Nach einem sternenklaren Himmel in der Nacht begann der Tag unserer letzten Wanderetappe mit schönstem Sonnenschein. Nach fünf Tagen fühlte sich mein Gesicht schon ganz schön kratzig an, aber ich entschied dass es bis zum Abend gehen würde.
Eine Kuh mit einem wenige Tage alten Kälbchen besuchte unser Lager während wir frühstückten. Die Tiere waren völlig tiefenentspannt. Wir raten es ihnen gleich, packten in Ruhe unsere Sachen und nahmen Abschied von diesem bezaubernden Ort.




Der Weg führte uns zunächst die Straße entlang, den Kühen hinter. Der Weg sollte laut Outdooractiv von der Straße aus nach links in den Wald, später an einer Levada entlang bis zum Meer führen.


Es hätte eine einfache Tour werden können.
Der Weg durch den Wald begann völlig harmlos. Es ging über Steine stetig bergab. Nach 200 Metern war der Weg kaum noch zu erkennen und er wurde etwas steiler bis kein Weg mehr zu erkennen war. Ich versuchte weiter voran zu kommen und rutschte auf den Hintern von einem Baum zum Nächsten. Es gab keinen Weg mehr. Zurück zu gehen war mit dem schweren Gepäck keine verlockende Vorstellung. Wir setzten die Rucksäcke ab und mein Neffe versuchte einen Weg zu finden.




Nach zehn Minuten kam er zurück, er hatte eine alte Levada gefunden die offensichtlich seit vielen Jahrzehnten verfallen war. Der Karte nach musste sie etwa einhundert Meter oberhalb derer liegen, die wir eigentlich entlang wandern wollten. Die Karte ließ vermuten, dass wir nach etwa sechshundert Metern, wenn wir der alten Levada folgen würden, auf einen Weg stoßen, der weiter nach unten führt. Wir krochen über und unter dutzenden Bäumen hindurch, es war schon eine ganz schöne Plackerei. Ich glaube wir brauchten für das kleine Stück fast eine Stunde. Wir waren unglaublich erschöpft und erleichtert als wir den Weg endlich fanden. Es ging jetzt noch zahlreiche Treppenstufen nach unten, bis wir die Levada erreichten. Leider hatte uns der anstrengende Weg beide abgehalten Fotos von dieser unfreiwilligen Durchschlageübung zu machen. Da muss ich bei zukünftigen Abenteuern an mir arbeiten, damit mir nicht immer die besten Bilder fehlen.




Von jetzt an war der Weg wieder sehr bequem zu laufen. Häufig führte er im Halbschatten durch saftiges Grün immer weiter mit sanftem Gefälle langsam aber stetig in Richtung Meer. Nach unzähligen Wendungen am Berg entlang, immer wieder an kleinen Wasserfällen vorbei, erreichten wir eine Straße. Dort trafen wir auch wieder einige Touristen. Mit einem deutschen Pärchen unterhielten wir uns kurz. Sie wollten, beide mit weißen Turnschuhen und weißen Hosen bekleidet, mal hundert Meter in die Levada hinein laufen. Nach dem Abschied mussten wir irgendwie ein bisschen grinsen und waren froh, daß alle Menschen so unterschiedlich ticken, wie voll wären die Wanderwege und Trekkingplätze sonst gewesen.


Nach der Straßenüberquerung ging es wieder etwas steiler mit uns bergab. Vorbei am riesigen Farnen ging es durch dichte Wälder bis eine größere Lichtung das erste Mal den Blick auf das Meer frei gab.




Endlich kamen wir nach Ribeira da Janela. Jetzt galt es noch fünfhundert Höhenmeter bis zum Meer hinab zu steigen. Dazu benutzten wir die alten Straßen. Diese sind etwas steiler, aber auch kürzer als die neuen Asphaltpisten und haben in der Mitte Treppenstufen. Diese sind sehr flach und ich hatte ordentlich mit Wadenkrämpfen zu tun.




So wie der längste Aufstieg hat natürlich auch der längste Abstieg irgendwann ein Ende. Am Meer angekommen gab es erstmal eine Cola. Nach einigen Tagen mit viel Energieverbrauch und knapp bemessenem Essen ist ein kleiner Zuckerschock schon sehr geil.




Der Parque da Campismo ist ein kleiner, sehr feiner Platz. Die Sanitäranlagen sind sehr ordentlich und das bei einem Preis von sechs Euro pro Person.
Am Abend hatten wir ein sehr angenehmes Gespräch mit einem Wander meines Alters (+10). Wir redeten über schöne Orte und Ziele, über Ost und West, über das Leben im Allgemeinen und über Madeira im Speziellen. So ging unser letzter Tag der Reise zu Ende.
Da wusste ich noch nicht, dass am nächsten Tag noch ein kleines Abenteuer auf mich warten würde.



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