4. Etappe – Vom Luxus in den Ziegenstall

Ein neuer Tag ist angebrochen und was soll ich sagen, es ist ein Sonnentag. Die halbe Strecke nach Lluc ist schon geschafft aber leider hat mein Mitwanderer gerade gemerkt, dass seine Jacke aus dem Rucksack raus gerutscht ist. Er hat das Gepäck abgestellt, ich warte und passe auf.

Er beginnt ein ganzes Stück zurückgelaufen in der Hoffnung, dass er alles wieder findet, es war auch Geld dabei. Ihr wisst ja wie ich bin, ich habe das nicht gesehen dass da irgendwas nicht mehr im Rucksack drin steckt, genauso wie ich nicht sehe wenn zu Hause mal die Bilder alle umgehangen sind. Ich drücke fest die Daumen dass er seine Jacke wieder bekommt. Die Wanderung bis hierher zur ersten Hälfte war wunderschön, die Sonne schien und die Berggipfel waren Schnee bedeckt.

Ich bin gespannt was da noch so als nächstes kommt. Weil hier heute Feiertag ist, sind viele Familien unterwegs um genauso wie wir eine Wanderung zu unternehmen. Es steht zum Teil noch manche Pfütze auf den Wegen und es liegen unglaublich viele umgestützte große und kleine Bäume auf dem Weg, die es zu übeklettern gilt. Wahrscheinlich ist die Jacke an einem dieser Bäume hängen geblieben und wir haben es nicht gemerkt.

Den bisherigen Text hatte ich während der zweistündigen Pause als ich auf Carlo wartete geschrieben. Die jetzt folgenden Zeilen entstanden einen Tag später.

Die Jacke war gefunden und so ging es mit zwei Stunden Verspätung weiter. Nach kurzer Zeit begann ein längerer Anstieg. Es waren so unglaublich viele Bäume umgestürzt, dass es kaum mal 20 m ungehindert voran ging. So etwas habe ich noch nie gesehen.

Wir haben uns etwa zwei Stunden durch diese Wildnis gekämpft und mit der Zeit wurden die erst winzigen Schneeflecken immer größer bis die Schneedecke geschlossen war bei einer Schneehöhe bis etwa 40 cm.

Zum Umkehren war es nach unserer Meinung zu spät. Zwei Mädels die wir dann trafen versuchten es, weil es ihnen unmöglich schien weiter zu kommen. Von diesem Abschnitt habe ich keine Bilder mehr, weil ich mit mir zu tun hatte und alle Reserven aufbieten musste um das zu schaffen. Der Weg war von riesigen umgestürzten Bäumen verbaut und ich glaube es war eines der größeren Abenteuer meines Lebens was es zu bestehen galt, einfach unglaublich. Wir kamen nur noch sehr mühsam voran, waren fertig, die Füße seit Stunden nass und merkten, dass wir das Ziel nicht erreichen konnten. Mit dem Gedanken draußen zu schlafen mussten wir uns jetzt beschäftigen. Wir kamen an einer Hütte vorbei, die sich als Schaf- oder Ziegenstall herausstellte. Es gab sogar einen Kamin, aber leider auch ein totes Schaf direkt davor. Das würde also nichts. Es ging mühsam mit eiskalten Füßen weiter. Auf der Karte war ein Bauernhof eingezeichnet den wir ansteuerten. Außer einem eingesperrten Hund war dort niemand. Es waren ziemlich große Tatzen im Schnee zu sehen, der Hund muß ein größeres Exemplar gewesen sein, aber keine Menschenseele weit und breit. Außerhalb des eingezäunten Grundstücks gab es einen offenen Geräteschuppen, der auch als Ziegenunterstand genutzt wurde, man konnte es an den frischen Ziegennorpeln auf auf dem Schnee erkennen. Den Stall kehrten wir ein wenig aus und machten uns aus abgebrochenen Zweigen ein Unterlage zum Schlafen.

Bild vom Morgen

Darauf kam ein Tarp und die Luftmatratze. Carlo machte sich noch etwas warmes zu Essen. Ich hingehen legte mich erstmal trocken. Die Daumenklamotten haben mir echt den Allerwertesten gerettet. Ohne Essen habe ich mich in meine beiden Schlafsäcke gekuschelt und gehofft, warm zu werden. Als es vollends dunkel war kam tatsächlich noch eine Ziege. Sie zögerte ein paar Minuten, lief an uns vorbei um wieder raus zu gehen. Sie tat mir ein bisschen leid, aber da musste sie durch. Ich glaube sie hat sich einen abgebrochenen Ast gesucht und sich dort in das Laub eingekuschelt. Ich hörte nachts immer wieder Ihre Glocke, was mein schlechtes Gewissen ein bisschen beruhigte.

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