Kategorie: Kleine Abenteuer

Aktivitäten von ein bis zwei Tagen

  • Madeira Februar 2024 Teil 3 von Chao dos Lours nach Estanquinhos

    Unser Tag begann mit dem Sonnenaufgang. Zehn Stunden am Stück hatte ich schon seit Langem nicht mehr geschlafen. Meine Begeisterung für das neue Equipment, was ich mir in den letzten Wochen gekauft hatte, war groß. Das Zelt von Sierra Designs zeigte am Morgen keine Spuren von Kondenswasser. Darüber freute sich auch der neue Daunenschlafsack von Cumulus sehr. Es war während der Morgendämmerung etwas windig, so dass wir uns zum Kaffeekochen in einen etwas schäbigen Unterstand aus Beton zurückzogen. Wir waren zumindest vom Wind gut geschützt.

    Nach dem Frühstück ging es ans zusammenpacken. Es war sonnig, vor uns lag eine Etappe die 12,9km lang sein sollte.

    Gegen 10:30 Uhr starteten wir. Als erstes wurde schnell noch einmal die Wegstrecke kontrolliert. Das erste Stück war ein leichter Anstieg welcher uns zu einer Levada führte. Nach dem grauen Wetter zu Hause waren die Frühlingstemperaturen und der Sonnenschein einfach großartig.

    Wir kamen an eine Straße an der ein kleines Ausflugslokal stand. Hier begann endlich die Levada. Die Levadas haben den großen Vorteil dass es fast keine Höhenmeter gibt. Am Beginn stand ein schönes Schild, man hätte glatt denken können in Deutschland zu sein.

    Der Weg war sehr bequem, es waren wenige Leute unterwegs. Nach einer halben Stunde teilte sich die Levada auf, ein Teil kam vom Rande des Bergs ein anderer Teil aus dem Berg. Wir liefen etwa 100m weiter bis ich realisierte dass unser Weg durch den Berg führt. Es ging also wieder ein Stück zurück und wir stiegen in unseren ersten Levadatunnel.

    Mein Neffe hatte einige Utensilien für quer auf den Rucksack gepackt. Der Tunnel war zu schmal und zu niedrig, um den Rucksack auf den Schultern zu lassen. Er setzte ihn ab und trug ihn vor der Brust seitlich verdreht durch den etwa 1000m langen Tunnel. Ich hätte auf keinen Fall tauschen wollen. Das war eine echte Anstrengung und Leistung, und es war der erste von vier Tunneln an diesem Tag. Nach dem zweiten Tunnel sollte der geplante Weg auf einer Länge von etwa 4km mit einem Abstieg etwa 150m nach unten und danach wieder 150m nach oben verlaufen, um wieder an der Levada anzukommen. Ich entdeckte auf meiner Karte dass es angeblich auch einen Weg durch zwei weitere Tunnel geben sollte. Damit konnte man die Höhenmeter und 2km Weglänge einsparen. Für Abkürzungen bin ich immer zu haben, fragt mal meine Kinder. Ich hatte ja mit den Tunneln keine Probleme, ich bin kleiner als mein Neffe und mein Rucksack war schmaler, ich kam da gut durch, er nicht. Ich glaube als ich meinen Willen durchsetzte und wir den dritten Tunnel nahmen, stellte das unsere Freundschaft ein bisschen auf die Probe zumal ich den vierten Tunnel wohl vergessen hatte zu erwähnen (ich bitte an dieser Stelle um Verzeihung). Zwischen den Tunneln erwarteten uns kurze Passagen im Freien und wohin man auch schaute, es gab überall Wasserfälle.

    Nach insgesamt etwa 4km Levadatunnel ging es endlich wieder durch die satte grüne Landschaft. Der Weg führte noch ein Stück an dem Levadalauf entlang. An einem Haus angekommen mussten wir uns von diesem ebenen Weg verabschieden und es begann ein langer Aufstieg.

    Der Aufstieg hatte es für meine bescheidenen Verhältnisse in sich. Er war 7km lang und es waren ungefähr 600 Höhenmeter zu überwinden. Der Weg war leider nur aus losen Gesteinsbrocken, so dass man jeden Schritt einzeln setzen musste, um ein Abrutschen oder Umknicken zu vermeiden.

    Als wir endlich auf dem Gipfel angekommen waren und unserem Biwakplatz erreicht hatten, schlug das bis dahin schöne sonnige Wetter um. Von dem vor uns liegenden Hochplateau zog aus der Ferne Nebel auf uns zu. Wir bauten in Rekordtempo unsere Zelte auf und keine Minute später begann es zu regnen. Wir hatten wirklich großes Glück, dass wir nicht mehr nass geworden sind. Zu dem Regen kam auch schnell die Dunkelheit. Mein Neffe rief an und wünschte mir eine gute Nacht. Auf diesem Platz gab es keine Möglichkeit zum Unterstellen, deswegen fiel das Abendessen aus.

  • Madeira Februar 2024 Teil 2 Chao dos Louros – Start mit Hindernissen

    Ich hatte schon davon gehört, dass der Flughafen auf Madeira zu den Schwierigsten der Welt gehört. Die Piloten benötigen wohl eine extra Lizenz um ihn anfliegen zu dürfen. Mein Sohn fuhr uns am Donnerstag früh zum Flughafen Leipzig-Halle. Diverse Wettervorhersagen hatten eine ganze Menge Wind vorhergesagt. Es kam wie es kommen musste, der Flug wurde eine Stunde vor dem Start wegen der Wetterbedingungen vor Ort abgesagt. Was für ein riesen Mist, das war zumindest der erste Gedanke. Der zweite war: Wir wollen ja auch heil ankommen, da kann man halt nichts machen. Wir ließen uns wieder abholen, besprachen zu Hause die neue Lage und setzten uns an den Rechner.

    Für Freitag war immer noch starker Wind auf Madeira vorhergesagt, es lohnte sich also nicht einen Flug für den kommenden Tag zu suchen. Wir fanden dann eine Variante die zugegeben etwas schräg war, uns aber wenigsten eine Anreise am Sonnabend Mittag auf Madeira bescheren sollte. Wir starteten am Freitag Abend in Leipzig, flogen nach Wien, von dort weiter nach Prag und am Morgen sollte es von Prag aus nach Madeira gehen. Um die Nacht in Prag nicht auf dem Flughafen verbringen zu müssen, suchten wir uns ein Zimmer am Flughafen. Wir kamen schnell überein, dass wir uns diesen Luxus gönnen sollten.

    Etwas weniger Komfort hätte durchaus gereicht, aber die einfachen Hotels am Flughafen waren ausgebucht. Ohne Frühstück checkten wir am Morgen aus. Es waren etwa 5 Gehminuten bis zum Check in des Flughafens. Endlich ging die ersehnte Reise tatsächlich los, auch die Wetterberichte gaben grünes Licht für eine Landung auf Madeira.

    Wir landeten gegen 13 Uhr auf Madeira. Der kleine Flughafen am Rande der Berge, auf Betonsäulen stehend, ist schon besonders anzusehen. Ich hatte bereits bei der Planung nach Busverbindungen auf Madeira geschaut, diese waren, anders als vor einem Jahr auf Mallorca, nicht so besonders toll für unsere Pläne. Apropos Pläne: Uns fehlten ja nun zwei Nächte, so dass wir beschlossen auf dem dritten ursprünglich angepeilten Biwakplatz zu beginnen. Dadurch wurde die Anfahrt mit einem Taxi um einiges länger. Weil wir ohnehin durch Funchal mussten, legten wir einen kurzen Halt beim örtlichen Decathlon ein um zwei Gaskartuschen zu kaufen. Nach insgesamt etwa einer Stunde Fahrt und 90 Euro weniger im Portmonaise konnte die Tour nun endlich beginnen. Der erste Platz war Chao dos Louros, ein Platz auf dem locker 20 Zelte unterkommen könnten.

    Als Erstes wurden die Zelte aufgebaut und der Platz erkundet. Es gibt wohl auf fast allen Plätzen auf Madeira fließendes Wasser. Dazu braucht dort keine Pumpen, es wird einfach eine etwas oberhalb liegende Quelle, von welchen es wohl unzählige auf der Insel gibt, mit einem PE-Schlauch abgegriffen, so dass es dann am Wasserhahn immer Wasserdruck allein durch den Höhenunterschied gibt. Das ist echt eine tolle Sache. Toiletten waren zwar vorhanden, aber na ja…

    Am anderen Ende des Platzes kam dann noch ein Zelt hinzu aber es ergab sich keine Begegnung. Wir machten, als es dann schon langsam Abend wurde, noch eine kurze Wanderung, um einen ersten Eindruck von der Natur zu bekommen und nach dem Stress der Anreise richtig durchzuatmen und anzukommen.

    Sonnenuntergang ist Mitte Februar gegen 18:45 Uhr auf Madeira. Beim Abendessen erhofften sich die zahlreichen Madeirabuchfinken Ihren Teil von den Nudeln zu bekommen.

    Wir sid dann recht bald in die Zelte gekrochen um am nächsten Tag fit für die erste „echte“ Wanderung zu sein.

  • Madeira Februar 2024 Teil 1 Vorbereitung

    Um der Schwermut des Winters, den ich zu dieser Jahreszeit immer häufiger empfinde, etwas entgegen zu setzen, plante ich eine Woche wandern auf Madeira. Die Insel des ewigen Frühlings sollte die richtige Therapie gegen diesen Winterblues sein. Anders als im vergangenen Jahr auf Mallorca fand ich mit meinem Neffen einen Mitstreiter der bereits von Anfang an mit dabei war. Der Plan sah vor, vom 08.-15. Februar von Leipzig aus auf die Insel zu fliegen. Ich hatte bereits über die Weihnachtstage begonnen, die Route zu planen.

    Dieser Plan hier ist die Variante 3. Als Vorlage und Anregung verwendete ich das Buch von Täve Supertramp „Madeira – Trekking mit Zelt“. Es gibt zwar auch zahlreiche Beiträge dazu im Netz, aber ein Buch ist dennoch eine schöne Möglichkeit, sich mit einem Thema intensiv zu befassen.

    Auf Madeira gibt es ausgewiesenen Trekkingplätze welche man kostenlos nutzen kann, einzige Bedingung ist eine vorherige Anmeldung auf der Seite https://simplifica.madeira.gov.pt/services/8-25-101. Für die Plätze ist das Institut für Wald und Naturschutz in Funchal zuständig. Die Plätze sind zwar etwas ungleichmäßig über die Insel verteilt, aber man bekommt dennoch eine Route mit Tagesabschnitten um die 10 – 14km zusammengestellt.

    Es gibt die Seite des Instituts für Wald und Naturschutz auch in einer deutschen Übersetzung. Im Netz fand ich Hinweise, dass man unbedingt die potugisische Variante benutzen sollte, weil sonst durch die Übersetzung sehr viele Fehler bei der Auswahl auftreten würden. Das kann ich so nicht bestätigen, die deutsche Übersetzung ist sehr gut. Ich hatte bei der Buchung ganz andere Probleme. Ich war es bisher gewohnt eine Übernachtung, egal ob im Hotel oder auf einem Campinglatz, vom Anreise- bis zum Abreisetag zu buchen. Es brauchte mindestens 10 Anläufe bis ich merkte, dass man hier nur den Arreisetag buchen musste, weil man ansonsten für den Folgetag keinen anderen Platz mehr auswählen kann. Auf der Lizenz steht dann tatsächlich dass man am Tag x den Platz y von 0 – 24 Uhr nutzen kann. Das ist natürlich etwas eigenartig, aber als ich herausbekommen hatte wie es funktioniert, war es ein Kinderspiel die Lizenz zu bekommen. Am Ende der Anmeldeprozedur konnte ich mir das Ganze als PDF selbst ausdrucken.

    In der Praxis erwiesen sich die Entfernungen, welche Outdooractive ermittelt hatte, als zu kurz angegeben. So wurden aus geplanten 11km auch tatsächlich mal 20km. Man sollte also nicht zu lange Etappen planen, länger werden sie von ganz allein.

    Jetzt galt es noch den Flug zu buchen. Condor fliegt immer Donnerstags von und nach Leipzig, wir einigten uns auf einen Termin und so war ein großer Teil der Vorbereitungen abgeschlossen.

    Bis zum Abflug war ich mit der Packliste beschäftigt. Was braucht man unbedingt? Welchen kleinen Luxus möchte man mitnehmen? Wie ist letztendlich das Gepäckgewicht? Manch Einer wird sich fragen wie ich mich so lange an diesen Fragen aufhalten kann. Es ist ganz einfach: Ich habe meinen Spaß dran, Vorfreude ist ein kleines Glück. Am Ende war ich bei einem Rucksackgewicht mit Essen für 7 Tage bei etwa 14kg. Das Trinkwasser und der Fotoapparat kamen da natürlich noch dazu. Der kleine Luxus war dann übrigens echter Filterkaffee.

  • Drei Tage Sächsische Schweiz 29.9.-1.10.23

    Recht kurzfristig kam mir die Idee, ein Wochenende auf dem Forststeig Sächsische Schweiz Wandern zu gehen. Ich hatte bei meinen Recherchen nach offiziellen Biwakplätzen diese Möglichkeit bereits im Sommer entdeckt. Ich fragte meinen Neffen ob er Lust auf so eine Tour Lust hätte. Wir fanden einen Termin und so ging es am 29.09. früh um 8 Uhr mit dem Auto in Richtung Dresden los. Wie üblich gab es am Dreieck Nossen einen ordentlichen Stau. Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir auf dem Park & Ride Platz am Busbahnhof in Pirna an. Der Parkplatz war sehr voll und wir quetschten das Auto in die letzte etwas zu schmal geratenen Lücke. Mein Neffe mußte einparken, ich hätte nicht durch den schmalen Spalt zwischen Auto und Tür gepasst. Auf dem zentralen Busbahnhof sollte es Trekkingtickets geben. Diese Tickets kosten pro Stück 10 Euro und man braucht diese, wenn man auf einem der Trekkingplätze mit dem Zelt oder in einer Trekkinghütte für eine Nacht bleiben will. Wir erfuhren, dass diese Info falsch war und die nette Dame am Schalter sagte uns, dass die Tickets auf dem Bahnhof in Bad Schandau verkauft würden. Wir nahmen die S-Bahn nach Bad Schandau, kauften die Tickets und wenn wir nicht noch ein Formular dafür hätten ausfüllen müssen, wäre uns der Anschlusszug nach Schöna nicht vor der Nase weggefahren.

    Die S-Bahn fuhr zum Glück im 30-Minuten Takt, so dass es nicht weiter schlimm war. Wir hatten dadurch halt eine kleine Pause und konnten die ersten schönen An- und Aussichten auf die Sächsische Schweiz genießen. Das Wetter war sonnig, etwas über 20 Grad und es versprach ein gutes Wanderwochenende zu werden. In Schöna angekommen entdeckten wir nach der Bahnunterführung den ersten Hinweis auf den Forststeig.

    Es ging die ersten Höhenmeter nach oben, wir kamen schließlich vom tiefsten Punkt des Elbsandsteingebirges, der Elbe, und mussten als erstes aus diesem tief eingeschnittenen Tal heraus. Der Weg führte an den ersten überhängenden Felsen vorbei und gelegentlich eröffnete sich ein Ausblick zwischen den Bäumen hinunter zur Elbe.

    Nach jedem Aufstieg kommt bekanntlich irgendwann wieder ein Abstieg, wir kamen zum ersten Bach und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich mir diese Tour genau so vorgestellt hatte. Auch wenn ich schon sehr lange nicht mehr in der sächsischen Schweiz gewesen bin, wurden schnell die Erinnerungen an frühere Reisen in diese wunderbare Landschaft wach.

    Auf dem Weg zum großen Zschirnstein ging es immer wieder auf und ab, an einer Wanderhütte vorbei und auf den letzen Metern wurde der Aufstieg recht steil. Oben angekommen wurde man, wie nach fast jedem Aufstieg in der Gegend, mit tollen Aussichten belohnt.

    Nach einer kleinen Pause zum Verschnaufen ging es weiter. Der Forststeig umrundet den großen Zschirnstein. Wir verpassten den Abzweig nach rechts und machten den ersten ungeplanten Umweg. Nach etwa 400 Metern bemerkten wir unser kleines Missgeschick und liefen wieder zurück. Wir fanden die gelbe Markierung und bogen, nun aus der anderen Richtung kommend, nach links ab. In zahlreichen Berichten hatte ich gelesen, dass der Forststeig bestens markiert ist, diese Aussagen würde ich nicht unterschreiben. Man muss schon gut aufpassen, um keinen Abzweig zu verpassen. Der folgende Abstieg war sehr steil und wir gelangten zu einem ersten Biwakplatz – Zschirnsteinbiwak. Der Platz machte einen sehr gepflegten Eindruck. Es war etwa 16:30 Uhr und wir entschlossen uns, weiter zu laufen und unseren Tourplan nicht schon am ersten Tag über den Haufen zu werfen. Bis zur Grenzbaude, die wir uns als Tagesziel vorgenommen hatten, waren es noch etwa 4km. Der Weg führte nun genau an der Deutsch-Tschechichen Grenze entlang. Auf dem Weg gab es mehrere Quellen an denen wir unsere Wasservorräte auffüllen konnten.

    Auf dem letzten Stück ging es wieder einmal Bergauf. Wir erreichten einen breiten Waldweg und die Grenzbaude schimmerte schon durch die Bäume. Vor uns waren bereits zwei deutsche Mädels dort angekommen die sich bereits ans Abendessen machten. Als es schon stockdunkel war, kamen noch zwei tschechische Mädels an. Die Hütte ist sehr geräumig, hat zwei Öfen und genügend Räume so dass Jede der drei kleinen Wandergruppen ihr eigenes Zimmer hatte. Insgesamt könnten in der Hütte mindestens 20 Leute übernachten.

    Nachdem wir unse Matratzen aufgeblasen und die Schlafsäcke ausgerollt hatten, konnten auch wir endlich ans Abenessen denken. Es wurde schnell dunkel aber der Abend war sehr mild und wir konnten noch sehr schön draußen sitzen. Es gab Tee, etwas Warmes zu essen und als Nachtisch einen Whisky. Wir quatschten noch ein bisschen, packten unsere Rucksäcke zusammen und gingen ins Haus zu unseren Schlafplätzen im Obergeschoss der Hütte. Nach gut 17km Strecke, 660m aufwärts und 368m abwärts mit Gepäck brauchte ich zum Einschlafen keine Schäfchen mehr zu zählen.

    Am nächsten Morgen war es noch so warm wie am vorherigen Abend, so dass wir wunderbar draußen frühstücken konnten. Gegen 10 Uhr ging es weiter. Die Etappe sotte etwa 16 km lang sein, aber es kam anders. Wir nahmen gleich am Anfang den falschen Weg und bemerkten das Mißgeschick erst nach 2,5km als wir kurz vor der Haselmausbaude waren. Der Forststeig führt zwar auch zu dieser Hütte, aber wir wollten eigentlich zum Taubenteich. Ein wenig frustrierend war das schon, aber der Tag war ja noch jung. Die Haselmausbaude wollten wir uns dennoch nicht ansehen. Zurück nahmen wir einen anderen Weg, um wenigstens nicht zweimal den gleichen Weg zu laufen. Mit ewas Verspätung kamen wir dann am Taubenteich an. Dort ist auch ein recht schöner Biwakplatz eingerichtet.

    Der Forststeig führte wieder an der Grenze entlang bis er nach etwa einem Kilometer nach Tschechien abbog. Kurze Zeit später landeten wir in Kristin Hrádek (Christianenburg). In dem früheren Jagdhaus ist heute ein gepflegtes Hotel und Restaurant untergebracht.

    Beim nächsten Wegabschnitt gingen wir bewußt nicht den Forststeig entlang, um nach den morgentlichen Zusatzkilometern etwas abzukürzen. Zugegeben, spannend war der Weg nicht, aber er hatte keine Höhenmeter und wir konnten uns dadurch wieder etwas erholen. Der Weg endete auf einem Parkplatz. Dort waren schon einige Tagestouristen angekommen und machten sich auf den Weg zum Děčínský Sněžník (Hoher Schneeberg). Der Weg dorthin ist teilweise sehr steinig und auch relativ steil, der wunderschöne Birkenwald durch den der Weg verläuft, ließ uns die Mühen glatt vergessen.

    Auf dem Schneeberg angekommen dachte ich mitten in einem Märchen zu sein. Ein romantischer Aussichtsturm tauchte zwischen den Birken auf, der Weg war mit großen und kleinen Steinen übersät und es hätte mich nicht gewundert wenn plötzlich Schneewittchen aufgetaucht wäre. Es tauchte dann auch tatsächlich auf, im Doppelpack. Zwei Wanderinnen mit Schwarzen langen Haaren beugten sich aufgeregt über die Karte und hatten keinen Plan wo sie genau waren. Sie hatten etwas Angst ihr Tagesziel nicht rechtzeitig zu erreichen. Als wir Ihnen unseren Standort auf der Karte gezeigt hatten waren sie beruhigt und bogen erstmal in das Restaurant am Fuße des Aussichtsturms ein. Der Hohe Schneeberg ist übrigens mit 724m der Höchste Berg im Elbsandsteingebirge und die Aussicht nach Böhmen ist fantastisch.

    Wir machten eine Rast, mein Neffe kochte sich etwas, ich begnügte mich mit ein paas Snacks. Danach ging es noch ein Stück auf dem Gipfel entlang und dann immer abwärts weiter nach Ostrov (Eiland). Dort angekommen füllten wir an einem Bach unsere Wasservorräte auf.

    Es war noch genügend Zeit und so ließen wir den Campingplatz auf der linken Seite liegen und gingen weiter zum Zehrborn Biwakplatz. Dieser Platz liegt direkt neben der Grenze und ist, wie könnte es anders sein, wunderschön. Die Zelte werden dort mitten im Wald aufgebaut und in 30m Entfernung ist ein Bach mit einer kleinen Wiese. Der Platz ist wohl recht beliebt, denn wir waren nicht die Ersten und auch nicht die Letzten, die ihre Zelte dort aufschlugen. Als es dunkel wurde, war der Wald dann auch recht ordentlich mit Zelten bestückt. Ich freute mich besonders über eine Wandergruppe die aus Opa, zwei Söhnen, drei halbwüchsigen Enkelsöhnen und einem etwa sechs Jahre alten Steppke bestand. Die Frauen hatten wohl keine Lust auf Survivalurlaub. Der kleine war die ganze Zeit quietschvergnügt und lief ständig zwischen seinem Zelt und dem Bach hin und her. Die drei größeren Jungs hatten nach dem Abendessen, was Opa gekocht hatte, wieder richtig Energie und versuchten aus Holzstämmen eine Brücke zu bauen. Um 20 Uhr war es stockfinster und diesmal auch schon recht kühl. Eine Stunde später waren alle in Ihren Schlafsäcken verschwunden und auch an diesem Abend bereitete mir das Einschlafen keine Probleme – 20km, 430m rauf und 416m wieder runter.

    Es begann unser letzter Tag an dem wir auch noch die Rückreise einplanen mussten. Der Morgen war kühl und wir genossen unseren heißen Kaffee. Die Zelte wurden abgebaut, die Rucksäcke gepackt und als Erstes ging es wieder ein Sück aufwärts. Nach etwa 2km tauchte unser doppeltes Schneewittchen wieder auf. Die Mädels waren genauso aufgeregt wir am zurückliegenden Tag. Sie löcherten gerade einen Tschechen mit Ihren Fragen nach dem Weg und waren sichtlich erfreut als sie uns sahen. Auf meine Frage warum sie schon am Morgen so beunruhigt wegen des Weges waren meinten sie, dass ihre heutige Etappe recht lang sei. Wir verabschiedeten uns und wieder einmal führte unser Weg auf der Grenze entlang. Wir kamen auf dem schmalen Pfad durch schöne Mischwälder, auch herrliche Birkenwälder lagen wieder am Wegesrand und plötzlich waren wir wieder inmitten der wunderschönen Felsenlandschaft der Sächsisch-Böhmischen Schweiz, wir waren auf den „Fichtenwänden“ angekommen.

    Beim Abstieg meldete sich das Knie meines Neffen wie schon am vorherigen Tag und wir beschlossen die geplante Runde zu verkürzen und direkt nach Bielatal zu laufen. Die letzten Kilometer waren unspäktakulär, aber die breiten, gut ausgebauten Wege taten dem angeschlagenen Knie besser als die Kraxelwege des Forststeigs. So kamen wir gegen 13 Uhr an der Bushaltestelle an. Bis zur Abfahrt des Busses hatten wir noch eine Stunde Zeit und so konnten wir an einem schönen Rastplatz, neben einem Teich, eine gemütliche Mittagspause machen.

    Der Bus kam auf die Minute pünktlich, wir erreichten nach 40 Minuten den Busbahnhof in Pirna und kamen diesmal ohne Stau am späten Nachmittag zu Hause an.

    Fazit

    Wir planten unsere Tour nur eine Woche vorher, die Wetterberichte sagten ein schönes Spätsommerwochenende vorher, wir hatten beide nichts anderes fest geplant und unsere Familien hatten auch nichts dagegen. Das vorhergesagte Wetter trat wie angesagt ein, wir hatten Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad am Tag, kurzum, es war wunderbares Wanderwetter. Die Anreise mit dem Auto und der S-Bahn klappte prima, der ICE von Leipzig nach Dresden und zurück hätte für zwei Personen 240 Euro gekostet, deswegen kam eine komplette Bahnanreise nicht in Frage. Auch die Verbindung für die Rückreise mit dem Bus und dem Auto hat sehr gut funkioniert. Die Wanderung selbst war einfach fantastisch, manchmal anstrengend, aber die Wälder, die Felsen, die Ausblicke und die Übernachtungsplätze waren einmalig und sind nur schwer zu toppen. Ich kann eine Wanderung auf dem Forststeig nur empfehlen. Die Hütten und Plätze sind mit gut benutzbaren Trockentoiletten ausgestattet, es gibt Bänke und Tische wobei die Tische sogar in der Mitte einen Streifen Edelstahl eingebaut haben, um auch im Wald sicher mit dem Kocher hantieren zu können. Die Leute die man auf den Plätzen trifft sind Gleichgesinnte, man kommt sehr gut miteinander aus. Keiner läßt seinen Müll liegen, die Hütten werden vor dem Gehen durchgekehrt und so findet auch der nächste Wanderer einen schönen und sauberen Platz vor. Beim Rucksack ist natürlich jedes Gramm weniger ein Pluspunkt. Ich war mit 4 Litern Wasser bei gut 15 kg, mein Neffe bei 20kg. Ok, wenn man das Körpergewicht dazu rechnet sieht die Sache wohl etwas anders aus.

  • Zwei Tage auf der Saale von Jena nach Naumburg

    Für den 09. und 10. September 2023 war war schönes Wetter vorhergesagt. Auf der Saale war ich mit meiner Frau in diesem Jahr schon für die eine oder andere Tagestour unterwegs. Oberhalb von Camburg kannte ich die Saale noch nicht. Mein Neffe hatte sich vor einiger Zeit ein Schlauchboot-Kajak FitNord Seal one gekauft und mußte nicht lange überredet werden, eine Zweitagestour mit mir zu unternehmen. Ich wollte mit meinem Packraft und leichtem Gepäck meinen selbst modifizierten Bootswagen endlich ausprobieren. Der Plan war mit dem Zug von Großdalzig nach Jena, mit einem Umstieg in Gera, zu fahren und dort in die Saale einzusetzen. Wir wollten irgendwo übernachten und uns am Ende des zweiten Tages von meiner Fau abholen lassen.

    Um 8.16 Uhr fuhr der Zug pünktlich ab und um halb Zehn waren wir in Jena-Göschwitz angekommen. Im Zug stellte sich mein Bootswagen mit seinen 2m langen Zugstangen erstmal als recht sperrig heraus. Zum Ziehen des Gepäcks machte der Wagen zunächst einen recht brauchbaren Eindruck.

    Mein Neffe baute sein Boot gleich am Bahnhof in Jena auf, sein Bootswagen funktionierte nur mit aufgebautem Boot.

    Bis zur Saale waren es etwa 500m. Wir suchten eine Stelle an welcher wir gut einsetzen konnten, bauten auf, verstauten das ganze Gepäck und jetzt konnten wir endlich lospaddeln. Startpunkt war etwa bei Saalekilometer 219.

    Es ging durch Jena und dabei mussten die ersten Wehre umtragen werden. Ich empfehle die an den Ufern stehenden Schilder bis zum Schluß durchzulesen. Am ersten Wehr erblickte ich das Schild „Umtragestelle“, paddelte voller Eifer heran, sprang aus dem Boot, versank bis oberhalb des Knies um Schlamm, schaute auf das Schild und las es erneut – „Umtragestelle -> 50m“. Mein Begleiter ersparte sich die Schlammpackung und landete 50m weiter flußabwärts völlig problemlos an, man lernt nie aus.

    Ich hatte mir den Verlauf der Saale durch Jena nicht so grün vorgestellt wie er dann tatsächlich war. Man nimmt wenig davon wahr, dass man gerade durch eine Stadt paddelt. Selbst Schildkröten hatten sich an den Ufern der Saale von der Sonne wärmen lassen. Wir sahen zahlreiche Eisvögel mit Ihrem kräftigem blau-türkierem Gefieder, auf ein Foto habe ich sie leider nicht bekommen.

    In Porstendorf teilt sich die Saale und wir führen in die links verlaufende Lache. Den dort gelegenen Campingplatz nahmen wir nicht, denn es war erst gegen 16 Uhr und wir wollten noch etwas weiter kommen. Mein Neffe nahm noch ein Bad in der Lache dann ging es weiter auf der Saale, vorbei an den Dornburger Schlössern.

    Wir landeten dann gegen 18 Uhr am Saalerastplatz Döbritzschen wo wir einen schönen Patz für unsere Zelte mit Saaleblick fanden. Das Nachtlager wurde schnell aufgebaut und die Schlafplätze eingerichtet, inum dann in Ruhe etwas zum Essen zu kochen und anschließend bei einem Bierchen noch ein wenig zu quatschen. Sechs umtragene Schleusen lagen in unserem Kielwasser.

    Am nächsten Morgen wurden nach einen gediegenen Frühstück die ganzen Sachen wieder eingepackt und in den Booten verstaut. Auf diesem Abschnitt gab es mehr kleinere Stromschnellen als am ersten Tag und es kam auch das eine oder andere Mal zu Grundberührungen. Ich hatte vorsorglich die Finne nicht angebaut und bin überall gerade noch so durchgekommen. Mein Neffe musste dagegen einmal treideln und die Saale zu Fuß bezwingen.

    Der zweite Saaleabschnitt von Döbritzschen aus ist der landschaftlich etwas Reizvollere. Der Preis ist allerdungs, dass deutlich mehr Leute dort unterwegs sind. Waren wir von Jena aus fast allein unterwegs, war es spätestens ab Camburg rappelvoll. Zahlreiche Gruppen mit großen Schlauchbooten, aber auch viele Kajakwanderer waren unterwegs, um die Saalefelsen zu bestaunen.

    Am letzten Wehr vor unserem Ziel, dem Blütengrund in Naumburg, gab es beim Umtragen sogar so etwas wie einen kleinen Stau.

    Keine 100m nachdem die Unstrut in die Saale fließt, war unser Zielpunkt erreicht. Man muss ein bisschen Obacht geben, die Ausstiegsstelle nicht zu verpassen. Mit unseren leichten kurzen Booten ist es sehr mühsam bei der dort herrschenden starken Strömung flussaufwärts zu paddeln. Meine Frau und meine Tochter warteten bereits auf einer Bank, sie holten uns mit dem Auto ab. So blieb uns der Weg zum Bahnhof nach Naumburg erspart und die Tour ging sehr entspannt zu Ende.

    Fazit

    Die Saale ist sehr empfehlenswert. Durch die zahlreichen Wehre, insgesamt mussten 9 Stück umtragen werden, hat die Strecke eine zusätzliche sportliche Komponente, mit leichten Booten ist das aber sehr gut machbar. Die Tour hat Lust gemacht, die Saale auch noch etwas weiter oben zu befahren. Zu Zweit ist die Tour auf jeden Fall einfacher zu bewerkstelligen und es macht natürlich auch mehr Spaß. An meinem Bootswagenkonzept muss ich noch etwas nacharbeiten, die Zugstangen aus 20x1mm Aluminiumrohr haben es ohne sich zu verbiegen nicht geschafft und auch die Länge ist, wie bereits am Anfang beschrieben, für Zugfahrten nicht optimal geeignet.

  • Ein Packraft ist riesig – Störmthaler See

    Ein Packraft ist riesig – Störmthaler See

    Für den 30 April und den 1 Mai war endlich wieder einmal strahlender Sonnenschein vorhergesagt. Es wäre wirklich schade gewesen die Zeit nicht zu nutzen um draußen im Freien etwas zu unternehmen. Ich hatte mir ja schon vor längerer Zeit vorgenommen einmal auf dem Störmthaler See zu paddeln. Die Ausrüstung packte ich schon im Laufe der Woche zusammen. Das zeitige Packen hilft mir immer dabei den eigenen Schweinehund zu überwinden, wenn die Sachen einmal gepackt sind, mache ich nicht gern einen Rückzieher. Der Plan sah vor, dass mich meine Familie nach dem Mittagessen in aller Ruhe zum Bergbautechnikpark fährt. Um 13 Uhr ging es los. Für eine Übernachtung hatte ich relativ viel Gepäck dabei, aber ich wollte auch einiges neues Equipment ausprobieren. Da ich noch keinen Wanderwagen habe, kam ein alter kleiner Handwagen zum Einsatz. Ich musste ihn schließlich nicht mit auf das Boot nehmen, denn die Familie holte mich am Ende meiner Tour einfach wieder ab. Der Weg zum Bergbau Technikpark ist nicht weit von uns zu Hause und wir waren schnell am Ziel. Ich belud den Handwagen, nahm den Rucksack in dem sich das Boot befand auf den Rücken und los ging es auf dem kurzen Weg bis zum Störmthaler See.

    Ich war ein bisschen gespannt wie sich das Boot mit 30 kg Gepäck schlagen würde, ich selbst bin ja schließlich auch kein Fliegengewicht. Zugegeben, bei den 30 kg war das Boot selbst auch mit dabei. Der Eine oder Andere wird sicher fragen wie man auf so viel Gewicht kommen kann, bei mir ist das klar, es liegt am Essen, darüber hinaus hatte ich aber ein Tipi aus Baumwoll-Mischgewebe und einen Zeltofen dabei. Das Boot war schnell aufgebaut, inzwischen habe ich ja auch einige Übung darin, und so konnte ich alles aufladen und mich startklar machen. Ein letztes Winken und schon konnte das kleine Abenteuer beginnen.

    Ich hatte mir vorgenommen die Strecke des ersten Tages auf der rechten Seite des Sees entlang zu paddeln. Es fällt gleich am Anfang auf, dass dieses Ufer durch Tonnen abgegrenzt ist. Ich war mir nicht sicher ob diese Tonnen ein Naturschutzgebiet markieren oder ob auf dieser Seite Untiefen, möglicherweise durch Bäume unterhalb der Wasserlinie, vorhanden sind. Ein Loch im Packraft wollte ich nicht riskieren, deswegen habe ich ganz brav jede einzelne Boje außen umfahren. Nachdem ich die erste größere Landzunge um fahren hatte, tauchte auf der linken Seite Vineta, das Kunstprojekt zur Erinnerung des Ortes Magdeborn, auf. Dort anzulegen hatte ich keine Lust, deswegen ließ ich sie einfach auf der linken Seite liegen und hangelte mich weiter entlang der Bojenkette. Das kleine Segel, was es für kleines Geld gab, probierte ich aus. Leider war der Wind zu schwach um es richtig auszuprobieren, die kleinen Windböen jdoch waren recht vielversprechend.

    Ich fuhr nicht bis zum Ende des Sees sondern wendete vorher und legte dann in Lagovida an. Dort musste ich erst einmal das Boot ein Stück aus dem Wasser ziehen und die Luft ablassen denn ich hatte in den inneren Taschen des Packrafts dummerweise mein Portemonnaie mit eingepackt. Dann gab es endlich das wohlverdiente Eis.

    Die Beine zu vertreten war es eigentlich noch zu früh, denn ich war ja noch keine große Strecke gefahren, deswegen ging es zügig weiter. Der Biwakplatz am See war schnell erreicht und ich konnte mich in aller Ruhe umsehen.

    Ich war nicht der einzige der das schöne Wetter nutzen wollte, es waren zahlreiche Spaziergänger, Fahrradfahrer und auch Mopedfahrer unterwegs. Die Jungs mit den Mopeds versuchten auf dem Lagerfeuerplatz ein Feuer zu entfachen was glücklicherweise nicht gelang, deswegen verloren sie relativ schnell die Lust daran, machten sich wieder auf den Weg und so hatte ich den Platz schnell wieder für mich allein. Ich ging daran das Lager aufzubauen. Als das Tipi stand sah ich es mir zufrieden an. Da hatte ich doch glatt eine kleine Kiefer übersehen die in einem Winkel von höchstens 40 Grad halb über meinem Zelt hing. Wie kann man nur so dämlich sein. Es half alles nichts, alle Heringe wieder raus, die Mittelstange umgelegt und das ganze noch zwei drei Meter rüber gezogen. Diesmal ging der Aufbau wesentlich schneller. Als ich merkte dass das Zelt groß genug war um das Pack raft mit hinein zu nehmen, war ich ganz fasziniert.

    Als das Zelt stand, kümmerte ich mich um das Essen. Es kam noch ein Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Großpösna vorbei und schaute nach dem Platz. Ich lobte ihn für den guten Zustand desselben. Daraus entwickelte sich ein Gespräch und er erzählte mir, dass es gar nicht so einfach sei den Platz in diesem Zustand zu erhalten. Es sei auch schon mal eine Großfamilie da gewesen mit über 50 Leuten, da wird das Prinzip eines Kanurastplatzes arg überdehnt. Er meinte auch dass durch die gesperrte Gewässerverbindung der Rastplatz eigentlich gar keine Nutzen mehr hätte. Ich finde das zwar auch schade, aber man kann es nicht ändern und muss einfach das Beste daraus machen, schließlich kann man ein kleines Boot auch gut umtragen. Als er wieder gegangen war, packte ich meinen restlichen Krempel zusammen und genoss den wunderbaren Sonnenuntergang, machte dabei allerhand Fotos und zog mich dann in mein Zelt zurück.

    Die Nacht war ruhig, ich hörte allerhand Tiere aber das beeinträchtigte meinen Schlaf weniger. Die Waschbären, vor denen mich der Kollege gewarnt hatte, kamen zum Glück nicht. Am nächsten Morgen stand ich zeitig auf.

    Ich mag die Ruhe am Morgen, man hat das Gefühl die Welt gehört einem ganz allein, kein Mensch weit und breit, der See liegt völlig still ohne irgendein Boot und man kann seinen Gedanken einfach freien Lauf lassen. Die einzigen die schon recht geschäftig an diesem Morgen unterwegs waren, war eine Entenfamilie.

    Ich packte meine Sachen zusammen, baute das Zelt ab und belud erneut mein Packraft. Es ist total erstaunlich wie viel Gepäck man in so ein kleines Boot laden kann. Ich fuhr wie am vorhergehenden Tag weiter und hatte das Ufer auf der rechten Seite, so dass ich am Ende den See einmal komplett umrundet hatte. Es fiel auf dass diesmal am Ufer sehr großflächig Schotterpackungen aufgeschüttet waren. Offensichtlich gibt es an dieser Seite des Sees Probleme mit der Erosion des Ufers.

    Die Maschinen des Bergbau Technikparks wurden schnell größer, deswegen signalisierte ich meiner Familie dass ich gegen 11 Uhr wieder am Start- und Zielpunkt der Tour sein würde und sie mich abholen können.

    Es klappte alles wunderbar und zum Mittag war ich wieder zu Hause.

    Fazit : Es hat sich wieder gelohnt eine kleine Tour mit Übernachtung gemacht zu haben. Das Packraft ist eine wunderbare Alternative zu anderen Booten und bietet unglaublich viel Platz um die verschiedensten Dinge unterzubringen. Wenn man den großen Stauraum im inneren der Schläuche einmal erlebt hat, ist man von den eingebauten Packtaschen restlos überzeugt.

    Mein nächstes Projekt wird der Bau eines Wanderwagens bzw Bootswagens sein. Dazu habe ich schon meinen bisherigen Bootswagen rausgekramt und ein paar kleinen Teile bestellt. Ich will mal schauen, was daraus wird und ob meine Idee zielführend ist. Dann könnte man z.B. eine Rundfahrt über alle vier großen Leipziger Seen machen. Das geht natürlich nicht ohne Wagen und man braucht ein etwas längeres Wochenende.

  • Ende April geht es zum Mond (see)

    Ende April geht es zum Mond (see)

    Nachdem wir am Freitag eine kleine Party auf dem Hof veranstaltet haben hatte ich mir für den Sonnabend/Sonntag eine Übernachtung im Zelt vorgenommen. Zumindest für den Sonnabend war nach langem grau endlich wieder Sonne angesagt. Der ursprüngliche Plan sah vor mit dem Zug nach Zeitz zu fahren, von dort zum Mondsee zu laufen, dort eine Nacht zu bleiben und am nächsten Morgen weiter nach Hause zu laufen. Der Mondsee hat seinen Namen von seiner Form, wenn man ihn von oben betrachtet. Um mich nicht durch Faulheit und Trägheit von dem Vorhaben abbringen zu lassen (ihr kennt das vielleicht) hatte ich im Laufe der Woche meine Packliste erstellt und bereits am Donnerstag den Rucksack eingepackt. Beide Etappen hatten eine Länge von jeweils 17 bis 18 km. Es genügte also am Sonnabend nach dem Mittag aufzubrechen. Es ist von Vorteil die Zeit welche ein Wochenende bietet nicht zu Einhundert Prozent nutzen zu wollen. Es wirkt sich positiv auf den Familienfrieden aus und man kann es irgendwie ruhiger angehen lassen.

    Als es losgehen sollte überlegte ich welchen Zug ich nehmen sollte. Unentschlossen wie ich war entschloß ich mich einfach los zu laufen. Das Ganze in umgekehrter Richtung macht dann auch keinen großen Unterschied zumal Höhenunterschiede in unserer Gegend kein Thema sind. Gegen halb Zwei ging ich an den Start. Der Anfrang war relativ öde, es ging die erten drei Kilometer auf einer Straße in Richtung Seegel. Es war der erste srichtig sonnige Frühlingstag den man mit 20 Grad trotzdem richtig genießen konnte.

    In Seegel konnte ich endlich von der Straße runter am Werbener See weiter laufen. Dort gab es Halbschatten was den Weg zusätzlich angenehm machte. Auffällig am See waren die vielen vertrockneten Pappeln die die letzten trockenen Sommer nicht gut überstanden hatten.

    Danach sollte es weiter auf einem Feldweg in Richtung Monarchenhügel gehen. Leider war der Weg durch eine große Koppel versperrt.  Laut Schild war es eine Koppel für Mutterkühe mit einem frei laufenden Bullen. Mit dessen Hörnern wollte ich nichts zu tun haben, deswegen mußte ich auf die Landstraße ausweichen. Wie das Ziel Monarchenhügel vermuten läßt ging es jetzt sanft bergan. Im Verlauf der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai 1813 bezogen auf dieser Anhöhe sowohl der König von Preußen, Friedrich Wilhelm III. als auch der Kaiser von Russland, Alexander I. Stellung und verfolgten von dort aus das Geschehen der Kampfhandlungen.

    Kurz vor dieser kleinen Erhebung bog ich halb links ab und es ging weiter auf einem Feldweg durch ehemaliges Tagebaugelände.Nach etwa einem Kilometer stand ich vor einer großen Koppel, der Weg war durch ein Tor versterrt. Ich war noch mit meinen Überlegungen beschäftigt als ein SUV angefahren kam. Es war der Chef der örtlichen Agrargesellschaft. Innerlich froh noch nicht am Überklettern des Tores gewesen zu sein fragte ich ihn, wie ich weiter in Richtung Mondsee laufen könnte. Er meinte ich könne die Koppel auf der rechten Seite umgehen. Ich nahm den beschriebenen Weg und es klappte tatsächlich gut und ich fand mich nach einem kleinen Umweg auf dem in meiner App beschriebenen Weg wieder.

    Er ging weiter durch ehemaliges Tagebaugelände wo offensichtlich die Motorcrossliebhaber ihr Eldorado haben. Ohne GPS wäre es mir schwer gefallen den richtigen Weg zu finden. Nach etwa zwei Kilometern stand ich erneut vor einem Tor. Diesmal war es die Abgrenzung des alten vom aktiven Tagebau Profen. Da konnte ich auf keinen Fall durch. Der Weg welcher bei Outdooractive angezeigt wurde, war tatsächlich zu sehen, er führte aber an diversen Tagebaugeräten vorbei. Es blieb mir nichts weiter übrig als einen zwei Kilometer weiten Umweg in Kauf zu nehmen.

    Auf kaum befahrenen Landstraßen lief ich weiter und konnte links den Tagebau beobachten. Gegen 18 Uhr, inzwischen hatte ich den Tagebau hinter mir gelassen, kam ich am Mondsee an. Meine Frau rief an und wir vereinbarten uns zum Abendessen auf dem Zeltplatz. Ich hatte gerade mein Zelt aufgebaut als sie gemeinsam mit unserem Sohn ankam. Es gab Döner und Wein und ich muss sagen, ich hatte schon schlechtere Abende. Das Wetter war mild, es war ein schöner Sonnenuntergang – perfekt.

    In der Nacht hat es ganz leicht geregnet. Am Morgen war es dann bewölkt aber trocken. Nach der morgendlichen Wäsche gab es zum Frühstück Porridge und Cappuccino. Danach wurde das Lager abgebaut und es ging weiter zum Bahnhof Profen. Rückblickend kann ich den Platz am Mondsee nur loben. Es war sehr ruhig, sauber und gepflegt, man konnte sich einfach wohl fühlen. Sicher spielte bei der Ruhe auch eine Rolle, dass im April noch nicht der Campingbär steppt.

    Der Weg nach Profen war nicht wirklich schön. Erst mußte ich ein ganzes Stück auf der Straße entlang, dann bog der Weg wieder in den aktiven Tagebau ab. Diesen Weg zu nehmen war keine gute Idee, weil ich schnurstracks in das Betriebsgelände gelaufen wäre. Ärger wollte ich nach den bislang schönen Erlebnissen nicht und so schlug ich mich durchs Unterholz auf die Straße zurück. In Profen am Bahnhof musste ich noch 20 Minuten auf den Zug warten und zum Mittag saß ich wieder zu Hause am Tisch.

    Fazit: Ein kleines Abenteuer vom Nachmittag zum Mittag des nächsten Tages war Klasse.  Das muss ich unbedingt öfter machen. Es bleibt am Wochenende auch noch gemeinsame Familienzeit. Diese Wandergegend entlang der Tagebaue muss man nicht ständig durchstreifen, aber einmal sollte man es ruhig machen. Man begreift wie geschunden die Landschaft durch die Tagebaue ist. Vergleicht man eine gesunde Landschaft mit einem gesunden Körper, dann ist eine Tagebaulandschaft nur noch ein Gerippe.