5. Etappe – ein kalter Wintermorgen

Es wurde mit der Zeit wirklich angenehm warm im Schlafsack. Ich hatte mir noch die warme Sturmhaube und die dicken Handschuhe angezogen. Es war in der Nacht wohl eher ein ruhen als schlafen, aber wenigstens warm. Um zwei Uhr begann ein Hahn mit seinem Morgenritual, auch die Ziege bimmelte immer wieder kurz. Gegen vier schien die Kälte an ihrem Tiefpunkt angekommen zu sein. Ich schätze es waren wenigstens um die Minus fünf Grad. Um sieben Uhr standen wir auf. Bei mir gab es zwei Portionen Porridge und anschließend heißen Tee. Die Schuhe waren nass und leicht gefroren, deswegen mußte eine dünne Notfalldecke herhalten. Ich Schnitt zwei Stücke heraus um sie über die trockenen Socken zu wickeln. Das funktionierte sehr gut und ich behielt auf dem weiteren Weg trockene Füße. Nachdem alles zusammen gepackt und Wasser aufgefüllt war ging es weiter. Der Wasserfilter hat für die Trinkwasserversorgung beste Dienste geleistet.

Wir entschlossen uns zu versuchen die Straße zu erreichen. Durch den Frost der Nacht war die Schneedecke so gefroren, dass wir gut ohne einzusinken voran kamen. Einige Schafe kreuzten unseren Weg und es gab dann noch einen herrlichen Ausblick nach Pollenca.

Dort gab es auch kurz Netz für das Smartphone, so daß ich wenigstens eine Nachricht „alles ok“ nach Hause schicken konnte. Das Bild was ich dazu schickte war wohl eher beunruhigend. Wie ich später sah, hatte ich eine blutige Nase.

Auf der Hauptstraße angekommen versperrte uns ein verschlossenes Tor den Weg, zum Glück kein unüberwindliches Hindernis. Von der Straße aus waren es noch etwa sechs Kilometer bis zum angepeilten Refugi.

Es ging auf und ab, fing nochmal an zu hageln und als ich die Regenklamotten an hatte, war der Spuk wieder vorbei.

Auf dem Weg sahen wir noch ein paar Arbeiter, die die Sraße frei räumten. Gegen Mittag kamen wir überglücklich in unserem Refugi an. Wir belegten den Wäscheständer komplett mit unseren nassen Sachen und blieben die einzigen Gäste. Wir waren die Einzigen die es bis hierher geschafft hatten, eigentlich war die Hütte ausgebucht.

Aufgewärmt kochten wir uns in aller Ruhe ein Mittagessen auf dem Kamin und gönnten uns zwei Flaschen Wein bis zum Abend. Wir erführen, dass der Strom vom Generator kommt, weil Strom und alle Kommunikationsanlagen ausgefallen waren. Also keine Nachricht an die Familie. Es gab um zwanzig Uhr ein kräftiges Abendessen und danach fielen wir ins Bett. Wegen des Stromausfalls waren die Duschen kalt und wir verschoben diesen Punkt auf den nächsten Morgen.

PS: Es war ja nur ein Ziegenstall.

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