Es scheint als wolle der Regen nicht mehr aufhören. Ich muss mich entscheiden, ob ich laufe oder versuche nach Lluc mit dem Bus zu fahren. Es wird voraussichtlich der Bus, eventuell auch nur für ein Teilstück, die ganzen 16,5km sind mir wohl doch zu hart um sie bei Regen zu laufen. Ich habe gerade das Wetter gecheckt, 7Bft in Böen 9Bft ist definitiv kein Wetter zum Wandern, ich heiße ja nicht Reinhold Messner. Zu wissen, dass es wenigstens ab morgen besser werden soll, ist Trost und Antrieb. Nach dem Frühstück erzählte der Leiter der Herberge, dass es im Moment keinen Weg nach Lluc gibt, weder von Osten wo ich bin, noch aus Süden wo es auch noch eine andere Straße mit Busverbindung gibt. Das war’s dann mit dem Antrieb. Ich hatte ja gestern schon von einem Schweizer berichtet der auch in meine Richtung gehen wollte, die anderen waren am Ende ihrer Tour angelangt und wollten nach Palma, um nach Hause zu fliegen. Carlo, so der Name meiner Schweizer Bekanntschaft, und ich warteten noch, ob eventuell der Weg nach Lluc freigegeben wird. Das klappte dann leider auch bis nach dem Mittag nicht. Ich zitiere aus der Mallorca Zeitung: „Auch die Sturzbäche im Inselosten konnten den Regenfällen nicht immer standhalten. Laut dem Regionalsender IB3 waren am Dienstagmorgen unter anderem der Torrent Sa Vall (Manacor), sowie der nahe dem Industriegebiet von Artà über die Ufer getreten. In Artà wurden laut spanischem Wetterdienst Aemet von Montagmorgen bis Dienstagmorgen 162 Liter Niederschläge pro Quadratmeter in 24 Stunden gemessen, in Son Servera 138 und in Portocolom 125.“

Da konnten wir nun gar nichts machen und es blieb uns nichts weiter übrig, als für’s Erste in der Hütte zu bleiben. Ich recherchierte ob wir vielleicht einen Küstenwanderweg nehmen sollten, dazu schrieb die Mallorca Zeitung folgendes: „Besonders in den Küstenorten gibt auch die aufgewühlte See Grund zur Sorge. Zwar sind in Cala Millor, Cala Ratjada und Portocristo bisher keine Schneeflocken gefallen, dafür machen die meterhohen Wellen den Anwohnern in erster Meereslinie zu schaffen. Von Spaziergängen in Küstennähe wird weiter dringend abgeraten.“ Na prima, das klappt alles wunderbar. Der Kollege buchte sich ein Hotelzimmer und ich schloss mich später an. Wegen des Wetters habe ich nun endgültig die gebuchte Hütte verpasst und bin dafür im Luxus gestrandet. Dazu muss ich euch erklären, dass ich nicht nur einmal „Glück“ hatte, sondern auch gleich noch ein zweites Mal. In Mallorca ist morgen ein Feiertag und die Kinder haben die ganze Woche schulfrei. Deswegen sind fast alle Mallorquiner auf den Beinen und versuchen irgendwo einen billigen Kurzurlaub zu machen. Alles was halbwegs preiswert war ist also ausgebucht. Auch in den Hütten ist in der Regel in dieser Woche kein Platz wenn man nicht zeitig gebucht hat, weil diese einfachen Übernachtungen gerne von den Familien genutzt werden.

Als ich in meinem Hotel gelandet war habe ich erst einmal in Ruhe ausgepackt und nahm mir vor, danach noch eine kleine Wanderung zu unternehmen. Es gibt einen kleinen Berg auf den ich hätte hochlaufen können. Das habe ich auch versucht, aber der starke Sturm hielt mich davon ab in den Wald hinein zu gehen, das wäre einfach viel zu leichtsinnig gewesen.

Kaum hatte ich kehrt gemacht, fing es auch schon wieder an zu regnen und ich war in doppelter Hinsicht froh, dass ich mich so entschieden hatte. Jetzt sitze ich ganz gemütlich in meinem Hotelzimmer und habe ausreichend Zeit diesen Block zu schreiben.

Hier auch noch ein paar weitere Bemerkungen zu der Übernachtung in der Hütte. Das Abendessen in den spanischen Refugis gibt es immer 20 Uhr, da ist es gut noch eine Brotzeit für Zwischendurch im Gepäck zu haben. Als kleine Vorspeise gibt es Brot mit Olivenöl und Salz. Dazu muss man wissen, dass das Brot in Mallorca ungesalzen ist. Wenn man richtig hungrig ist, ist das eine total leckere Geschichte. Als Zweites gibt es dann einen großen Salat den man sich selber mit Öl, Essig, Pfeffer und Salz würzen kann. Der dritte Gang habe ich mir sagen lassen variiert jeden Tag ein wenig. In unserem Fall waren es Kartoffeln, Rindfleisch und Gemüse in einer Art grob geschnittem Eintopf.

Das war es dann auch tatsächlich noch nicht, es gibt einen kleinen vierten Gang und das waren eine Apfelsine und ein Apfel. Das Frühstück fällt dann wirklich etwas schmaler aus, aber das schreibe ich euch in einem der nächsten Berichte falls ich es schaffe noch einmal Anschluss an den ursprünglichen Zeitplan zu bekommen.
Ich treffe mich morgen mit meinem Schweizer Wanderfreund, um es ohne Regen und Sturm erneut zu versuchen.

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