwiesen. Das Paddel liegt trotz seines geringen, nur etwa 25mm, Rohrdurchmessers gut in der Hand. Es werden keine Abtropfringe mitgeliefert, ich habe diese aber auch nicht vermisst. An der ersten Steckverbindung von Paddel und erstem Rohr ist eine ca. 1 cm lange Lücke die für ein sicheres abtropfen sorgt. Abtropfringe sind also aus meiner Sicht nicht nötig. Fazit: Ich bin restlos begeistert, sowohl vom RTC Nano XL als auch von meinem Rebel 2K.

Der Campingstuhl den ich dabei hatte erwies sich im vollen ICE von Berlin nach Leipzig als segensreich, denn ich hatte ein großes Abteil allein für mich.

Ach ja, ich habe mir ein Paar rote Kniehstrümpfe von der Reise mitgebracht. Wenn man schon eine lange Hose gegen Sonnenbrand an den Beinen mitnimmt, sollte man die Hosenbeine nach dem Einsteigenm ins Packraft auch wieder runter krempeln.

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