Nachdem wir am Freitag eine kleine Party auf dem Hof veranstaltet haben hatte ich mir für den Sonnabend/Sonntag eine Übernachtung im Zelt vorgenommen. Zumindest für den Sonnabend war nach langem grau endlich wieder Sonne angesagt. Der ursprüngliche Plan sah vor mit dem Zug nach Zeitz zu fahren, von dort zum Mondsee zu laufen, dort eine Nacht zu bleiben und am nächsten Morgen weiter nach Hause zu laufen. Der Mondsee hat seinen Namen von seiner Form, wenn man ihn von oben betrachtet. Um mich nicht durch Faulheit und Trägheit von dem Vorhaben abbringen zu lassen (ihr kennt das vielleicht) hatte ich im Laufe der Woche meine Packliste erstellt und bereits am Donnerstag den Rucksack eingepackt. Beide Etappen hatten eine Länge von jeweils 17 bis 18 km. Es genügte also am Sonnabend nach dem Mittag aufzubrechen. Es ist von Vorteil die Zeit welche ein Wochenende bietet nicht zu Einhundert Prozent nutzen zu wollen. Es wirkt sich positiv auf den Familienfrieden aus und man kann es irgendwie ruhiger angehen lassen.
Als es losgehen sollte überlegte ich welchen Zug ich nehmen sollte. Unentschlossen wie ich war entschloß ich mich einfach los zu laufen. Das Ganze in umgekehrter Richtung macht dann auch keinen großen Unterschied zumal Höhenunterschiede in unserer Gegend kein Thema sind. Gegen halb Zwei ging ich an den Start. Der Anfrang war relativ öde, es ging die erten drei Kilometer auf einer Straße in Richtung Seegel. Es war der erste srichtig sonnige Frühlingstag den man mit 20 Grad trotzdem richtig genießen konnte.


In Seegel konnte ich endlich von der Straße runter am Werbener See weiter laufen. Dort gab es Halbschatten was den Weg zusätzlich angenehm machte. Auffällig am See waren die vielen vertrockneten Pappeln die die letzten trockenen Sommer nicht gut überstanden hatten.




Danach sollte es weiter auf einem Feldweg in Richtung Monarchenhügel gehen. Leider war der Weg durch eine große Koppel versperrt. Laut Schild war es eine Koppel für Mutterkühe mit einem frei laufenden Bullen. Mit dessen Hörnern wollte ich nichts zu tun haben, deswegen mußte ich auf die Landstraße ausweichen. Wie das Ziel Monarchenhügel vermuten läßt ging es jetzt sanft bergan. Im Verlauf der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai 1813 bezogen auf dieser Anhöhe sowohl der König von Preußen, Friedrich Wilhelm III. als auch der Kaiser von Russland, Alexander I. Stellung und verfolgten von dort aus das Geschehen der Kampfhandlungen.


Kurz vor dieser kleinen Erhebung bog ich halb links ab und es ging weiter auf einem Feldweg durch ehemaliges Tagebaugelände.Nach etwa einem Kilometer stand ich vor einer großen Koppel, der Weg war durch ein Tor versterrt. Ich war noch mit meinen Überlegungen beschäftigt als ein SUV angefahren kam. Es war der Chef der örtlichen Agrargesellschaft. Innerlich froh noch nicht am Überklettern des Tores gewesen zu sein fragte ich ihn, wie ich weiter in Richtung Mondsee laufen könnte. Er meinte ich könne die Koppel auf der rechten Seite umgehen. Ich nahm den beschriebenen Weg und es klappte tatsächlich gut und ich fand mich nach einem kleinen Umweg auf dem in meiner App beschriebenen Weg wieder.


Er ging weiter durch ehemaliges Tagebaugelände wo offensichtlich die Motorcrossliebhaber ihr Eldorado haben. Ohne GPS wäre es mir schwer gefallen den richtigen Weg zu finden. Nach etwa zwei Kilometern stand ich erneut vor einem Tor. Diesmal war es die Abgrenzung des alten vom aktiven Tagebau Profen. Da konnte ich auf keinen Fall durch. Der Weg welcher bei Outdooractive angezeigt wurde, war tatsächlich zu sehen, er führte aber an diversen Tagebaugeräten vorbei. Es blieb mir nichts weiter übrig als einen zwei Kilometer weiten Umweg in Kauf zu nehmen.






Auf kaum befahrenen Landstraßen lief ich weiter und konnte links den Tagebau beobachten. Gegen 18 Uhr, inzwischen hatte ich den Tagebau hinter mir gelassen, kam ich am Mondsee an. Meine Frau rief an und wir vereinbarten uns zum Abendessen auf dem Zeltplatz. Ich hatte gerade mein Zelt aufgebaut als sie gemeinsam mit unserem Sohn ankam. Es gab Döner und Wein und ich muss sagen, ich hatte schon schlechtere Abende. Das Wetter war mild, es war ein schöner Sonnenuntergang – perfekt.


In der Nacht hat es ganz leicht geregnet. Am Morgen war es dann bewölkt aber trocken. Nach der morgendlichen Wäsche gab es zum Frühstück Porridge und Cappuccino. Danach wurde das Lager abgebaut und es ging weiter zum Bahnhof Profen. Rückblickend kann ich den Platz am Mondsee nur loben. Es war sehr ruhig, sauber und gepflegt, man konnte sich einfach wohl fühlen. Sicher spielte bei der Ruhe auch eine Rolle, dass im April noch nicht der Campingbär steppt.


Der Weg nach Profen war nicht wirklich schön. Erst mußte ich ein ganzes Stück auf der Straße entlang, dann bog der Weg wieder in den aktiven Tagebau ab. Diesen Weg zu nehmen war keine gute Idee, weil ich schnurstracks in das Betriebsgelände gelaufen wäre. Ärger wollte ich nach den bislang schönen Erlebnissen nicht und so schlug ich mich durchs Unterholz auf die Straße zurück. In Profen am Bahnhof musste ich noch 20 Minuten auf den Zug warten und zum Mittag saß ich wieder zu Hause am Tisch.
Fazit: Ein kleines Abenteuer vom Nachmittag zum Mittag des nächsten Tages war Klasse. Das muss ich unbedingt öfter machen. Es bleibt am Wochenende auch noch gemeinsame Familienzeit. Diese Wandergegend entlang der Tagebaue muss man nicht ständig durchstreifen, aber einmal sollte man es ruhig machen. Man begreift wie geschunden die Landschaft durch die Tagebaue ist. Vergleicht man eine gesunde Landschaft mit einem gesunden Körper, dann ist eine Tagebaulandschaft nur noch ein Gerippe.


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