Ich hatte große Lust die Strecke von Feldberg nach Lychen, nachdem ich diese schon einmal vor 45 Jahren in entgegengesetzter Richtung gefahren bin, ja das ging damals noch, zu paddeln. Weil ich unbedingt den dazwischen liegenden Küstrinchenbach im Boot zurücklegen und die Strecke nicht umtragen wollte, musste ich zeitig im Frühjahr fahren. Der Küstrinchenbach darf nur ab einem Pegel von 30 cm befahren werden. Diesen Wasserstand hat der Bach immer nur im zeitigen Frühjahr, deswegen musste die Fahrt so zeitig im Jahr sein. Ich fand leider niemanden der mit mir im März paddeln wollte, weil es Allen die für so eine Tour in Frage kamen noch zu kalt war in dieser Jahreszeit. Mich hat das nicht abgeschreckt, zumal ich meinen Trockenanzug gern einmal intensiver ausprobieren wollte. Außerdem hatte ich mir vor der Madeira Tour einen Daunenschlafsack gekauft, so dass Übernachtungen bis etwa null Grad kein Problem sein sollten. Ohne Trockenanzug hätte ich die Tour nicht gemacht, weil im Falle des Kenterns das Wasser bei 10 Grad wohl keine guten Voraussetzungen bietet, um gesund an Land zu kommen.
Wie bei meinen vorhergehenden Touren habe ich mich zeitig mit meiner Packliste beschäftigt. Nach zahlreichen Änderungen hatte ich mich letztendlich entschieden, nur den Hobokocher mitzunehmen. Ich kam letztlich auf ein Gesamtgewicht mit meinem Packraft von 14 kg. Als ich die ganzen Einzelgewichte zusammengerechnet hatte, war ich selbst sehr erstaunt, dass ich mit Klamotten, Kochutensilien, Lebensmitteln, Rucksack, diversen Kleinkram und Boot bei diesem Gewicht gelandet bin. Das Trinkwasser für die Tour kam natürlich noch dazu.
Der Bus fuhr pünktlich los. Weil ich in Neustrelitz genug Zeit hatte, habe ich mir dort noch zwei Flaschen Wasser gekauft. Diese 3 kg kamen natürlich noch bei den 14 kg oben drauf.
Gegen 13 Uhr kam ich in Feldberg an. Um die verlorenen zwei Stunden etwas zu kompensieren bin ich ein Stück der ersten Strecke am Schmalen Luzin in Richtung Süden gelaufen. Dort gibt es eine kleine Fähre und dieser Anleger sollte mein Startpunkt werden. Obwohl es noch außerhalb der Saison war, traf ich dort den Fährmann der sich wunderte, warum ich so zeitig im Jahr dort paddeln wollte. Nach meiner Erklärung wünschte er mir eine schöne Tour und fuhr wieder nach Hause, er hatte nur nachgesehen, ob auf seinem Gelände alles in Ordnung war.
Das Aufbauen und das Verstauen des Gepäcks dauerte etwa eine viertel Stunde. Dann konnte es endlich aufs Wasser gehen.
Endlich konnte es losgehen. Es war bewölkt und der Wind wehte leicht von vorn. Glücklicherweise war es zu wenig um ernsthafte Wellen aufzubauen.
Da hatte ich mich wirklich dämlich angestellt. Ich hatte das kleine Stativ etwas höher gestellt, damit die Kamera über den Packsack „sehen“ konnte. Das hätte ich einfach lassen sollen. Fünf Sekunden später fiel sie ins Wasser. Deswegen geht es ab jetzt mit Bildern vom Handy weiter.
Die Bäk als Übergang zum Carwitzer See ist ein kleiner Bach dicht mit Bäumen bewachsen. Die erste Umtragestelle ist dann auch schon mitten im Dorf Carwitz. Ich konnte gut aussteigen, das Boot heraus nehmen, die Packsäcke abschnallen und dann alles über die Straße auf die andere Seite tragen. Man landet dabei mitten im Dorf an einem schönen Rast- und Spielplatz.

Direkt an dieser Stelle konnte ich nicht wieder einsetzen, das schnell strömende Wasser war zu flach, selbst für mein Packraft mit seinem geringen Tiefgang. Vielleicht bin ich auch einfach ein bisschen zu schwer um den wenigen Tiefgang des Bootes optimal zu nutzen.
Ich trug meine Ausrüstung etwa 100 m weiter direkt an den Carwitzer See. Den durchpaddelt man nur ein sehr kleines Stück bis zu einer von Schilf bewachsenen Durchfahrt die zum Dreetzsee führt. In dieser Durchfahrt hatte die Kamera dann ihren Schwimmkurs. Bis Heute konnte ich ihr übrigens noch kein zweites Leben einhauchen trotz intensiver Trocknungsbemühungen.
Mit einigem Frust im Bauch durchquerte ich den Dreetzsee. An dessen Ende war eine Umtragestelle über einen Campingplatz. Ich wußte, dass der Platz im März noch nicht geöffnet hatte und hatte dennoch vor, dort mein Zelt aufzubauen. Als ich aus dem Boot stieg um die Lage zu peilen sah ich, dass jemand in der Rezeption war. Der Platz ist riesig und mit zahlreichen Dauercampern belegt. Ich fragte sehr freundlich beim Platzwart, der offensichtlich auch außerhalb der Saison auf seinen Platz aufpasst, nach, ob ich eine Nacht dort unten am See übernachten dürfe. Er wand sich und meinte, dass die Sanitäranlagen ja auch noch nicht geöffnet hätten und wollte mir seine Erlaubnis nicht geben. Ich gebe zu, dass ich mächtig sauer war. Er empfahl mir mein Zelt nach der Umtragung unten am Krüselinsee aufzubauen, da sei ein kleines Wiesenfleckchen wo ich gut mit meinem Minizelt stehen könne. Ich trug alles auf die andere Seite. Schnell stand fest, dass ich direkt hinter zwei Schildern, die das Naturschutzgebiet auswiesen, nicht mein Zelt aufstellen und den Hobokocher anschmeißen würde.




Inzwischen dämmerte es schon mächtig, es war gegen halb sechs. Ich entschied, weiter zu fahren. Der Krüselinsee lag vor mir, einer der saubersten und klarsten Seen in der Gegend. Nach einer knappen Stunde kam ich am anderen Ufer, der Krüseliner Mühle an. Dort gibt es keinen Biwakplatz und auch sonst fand ich keinen gescheiten Platz für mein Lager. Ich beschloß unzutragen und hoffte am Kleinen- oder am Großen Mechnowsee ein Plätzchen zu finden.
Ich setzte hinter dem Wehr der Krüseliner Mühle wieder ein. Es war dort sehr matschig und sumpfig und vor Allem zu flach und das Fließ von zahlreichen umgefallenen Bäumen versperrt. Hier kam ich nicht weiter. Also: Schuhe und Socken aus, Hose hochkrempeln, Neoprenschuhe an, raus aus dem Boot und das ganze Gerödel 30m durch den Sumpfstreifen tragen. Was soll ich sagen, das hatte ich mir etwas einfacher vorgestellt. Zuerst wollte ich das ganze Boot mit Gepäck zum Waldrand schaffen, aber da ich bei jedem Schritt bis zum Knie im Modder versank, trug ich die Packsäcke und das Boot jeweils einzeln. Hier muß ich mir wieder einmal vornehmen, auch in solchen Situationen, das Fotografieren nicht zu vergessen. Ich sah aus wie ein Wildschwein was gerade seiner Suhle entstiegen ist. Jetzt musste ich mir etwas einfallen lassen, es war halb acht und dunkel. Sicher hätte ich in der Nähe irgendeinen Platz gefunden auf dem ich mein Zelt hätte aufbauen können, aber irgendwie war dieser Flecken Erde bei mir gerade durchgefallen. Ein kurzes Kartenstudium verriet, dass es zu Fuß durch den Wald etwa 6 km bis zur Kolbatzer Mühle waren. Dort gibt es einen Biwakplatz. Der Entschluß stand fest, ich ließ die Luft aus dem Boot packte den Rucksack und gegen acht Uhr lief ich los. Es war stockfinster und ich war vorher noch nie nachts mit Kopflampe und Gepäck unterwegs gewesen. Aber ungeachtet dessen, meine Laune besserte sich mit jedem Schritt und nach einer guten Stunde war ich am Ziel.
Ich habe in der Nachbetrachtung zu diesem sehr wechselvollen Tag festgestellt, dass es wichtig ist, sich in einem Zustand des Frusts, der Niedergeschlagenheit und einer gewissen Ausweglosigkeit (letzteres ist natürlich etwas übertrieben) einen Plan zu machen, eine Entscheidung zu treffen und die Sache dann neu anzugehen. Das mobilisiert den Körper und den Geist zu nicht geahnter Zähigkeit. Lasst Euch nie unterkriegen.

Am Morgen waren die Strapazen des vergangenen Tages wie weggeblasen. Der Tag versprach Sonnenschein und ich machte mich daran das Frühstück zu bereiten. Der Biwakplatz ist sehr groß, es gibt mehrere Feuerstellen, mehrere Unterstände und auch einige Schutzhütten. Ich sammelte Holz und kochte mir auf dem Hobokocher Kaffee und bereitete mir mein morgendliches Porridge. So kann man einen Tag beginnen.




Gegen 9:30 Uhr hatte ich alles wieder zusammengepackt, das Boot stand am Fließ und es konnte jetzt weitergehen. Die kurze Strecke bis zur Schreibermühle war bereits recht anstrengend, weil aller 20 bis 50 Meter wieder Baumstämme im Wasser lagen, man musste umtragen oder das Boot darüber heben. Der Mechowbach hatte dann aber glücklicherweise auch ein Ende





Jetzt musste nur noch die Schreibermühle als letztes Hindernis zum Großen Küstrinsee umtragen werden und nun war ich meinem eigentlichen Ziel, dem Küstrinchenbach, schon sehr nahe gekommen.



Die Strecke über den großen küstrinsee war nicht sehr lang und so kam ich bald in einen breiten Kanal, der zur Küstriner Mühle führte. Alle Signale standen auf go.


An der Hinweistafel gab es einen Aushang an welchem stand, dass man den Bach mit Vorsicht befahren sollte und auf jeden Fall die zahlreichen Biberburgen weiträumig umtragen soll. An einigen dieser Biberburgen standen dann auch noch extra Hinweisschilder. Der Anfang des Bachs war sehr harmlos. Noch wenigen hundert Metern musste man allerdings immer öfter aus dem Boot raus und entweder treideln, weil das Wasser zu flach war, oder man musste das Boot umtragen, weil irgendwelche Bäume oder Biberburgen im Weg lagen. Es war ringsherum eine wunderschöne Natur und ich brauchte für die etwa 4 km drei Stunden.




Eine letzte Biberburg war noch zu umtragen, und ich konnte vor mir den Biwakplatz Fegefeuer endlich sehen. Es war noch rechtzeitig am Tag, aber das war auch gut so, denn alle Dinge die ich im Boot unverpackt liegen hatte, waren völlig durchnässt. Das lag an meiner Technik wie ich in das Boot, wenn ich auf dem Fließ war, ein- und ausgestiegen bin. Die besten Ergebnisse hatte ich erzielt indem ich mich bei einer Wassertiefe von ungefähr 30 cm mit dem Rücken an das Boot gestellt habe und mit einem kühnen Satz nach hinten auf den Sitz gesprungen bin und danach die Beine ins Boot geschwungen habe. In dieser Disziplin hatte ich mittlerweile eine gewisse Perfektion erreicht. Es gab lediglich den unangenehmen Nebeneffekt, dass bei jedem Sprung mindestens ein Liter Wasser mit über Bord kam. Da sammelt sich nach dem zehnten Sprung so einiges an. Mir selbst konnte das Wasser nichts anhaben, denn ich hatte meinen Trockenanzug an und an den Füßen zusätzlich noch Neoprenschuhe. Meine normalen Straßenschuhe hatte es dagegen arg erwischt, denn ich hatte sie hinter die Sitzlehne gesteckt und sie waren randvoll mit Wasser. Deswegen machte ich nach meiner Ankunft um 15 Uhr nach dem Zeltaufbau als erstes Feuer um die Chance zu haben, die Schuhe bis zum nächsten Morgen irgendwie trocken zu bekommen.





Am nächsten Morgen stand ich um 6 Uhr auf, machte mir kein Frühstück, denn mein Bus in Lychen sollte um 10 Uhr fahren. Ich war wirklich sehr schnell mit dem Einpacken, so dass ich schon um 7 Uhr los paddeln konnte. Der Weg nach Lychen, es waren etwa 3 km, dauerte höchstens eine Stunde, so dass ich viel zu zeitig da war. Ich zog mich um, packte meine Sachen in aller Ruhe zusammen, suchte mir einen Bäcker, machte dort ein wunderbares Frühstück, und als ich den Bus bestieg, fing es an zu regnen. So nahm mein kurzer Ausflug ein wunderbares Ende, das Wetter hat bis zuletzt richtig schön durchgehalten und es war trotz einiger Schwierigkeiten ein wunderbares Abenteuer.

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