Drei Tage Sächsische Schweiz 29.9.-1.10.23

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Recht kurzfristig kam mir die Idee, ein Wochenende auf dem Forststeig Sächsische Schweiz Wandern zu gehen. Ich hatte bei meinen Recherchen nach offiziellen Biwakplätzen diese Möglichkeit bereits im Sommer entdeckt. Ich fragte meinen Neffen ob er Lust auf so eine Tour Lust hätte. Wir fanden einen Termin und so ging es am 29.09. früh um 8 Uhr mit dem Auto in Richtung Dresden los. Wie üblich gab es am Dreieck Nossen einen ordentlichen Stau. Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir auf dem Park & Ride Platz am Busbahnhof in Pirna an. Der Parkplatz war sehr voll und wir quetschten das Auto in die letzte etwas zu schmal geratenen Lücke. Mein Neffe mußte einparken, ich hätte nicht durch den schmalen Spalt zwischen Auto und Tür gepasst. Auf dem zentralen Busbahnhof sollte es Trekkingtickets geben. Diese Tickets kosten pro Stück 10 Euro und man braucht diese, wenn man auf einem der Trekkingplätze mit dem Zelt oder in einer Trekkinghütte für eine Nacht bleiben will. Wir erfuhren, dass diese Info falsch war und die nette Dame am Schalter sagte uns, dass die Tickets auf dem Bahnhof in Bad Schandau verkauft würden. Wir nahmen die S-Bahn nach Bad Schandau, kauften die Tickets und wenn wir nicht noch ein Formular dafür hätten ausfüllen müssen, wäre uns der Anschlusszug nach Schöna nicht vor der Nase weggefahren.

Die S-Bahn fuhr zum Glück im 30-Minuten Takt, so dass es nicht weiter schlimm war. Wir hatten dadurch halt eine kleine Pause und konnten die ersten schönen An- und Aussichten auf die Sächsische Schweiz genießen. Das Wetter war sonnig, etwas über 20 Grad und es versprach ein gutes Wanderwochenende zu werden. In Schöna angekommen entdeckten wir nach der Bahnunterführung den ersten Hinweis auf den Forststeig.

Es ging die ersten Höhenmeter nach oben, wir kamen schließlich vom tiefsten Punkt des Elbsandsteingebirges, der Elbe, und mussten als erstes aus diesem tief eingeschnittenen Tal heraus. Der Weg führte an den ersten überhängenden Felsen vorbei und gelegentlich eröffnete sich ein Ausblick zwischen den Bäumen hinunter zur Elbe.

Nach jedem Aufstieg kommt bekanntlich irgendwann wieder ein Abstieg, wir kamen zum ersten Bach und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich mir diese Tour genau so vorgestellt hatte. Auch wenn ich schon sehr lange nicht mehr in der sächsischen Schweiz gewesen bin, wurden schnell die Erinnerungen an frühere Reisen in diese wunderbare Landschaft wach.

Auf dem Weg zum großen Zschirnstein ging es immer wieder auf und ab, an einer Wanderhütte vorbei und auf den letzen Metern wurde der Aufstieg recht steil. Oben angekommen wurde man, wie nach fast jedem Aufstieg in der Gegend, mit tollen Aussichten belohnt.

Nach einer kleinen Pause zum Verschnaufen ging es weiter. Der Forststeig umrundet den großen Zschirnstein. Wir verpassten den Abzweig nach rechts und machten den ersten ungeplanten Umweg. Nach etwa 400 Metern bemerkten wir unser kleines Missgeschick und liefen wieder zurück. Wir fanden die gelbe Markierung und bogen, nun aus der anderen Richtung kommend, nach links ab. In zahlreichen Berichten hatte ich gelesen, dass der Forststeig bestens markiert ist, diese Aussagen würde ich nicht unterschreiben. Man muss schon gut aufpassen, um keinen Abzweig zu verpassen. Der folgende Abstieg war sehr steil und wir gelangten zu einem ersten Biwakplatz – Zschirnsteinbiwak. Der Platz machte einen sehr gepflegten Eindruck. Es war etwa 16:30 Uhr und wir entschlossen uns, weiter zu laufen und unseren Tourplan nicht schon am ersten Tag über den Haufen zu werfen. Bis zur Grenzbaude, die wir uns als Tagesziel vorgenommen hatten, waren es noch etwa 4km. Der Weg führte nun genau an der Deutsch-Tschechichen Grenze entlang. Auf dem Weg gab es mehrere Quellen an denen wir unsere Wasservorräte auffüllen konnten.

Auf dem letzten Stück ging es wieder einmal Bergauf. Wir erreichten einen breiten Waldweg und die Grenzbaude schimmerte schon durch die Bäume. Vor uns waren bereits zwei deutsche Mädels dort angekommen die sich bereits ans Abendessen machten. Als es schon stockdunkel war, kamen noch zwei tschechische Mädels an. Die Hütte ist sehr geräumig, hat zwei Öfen und genügend Räume so dass Jede der drei kleinen Wandergruppen ihr eigenes Zimmer hatte. Insgesamt könnten in der Hütte mindestens 20 Leute übernachten.

Nachdem wir unse Matratzen aufgeblasen und die Schlafsäcke ausgerollt hatten, konnten auch wir endlich ans Abenessen denken. Es wurde schnell dunkel aber der Abend war sehr mild und wir konnten noch sehr schön draußen sitzen. Es gab Tee, etwas Warmes zu essen und als Nachtisch einen Whisky. Wir quatschten noch ein bisschen, packten unsere Rucksäcke zusammen und gingen ins Haus zu unseren Schlafplätzen im Obergeschoss der Hütte. Nach gut 17km Strecke, 660m aufwärts und 368m abwärts mit Gepäck brauchte ich zum Einschlafen keine Schäfchen mehr zu zählen.

Am nächsten Morgen war es noch so warm wie am vorherigen Abend, so dass wir wunderbar draußen frühstücken konnten. Gegen 10 Uhr ging es weiter. Die Etappe sotte etwa 16 km lang sein, aber es kam anders. Wir nahmen gleich am Anfang den falschen Weg und bemerkten das Mißgeschick erst nach 2,5km als wir kurz vor der Haselmausbaude waren. Der Forststeig führt zwar auch zu dieser Hütte, aber wir wollten eigentlich zum Taubenteich. Ein wenig frustrierend war das schon, aber der Tag war ja noch jung. Die Haselmausbaude wollten wir uns dennoch nicht ansehen. Zurück nahmen wir einen anderen Weg, um wenigstens nicht zweimal den gleichen Weg zu laufen. Mit ewas Verspätung kamen wir dann am Taubenteich an. Dort ist auch ein recht schöner Biwakplatz eingerichtet.

Der Forststeig führte wieder an der Grenze entlang bis er nach etwa einem Kilometer nach Tschechien abbog. Kurze Zeit später landeten wir in Kristin Hrádek (Christianenburg). In dem früheren Jagdhaus ist heute ein gepflegtes Hotel und Restaurant untergebracht.

Beim nächsten Wegabschnitt gingen wir bewußt nicht den Forststeig entlang, um nach den morgentlichen Zusatzkilometern etwas abzukürzen. Zugegeben, spannend war der Weg nicht, aber er hatte keine Höhenmeter und wir konnten uns dadurch wieder etwas erholen. Der Weg endete auf einem Parkplatz. Dort waren schon einige Tagestouristen angekommen und machten sich auf den Weg zum Děčínský Sněžník (Hoher Schneeberg). Der Weg dorthin ist teilweise sehr steinig und auch relativ steil, der wunderschöne Birkenwald durch den der Weg verläuft, ließ uns die Mühen glatt vergessen.

Auf dem Schneeberg angekommen dachte ich mitten in einem Märchen zu sein. Ein romantischer Aussichtsturm tauchte zwischen den Birken auf, der Weg war mit großen und kleinen Steinen übersät und es hätte mich nicht gewundert wenn plötzlich Schneewittchen aufgetaucht wäre. Es tauchte dann auch tatsächlich auf, im Doppelpack. Zwei Wanderinnen mit Schwarzen langen Haaren beugten sich aufgeregt über die Karte und hatten keinen Plan wo sie genau waren. Sie hatten etwas Angst ihr Tagesziel nicht rechtzeitig zu erreichen. Als wir Ihnen unseren Standort auf der Karte gezeigt hatten waren sie beruhigt und bogen erstmal in das Restaurant am Fuße des Aussichtsturms ein. Der Hohe Schneeberg ist übrigens mit 724m der Höchste Berg im Elbsandsteingebirge und die Aussicht nach Böhmen ist fantastisch.

Wir machten eine Rast, mein Neffe kochte sich etwas, ich begnügte mich mit ein paas Snacks. Danach ging es noch ein Stück auf dem Gipfel entlang und dann immer abwärts weiter nach Ostrov (Eiland). Dort angekommen füllten wir an einem Bach unsere Wasservorräte auf.

Es war noch genügend Zeit und so ließen wir den Campingplatz auf der linken Seite liegen und gingen weiter zum Zehrborn Biwakplatz. Dieser Platz liegt direkt neben der Grenze und ist, wie könnte es anders sein, wunderschön. Die Zelte werden dort mitten im Wald aufgebaut und in 30m Entfernung ist ein Bach mit einer kleinen Wiese. Der Platz ist wohl recht beliebt, denn wir waren nicht die Ersten und auch nicht die Letzten, die ihre Zelte dort aufschlugen. Als es dunkel wurde, war der Wald dann auch recht ordentlich mit Zelten bestückt. Ich freute mich besonders über eine Wandergruppe die aus Opa, zwei Söhnen, drei halbwüchsigen Enkelsöhnen und einem etwa sechs Jahre alten Steppke bestand. Die Frauen hatten wohl keine Lust auf Survivalurlaub. Der kleine war die ganze Zeit quietschvergnügt und lief ständig zwischen seinem Zelt und dem Bach hin und her. Die drei größeren Jungs hatten nach dem Abendessen, was Opa gekocht hatte, wieder richtig Energie und versuchten aus Holzstämmen eine Brücke zu bauen. Um 20 Uhr war es stockfinster und diesmal auch schon recht kühl. Eine Stunde später waren alle in Ihren Schlafsäcken verschwunden und auch an diesem Abend bereitete mir das Einschlafen keine Probleme – 20km, 430m rauf und 416m wieder runter.

Es begann unser letzter Tag an dem wir auch noch die Rückreise einplanen mussten. Der Morgen war kühl und wir genossen unseren heißen Kaffee. Die Zelte wurden abgebaut, die Rucksäcke gepackt und als Erstes ging es wieder ein Sück aufwärts. Nach etwa 2km tauchte unser doppeltes Schneewittchen wieder auf. Die Mädels waren genauso aufgeregt wir am zurückliegenden Tag. Sie löcherten gerade einen Tschechen mit Ihren Fragen nach dem Weg und waren sichtlich erfreut als sie uns sahen. Auf meine Frage warum sie schon am Morgen so beunruhigt wegen des Weges waren meinten sie, dass ihre heutige Etappe recht lang sei. Wir verabschiedeten uns und wieder einmal führte unser Weg auf der Grenze entlang. Wir kamen auf dem schmalen Pfad durch schöne Mischwälder, auch herrliche Birkenwälder lagen wieder am Wegesrand und plötzlich waren wir wieder inmitten der wunderschönen Felsenlandschaft der Sächsisch-Böhmischen Schweiz, wir waren auf den „Fichtenwänden“ angekommen.

Beim Abstieg meldete sich das Knie meines Neffen wie schon am vorherigen Tag und wir beschlossen die geplante Runde zu verkürzen und direkt nach Bielatal zu laufen. Die letzten Kilometer waren unspäktakulär, aber die breiten, gut ausgebauten Wege taten dem angeschlagenen Knie besser als die Kraxelwege des Forststeigs. So kamen wir gegen 13 Uhr an der Bushaltestelle an. Bis zur Abfahrt des Busses hatten wir noch eine Stunde Zeit und so konnten wir an einem schönen Rastplatz, neben einem Teich, eine gemütliche Mittagspause machen.

Der Bus kam auf die Minute pünktlich, wir erreichten nach 40 Minuten den Busbahnhof in Pirna und kamen diesmal ohne Stau am späten Nachmittag zu Hause an.

Fazit

Wir planten unsere Tour nur eine Woche vorher, die Wetterberichte sagten ein schönes Spätsommerwochenende vorher, wir hatten beide nichts anderes fest geplant und unsere Familien hatten auch nichts dagegen. Das vorhergesagte Wetter trat wie angesagt ein, wir hatten Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad am Tag, kurzum, es war wunderbares Wanderwetter. Die Anreise mit dem Auto und der S-Bahn klappte prima, der ICE von Leipzig nach Dresden und zurück hätte für zwei Personen 240 Euro gekostet, deswegen kam eine komplette Bahnanreise nicht in Frage. Auch die Verbindung für die Rückreise mit dem Bus und dem Auto hat sehr gut funkioniert. Die Wanderung selbst war einfach fantastisch, manchmal anstrengend, aber die Wälder, die Felsen, die Ausblicke und die Übernachtungsplätze waren einmalig und sind nur schwer zu toppen. Ich kann eine Wanderung auf dem Forststeig nur empfehlen. Die Hütten und Plätze sind mit gut benutzbaren Trockentoiletten ausgestattet, es gibt Bänke und Tische wobei die Tische sogar in der Mitte einen Streifen Edelstahl eingebaut haben, um auch im Wald sicher mit dem Kocher hantieren zu können. Die Leute die man auf den Plätzen trifft sind Gleichgesinnte, man kommt sehr gut miteinander aus. Keiner läßt seinen Müll liegen, die Hütten werden vor dem Gehen durchgekehrt und so findet auch der nächste Wanderer einen schönen und sauberen Platz vor. Beim Rucksack ist natürlich jedes Gramm weniger ein Pluspunkt. Ich war mit 4 Litern Wasser bei gut 15 kg, mein Neffe bei 20kg. Ok, wenn man das Körpergewicht dazu rechnet sieht die Sache wohl etwas anders aus.

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