Ich wurde zeitig munter und konnte ein sehr reichhaltiges, fast schon luxuriöses, Frühstück genießen. Die Sachen waren danach schnell gepackt und die Rückreise begann. Es war noch reichlich Zeit bis zum Abflug und so nahm ich einen kleinen Umweg über die Strandpromenade.
Der Weg zum Flughafen war wenig spektakulär. Einige Unkräuter am Wegesrand weckten wenigstens mein fotografisches Interesse.
Der Weg zum Flughafen ist jetzt nicht direkt eine Fußgängerzone. Teilweise ging ich am Straßenrand entlang, um den einen oder anderen großen Kreisverkehr herum und konnte bestaunen wie vielfältig man diese bepflanzen kann.
Google Maps schickte mich nicht zum Check in, sondern gefühlt in die geographische Mitte der ganzen Anlage. Etwas hilflos sprach ich zwei Männer an die gerade ihr Auto parkten. Wie sich herausstellte waren es Piloten auf dem Weg zur Arbeit. Sie waren so freundlich und nahmen mich einfach mit. So kam ich mit ihnen durch den dienstlichen Eingang und sie brachten mich bis zum Check in, sehr freundlich.
Jetzt bin ich eingecheckt und habe immer noch genügend Zeit, Zeit um einen ersten Rückblick zu halten. Heute empfand ich zum ersten Mal den Rucksack als schwer. Die Waage beim Einchecken zeigte 15,2kg, das geht ja noch. Auch so etwas wie Muskelkater empfinde ich zum ersten Mal auf der Tour. Na ja, die Anspannung läßt langsam nach.
Bei meinem Berichten zur Vorbereitung schrieb ich was vom Bayrischen Wald. Ich hätte mir nicht annähernd träumen lassen, dass es genau das werden würde. Schneesturm im Gebirge.
Einen Mitwanderer gefunden zu haben war einfach großartig. Allein wäre ich bei diesen Bedingungen nie hoch ins Gebirge gegangen. War es zu zweit verantwortungslos? – ein bisschen vielleicht. Ich will mir nicht ausmalen wenn sich einer von uns verletzt hätte. Der Herr hatte ein Auge auf uns geworfen, danke.
Meine umfangreiche Planung war zwar zeitlich schnell über den Haufen geworfen, aber der Ausrüstungsteil war goldrichtig. Ich glaube im Notfall hätten wir es 2-3 Tage draußen ausgehalten.
Mein Fazit: Es war großartig, anders zwar aber besser als ich es mir vorgestellt hatte. Werde ich sowas wieder machen? Ihr kennt die Antwort…
Heute am Abend der 7. Etappe bin ich doch irgendwie ein bisschen aufgekratzt von den vielen Erlebnissen der letzten Tage. Ich kann nicht so richtig einschlafen. Deswegen schreibe ich noch ein wenig am späten Abend. Heute morgen tauchte in unserer Unterkunft wirklich jemand auf, der uns ein wunderbares Frühstück zubereitet hat. Es hätte mich bei der ansonsten vollautomatischen Abwicklung in diesem kleinen Hotel nicht gewundert, wenn das ein kleiner Roboter erledigt hätte. Frisch gestärkt packten wir unsere Sachen und machten uns gemeinsam wieder auf den Weg. Das nächste Ziel hieß Inka und wir wussten, dass es unser letzter gemeinsamer Ort werden sollte. Carlo muss erst wieder am Montag in die Schweiz zurückfliegen und bei mir geht der Urlaub schon einen Tag eher zu Ende. So liefen wir im strahlenden Sonnenschein noch ein paar Kilometer gemeinsam. Es ist schon etwas unwirklich im diesem schönen Wetter auf Mallorca zu laufen und im Hintergrund die schneebedeckten Berge zu sehen.
In Inka angekommen suchten wir uns noch ein Café und verabschiedeten uns. Ich sagte Carlo zum Abschied, er möge mich bitte anrufen wenn er wieder mal vor hat eine Wanderung im Tiefschnee zu unternehmen. Carlo, es war eine große Bereicherung dich getroffen zu haben.
Auf dem Tisch des Cafés lag eine Zeitung, sie war voller Berichte vom Unwetter.
Ich lief etwa einen Kilometer bis zur Bushaltestelle und es dauerte höchstens 10 Minuten bis ich im Bus saß und nach Palma unterwegs war. Auf dem Weg dorthin suchte ich mir per Airbnb eine Unterkunft für die Nacht. Das Zimmer war nicht weit vom Flughafen entfernt, so dass ich mir erhoffte am Morgen in aller Ruhe zusammenzupacken und mich dann zu Fuß auf dem Weg dorthin zu machen. In Palma angekommen stieg ich erneut in den Bus, um nicht die ganze Strecke bis zu meinem Gastgeber laufen zu müssen. Nach dem Aussteigen gab es noch 2 km Fußmarsch bis zum Ziel. Endlich angekommen wurde die Geschichte dann doch noch ein bisschen schräg. Ich klingelte, ein Junge öffnete die Tür rief etwas in Spanisch nach hinten, es kam eine Antwort zurück und die Tür fiel wieder ins Schloss. Nachdem 2 Minuten nichts weiter passierte klingelte ich erneut. An der Wechselsprechanlage meldete sich ein Mann in Spanisch, er sagte mir irgendetwas was ich nicht verstand und ich antwortete in Englisch dass ich per Airbnb ein Zimmer gebucht hatte und jetzt gern einziehen würde. Er erzählte erneut irgendetwas in Spanisch und dann war die Wechselsprechanlage erneut stumm. Das war dumm gelaufen fand ich. Als ich immer noch etwas unentschlossen zwei Häuser weiter gelaufen war, kam ein Nachbar aus seinem Haus und fragte, was es für ein Problem gäbe. Ich erklärte ihm dass ich hier eigentlich ein Zimmer gebucht hatte aber dass das ganze nicht funktioniert. Zumindest verstand der Nachbar mein bescheidenes Englisch, konnte mir aber letztendlich auch nicht helfen. Da stand ich nun ziemlich bedient da. Ich ging ein Stück den Weg zurück, suchte mir eine Bank und setzte mich erstmal in Ruhe hin, um mir einen neuen Plan zu machen.
Dann schaute ich nach, wie weit es bis zur Küste ist, denn dort gibt es doch eine ganze Menge Hotels und ich entschloss mich, die 6 km zu laufen. Mit diesem Plan im Gepäck verflog die schlechte Laune relativ schnell. Nach dem Aufbruch kam ich an eine Kneipe und ich ging hineinum etwas zu trinken. Irgendwie muss ich mit meinem Riesenrucksack doch ziemlich mitgenommen ausgesehen haben, denn der Wirt redete auf mich ein, dass ich unbedingt einen Mokka und einen Rum brauchte, um wieder zu neuen Kräften zu kommen. Dass er mir die Sachen, offensichtlich aus Mitleid, dann auch noch spendierte, sprach Bände. Der Wirt wusste ganz offensichtlich was er tat, denn als es weiter ging liefen die Füße fast von allein, na ja ich bildete mir das jedenfalls ein. Es ging über relativ verdreckte Wege durch Gewerbegebiete in Richtung Meer. Nach etwa einer Stunde war ich aus der trostlosen Gegend heraus und dem Meer schon relativ nah. Es wurde Zeit, eine neue Unterkunft zu suchen. Über booking.com fand sich bald eine preiswerte Möglichkeit. Als ich endlich ankam war ich wirklich froh, denn ich hatte schon wieder über den Tag verteilt etwa 14 km in den Beinen. Diesmal verlief das einchecken reibungslos und ohne Probleme. Die Geschichte mit der schief gegangenen Buchung konnte ich dann noch lösen, so dass ich zumindest mein Geld wieder bekomme. Am Abend lief ich dann noch ein bisschen durch die belebten Straßen, um das Treiben im Viertel anzusehen. Vom Ballermann Feeling konnte ich auch diesmal nichts entdecken, entweder liegt es an der Jahreszeit oder an den strengeren Gesetzen die es mittlerweile hier geben soll.
Irgendwie konnte ich mich dann nicht entschließen irgendwo essen zu gehen und deswegen musste wieder mal der Kocher herhalten. Nach den Problemen mit der ersten Buchung war der Abend dann doch sehr versöhnlich.
Das Refugi Son Amer in Lluc liegt auf etwa 500m Höhe. Die Wanderung wie geplant fortzusetzen hätte uns auf eine Höhe von über 1210m geführt. Das wäre durch tief verschneite Wege, gepflastert von zahllosen Bäumen, nicht zu schaffen und völlig verantwortungslos gewesen. Zwei Tage zuvor sahen wir bei unserem Aufstieg am Nachmittag mehrmals einen Hubschrauber der Bergrettung, das darf man nicht riskieren. Deswegen stand schnell fest, dass es nach Süden, raus aus dem Gebirge, gehen sollte.
Vor dem Frühstück kam ein kräftiger Hagelschauer vom Himmel, wir konnten nur hoffen, dass wir wenigstens im trockenen den Abstieg bewerkstelligen konnten. Wir warteten noch bis etwa um zehn, es war etwas heller geworden und wir brachen auf. Mehr und mehr zeigte sich sogar die Sonne. Beim Abstieg über die Straße sahen wir wie stark der Schneesturm gewütet hatte. Zahlreiche Telefonmasten waren beschädigt, die Kabel lagen auf dem Boden. Wir sahen auch einen Reparaturtrupp der mit den Reparaturen begann. Das wird wohl noch Tage oder wahrscheinlich eher Wochen dauern. Es waren kaum unbeschädigte Bäume zu sehen. Der Wald bot ein trauriges Bild.
Stück für Stück kamen wir in tiefere Regionen, der Schnee wurde weniger bis er ganz verschwunden war.
Als wir in Caiman ankamen, war die Straße ins Gebirge gesperrt, es stand Polizei an der Sperre und ließ offensichtlich nur Bewohner der oben liegenden Dörfer und Einsatzkräfte durch. Später lasen wir, dass Teile des Tramuntana Gebirges zum Katastrophengebiet erklärt werden sollten.
Wir liefen weiter nach Selva, dem nächsten Ort, dort sollte es auf einem kleinen bewaldeten Hügel einen Rastplatz geben. Entlang der Straße gab es einige interessante Olivenbäume zu entdecken.
Als wir ankamen und schauten, ob sich das Fleckchen für eine wilde Übernachtung eignen könnte, mussten wir feststellen, dass die Dorfjugend dort ihren Treffpunkt und wohl auch ihren heimlichen Knutschplatz hatte. Da war eine Übernachtung also nicht so gut möglich und wir liefen ein Stück zurück.
Über booking.com fand sich ein ziemlich krasses kleines Hotel. Man buchte sich automatisch ein und kam in eine wunderschöne Lounge von der mehrere Zimmer zu erreichen waren. Ein Kaffeeautomat, Obst und kleine Snacks lagen bereit. Carlo kaufte noch etwas frisches Gemüse und Rotwein und dann kochten wir uns etwas zum Abendessen.
Es war ein wunderbarer Abend, wir hatten das ganze Haus für uns und teilten alte Geschichten. Das „Son Gris – Charmig Rooms“, so der Name des edlen Hauses ist auf jeden Fall eine Empfehlung.
Es wurde mit der Zeit wirklich angenehm warm im Schlafsack. Ich hatte mir noch die warme Sturmhaube und die dicken Handschuhe angezogen. Es war in der Nacht wohl eher ein ruhen als schlafen, aber wenigstens warm. Um zwei Uhr begann ein Hahn mit seinem Morgenritual, auch die Ziege bimmelte immer wieder kurz. Gegen vier schien die Kälte an ihrem Tiefpunkt angekommen zu sein. Ich schätze es waren wenigstens um die Minus fünf Grad. Um sieben Uhr standen wir auf. Bei mir gab es zwei Portionen Porridge und anschließend heißen Tee. Die Schuhe waren nass und leicht gefroren, deswegen mußte eine dünne Notfalldecke herhalten. Ich Schnitt zwei Stücke heraus um sie über die trockenen Socken zu wickeln. Das funktionierte sehr gut und ich behielt auf dem weiteren Weg trockene Füße. Nachdem alles zusammen gepackt und Wasser aufgefüllt war ging es weiter. Der Wasserfilter hat für die Trinkwasserversorgung beste Dienste geleistet.
Wir entschlossen uns zu versuchen die Straße zu erreichen. Durch den Frost der Nacht war die Schneedecke so gefroren, dass wir gut ohne einzusinken voran kamen. Einige Schafe kreuzten unseren Weg und es gab dann noch einen herrlichen Ausblick nach Pollenca.
Dort gab es auch kurz Netz für das Smartphone, so daß ich wenigstens eine Nachricht „alles ok“ nach Hause schicken konnte. Das Bild was ich dazu schickte war wohl eher beunruhigend. Wie ich später sah, hatte ich eine blutige Nase.
Auf der Hauptstraße angekommen versperrte uns ein verschlossenes Tor den Weg, zum Glück kein unüberwindliches Hindernis. Von der Straße aus waren es noch etwa sechs Kilometer bis zum angepeilten Refugi.
Es ging auf und ab, fing nochmal an zu hageln und als ich die Regenklamotten an hatte, war der Spuk wieder vorbei.
Auf dem Weg sahen wir noch ein paar Arbeiter, die die Sraße frei räumten. Gegen Mittag kamen wir überglücklich in unserem Refugi an. Wir belegten den Wäscheständer komplett mit unseren nassen Sachen und blieben die einzigen Gäste. Wir waren die Einzigen die es bis hierher geschafft hatten, eigentlich war die Hütte ausgebucht.
Aufgewärmt kochten wir uns in aller Ruhe ein Mittagessen auf dem Kamin und gönnten uns zwei Flaschen Wein bis zum Abend. Wir erführen, dass der Strom vom Generator kommt, weil Strom und alle Kommunikationsanlagen ausgefallen waren. Also keine Nachricht an die Familie. Es gab um zwanzig Uhr ein kräftiges Abendessen und danach fielen wir ins Bett. Wegen des Stromausfalls waren die Duschen kalt und wir verschoben diesen Punkt auf den nächsten Morgen.
Ein neuer Tag ist angebrochen und was soll ich sagen, es ist ein Sonnentag. Die halbe Strecke nach Lluc ist schon geschafft aber leider hat mein Mitwanderer gerade gemerkt, dass seine Jacke aus dem Rucksack raus gerutscht ist. Er hat das Gepäck abgestellt, ich warte und passe auf.
Er beginnt ein ganzes Stück zurückgelaufen in der Hoffnung, dass er alles wieder findet, es war auch Geld dabei. Ihr wisst ja wie ich bin, ich habe das nicht gesehen dass da irgendwas nicht mehr im Rucksack drin steckt, genauso wie ich nicht sehe wenn zu Hause mal die Bilder alle umgehangen sind. Ich drücke fest die Daumen dass er seine Jacke wieder bekommt. Die Wanderung bis hierher zur ersten Hälfte war wunderschön, die Sonne schien und die Berggipfel waren Schnee bedeckt.
Ich bin gespannt was da noch so als nächstes kommt. Weil hier heute Feiertag ist, sind viele Familien unterwegs um genauso wie wir eine Wanderung zu unternehmen. Es steht zum Teil noch manche Pfütze auf den Wegen und es liegen unglaublich viele umgestützte große und kleine Bäume auf dem Weg, die es zu übeklettern gilt. Wahrscheinlich ist die Jacke an einem dieser Bäume hängen geblieben und wir haben es nicht gemerkt.
Den bisherigen Text hatte ich während der zweistündigen Pause als ich auf Carlo wartete geschrieben. Die jetzt folgenden Zeilen entstanden einen Tag später.
Die Jacke war gefunden und so ging es mit zwei Stunden Verspätung weiter. Nach kurzer Zeit begann ein längerer Anstieg. Es waren so unglaublich viele Bäume umgestürzt, dass es kaum mal 20 m ungehindert voran ging. So etwas habe ich noch nie gesehen.
Wir haben uns etwa zwei Stunden durch diese Wildnis gekämpft und mit der Zeit wurden die erst winzigen Schneeflecken immer größer bis die Schneedecke geschlossen war bei einer Schneehöhe bis etwa 40 cm.
Zum Umkehren war es nach unserer Meinung zu spät. Zwei Mädels die wir dann trafen versuchten es, weil es ihnen unmöglich schien weiter zu kommen. Von diesem Abschnitt habe ich keine Bilder mehr, weil ich mit mir zu tun hatte und alle Reserven aufbieten musste um das zu schaffen. Der Weg war von riesigen umgestürzten Bäumen verbaut und ich glaube es war eines der größeren Abenteuer meines Lebens was es zu bestehen galt, einfach unglaublich. Wir kamen nur noch sehr mühsam voran, waren fertig, die Füße seit Stunden nass und merkten, dass wir das Ziel nicht erreichen konnten. Mit dem Gedanken draußen zu schlafen mussten wir uns jetzt beschäftigen. Wir kamen an einer Hütte vorbei, die sich als Schaf- oder Ziegenstall herausstellte. Es gab sogar einen Kamin, aber leider auch ein totes Schaf direkt davor. Das würde also nichts. Es ging mühsam mit eiskalten Füßen weiter. Auf der Karte war ein Bauernhof eingezeichnet den wir ansteuerten. Außer einem eingesperrten Hund war dort niemand. Es waren ziemlich große Tatzen im Schnee zu sehen, der Hund muß ein größeres Exemplar gewesen sein, aber keine Menschenseele weit und breit. Außerhalb des eingezäunten Grundstücks gab es einen offenen Geräteschuppen, der auch als Ziegenunterstand genutzt wurde, man konnte es an den frischen Ziegennorpeln auf auf dem Schnee erkennen. Den Stall kehrten wir ein wenig aus und machten uns aus abgebrochenen Zweigen ein Unterlage zum Schlafen.
Bild vom Morgen
Darauf kam ein Tarp und die Luftmatratze. Carlo machte sich noch etwas warmes zu Essen. Ich hingehen legte mich erstmal trocken. Die Daumenklamotten haben mir echt den Allerwertesten gerettet. Ohne Essen habe ich mich in meine beiden Schlafsäcke gekuschelt und gehofft, warm zu werden. Als es vollends dunkel war kam tatsächlich noch eine Ziege. Sie zögerte ein paar Minuten, lief an uns vorbei um wieder raus zu gehen. Sie tat mir ein bisschen leid, aber da musste sie durch. Ich glaube sie hat sich einen abgebrochenen Ast gesucht und sich dort in das Laub eingekuschelt. Ich hörte nachts immer wieder Ihre Glocke, was mein schlechtes Gewissen ein bisschen beruhigte.
Es scheint als wolle der Regen nicht mehr aufhören. Ich muss mich entscheiden, ob ich laufe oder versuche nach Lluc mit dem Bus zu fahren. Es wird voraussichtlich der Bus, eventuell auch nur für ein Teilstück, die ganzen 16,5km sind mir wohl doch zu hart um sie bei Regen zu laufen. Ich habe gerade das Wetter gecheckt, 7Bft in Böen 9Bft ist definitiv kein Wetter zum Wandern, ich heiße ja nicht Reinhold Messner. Zu wissen, dass es wenigstens ab morgen besser werden soll, ist Trost und Antrieb. Nach dem Frühstück erzählte der Leiter der Herberge, dass es im Moment keinen Weg nach Lluc gibt, weder von Osten wo ich bin, noch aus Süden wo es auch noch eine andere Straße mit Busverbindung gibt. Das war’s dann mit dem Antrieb. Ich hatte ja gestern schon von einem Schweizer berichtet der auch in meine Richtung gehen wollte, die anderen waren am Ende ihrer Tour angelangt und wollten nach Palma, um nach Hause zu fliegen. Carlo, so der Name meiner Schweizer Bekanntschaft, und ich warteten noch, ob eventuell der Weg nach Lluc freigegeben wird. Das klappte dann leider auch bis nach dem Mittag nicht. Ich zitiere aus der Mallorca Zeitung: „Auch die Sturzbäche im Inselosten konnten den Regenfällen nicht immer standhalten. Laut dem Regionalsender IB3 waren am Dienstagmorgen unter anderem der Torrent Sa Vall (Manacor), sowie der nahe dem Industriegebiet von Artà über die Ufer getreten. In Artà wurden laut spanischem Wetterdienst Aemet von Montagmorgen bis Dienstagmorgen 162 Liter Niederschläge pro Quadratmeter in 24 Stunden gemessen, in Son Servera 138 und in Portocolom 125.“
Schnee auf den Bergen
Da konnten wir nun gar nichts machen und es blieb uns nichts weiter übrig, als für’s Erste in der Hütte zu bleiben. Ich recherchierte ob wir vielleicht einen Küstenwanderweg nehmen sollten, dazu schrieb die Mallorca Zeitung folgendes: „Besonders in den Küstenorten gibt auch die aufgewühlte See Grund zur Sorge. Zwar sind in Cala Millor, Cala Ratjada und Portocristo bisher keine Schneeflocken gefallen, dafür machen die meterhohen Wellen den Anwohnern in erster Meereslinie zu schaffen. Von Spaziergängen in Küstennähe wird weiter dringend abgeraten.“ Na prima, das klappt alles wunderbar. Der Kollege buchte sich ein Hotelzimmer und ich schloss mich später an. Wegen des Wetters habe ich nun endgültig die gebuchte Hütte verpasst und bin dafür im Luxus gestrandet. Dazu muss ich euch erklären, dass ich nicht nur einmal „Glück“ hatte, sondern auch gleich noch ein zweites Mal. In Mallorca ist morgen ein Feiertag und die Kinder haben die ganze Woche schulfrei. Deswegen sind fast alle Mallorquiner auf den Beinen und versuchen irgendwo einen billigen Kurzurlaub zu machen. Alles was halbwegs preiswert war ist also ausgebucht. Auch in den Hütten ist in der Regel in dieser Woche kein Platz wenn man nicht zeitig gebucht hat, weil diese einfachen Übernachtungen gerne von den Familien genutzt werden.
Die Bäume hängen voll, das passt so gar nicht zum Wetter
Als ich in meinem Hotel gelandet war habe ich erst einmal in Ruhe ausgepackt und nahm mir vor, danach noch eine kleine Wanderung zu unternehmen. Es gibt einen kleinen Berg auf den ich hätte hochlaufen können. Das habe ich auch versucht, aber der starke Sturm hielt mich davon ab in den Wald hinein zu gehen, das wäre einfach viel zu leichtsinnig gewesen.
Kurz vor dem beginnenden Wald jede Menge Holz auf dem Weg
Kaum hatte ich kehrt gemacht, fing es auch schon wieder an zu regnen und ich war in doppelter Hinsicht froh, dass ich mich so entschieden hatte. Jetzt sitze ich ganz gemütlich in meinem Hotelzimmer und habe ausreichend Zeit diesen Block zu schreiben.
Die ließen sich nicht vom Wetter stören
Hier auch noch ein paar weitere Bemerkungen zu der Übernachtung in der Hütte. Das Abendessen in den spanischen Refugis gibt es immer 20 Uhr, da ist es gut noch eine Brotzeit für Zwischendurch im Gepäck zu haben. Als kleine Vorspeise gibt es Brot mit Olivenöl und Salz. Dazu muss man wissen, dass das Brot in Mallorca ungesalzen ist. Wenn man richtig hungrig ist, ist das eine total leckere Geschichte. Als Zweites gibt es dann einen großen Salat den man sich selber mit Öl, Essig, Pfeffer und Salz würzen kann. Der dritte Gang habe ich mir sagen lassen variiert jeden Tag ein wenig. In unserem Fall waren es Kartoffeln, Rindfleisch und Gemüse in einer Art grob geschnittem Eintopf.
„Legger“ wie der Sachse sagt
Das war es dann auch tatsächlich noch nicht, es gibt einen kleinen vierten Gang und das waren eine Apfelsine und ein Apfel. Das Frühstück fällt dann wirklich etwas schmaler aus, aber das schreibe ich euch in einem der nächsten Berichte falls ich es schaffe noch einmal Anschluss an den ursprünglichen Zeitplan zu bekommen.
Ich treffe mich morgen mit meinem Schweizer Wanderfreund, um es ohne Regen und Sturm erneut zu versuchen.
Heute Morgen fing es an zu regnen. Bis jetzt, es ist Nachmittag, hat es auch noch nicht wieder aufgehört. So stelle ich mir einen tropischem Dauerregen vor. Weil die heutige Etappe mit fünfeinhalb Kilometern relativ kurz war habe ich gedacht, das mit dem Regen probierst du gleich mal aus. Es gab zusätzlich auch noch ordentlich Wind und so dauerte es nur wenige Minuten und ich war durch bis auf die Haut.
Heute früh bin ich um 7 Uhr aufgestanden, um zeitig zum Bus zu kommen. Der Wetterbericht sagte am Nachmittag zunehmenden Wind voraus, da wollte ich bereits angekommen sein. Busfahren ist hier auf Mallorca recht einfach. Im städtischen Nahverkehr kann man einfach beim Busfahrer in bar bezahlen. Fernbus fahren geht nur mit einer Geldkarte, die hält man jeweils beim Ein- und beim Aussteigen an das Lesegerät, bin gespannt was der Spaß kostet. Der Busbahnhof für die Fernbusse ist wie eine U-Bahnstation unterirdisch angelegt, das sieht recht futuristisch aus.
Als ich mein Ziel erreicht hatte und notgedrungen aus dem Bus aussteigen musste, ging es endlich auch richtig mit dem Regen los. Eineinhalb Stunden heftiger Regen und das Tagesziel war erreicht. Ich war der erste der im Refugi Pont Romà angekommen ist.
Sachen trocknen am KaminWer zuerst kommt kann sich das Bett natürlich aussuchen
Wenn ihr Leute treffen und kennenlernen wollt, kann ich euch diese Art der Übernachtung nur empfehlen. Man kommt einfach schnell mit Jung und Alt ins Gespräch. Wir sitzen hier gerade in folgender Kostellation zusammen: Ein Sachse, ein Schweizer, ein Würtemberger, ein Engländer, eine Kielerin und ein Hamburger. Jetzt kam gerade noch eine Französin. Das ist schon cool. Die Leute hier meinen übrigens dass der Bach hinterm Haus schon seit Jahren nicht soviel Wasser hatte.
Der Anfang ist getan. Nachdem wir heute morgen bei Schnee von zu Hause gestartet sind, war es umso überraschender, dass ich hier bei Sonnenschein und relativ milden Temperaturen angekommen bin. Ein Flug hierher nach Mallorca ist tatsächlich sehr angenehm kurz.
Das Gebirge im Hintergrund will bewandert werden.
Auf dem Flughafen in Palma selbst läuft man dann gefühlt eine kleine Ewigkeit durch unterschiedliche Gänge bis man zur Gepäckabholung kommt. Als ich draußen die erste frische mallorquinische Luft genießen konnte, traf ich einen weiteren Rucksackträger. Er wollte zu Fuß ans Meer weil er dort ein Hotel gebucht hatte. So schlossen wir uns kurzerhand zusammen und versuchten die Strecke gemeinsam zu bewältigen. Er übernahm das Navigieren, was nur mäßig gut funktionierte. Nach einer Weile nahm ich deswegen mein eigenes Telefon zu Hilfe und an einer Stelle meinte ich dann, dass meiner Meinung nach der Weg noch ein Stück geradeaus geht und dann erst links abgebogen wird. Wir machten uns aus, dass jeder seinen eigenen Weg nimmt und wir uns dann ein Stück weiter vorne an der Fußgängerbrücke wieder treffen. Seitdem fehlt von ihm jede Spur und ich sah ihn nie wieder.
Nach der Fußgängerbrücke, die über eine Autobahn führte, waren es noch wenige hundert Meter bis zur Strandpromenade. Am Strand angekommen gab es erstmal Frühstück.
Auf der rechten Seite sah ich tatsächlich drei Verrückte die im Meer badeten. Ich konnte auch einigen Surfern bei ihren ersten Übungen zusehen. Jetzt war ich also angekommen. Ursprünglich wollte ich mit dem Bus vom Flughafen ins Hotel fahren aber da ich es einmal schon so weit geschafft hatte, war es kein Problem den restlichen Weg knapp 5 km zu laufen. Hier konnte man sich tatsächlich nicht mehr verlaufen denn es ging die ganze Zeit nur an der Strandpromenade entlang. Auch jetzt im Februar sind schon etliche Urlauber hier. Man hört und liest sehr viel Deutsch. Das Hotel liegt etwa 200 m vom Strand entfernt in der zweiten Reihe in einem etwas älteren Viertel.
Wie zu Hause
Als ich Mittag hier ankam konnte ich tatsächlich schon einchecken und es bot sich natürlich an den fehlenden Morgenschlaf durch einen Mittagsschlaf zu ergänzen. Meinen ursprünglichen Plan noch mal nach Palma zu fahren gab ich auf und lief am Nachmittag einfach die Strandpromenade weiter an einem großen Sportboothafen vorbei bis es nicht mehr am Wasser entlang weiter ging.
Hier geht es erst Mal nicht weiter
Ich hatte sicherheitshalber Sonnencreme genommen. Auf dem Weg hielt ich natürlich auch in einem kleinen Restaurant an um etwas zu essen. Ich glaube es ist hier etwas preiswerter als bei uns daheim. Mittlerweile ist es dunkel geworden und ich werde noch einen Ausflug zum Strand machen. Ich habe auch übrigens extra bei Google nachgeschaut und konnte feststellen, dass ich heute schon beim Ballermann vorbeigekommen bin. Es war für mich nichts von einer Partymeile zu erkennen.
So, ich sitze auf dem Flughafen und das Abenteuer beginnt tatsächlich. Manchmal glaube ich, dass ich eine totale Meise habe und jetzt ist gerade wieder so ein Augenblick. Danke, dass ich fahren durfte. Ich werde mir Mühe geben heil zu bleiben. Eine wird jetzt denken wie hätte ich ihn davon abhalten können, auch wieder wahr. Andererseits, es ist nur eine Woche Malle. Wilfried Erdmann ist mit über 60 allein und Nonstop gegen die vorherrschenden Winde um die Welt gesegelt, da ist noch jede Menge Luft nach oben. Jedenfalls bin ich, ob des kleinen Abenteuers wegen, doch ganz schön aufgeregt und gespannt, was da alles auf mich wartet, hoffentlich kein Schnee.
Auf die Idee einen Blog zu schreiben, hat mich übrigens meine zweite Tochter gebracht, ich weiss nicht ob sie sich dessen bewusst ist. Das dritte Töchterchen hat’s gewusst (ich war froh Facebook unvorsichtig, da hat sie’s mitbekommen) und geschwiegen, danke dafür. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich Eure Namen liebe Familie hier nicht erwähnen werde, weil der Block öffentlich zugänglich und lesbar ist.
Der eine Menüpunkt heißt auch ganz bewusst Gedanken aus der Badewanne, weil ich die Zeit genutzt habe, um den Block Stück für Stück zusammen zu basteln. Das soll es fürs Erste gewesen sein. Ich melde mich dann wahrscheinlich wenn ich angekommen bin noch einmal bei Euch. Ich hoffe, Ihr habt ein klein wenig Spaß meinen Wegen und Gedanken zu folgen.
Falls es jemand nicht wissen sollte, der Blog beginnt ganz am Ende.