Alexander ist unterwegs

Reise- und andere Geschichten

Mit über 60 Jahren bin ich schon eine ganze Weile unterwegs und hoffe, dass noch einige Schritte dazu kommen

Kategorie: Abenteuer

Aktivitäten von ein bis zwei Tagen

  • Schon wieder Madeira (Teil 2) Wie geht`s mit Auto?

    Schon wieder Madeira (Teil 2) Wie geht`s mit Auto?

    Zurück am Auto gab es nun mehrere Möglichkeiten, zumindest Zwei: entweder ich suche mir einen Zeltplatz und ich fahre hin oder ich suche mir einen Parkplatz und eine schöne Wanderung zu einem Zeltplatz. Nach meinen Erfahrungen auf der letzten Madeiratour war die Entscheidung nicht schwer. Falls Du die Geschichte zu dieser Tour nicht gelesen hast oder ich das nicht so deutlich beschrieben habe, will ich das hier noch einmal wiederholen.

    Die Zeltplätze auf Madeira gibt es nicht wirklich, es sind von der Regierung ausgewiesene Trekkingplätze. Diese können sehr unterschiedlich sein. Schlimmstenfalls gibt es eine nicht ganz ebene Fläche und eine Bank. Bestenfalls gibt es eine wunderbare Wiese, fließend Wasser, ein großes überdachtes Grillhaus wo man auch bei miesen Wetter sitzen kann, ein WC welches den Namen verdient, und zahlreiche Sitzgelegenheiten.

    Wenn man vorher noch nie dort war, weiß man halt nicht was kommt. Ich weiß ja nicht ob Du auch so ein Nerd bist, aber wenn ich dann irgendwo ankomme und es gefällt mir überhaupt nicht (und das hat nichts mit der Ausstattung zu tun), dann ist das schon doof und es kann mir total die Stimmung vermiesen. Deswegen entschied ich mich für Möglichkeit eins. Wenn mir der angesteuerte Platz nicht gefällt, fahre ich einfach zum Nächsten, eine kleine Wanderung findet sich auf Madeira überall. So suchte mir also einen Platz und fuhr dort hin. Zu den Plätzen führen fast immer Straßen, das macht die Sache einfach.

    Der eigentlich geplante Platz „Terreiros – Santa Cruz“ fiel schon einmal aus, weil dort auf der Straße gerade Asphalt neu eingebaut wurde. Das war laut und roch natürlich auch stark. Der nächste Platz „Cruzes de Baixo“ war nur ein paar hundert Meter weiter gelegen und war so… na ja. Er bestand aus einer großen Wiese, einigen Sitzgelegenheiten, war grundsätzlich schön und holte mich irgendwie doch nicht ab wie man das neudeutsch so sagt.

    Ich machte dort wenigstens meine Mittagspause, kochte mir was zu Essen und fuhr weiter nach „Chão das Feiteiras“. Der Platz gefiel mir sofort. Es gab zwar auch nur Wiese und Bänke (das Wasser funktionierte nicht), aber irgendwie war das mein Platz. Ein wunderbarer Blick zum Arreero, dem zweithöchsten Berg Madeiras, gab möglicherweise auch den Ausschlag.

    Vielleicht spielte auch das wunderbare Wetter eine Rolle. Die Sicht war jedenfalls so gut, dass ich erstmalig mit dem großen Teleobjektiv experimentierte.

    Es war erst zeitiger Nachmittag und deswegen suchte ich mir noch eine kleine Tour. In etwa 3 km Entfernung von meinem Standort war ein weiterer Trekkingplatz eingezeichnet. Den wollte ich mir auf jeden Fall ansehen, vielleicht war er sogar noch schöner als der, den ich gerade erreicht hatte und außerdem war dort ein Wasserfall eingezeichnet. Deswegen nahm ich mein ganzes Equipment mit, lies das Auto stehen und lief los.

    Die Landschaft war sehr weit und offen, es machte wirklich Spaß bei diesem tollen Wetter draußen zu sein. Ich tat etwas, was ich bei Familienwanderung immer zu vermeiden versuchte, ich begann die Wanderung Berg ab. Daran ließ sich allerdings nichts ändern denn der Zielpunkt lag nun einmal 400 m tiefer.

    Der Weg verlangte an einer Stelle links abzubiegen jetzt änderte sich die Landschaft, sie war nicht mehr offen sondern es ging durch den Wald, er führte in zahlreichen Serpentinen geradewegs Berg ab. Er endete auf einer Asphaltstraße wo auch gerade Bauarbeiten stattfanden, auch dort wurde gerade neuer Asphalt verlegt. Nach etwa 100 m bog der kleine Pfad wieder nach links ab und es ging erneut durch den Wald. Nach einigen hundert Metern erreichte ich den kleinen Biwakplatz. Er war wirklich winzig, nur eine kleine Lichtung und eine kleine Grillstelle, ein kleiner Bach floss in unmittelbarer Nähe vorbei.

    50 m weiter fand ich dann auch den Wasserfall. Leider kam ich nicht nahe genug heran um das Spektakel genau zu sehen, denn ein Teil des Wassers ergoß sich in großer Menge von links her, allerdings Intervallweise. Man kann es auf den beiden nachfolgenden Fotos erkennen

    Nach den Fotos ging es schon wieder auf den Rückweg. Das dauerte jetzt natürlich länger, es war natürlich die gleiche Entfernung, aber jetzt ging es stetig bergan.

    Am Auto angekommen begann ich mein Lager einzurichten und baute das Zelt auf. Es war gar nicht so einfach auf der großen, man kann schon sagen riesigen, Wiese einen Platz zu finden ein mal zwei Meter, der halbwegs gerade ist.

    Nach getaner Arbeit bereitete ich mir mein Abendessen, als es begann zu dämmern zog Nebel und Sprühregen auf und ich verzog mich relativ schnell ins Zelt. Noch ein bisschen gedöst, noch ein Stück Film geguckt, keinen Gefallen dran gefunden und schließlich alles weggelegt und schlafen gegangen. Mal sehen was der nächste Tag bringen wird.

  • Schon wieder Madeira (Teil 1) Ankunft und Start

    Schon wieder Madeira (Teil 1) Ankunft und Start

    Ja Leute, wie kommt man auf die komische Idee nach zwei Monaten erneut eine Woche nach Madeira zu fliegen? Weil die alten weißen Männer, zu denen ich zweifellos gehöre, den Planeten an den Abgrund geführt haben dachte ich, auf die eine Reise mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an. Ja wenn alle so denken würden? Keine Ahnung, aber da wäre es hier auf Madeira ziemlich überfüllt.

    Wenn ich an die anderen Fluggäste denke, spielen aber auch sowohl alte weiße (in der Mehrheit gefärbte) Frauen als auch Familien mit Kleinkindern eine Rolle bei der Zerstörung des Planeten. Schade, die Story mit den alten weißen Männern ist wohl doch nicht die ganze Wahrheit.

    Tatsächlich war es natürlich ganz anders, Condor machte mir ein unwiderstehliches Angebot auf welches ich, als braver Konsument, einfach reingefallen bin. Außerdem fliegt Luisa Neubauer auch ständig durch die ganze Welt um das Klima zu retten, da dachte ich mir, ich mach da einfach mit, jede Unterstützung hilft.

    Am Donnerstag, dem 30.01.2025 ging es von Leipzig – Halle los. Ich wunderte mich etwas, dass die Crew auch aus alten weißen Stewards anstelle wunderbar geschminkten jungen Stewardessen bestand, das Alles hatte schon den Anschein eines Komplotts.

    Die Landung auf Madeira war sehr spannend. Der starke Wind aus Nordost, der uns eine Stunde Vorsprung verschafft hatte, wurde am Flughafen auf Madeira zu kräftigen Fallböen. Der Pilot musste ständig korrigieren weil die Turbulenzen bis zum Aufsetzen erheblich waren. Als er uns unmittelbar vor der Landung zweimal ermahnte dass auch ja alle angeschnallt seien sollten, wurde es relativ ruhig. Als wir dann aufgesetzt hatten gab es heftigen Applaus und er meldete sich erneut: „Habe ich da gerade eine gewisse Erleichterung in Ihrem Applaus gehört?“ und man konnte das Grinsen in seinem Gesicht direkt spüren. Ich war auch erleichtert, dass der Pilot eine weitere Verschmutzung der Weltmeere verhindern konnte. So viele Flugzeugteile an den Küsten Madeiras ist keine schöne Vorstellung.

    Um dem Planeten vollends den Rest zu geben, hatte ich bei der Autoverleihfirma „Madeira rent“ natürlich noch ein Auto bestellt. Bei dieser Firma hatte ich, als ich gemeinsam mit meiner Frau vor zwei Jahren hier auf Madeira unterwegs war, bereits schon einmal ein Auto gemietet. Es war irgendwie lustig, denn sie kamen mit der gleichen Masche wie damals um die Ecke. Ein größeres, stärker motorisiertes Auto würde die steilen Berge hier viel besser rauf kommen und das größere Auto würde mich nur 100 € mehr kosten.  Ich ließ mich ziemlich schnell bequatschen, denn schließlich bekommt man mit einem größeren Auto das Weltklima noch viel besser und schneller gerettet.

    Falls sich hier irgendjemand fragt, warum ich es ständig mit dem Weltklima habe, die Antwort ist ganz einfach: Ich habe hier beim Schreiben so ganz nebenbei ein Schlückchen Rotwein hintergekübelt, das hat meine Kreativität in besondere Bahnen gelenkt und meine philosophische Seite geweckt.. Ich glaube, wenn ich in meinem Leben mehr getrunken hätte, wäre glatt ein Schriftsteller aus mir geworden. Jetzt, wo die halbe Flasche leer ist und meine Gedanken müde werden, mache ich erstmal Schluss und schreibe morgen weiter.

    Da habe ich ganz schön viel geschwafelt und bin erst bis zur Abholung des Autos gekommen. Das kann ja noch dauern. Als erstes bin ich in den Supermarkt in der Nähe des Flughafens gefahren. Ich war unglaublich stolz, dass ich den Weg auf Anhieb gefunden habe. Hauptsächlich brauchte ich Wasser und nach Möglichkeit Brennstoff für einen Kocher. Gaskartuschen gab es zwar nicht, aber in der Grillabteilung fand ich eine Flasche Brenngel. Das war besser als nichts und es stellte sich als sehr brauchbar heraus. Nach dem Einkauf sollte es in Richtung „Canical“, an den östlichsten Zipfel Madeiras gehen, dort begann ich zwar schon die letzte Tour, aber der winzige Platz ist einfach schön und mit 4 km Wanderung bei knapp 400 Höhenmetern vom Parkplatz aus auch nicht zu anstrengend für den ersten Tag. Auch wegen der wunderbaren Sonnenauf- und Sonnenuntergänge sollte man ihn einmal besuchen. Diesmal blieb ich fast allein dort auf dem kleinen Platz, es kam nur eine Wanderin dazu.

    Der nächste Morgen begann mit schönstem Sonnenschein, so wie auch der vergangene Tag zu Ende ging. Ich stand schon mit Beginn der Morgendämmerung auf und testete mein neues Windlicht (mit Kultstatus) welches mir meine Kollegen zum 60. Geburtstag geschenkt hatten, das macht echt was her und trotzt tatsächlich dem Wind.

    Der östliche Teil Madeiras ist sehr kahl und nur mit wenigen Gräsern und einigen Blumen bewachsen. Die auf den Bildern zu sehenden Palmen sind die einzigen auf der Halbinsel. Jetzt, Ende Januar, ist es durch die Regenzeit recht grün. Die Küsten sind schroff und felsig, aber die Brandung ist auf der Südseite meist milder als auf der Nordseite.Das kleine Rondell auf dem dritten Bild ist der Biwakplatz.

    Ich konnte von diesem Zipfel sogar mein Leihauto auf dem Parkplatz sehen (nur mit dem Telepbjektiv, das einsame links stehende) und es bleibt es nicht aus, dass mit dem ersten Tageslicht auch die ersten Flugzeuge auftauchten, denn der Flughafen liegt an dieser Küstenseite.

    Am Morgen tauchte auch ein Fischerboot auf und ich konnte den Männern bei der Arbeit zuschauen.

    Das Zelt war abgebaut, die Sachen waren gepackt und es ging 4 km über diese karge Gegend zurück zum Parkplatz.

    Ich war mir noch nicht sicher wie ich diese Reise angehen würde, denn mit Trekkingausrüstung und Auto hat man doch mehr Möglichkeiten. Zumindest sah ich mir noch ein paar spektakuläre Felsen auf der nordöstlichen Seite an.

    Wie es weiter gegangen ist, erfährst Du im nächsten Teil der Geschichte.

  • (60.) Geburtstag einmal anders

    (60.) Geburtstag einmal anders

    Die Geschichte meiner Geburtstagsreise, 21.11. – 28.11.2024 war noch nicht aufgeschrieben, als ich zwei Monate später eine zweite Reise nach Madeira unternommen habe. Was die „Körperfresser 2“ mit der Nacht vom 25. auf den 26. November, meinem Geburtstag, zu tun haben, werde ich hier an späterer Stelle noch berichten, habt Geduld.

    Am 21.11.2024 ging es vom Flughafen Leipzig-Halle los.

    Die Verbindung Leipzig – Madeira findet mit Condor immer Donnerstags statt, sowohl der Hinweg als auch der Rückweg. Ich hatte mir vorgenommen eine Wanderung auf der Ostseite der Insel zu machen. Der aufmerksame Bertrachter der Karte wird erkennen, dass ich mir diemal die Probleme bereits vor Beginn der Reise eingebaut habe.

    Wenn man Outdooractive nutzt sollte man gelbe Ausrufezeichen nicht ignorieren oder übersehen.

    Am Flughafen angekommen nahm ich mir ein Taxi. Wir steuerten als erstes einen Supermarkt an und ich kaufte Wasser, denn am östlichen Zipfel der Insel in São Lourenço findet man keine Quelle, ein Levada oder etwas ähnliches. Dann fuhren wir zum letzten mit dem Auto erreichbaren östlichen Zipfel, ich zahlte 35 Euro und los ging es zum Biwakplatz Ponta de São Lourenço. Der Weg führt durch eine karge Landschaft mit hunderten Touristen, so ehrlich will ich sein, und nach knapp 4km kam ich an dem winzigen Platz an, baute mein Zelt auf, und quatschte nach dem Sonnenuntergang noch mit einem deutschen Pärchen welches seinen Urlaub gerade beendete. Sie wollten Ihre restlichen Vorräte loswerden und so konnte ich ein fürstliches Abendessen genießen.

    Für den nächsten Tag hatte ich mir eine Etappe zu einem in Outdooractive eingezeichneten, nicht offiziellen Biwakplatz vorgenommen. Ich startete früh und es ging wieder durch die karge Landschaft zurück. An der Straße angekommen ging ich querfeldein zur Nordküste. Ich ging dann wieder auf die Straße zurück, weil ich nicht annähernd so höhentauglich bin wie ich es gern wäre. Auf den Wegen an der Steilküste, welche in den senkrechten Felschen gehauen sind, waren auch schon von weitem kleine Erdrutsche zu sehen, das war mir einfach zu krass und ich ging erneut die Straße entlang. In Caniçal an der Tankstelle kaufte ich mir Wasser, weil ich mir nicht sicher war, ob ich unterwegs etwas finden würde. Dieser Teil der Insel war relativ trocken. Weiter führte mein Weg etwas von den Klippen entfernt zum Boco do Risco wo ich mit bester Aussicht bei viel Wind mein Zelt aufbaute. Ich wanderte 15,8 km und lief dabei 839 m aufwärts und 553 m abwärts.

    Am nächsten Morgen ging es zeitig weiter. Auch diesmal zog ich es vor, einen Weg in einiger Entfernung zur Steilküste zu nehmen. Ich hatte mir Porto da Cruz als Ziel vorgenommen denn dort hatte ich mit ein Zimmer reserviert.

    Der Beginn des Weges war sehr anstrengend, denn es ging nur bergauf. Als der Gipfel des Boca do Risco erreicht war, wurde der Weg sehr bequem. Es ging auf einem zweispurigen Weg leicht bergab. Das letzte Stück bis zu den ersten Häusern des Ortes war ein schmaler steiler Abstieg mit zahlreichen Serpentinen. Auf der von diesem Text aus oben befindlichen Karte mit dem Track kann man erkennen, warum die Entfernungsangaben bei Outdoractive in den Bergen immer zu kurz sind: Es sind bei weitem nicht alle Serpentinen eingezeichnet.

    Irgendwann bin ich dann tatsächlich unten am Meer angekommen und habe mir erstmal etwas zu Essen gekocht und das Wetter für den nächsten Tag gecheckt. Es war tatsächlich mies vorher gesagt. Als ich dann noch die Strecke für den nächsten Tag anschaute fielen mir auch endlich die gelben Ausrufezeichen auf und ich merkte endlich, dass der Gipfelweg gesperrt war. Was war ich doch für ein Idiot.

    Beides, das vorhergesagte Wetter und die Aussicht, dass ich meine geplante Route ohnehin nicht laufen konnte, ließ mich meinen Vermieter fragen ob ich eine Nacht länger bleiben könnte, was kein Problem war. Deswegen unternahm ich am nächsten Tag nur eine kleine Rundtour.

    Diesmal erkundete ich, nachdem der morgentliche Regen nachgelassen hatte, einen Teil des Weges an der Steilküste. Bis zum ersten Wasserfall kam ich, aber der nasse rutschige Boden ließ mich umkehren. Unten am Meer angekommen kochte ich erneut am steinigen Strand, um mir danach ein schönes Glas Wein zu gönnen.

    Für den nächsten Tag, meine Tour war ja inzwischen über den Haufen geworfen, bestellte ich ein Taxi, denn es war kein Weg eingezeichnet auf den ich hätte, ohne dutzende Kilometer Mehrweg in Kauf zu nehmen, ausweichen können. Ich ließ mich auf den Pico do Arieiro fahren. Als Tagesziel nahm ich mir den Biwakplatz Poiso vor.

    Jetzt kommen wir der Geschichte „Körperfresser 2“ langsam näher.

    Ehe ich von der Tagesetappe herab vom Pico do Arieiro erzähle schaut Euch das letzte Bild hier oberhalb des Textes an. Was seht Ihr dort?

    Die Sicht auf 1800m war so na ja… Es war bei Nebel und Sprühregen ziemlich kalt. Da auch hier massenhaft Leute auf dem Berg waren, begann ich schnell mit dem Abstieg. Mit jedem Höhenmeter wurde das Wetter ein bisschen besser und die Temperatur etwas höher, so dass ich bald in der schönsten Sonne unterwegs war. Die Vegetation wurde nach Anfangs fast ausschließlich nur Ginster, etwas vielseitiger, Praktischerweise hatte ich bei einer kleinen Rast meine Brusttasche liegen gelassen. Drei Kilometer später bemerte ich mein Mißgeschick und verlängerte so meine Tagesetappe zusätzlich. Am Biwakplatz Poiso angekommen stellte ich fest, dass es noch viel zu zeitig war um hier mein Lager aufzuschlagen. Außerdem war hier weit und breit niemand zu sehen und ich hatte irgendwie Lust, auch mal andere Leute zu sehen und mal ein Wort zu wechseln.

    Es ging also weiter. Wenige hundert Meter weiter machte ich eine Rast an einer Gaststätte. Dann stieg ich weiter ab um drei weitere eingezeichnete Plätze in Augenschein zu nehmen. Dort angekommen machte sich bei mir eine große Trostlosigleit breit. Die drei Plätze gehörten irgendwie zusammen und waren auf mehreren Ebenen verteilt. Die Wiesen waren gemäht bzw. von Ziegen kurz gehalten, die sanitären Anlagen verschlossen und die Sitzgelegenheiten ziemlich vergammelt. Das trostlose an dieser Situation war, dass 200 bis 400 Zelte dort Platz gehabt hätten und ich der einzige Mensch weit und breit war. Hier wollte ich nicht bleiben um am nächsten Morgen in mein 61. Lebensjahr zu starten. Es war noch eine gute Stunde bis es anfing zu dämmern und so machte ich mich im Eiltempo an den weiteren Abschieg, um am Campingplatz Naturanza Holistic Camping in Funchal anzukommen. Es war bereits dunkel als ich am Ziel war. Was soll ich sagen… den Platz gab es nicht mehr. Was für eine Scheisse.

    Ein freundlicher Portugiese der offensichtlich einen Teil des Grundstücks gekauft hatte und dort am Bauen war, bot mir an mein Zelt dort aufzubauen, er wohnte eh noch nicht dort. Ich war Ihm sehr dankbar, auch wenn es schwierig war auf diesem Messigrundstück ein 2 qm großes Plätzchen für mein Zelt zu finden.

    Jetzt noch einmal zum obigen Bild, man sieht da unter anderem zwei melonenartigen Gewächse. Bei den Körperfressern stecken darin Außerirdische, die, sobald Du eingeschlafen ist, Deinen Körper umschlingen und Deine Seele stehlen. Wenn Du aufwachst siehst Du genau so aus wie vorher, aber Deine Gefühswelt ist für immer verloren – tolle Aussichten für die Nacht vor dem 60. Geburtstag.

    Der Morgen kam, die Melonen waren ungeöffnet noch an Ort und Stelle, da hab ich nochmal riesen Schwein gehabt.

    Nach einem zeitigen Frühstück packte ich zusammen, buchte mir mit booking.com ein preiswertes Hotel für die letzten zwei Übernachtungen und verbrachte den restlichen Tag in Funchal.

    Am nächsten Morgen meldete ich mich für einen Tagesausflug an, wurde pünktlich von einem Kleinbus abgeholt und machte eine Levadawanderung. Ohne eigenes Auto ist das eine relativ preiswerte Möglichkeit woanders hin zu kommen.

    Nach der Rückkehr ging es am Nachmittag noch einmal nach Funchal und ich blieb bis zum Abend in der Stadt und nahm Abschied.

    Meinen Geburtstag hatte ich mit mit zeitigem Aufstehen und Sonnenaufgang auf dem Pico Ruivo vorgestellt, aber: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.