3 Tage von Rathenow bis Havelberg

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Mitte August hatte ich noch einmal drei Tage frei. Irgendwie hatte ich Lust zu paddeln und dabei keine ganz einsamen Übernachtungsplätze zu suchen. Meine Wahl fiel auf die Havel ab Rathenow. Einerseits habe ich bis dorthin eine gute Zugverbindung, die auch tatsächlich perfekt funktioniert hat, andererseits wohnt dort mein Cousin mit seiner Frau, die ich schon seit Jahren nicht gesehen hatte. Gegen 10 Uhr kam ich am Bahnhof an und stand eine Viertelstunde später bei den Beiden vor der Tür. Es gab viel zu erzählen und nach drei Stunden hatten wir uns gegenseitig halbwegs auf den neusten Stand gebracht.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen brachten sie mich noch zur Havel und mein Cousin verabschiedete mich mit einem kleinen Liedchen auf der Mundharmonika.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, startete ich meine Paddelei unter der Eisenbahnbrücke in Rathenow. Die Brücke ist als Startpunkt sehr zu empfehlen, selbst bei Regen kann man hier in aller Ruhe aufbauen und das Gepäck verstauen (oder auch zelten und eine Nacht im Trockenen verbringen).

Nach der Brücke habe ich den rechten Abzweig in Richtung Stadtschleuse Rathenow genommen. Es war schönes warmes Sommerwetter, die Schleusung ging sehr zügig und nachdem ich Rathenow hinter mir gelassen hatte, suchte ich mir ein sandiges Plätzchen, um mich abzukühlen und ein bisschen zu schwimmen.

Wer das Bild gerade aufmerksam angesehen hat konnte bemerken, dass ich weder mein Rebel 2K noch mein Nano RTC XL dabei hatte. Richtig, ich wollte unbedingt mal das Nomad S1 ausprobieren. Dieses Packraft ist zwar schwerer, aber auch ein ganzes Stück länger und ich wollte testen, ob sich damit eine bessere Geschwindigkeit erreichen läßt. Zur Geschwindigkeit werde ich später noch etwas schreiben. Geliehen habe ich mir das Boot bei „TreckPack“. Ich kann die Firma nur empfehlen, wer nicht genau weiss welches Packraft er kaufen soll, ist hier bestens beraten. Es gibt eine große Bootsauswahl, eine sehr einfache Abwicklung, das Boot war in einem Top-Zustand und der Preis war auch ok.

In Grütz nahm ich den Biwakplatz. Es waren für den Abend Sturm und Gewitter angesagt, da wollte ich die Nacht nicht unter einer morschen Weide verbringen. Es fing dann wie vorhergesagt am Abend an zu regnen, aber dank der überdachten Bänke konnte man draußen sitzen und ich habe noch ein bisschen mit anderen Paddlern geklönt.

Am Morgen war von dem ganzen Spuk nichts mehr zu sehen und es begann ein weiterer wunderbarer Sommertag. Ich mag die Havel als Paddelgewässer sehr, weil es überall so zahlreiche schöne Sandstrände gibt. Da kann man überall ganz gefahrlos an- und ablegen. Dazu hat der Fluß kaum hohe Ufer so dass man meist weit ins Land schauen kann.

In Schollene hatte ich die, wie sich später heraus stellte dämliche, Idee links abzubiegen, um direkt in den Ort zu paddeln. So ählich stelle ich mir Packeis vor. Die Entengrütze wurde immer dichter und nach einem knappen Kilometer harter Arbeit steckte ich fest. Es fiel mir schwer so kurz vor dem Ziel aufzugeben und umzukehren aber es half nichts.

Nachdem ich endlich wieder freie Fahrt auf der Havel hatte, machte ich noch eine kurze Pause um im Hafen Molkenberg das Wasser aufzufüllen. Für die Weiterfahrt entschied ich mich für die Gülper Havel. Auf dem ersten Kilometer war ich etwas skeptisch ob das Grün nicht wieder zu dicht werden könnte, aber die etwas flottere Strömung hält diesen kleineren Havelarm dann doch frei und man findet immer eine Stelle zum durch fahren.

Am Rastplatz Gülpe machte ich ein kleines Päuschen. Er gilt ja als der dunkelste Flecken (was Lichtverschmutzung betrifft) in Deutschland und ist somit dei den Hobbyastronomen sehr beliebt. Ich hatte noch genügend Zeit und suchte ja wie Anfangs geschrieben nicht undedingt die Einsamkeit und so paddelte ich weiter bis zum Wasserwanderrastplatz in Strodehne.

Der Platz, welcher von einem Wassersportverein berieben wird, ist am Rande des kleinen Ortes. Auch hier traf ich andere Paddler und wegen des Geburtstags des Vereinsvorsitzenden wurde es noch ein sehr feucht-fröhlicher Abend.

Die Ruhe beim Ablegen am nächsten Morgen hat etwas über das bevorstehende Wetter hinweg getäuscht. Es war starker Wind aus West angesagt. Nach vier Kilometern Fahrt ab Wendisch Kirchhof kam der Wind dann auch heftig und direkt von vorn.

Jetzt war ich wirklich froh, dass ich mir das Nomad S1 ausgeliehen hatte. Natürlich wäre ich auch mit mit einem meiner zwei eigenen Boote angekommen, aber mit dem Nomad schaffte ich ohne Wind und Strömung etwa 1km/h mehr und das zeigte sich auch bei dem heftigen Gegenwind. Es hat auch wesentlich mehr Platz für Gepäck, sowohl hinter der Rückenlehne unter der Spritzdecke, als auch in den Schläuchen. Eines gefällt mir beim Rebel 2K allerdings doch besser: Die Tube Bags haben innen eine eingeklebte Gepäcktasche. Diese schützt das Gepäck vor verrutschen und gibt das sichere Gefühl nicht unbedingt auf die Dichtheit der Reißverschlüsse angewiesen zu sein. Beim Nomad S1 ist das Gepäck beim Umtragen immer durch das Boot entweder ganz nach vorn oder ganz nach hinten gerutscht, das war schon etwas nervig. Die Reißverschlüsse waren natürlich 100% dicht, aber ob das vielleicht mal eine Schwachstelle wird, weiß ich nicht. Wer selbst schon paddeln war kann nachvollziehen, dass es fast unmöglich ist feine Sandkörner oder anderen Schmutz immer von den Reißverschlüssen fern zu halten (wie in der Beschreibung zum Boot gefordert).

Ich habe jedenfalls für mich herausgefunden, dass ich bei meinem Rebel 2K bleibe. Die Vor- und Nachteile beider Boote halten sich für mich die Waage, so dass der viel höhere Preis des Nomad für mich persönlich nicht gerechtfertigt ist. Wem das höhere Gewicht, die nicht vorhandenen Gepäcktaschen nicht stört, und dabei mehr Gepäckvolumen sucht, der sieht das vielleicht anders.

Nachdem ich es unterwegs sogar geschafft habe zwei Einerkajaks hinter mir zu lassen bin ich ziemlich geschafft nach dem Mittag in Havelberg auf der Campinginsel angekommen. Eigentlich hätte ich die Rückfahrt antreten können, aber ich hatte die Bahntickets für den nächsten Tag schon vorher gekauft und so war ich noch schön essen, bin durch die Stadt gebummelt, hab mir noch einen fetten Eisbecher gegönnt und noch ein bisschen gelesen.

Ich hatte eigentlich gedacht, dass mehr Leute auf der Havel unterwegs sind. Mir war aber auch schon in den vergangenen Jahren bei meinen Angeltouren mit dem Motorboot auf der Havel aufgefallen, dass es ab Rathenow relativ ruhig wird. Das hat sich bei dieser Tour bestätigt. Die Havel kann man wirklich, besonders für Anfänger, empfehlen.

Durch die abendlichen Gespräche war mir diese Tour sehr kurzweilig, so hatte ich mir das auch vorgestellt.

Kommentare

Ein Kommentar zu „3 Tage von Rathenow bis Havelberg“

  1. Avatar von Heike
    Heike

    Tolle Bilder, schön geschrieben, könntest du es Reinhold schicken?

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